Werte&Normen-Aufgabe

26. Juli 2009

Hefte raus, wir schreiben einen unangekündigten Test. Ganz schnell, nur eine Aufgabe mit zwei Teilen:

a) Versetzen Sie sich in die folgende Situation: Sie sitzen einem mittelguten Bekannten (kein Freund, aber auch kein Fremder) gegenüber, und dann fängt er plötzlich an, Ihnen zu erzählen, dass Queensberry richtig gute Musik machen und dass Sie sich das auch unbedingt mal anhören sollten. Er versucht auch, Ihnen CDs von Queensberry aufzudrängen. Antworten Sie ihm so taktvoll wie möglich, ohne dabei Ihre wichtigsten Prinzipien und innersten Überzeugungen zu verraten.

b) Wie a), aber versuchen Sie es noch einmal ohne unflätige Beleidigungen. Ignorieren Sie dazu die Bedingung im letzten Halbsatz von Aufgabenteil a).


Ich hoffe, dass ich nie ein Interview geben muss

25. Juli 2009

denn wenn mich jemand fragt:

„Ist ein Live-Album die logische Konsequenz, wenn man so viele Konzerte gegeben hat?“
(Delta Radio, heute gegen 1535)

dann geriete ich in Versuchung, so etwas zu antworten wie:

„Wollen Sie nicht noch mal überlegen, ob Ihnen eine noch dümmere Frage einfällt?“

PS: Weiß jemand mit Sicherheit, ob der junge Künstler wirklich „Klüso“ ausgesprochen werden will?


Nimmermehr (6)

25. Juli 2009

Ich habe mich wieder ein bisschen verspätet, aber jetzt ist das neue Kapitel von Nimmermehr so weit, dass ich es euch zeigen kann. Wie die ganze Geschichte ist es aber sicher noch nicht fertig, und jeder Hinweis von euch hilft mir weiter. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

Kurz zusammengefasst haben wir im ersten Teil eine junge Dame kennen gelernt, die an einem norwegischen Fjord wohnt und offenkundig unter ernst zu nehmenden psychischen Beschwerden leidet. Diese junge Dame bekam in der ersten Szene einen Anruf von Clarence und musste sich auf den Weg machen, um etwas für ihn zu erledigen. Sie bekommt später auch einen Namen, aber noch kennen wir den nicht.
Der zweite Teil stellte uns Sonja vor, eine junge Journalistin, die zurzeit nicht ganz freiwillig ihren Bruder bei sich beherbergt und einen geheimnisvollen Anruf bekommen hat, in dem ihr eine große Verschwörungsgeschichte angekündigt wurde.
Im dritten Teil waren wir dabei, als eine junge Frau, die der Fjordbewohnerin des ersten Teils kein bisschen ähnelte, in Oslo ein Flugzeug nach Deutschland bestieg, auf dem Weg nach Hamburg. 
Im vierten Teil kam Sonja ihrer Verschwörung näher, und zum Schluss stellte sie fest, dass die geheimnisvolle Anruferin den Mord an einem ehemaligen Hamburger Bürgermeister und seiner Familie vorhergesagt hatte.
Im fünften Teil sahen wir einer kinderlieben jungen Frau in einem Hamburger Hotelzimmer dabei zu, wie sie erschöpft auf ihrem Bett lag und sich an ihr hartes Tagwerk erinnerte, das ziemlich direkt mit dem vorhin erwähnten Mord zusammenhängt.

Ausführlicher könnt ihr hier nachlesen, was bisher geschah. Außerdem findet ihr alles, was hierzu bisher erschienen ist, auf der Geschichten-Seite oben in der Auswahl.

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Eine neue Seite

24. Juli 2009

Genau, da oben, rechts neben „Darum gehts.“, ist eine neue Seite aufgetaucht. Auf der sammle ich von jetzt an die Geschichten, die ich euch hier im Blog anbiete, für all die, die sie zwar gerne lesen würden, denen es aber zu mühsam ist, sich die einzelnen Beiträge rauszusuchen. Bisher stehen dort „Mein Sonderbarer Onkel Simon“ und die ersten fünf Kapitel von „Nimmermehr.“ Schaut doch mal rein!

Dank für die Anregung geht an Ruediger von thatblog.de.


Protestwähler

24. Juli 2009

Ich bin nicht der Meinung, dass Wählen eine Bürgerpflicht ist. Ich finde nicht mal unbedingt, dass niedrige Wahlbeteiligung was Schlechtes ist. In den USA ist die Wahlbeteiligung notorisch niedrig, und die haben zwar auch ihre Probleme, aber die Demokratie funktioniert dort meines Erachtens nicht schlechter als hier oder, sagen wir, in Australien, wo es eine echte Wahlpflicht gibt. Ich halte auch nichts von diesem immer wieder unreflektiert hingerotzten Argument, dass jede nicht abgegebene Stimme eine Stimme für die NPD wäre. Wenn man meint, dass alle Nichtwähler doof sind, dann soll man das bitte auch so sagen und sich nicht irgendwelche steilen Thesen ausdenken, für die es meines Wissens aber auch gar keinen Beleg gibt. Korrigiert mich bitte, falls ich mich irre.

Dessenungeachtet (ein Wort, das ich viel zu selten benutze) wird mir aber schon ein bisschen schwummerig, wenn ich so lese und höre, wie manche Nichtwähler ihre Enthaltung begründen. Man kann das zum Beispiel bei Basic Thinking oder auch direkt bei YouTube gerade ganz gut nachlesen, wenn man selbst keine Nichtwähler kennt.

Kleiner Exkurs: Wenn man einen Artikel über ein evident ironisch gemeintes Video schreibt, in dem man mehrfach darauf hinweist, dass es ironisch gemeint ist und die Leute eigentlich zum Wählen auffordern will, wenn das erste Dutzend Kommentare sich auch noch mit der missglückten Ironie des Spots auseinandersetzt, und wenn man dann trotzdem solche Kommentare bekommt:

„Leute: Geht wählen, die (meisten) im Video gezeigten Promis sind dümmer als die Polizei erlaubt!“

Gerät man dann nicht in Versuchung, das Bloggen einfach sein zu lassen? Aber kehren wir zum eigentlichen Thema zurück.

Wie kindisch muss ich denken, um zu glauben, dass ich es „denen da oben“ (Bäh!) mal so richtig zeige, wenn ich keine oder keine gültige Stimme abgebe? Wie wertlos muss ich mich fühlen, um zu glauben, dass meine beste Möglichkeit, etwas zu verändern, in der Enthaltung besteht? Wie lächerlich ist denn dieser Gedanke, dass unsere Regierung vor Angst zittert, dass sie ihre Mehrheit das nächste Mal bei einer Wahl gewinnt, an der eben statt 77% meinetwegen nur noch 67% teilgenommen haben?

Das gleiche gilt natürlich für all die lustigen Protestwähler, die ungültige Wahlzettel abgeben oder für eine Splitterpartei stimmen, die sie eigentlich gar nicht wollen, und sich deshalb einbilden, sie wären Vorkämpfer der Revolution.

Wenn jemand sagt, er sei einfach zu faul, er habe einfach keine Lust, das ganze Theater interessiere ihn nicht, die anderen würden das schon regeln, dann ist das sicher auch kritikwürdig, aber es ist meiner Meinung nach wenigstens ehrlich gegen andere und sich selbst, und nicht so steindumm wie dieses Gefasel von Denkzetteln und „es denen da oben mal so richtig zeigen“.

Überhaupt, Politikverdrossenheit. Politiker lügen, Politiker beschönigen, sie halten sich nicht an ihre Versprechen und sie geben ihre Fehler nicht zu. Ja, meine Güte, könnte das daran liegen, dass sie Menschen sind? Wer von Politikern erwartet, dass sie besser sind als die Leute, die sie repräsentieren, der darf sich nicht wundern, permanent enttäuscht zu werden. Und wer die BILD-Zeitung liest, der ist mit schuldig, dass deren Niveau unseren öffentlichen Diskurs beeinflusst. Wir haben genug Parteien, dass für nahezu jeden was dabei sein sollte, und wir haben für alle andere die Möglichkeit, neue Parteien zu gründen. Wenn Gabriele Pauli das kann, dann schaffen das auch andere.


Just Three Words

24. Juli 2009

Nein, hier geht es nicht um die aktuell wie Pilze aus dem Boden schießenden Wahlplakate, mit denen hat sich Coffee And TV vorerst ausreichend befasst. Hier geht es um schlechte Kommunikationspolitik und einen schweren Verlust.

Facebook fand ich nie so wahnsinnig interessant. Dann aber entdeckte ich vor vielleicht knapp einem Jahr eine kleine Anwendung, die mich begeisterte und mit der ich sehr viel Spaß hatte. Sie hieß „Just Three Words“ und funktionierte denkbar einfach: Man schrieb drei Worte, zum Beispiel „Das riesige Raumschiff“, und stellte diese drei Worte der Anwendung zur Verfügung. Andere Mitspieler konnten dann ihrerseits drei Worte hinzufügen, und immer so weiter. Oft verlief die Sache natürlich im Sand, und manchmal kam nur mehr oder weniger amüsanter Quatsch raus, aber gelegentlich entstanden auch echte kleine Juwelen.

Ergänzung, 06:47: Ich erinnere mich zum Beispiel vage an eine ganz zauberhafte kleine Kindergeschichte von einer Made (Edward, glaube ich), die in einem Komposthaufen lebte, nachdenklich an einem verschimmelten Salatblatt kaute, sich fröhlich durch faule Äpfel fraß und auf einem Thron aus verdorbenem Brot sitzend darüber sinnierte, dass sie sich zum König über diesen ganzen Abfall ernennen könnte und wie schön das doch wäre.

Ich hatte selbst ein paar Drei-Wörter-Geschichten am Laufen, die ich gemeinsam mit meinen Facebook-Freunden kontinuierlich fortschrieb.

Bis eines Tages dieser Hinweis erschien, es gebe da ein Problem mit der Anwendung, und man möge es doch bitte später noch mal versuchen. Dieser Hinweis blieb nach meiner Erinnerung rund ein Vierteljahr in Kraft, bevor er dann gemeinsam mit jedem Hinweis auf die Anwendung ganz verschwand. Heute gibt es „Just Three Words“ nicht mehr, und soweit ich weiß, sind alle damit geschriebenen Geschichten mit ihm untergegangen. Erstens macht mich das für sich genommen schon sehr traurig, zweitens ist es mir schleierhaft, wie ausgerechnet ein soziales Netzwerk seine Kundenkommunikation so handhaben kann.

Kennt vielleicht einer von euch die Anwendung? Oder etwas Ähnliches? Weiß jemand mehr als ich? Oder habt ihr vielleicht Lust, „Just Three Words“ irgendwo, irgendwie neu aufleben zu lassen?

Ich würde mich freuen.


Armer Mann und reicher Mann

23. Juli 2009

Drüben beim Spiegelfechter sollen gerade die Reichen verspeist werden, und in den Kommentaren zitierte jemand dieses olle Brecht-Gedicht:

„Armer Mann und reicher Mann,
standen da und sah’n sich an.
Da sagt der Arme bleich:
wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Das Gedicht illustriert ganz gut einen weit verbreiteten Grundirrtum, den ich der Abwechslung halber mal nicht mit Argumenten, sondern mit zwei Variationen aufzeigen will:

„Kurzer Mann und langer Mann
Standen da und sah’n sich an.
Da sagte der kurze bang:
Wär’ ich nicht kurz, wärst du nicht lang.“

Oder:

„Froher Mann und trüber Mann
Standen da und sah’n sich an.
Da sagte der trübe so:
Wär’ ich nicht trüb, wärst du nicht froh.“

Alles der gleiche Denkfehler, finde ich.