Die Japaner benutzen das selbe Wort für Vier und Tod

…, deshalb war doch eigentlich schon immer klar, dass die vier hessischen Abgeordneten, die Andrea Ypsilantis Zusammenarbeit mit der Linken vereitelt haben, nichts Gutes im Schilde führen konnten.

Jetzt ist es auch offiziell. Volker Zastrow von der FAZ hat offenbar festgestellt, dass Carmen Everts, Dagmar Metzger, Silke Tesch und Jürgen Walter gar nicht unser aller Bestes im Sinn hatten, als sie ihre Gewissensentscheidung trafen, sondern in Wirklichkeit vor allem ihre eigenen Interessen. Weil Andrea Ypsilanti ihre Forderungen nach Posten nicht erfüllt, verweigerten sie ihre Zustimmung. Um Gottes Willen, denkt ihr jetzt sicherlich, das kann doch nicht sein! Politiker, die eigennützig handeln und so tun, als wäre es für einen guten Zweck? Als nächstes stellt sich noch heraus, dass der Papst Katholik und Babybel gar kein richtiger Käse ist!

Drüben bei F!XMBR ist Chris der Meinung, dass die Medien Frau Ypsilanti jetzt eine Entschuldigung schulden. Warum denn? Dass sie ihr Wort gebrochen hat, ist nach wie vor richtig. Dass das auch nicht schlimmer ist als der Wortbruch der Berliner Koalition in Bezug auf die Umsatzsteuererhöhung oder viele andere Wortbrüche, das sei ihm geschenkt, aber bloß dadurch wird es doch noch nicht richtig. Auch an der Koalitionsfähigkeit der Linken ändern die FAZ-Recherchen nichts, und dass Frau Ypsilanti sich zeitweise mehr wie eine Sektenführerin als wie eine Spitzenkandidatin benommen hat, war sicher auch nicht die Schuld der Fantastischen gewissenlosen Vier. Sogar den ziemlich kopflosen Umgang der hessischen SPD mit der ganzen Situation und den vier Abgeordneten finde ich im Licht dieser neuen Information nicht viel weniger unmöglich als vorher.  

Eigentlich fällt mir wirklich überhaupt nichts ein, was ich jetzt anders bewerten würde, außer vielleicht den Motiven von Carmen Everts, Dagmar Metzger, Silke Tesch und Jürgen Walter. Und denen habe ich von Anfang an nicht ganz getraut. Oder was meint ihr?

7 Responses to Die Japaner benutzen das selbe Wort für Vier und Tod

  1. ruediger sagt:

    Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Sollten es tatsächlich nur 4 aufrechte Landtagsabgeorndete sein, für die ein Versprechen eben nicht nur eine grobe Richtlinie ist? Wo sind die anderen 100 oder wie viele es letztlich waren, alles gewissenlose macht- und regierungsgeile Lemminge?

    Damals fand ich es gut, was die 4 gemacht haben, heute bin ich mir ob deren Motivation auch nicht mehr so sicher. Was könnten die davon für einen Vorteil haben? Reine Gewissensfragen taugen meiner Meinung nach nicht als Erklärung. Wo es augenscheinlich um Macht, Geld, und Geltungsdrang geht, sind es genau diese Antriebspunkte – nicht mehr und nicht weniger. Da wird der Politiker dann doch wieder zum Mensch.

    Ob das Buch Aufklärung schaffen, kann weiß ich nicht. Kaufen werde ich es mir nicht. Ganz sicher.

  2. Oliver sagt:

    Wären wir im wilden Westen, müssten sich die Vier und die Ypsilanti duellieren. Leider sind die guten, alten Zeiten vorbei.

  3. Andi sagt:

    Ich war und bin mir bei Dagmar Metzger sicher, dass sie aus lauteren Motiven so gehandelt hat, wie sie gehandelt hat. Bei den anderen dreien, die ja Nachzügler waren, war und bin ich mir unsicher.

    Das Buch halte ich für überflüssig – welche neuen offiziellen Erkenntnisse soll es denn wohl beinhalten?

    Richtig gehandelt haben die vier in jedem Fall, meine ich. Aus welchen Motiven heraus ist mir völlig egal.

  4. Man könnte zum Beispiel auch den kriecherischen, unkritischen Klatschreflex zahlreicher Medien anders bewerten, die die vier als die letzten ehrlichen Politiker stilisiert haben. Ähnlich sieht es aus mit der völlig überzogenen Häme gegenüber Andrea Ypsilanti, die sich letzten Endes zwischen zwei Wortbrüchen entscheiden musste (Koalition mit der Linken oder Nichterfüllung der Wahlversprechen in einer großen Koalition).

  5. Muriel sagt:

    @Der Postillon (Sieh an, er kann auch ernsthaft!): Was das erste angeht, hast du meiner Meinung nach teilweise Recht. Nur teilweise, weil ich das schon vor der schockierenden Offenbarung der FAZ lächerlich fand und sich deshalb für mich wenig geändert hat.
    Was das zweite angeht, bin ich anderer Ansicht. Frau Ypsilanti hat sich lächerlich gemacht, und dafür hat sie niemandes Hilfe gebraucht. Weiterhin finde ich entgegen einer verbreiteten Ansicht, dass Menschen sich an ihrem Wort halten lassen müssen. Frau Ypsilanti hat eben nicht gesagt, sie würde mit der Linken nicht kooperieren, es sei denn, sie bräuchte sie für eine Mehrheit. Sie hat gesagt, dass sie auf keinen Fall mit der Linken kooperieren wird. Das macht sie in meinen Augen entweder nicht besonders klug (wenn sie es wirklich ehrlich meinte) oder eben unehrlich (wenn sie es besser wusste, es aber nicht sagen wollte).
    Wenn du jetzt findest, dass es unfair ist, dass sie jetzt als Lügnerin dasteht und die meisten anderen Lügner (die es ja nicht nur in der Politik gibt) noch immer hohes Ansehen genießen, dann hast du natürlich wieder Recht. Aber das hat wieder mit den vier Verrätern nichts zu tun.

  6. Er kann.
    Belassen wir es dabei, dass ich mit dir konform gehe, dass es ein äußerst großer und naiver Fehler war, eine Zusammenarbeit mit der Linken auszuschließen – besonders hinsichtlich zahlreicher inhaltlicher Überschneidungen zwischen der hessischen Linken und der SPD. Letztendlich rechtfertigt das in meinen Augen dennoch niemals die mediale Schlachtung, die Y. widerfahren ist.

  7. Muriel sagt:

    Ich finde zwar vielleicht eher, dass noch mehr mediale Schlachtungen auch anderer Personen abgebracht wären, aber da unterscheiden wir uns dann ja nur noch in den Feinheiten der Abwägung. Glück auf und danke für’s Teilen.

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