Sex am Arbeitsplatz fördert die Arbeitsmoral

Habe ich eure Aufmerksamkeit? Gut. Dann kommen wir nun zu etwas völlig anderem:

In unregelmäßigen, aber gefühlt immer kürzer werdenden Abständen berichten viele Zeitungen darüber, dass es ein bisschen heikel sein könnte, in sozialen Nerwerken (oder sonstwo im Internet) zu viel über sich zu verraten, weil Arbeitgeber die Möglichkeit haben, Bewerber zu googeln. Heute (Edit: Pardon, der Entwurf musste erst ein bisschen reifen.) Vor ein paar Tagen war faz.net mal wieder dran.

Zum Einstieg geht es in dem Artikel um diverese StudiVZ-Gruppen. Eine hat diesem Beitrag den Namen gegeben, eine andere heißt: „Wenn man delegieren kann, wirkt Faulheit wie Kompetenz.“ Darauf folgt die Frage: „Welcher Arbeitgeber würde nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, würde er solcherlei Einlassungen über Bewerber lesen?“ Ein Versuch einer Antwort meinerseits könnte lauten: „Jeder, der auch nur einen Funken Verstand hat, würde kurz schmunzeln und weiterklicken.“

Der Autor schätzt die Lage offenbar anders ein und kommt zu dem Schluss: „Wer den Google-Test nicht besteht, hat also wenig Chancen.“ Aber warum? Und was ist überhaupt „der Google-Test“? Schauen wir uns mal die Daten an, auf die die Panikmache Überzeugung von FAZJOB.NET sich stützt (alle Daten aus einer Umfrage des Instituts Dimap, die leider nicht verlinkt ist, soweit ich das erkennen kann):

  • 28% der Unternehmen nutzen das Internet für die Auswahl an Bewerbern.
  • 20% davon wiederum sind „mindestens gelegentlich auch in sozialen Netzwerken unterwegs.“
  • 76% gaben an, dass „negative Äußerungen über Arbeit oder das Arbeitsumfeld“ ihr Bild des Bewerbers verschlechtern.

Potztausend, kann ich euch sagen hören, das ist ja unglaublich  hätten wir nie gedacht  klingt ja spannend  hätte man sich doch alles auch so denken können!

Mal im Ernst: Aus der Erkenntnis, dass rund 5% (!) der für Personalauswahl Zuständigen schon ab und zu mal soziale Netzwerke nutzen, den Schluss ziehen zu wollen, dass die Zugehörigkeit zu einer albernen StudiVZ-Gruppe der Genickschuss für jede Bewerbung darstellt, finde ich sehr eigenwillig. Und um zu wissen, dass Arbeitgeber es vielleicht nicht so gut finden, wenn ich mich abfällig über Arbeit äußere, brauche ich auch nicht unbedingt ein professionell recherchiertes Qualitätsmedium. Hat da draußen in den Redaktionen dieses Landes noch jemand sowas wie Stolz oder journalistischen Anspruch?

Es kann ja sein, dass irgendwo da draußen eine Handvoll verbohrter Arbeitgeber existiert, die ihre Einstellungsentscheidung von irgendwelchen dummen Witzen im Facebook-Profil abhängig machen. Die von faz.net zitierten Daten sagen darüber aber rein gar nichts aus. Und außerdem: Will von so einem Unternehmen wirklich irgendjemand einen Job?

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3 Responses to Sex am Arbeitsplatz fördert die Arbeitsmoral

  1. Peter sagt:

    Deutschland im Sommerloch 2009. Lesen Sie im nächsten Jahr: Zu viel Essen verkürzt die Lebenserwartung, Rotwein doch nicht so gut wie Schokolade, Waldbrände in Brandenburg, Google weiß was du letzten Sommer getan hast, …

  2. ruediger sagt:

    Sommerlochcontent, in der Tat.

    Der Bewerber/die Bewerberin wird erst dann gegoogelt, wenn ich die Unterlagen gesehen und mit ihm/ihr gesprochen habe. Die Recherche dient zur Vervollständigung des Bildes. Wie Du schon schreibst, welches Unternehmen sich vorab nur auf die Online-Recherche verlässt, soll nicht der zukünftige AG werden.

    Doch der/die Hirni, der/die unter seinem/ihrem echten Namen und ohne Anonymisierung in öffentlich zugängliche Seiten unverblümte Wahrheiten über den Job oder intimes schriebt, hat es verdient deswegen aufzulaufen. Selten dämlich so was.

  3. […] schätze, mein Gedankengang war ungefähr der gleiche, der mich immer beim Lesen dieser aufgeregten „Das Internet nimmt uns unsere Privatsphäre und verführt unsere Kinder, peinliche Bilder zu … befällt: Meine Güte, wie lange dauert es eigentlich noch, bis unsere Gesellschaft sich daran […]

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