Caveat emptor

Ich habe heute ein Buch gekauft und gerade eben erst gemerkt, dass es gar nicht die englische Ausgabe war, sondern die übersetzte deutsche. Dabei habe ich es im Laden sogar noch durchgeblättert.
Aber ich behalte das jetzt und lese es trotzdem, dann eben auf Deutsch. Verdammter Stolz.

12 Responses to Caveat emptor

  1. pyrrhussieg sagt:

    Warum Englisch?

  2. […] kreativen Umgang mit Quellen Zu meinem letzten Eintrag hier wurde mir die Frage gestellt: “Warum Englisch?” Ich möchte das kurz mit einem […]

  3. juliaL49 sagt:

    Haha, das hätte mir auch passieren können. Manchmal weiß ich nach einigen Jahren nicht mal mehr in welcher Sprache ich ein Buch gelesen habe.

    pyrrhussieg: Warum Englisch? Weil bei der Übersetzung so verdammt viel verloren geht und besonders der selbstverständliche Humor im Deutschen so überhaupt nicht funktioniert. Gilt nicht nur für Bücher, sondern auch für Filme und Serien. In den letzten Jahren habe ich 99% Englisch gekauft und das ist auch gut so. (im doppelten Sinne)

  4. pyrrhussieg sagt:

    Vielleicht eine gewagte These, aber: Übersetzer sind Profis und schaffen es sicher besser, Deutschen englische Bücher näher zu bringen – als wenn die Deutschen mit ihrem Laienenglisch die Bücher selbst im Originalwortlaut „verstehen“. Oder? 🙂

  5. juliaL49 sagt:

    Eine noch gewagtere These: ein Leser, der gut genug Englisch kann um erst mal anzufangen, wird im Laufe der Jahre und Bücher immer besser Englisch lernen und zwar gut genug, um das Original so gut zu verstehen, dass man Fehler der angeblichen Profis finden würde.
    Ok, bei Büchern ist es nicht so gravierend, denn das Übersetzen ist ein echter Beruf und für den Leser bedeutet es mehr (Lern)Aufwand, aber wer die entsprechende fremde Sprache beherrscht, sollte immer im Original lesen.
    Bei Filmen und ganz besonders bei Serien sieht es dagegen so aus, dass die Synchronisation stümperhaft und grässlich ist, dass selbst jemand, der nur Schulenglisch kann mit dem Original besser dran ist.

  6. Muriel sagt:

    @pyrrhusieg: Hm. Klingt auf Anhieb schlüssig, setzt aber entsprechend laienhafte Englischkenntnisse voraus. Denn wer die Sprache gut beherrscht, dem erschließen sich bei der Lektüre des Originaltextes Dinge, die auch der beste Übersetzer nicht transportieren kann. Sprachwitz, Mehrdeutigkeiten, Konnotationen mit bestimmten Wörtern und Ausdrücken, sind nun einmal in der Regel nicht übersetzbar.
    So böse Patzer wie unter meinem Antwort-Artikel oben sind natürlich die Ausnahme, aber sie sind auch nicht so selten, wie man denken sollte, wenn man von der Profi-Prämisse ausgeht. Und wenn mir schon Fehler auffallen, wenn ich den Originaltext nicht mal kenne, will ich gar nicht wissen, was mir manchmal an unverschämten Freiheiten entgeht, die der Profi sich genommen hat.

  7. pyrrhussieg sagt:

    Generell kann man davon ausgehen, dass professionelle Übersetzer als ‚Native Speaker‘ beider Sprachen durchgehen. Meist können sie daher auch die abwegigsten Beziehungen zwischen der einen und der anderen Sprache herstellen. Klar bedarf das auch viel Interpretation. Aber ich vermute mal, dass jemand, der viele englische Bücher liest, nicht an diese Fähigkeiten heranragt. Daher das etwas abkanzelnde Wort ‚Laie‘.

    Auf mich selbst übertragen: Ich schaffe es auch, englische Bücher zu verstehen und zwischen den Zeilen zu lesen. Im Zweifelsfall würde ich aber immer eine gute Übersetzung* zur Hand nehmen, weil ich einfach zugebe, dass ich nunmal nicht so gut bin, wie die professionellen Übersetzer. Irgendwie wäre das auch überheblich, als ‚Laie‘ sowas zu behaupten.

    Dieses ‚Laien‘-Phänomen gibt es mittlerweile übrigens überall: Professionelle Designer werden von Kunden kritisiert, die keine Ahnung haben, Fotografen müssen sich anhören, dass „meine Tochter auch fotografieren kann“, etc. 🙂

    ___
    * wobei sicher alle Übersetzungen von Mainstreambüchern als ‚gut‘ zu bezeichnen sind

  8. Muriel sagt:

    Ich verstehe, was du meinst, aber der Vergleich hat einen Haken. Ich behaupte gar nicht, dass ich ein besonders guter Übersetzer wäre. Ich behaupte, dass eine Übersetzung zwangsläufig etwas anderes ist als das Original. Vielleicht so, wie ich einen Maler nicht kritisiere, wenn ich mir eine Landschaft lieber selbst ansehe als auf seinem Bild.
    Das Problem liegt nicht darin, dass der Übersetzer nicht so gut versteht wie ich. Das Problem liegt darin, dass ein Schriftsteller seine Werke mit seiner Sprache schafft; der Übersetzer muss aber zwangsläufig seine eigene benutzen, die eine andere ist, als die des Schriftstellers. Und damit meine ich nicht nur Deutsch oder Englisch. Eine Übersetzung ist immer eine Interpretation, niemals das Original. Ein Literaturprofessor könnte mir auch prima erklären, worum es im Faust geht, und er versteht das wahrscheinlich auch besser als ich, ich möchte das Buch aber trotzdem selbst lesen.
    Zum Schluss kann ich es mir nicht verkneifen, noch ein bisschen unfair zu werden und von Titeln zu sprechen. Ich wähle mal ein willkürliches Beispiel aus, Joe Abercrombies Trilogie „The Blade Itself“, „Before They Are Hanged“ und „Last Argument of Kings“. Alle drei sind meiner Meinung nach sehr schöne Titel, sie haben einen Bezug zum Text und jeder enthält eine literarische oder historische Anspielung.
    Die deutschen Titel lauten „Kriegsklingen“, „Feuerklingen“ und „Königsklingen“. Wenn du mich fragst, sind das saudumme Titel, sie haben keinen Bezug zum Text und sie spielen auf gar nichts an. Mir ist klar, dass sich dabei auch gar nicht um getreue Übersetzungen handeln soll, aber ich finde, dass das Beispiel eben deshalb gut verdeutlicht, warum es mir wichtig ist, das Original zu lesen.

  9. pyrrhussieg sagt:

    Titel sind auch noch ein Sonderfall: Da geht es um Marketing, nicht um Übersetzung. Das kann man auch gut an den deutschen Titeln für Filme studieren. Ferner würde ich auch hier wie in dem anderen Thread sagen, dass bei nichtmassenkompatibler Literatur sauberer vorgegangen wird (in der Relation: „je kritischer die Zielgruppe, desto sorgfältiger“).

  10. Muriel sagt:

    Und wieder könnte ich als Gegenbeispiel sagen: „Schuld und Sühne“. Aber das ist natürlich nur ein einzelnes Beispiel und bringt uns nicht viel weiter.
    Ich fühle mich auch noch mal verpflichtet, drauf hinzuweisen, dass du einem ganz schweren Trugschluss erliegst, wenn du diese Bücher und ihre Leser für anspruchslos hältst, weil sie dem Fantasy-Genre angehören. Die sind meiner Meinung nach ganz große Kunst, auch wenn das hier nichts zur Sache tut.
    Letzten Endes sind die Titel aus meiner Sicht ein Beispiel dafür, dass ein Übersetzer seine Arbeit perfekt beherrschen und trotzdem schauderhafter Mist rauskommen kann. Ob das dann an ihm oder der Marketingabteilung oder dem Krieg im Irak liegt, ist mir als Leser ziemlich egal. Und – ich werf dann gleich zwei Euro in die Klischeekasse – ich muss kein Meisterkoch sein, um zu erkennen, dass eine Suppe versalzen ist.

  11. pyrrhussieg sagt:

    Nicht kritisch muss nicht anspruchslos bedeuten. Es gibt aber Bereiche, in denen die Zielgruppe so kritisch ist, dass man es nie wagen würde, solche Titel (wie oben genannt) zu bringen. Wenn man sie aber bringt, beweist es gewissermaßen, dass man es sich bei der Zielgruppe herausnehmen kann.

  12. Muriel sagt:

    Oder das zumindest glaubt.

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