Gute Bücher schlecht verkauft

Über Verlage kann man sich ja gut mal aufregen. Ob sie nun merkwürdige Erklärungen veröffentlichen, in denen dann Halb- oder Unwahrheiten über Google drin stehen, ob sie einfach ihre Arbeit nicht machen oder komische Übersetzungen anfertigen lassen, man findet immer was. Mein heutiges Thema sind Buch-Cover, weil ich finde, dass das in der allgemeinen Verärgerung über Verlage zu kurz kommt.

Seht euch zum Einstieg vielleicht mal ein Extrem-Beispiel an, nämlich das Cover von A Small Percentage von Jim Cline:

A small percentage(Bild: amazon.de)

Was zur Hölle ist denn da passiert?

„Du, wir brauchen da noch ein Cover für dieses neue Buch, aber es darf nichts kosten.“
„Kein Problem, mein dreijähriger Sohn hat gerade ein paar Wachsmaler geschenkt bekommen.“

Oder so:
„Wir veröffentlichen da demnächst ein Buch von diesem Jim Cline, der in der Schule immer hinter mir saß und mich mit Papierkugeln beschoss. Hast du ’ne Idee, wie ich ihm das heimzahlen kann?“
„Ooohh ja!“

Kleiner Exkurs: Ihr werdet es mir sowieso nicht glauben, aber das Buch hat es nicht verdient. Ich habe es als Hörbuch gehört, und obwohl man hier und da merkt, dass der Autor noch ein bisschen üben müsste und dass die Sprecher keine besondere Freude an ihrer Arbeit haben, hat es mir insgesamt sehr gut gefallen und ich kann sagen, dass es eines meiner Lieblingsbücher aus dem Bereich Science Fiction ist. Ich habe schon viel Schlechteres von den großen Namen der Branche gelesen. Solltet ihr also Interesse an origineller Aliens-erobern-die-Erde-Literatur haben und außerdem entweder völlig schmerzbefreit sein oder über so einen undurchsichtigen Bucheinschlag verfügen, möchte ich euch „A Small Percentage“ dringend an’s Herz legen. Oder kauft es eben als Hörbuch, das macht am meisten Spaß.

Es gibt noch mehr Beispiele, obwohl dies das schlimmste ist, das mir gerade einfällt. Alternativ hätte ich aber auch noch:

Shadows Linger(auch.)

Das ist aus dem Zyklus „The Black Company“ von Glen Cook, ich habe hier einfach mal willkürlich einen von vielen Bänden ausgewählt. Fabelhafte Fantasy, die meiner Meinung nach viele bekanntere Werke ganz beiläufig in den Schatten stellt, und hier hatte offenbar inzwischen jemand ein Einsehen, denn es gibt die Bücher jetzt auch in schöner.

Von Orson Scott Card habe ich mal irgendwo die Bemerkung gelesen, wenn es in einem Buch eine Szene gebe, deren Illustration den Betrachter völlig verwirren, verschrecken und über den Inhalt der Handlung in die Irre führen würde, könne man sich ziemlich sicher sein, dass genau diese Szene für das Cover-Design ausgewählt würde. Ich könnte mir allerdings vorstellen, das Jim Cline und Glen Cook froh wären, wenn das alle wäre, worüber sie sich beklagen könnten.

Falls euch mein Hang zur Ausgewogenheit aufgefallen sein sollte, wundert ihr euch bestimmt nicht, dass ich freimütig einräume, dass es auch sehr gelungene Cover-Illustrationen gibt. Sowohl für uninteressante, ausgesprochen mittelmäßige Bücher (sehr empfindsame Personen und Kinder unter 12 Jahren klicken hier bitte nicht), als auch für große Meisterwerke:

Shadow&Claw(Auch wieder Amazon)

Geht doch.

6 Responses to Gute Bücher schlecht verkauft

  1. juliaL49 sagt:

    Ein wahrlich wichtiges Thema! Weshalb ich auch selten auf das Cover achte 🙂 Naja, im Buchladen ist das erste Indiz der Titel (des englischen Buches, denn die übersetzten Titel sind ja, wie wir bereits wissen, ebenfalls oft Opfer von rachesüchtigen Schulkameraden) und dann die Inhaltsangabe.
    Wobei wir beim nächsten Ärgernis wären: oft ist da keine Beschreibung des Buches, sondern nur irgendwelche Lobpreisungen von obskuren Zeitungen und Zeitschriften. Das ist wiederum eine wirklich grässliche Eigenheit angelsächsischer Literatur und ich habe mir angewöhnt, dann aus Prinzip das Buch nicht zu kaufen.

    Um zum Thema zurückzukommen. Warum gibt es eigentlich bei Harry Potter eine normale und eine Adult Edition, die sich nur im Cover unterscheiden?!?

  2. Oliver sagt:

    Don’t judge a book by the cover 😉

  3. Arctica sagt:

    Uuh, das sind ja wahrliche Schmuckstücke. Ich finde es aber genauso schlimm wie man sich im Titel vergreifen kann. Ich zum Beispiel habe das Buch „Meine afrikanische Leidenschaft“ im Regal stehen, und bei dem Titel möchte man sich ja wirklich in Grund und Boden schämen. Es handelt sich dabei jedoch um ein sehr schönes Buch und keineswegs eine Liebesschnulze….den Lektor würd ich mir auch zu gerne mal vorknöpfen…

  4. Muriel sagt:

    @Arctica: Ja, Titel sind auch oft ganz, ganz schlimm. Es gibt einige Bücher und Filme, die ich viel öfter loben würde, wären mir nicht die Titel peinlich.
    @Oliver: Das war in der Tat ein Alternativ-Titel, der es aber nicht bis in den Beitrag geschafft hat.
    @JuliaL49: Zu den Inhaltsangaben und Lobpreisungen fällt mir zweierlei ein: Erstens ist es erschreckend, wie oft diese Inhaltsangaben völlig falsch oder irreführend sind. Zweitens habe ich ein Buch von Joachim Fernau, auf dessen Umschlag verschiedene sehr negative Kritiken zitiert werden. Das finde ich richtig cool.
    Was die Potter-Frage angeht: Nicht mein Fachgebiet. Ist das Adult-Cover denn wenigstens angemessen pornografisch?

  5. […] war die 15. Aufgabe des Fellmonsters. Das hässlichste ist dabei schnell gefunden, denn darüber gab es hier schon einmal einen Beitrag. […]

  6. […] Joa, ganz lustig. 6 von 10. 7 oder 8, wenn man Simon-Pegg-Humor mag bzw. liebt. Starker Anfang, interessanter Twist, Ende mehr so wah. Aber möglicherweise die beste Lösung einer Alieninvasion seit A Small Percentage. […]

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