Vom kreativen Umgang mit Quellen

Zu meinem letzten Eintrag hier wurde mir die Frage gestellt: „Warum Englisch?“ Ich möchte das kurz mit einem kleinen Beispiel beantworten, das meiner Meinung nach einen eigenen Artikel wert ist.

Vor einiger Zeit las ich eine ins Deutsche übersetzte Kurzgeschichte von Stephen King, deren Titel mir gerade für mein Leben nicht einfallen will. Es ging, glaube ich, irgendwie um eine Insel, auf der der Teufel sitzt und die ganz gefährlich ist. Die Geschichte ist aber eigentlich auch ganz egal, es geht mir um einen einzigen bestimmten Satz darin: „Es gab Gerüchte über einen warmen Frühling auf der Insel.“

Die Geschichte spielt nicht im Frühling, der Satz ist auch sonst aus dem Kontext heraus völlig unverständlich und sinnlos. Allerdings spielt ein kleiner Bach auf der Insel eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Ich habe trotzdem erst Tage nach der Lektüre völlig unerwartet plötzlich den Sinn des Satzes begriffen, als ich gerade über etwas völlig anderes nachdachte. Natürlich lautete er auf Englisch: „There were rumours of a warm spring on the isle.“

6 Responses to Vom kreativen Umgang mit Quellen

  1. pyrrhussieg sagt:

    Hypothese: Je anspruchsvoller die Bücher, desto unwahrscheinlicher ist eine flapsige Übersetzung.

  2. Muriel sagt:

    Antithese: „Schuld und Sühne“. (Ich weiß, wieder ein Titel, wieder unseriös argumentiert. Aber wenn andererseits nicht mal bei einem Goldesel wie Stephen King ein vernünftiger Übersetzer engagiert wird, wo denn dann?)

  3. pyrrhussieg sagt:

    Dachte an Bücher wie „Glas: Totenglocke“, die von übergroßen Gehirnen übersetzt werden. 🙂

  4. Muriel sagt:

    OK, das sagt mir jetzt gar nichts. Womit ich dann jetzt endgültig mein Totschlagargument zur Hand habe: Ich lese eben lieber anspruchslosen Mist und bin deshalb auf die englischen Originale angewiesen.

  5. pyrrhussieg sagt:

    Nicht, dass ich „Glas“ gelesen hätte*. Aber ich habe Texte gelesen, die über die Übersetzung von „Glas“ geschrieben wurden.
    ___
    * alles zu seiner Zeit

  6. […] dann Halb- oder Unwahrheiten über Google drin stehen, ob sie einfach ihre Arbeit nicht machen oder komische Übersetzungen anfertigen lassen, man findet immer was. Mein heutiges Thema sind Buch-Cover, weil ich finde, dass […]

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