What if God

Heute Nacht wachte ich auf, und Gott saß auf meinem Bett, neben meinen Füßen. Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich, woher ich eigentlich weiß, dass es wirklich Gott war, und nicht einfach nur ein beknackter alter Mann mit weißem Bart in einem Nachthemd. Naja, ehrlich gesagt, frage ich mich das auch, so jetzt im Nachhinein. Egal.

Ich sagte: „Mensch, sowas, das ist ja ein Ding. Ich war mir so sicher, dass es dich nicht gibt.“
Und er: „Ja. Kannste mal sehen.“
„Hätt‘ ich wirklich nicht gedacht“, sagte ich, „Aber vielleicht ist das eine ganz gute Gelegenheit, dir eine Frage zu stellen, die ich dir schon immer stellen wollte.“
Er lächelte geduldig. Ich nehme an, dass nahezu jeder das Gespräch mit ihm mit einer wichtigen Frage anfängt. „Nämlich?“
„Wie kann es eigentlich sein, dass die Netzanzeige auf meinem Telefon zwischen ‚Voller Empfang‘ und ‚Gar kein Empfang‘ schwankt, ohne dass ich das Ding auch nur berühre?“
Sein wissendes Lächeln wich einem etwas konsternierten Ausdruck.
„Äh… Das ist deine Frage an Mich?“
Ich frage mich kurz, ob es ein bisschen unbescheiden von Ihm war, von sich selbst in Großbuchstaben zu sprechen, aber dann entschied ich, dass Er ja schließlich Gott war und das deswegen nur von einem realistischen Selbstbild zeugte.
„Genau. Und?“
„Naja… Das hat was mit der Auslastung des Netzes zu tun, außerdem ist die Messung durch das Telefon nicht hundertprozentig zuverlässig, und die Anzeige wird auch nicht in Echtzeit aktualisiert, sodass es sein kann, dass ein schwächeres Netz erst dann angezeigt wird, wenn du es tatsächlich nutzen willst. Zusätzlich gibt es möglicherweise andere Störquellen in der Umgebung, die sich bewegen oder zwischendurch abgeschaltet sind, und schließlich spielen da auch noch das Wetter und sonstige atmosphärische Bedingungen mit rein, denke ich…“
Ich sah ihn ein paar Sekunden lang schweigend an.
„Du weißt es auch nicht, oder?“
„Nicht so richtig.“ Er zuckte die Schultern. „Sowas fragt Mich aber sonst auch nie jemand!“
„Aber nett, dass du hier bist“, sagte ich. „Oh, entschuldige bitte, ich meinte: dass Du hier bist. Übrigens, kennst Du eigentlich mein Blog?“
Er hob eine Augenbraue.
„Natürlich. Ich weiß alles über dich“, antwortete er ziemlich schnell, während er begann, sich umzusehen, als müsste er jetzt allmählich wieder los.
„Hast Du es mal gelesen? Wie findest Du’s? Schreib ruhig mal einen Kommentar, ich freue mich über jeden-“
„Naja“, unterbrach er mich, „Also, nett, dass wir uns mal gesehen haben, aber ich muss dann jetzt auch weiter.“
„Hast Du den Feed abonniert?“
Es war dunkel, aber es sah schon verdächtig danach aus, als würde er die Augen verdrehen.
„Gute Nacht, [Natürlich redet Gott mich mit meinem richtigen Namen an, deswegen muss ich das hier zensieren.]. Bis später irgendwann mal, ja?“ Er stand auf und ging zur Tür.
www.ueberschaubarerelevanz.wordpress.com!“ rief ich ihm noch hinterher. „Mit U-E!“
Aber ich bin nicht sicher, ob er das noch gehört hat.
Ich habe also Gott getroffen. Das Gespräch war jetzt nicht so übermäßig fantastisch, aber immerhin. Und vielleicht schreibt er mir ja demnächst mal, wie er mein Blog findet. Wäre doch nett. Wenn er schon mitliest. Oder?

12 Responses to What if God

  1. Andi sagt:

    Soso… Und wo ist nun das Beweisfoto? 🙂

  2. DennyCrane sagt:

    Du glaubst nicht, wie sehr einem hier die Finger kribbeln und man sich zurückhalten muss, nichts unter dem Namen „Gott“ zu schreiben :)…

  3. Muriel sagt:

    @Andi: Ich hätte eins gemacht, aber würdest du das Risiko eingehen, von Gott verklagt zu werden? Insbesondere in der heutigen Zeit?
    @DennyCrane: Doch, das glaube ich. Ich halte es nur für eine Frage der Zeit, bis das jemand tun wird.

  4. Andi sagt:

    Mein Verlangen, verklagt zu werden, tendiert gegen null.

    Eigentlich wollte ich mich hier zuerst als Gott anmelden – aber der Scherz war mir dann zu offensichtlich und wollte ihn daher anderen überlassen.

  5. Lilly sagt:

    löl, das ist ja niedlich;

    Und Gott hat ehrlich in deutsch gesprochen, vollkommen akzentfrei? 😉

  6. Gott sagt:

    @Andi:
    Dann mach ich das mal. Mir ist nämlich kein Scherz zu offensichtlich.

  7. Muriel sagt:

    @Gott: Willkommen hier und danke für den Kommentar. Schade nur, dass er gar keinen Inhalt hat. Aber das machst Du ja gerne so, wissen wir.
    @Lilly: Danke. Welchen Akzent sollte Gott denn deiner Meinung nach haben? Traus du Ihm etwa nicht zu, fehlerfrei deutsch zu lernen?

  8. Andi sagt:

    Muriel:
    Wieso muss Gott unsere Sprache erst lernen?
    Gott ist Gott, der kann doch alle Sprachen von vornherein, oder?

  9. Lilly sagt:

    Welchen Akzent sollte Gott denn deiner Meinung nach haben?

    Ich weiß auch nicht, welchen Akzent – deswegen hab ich ja gefragt, Du müsstest es ja nun wissen 🙂 (Ich tippe mal, dass er nicht sächsisch geredet hat).

  10. Oliver sagt:

    Auch GOTT kommt nicht mehr mit der Technik mit^^

    Aber Gott war bestimmt eine Sie und Sie war nicht weiß, oder?

  11. Muriel sagt:

    @Andi: Gottes Wege sind eben unergründlich.
    @Lilly: Ich denke, das tut er nur, wenn er mit Sachsen spricht.
    @Oliver: Naja, mir ist Er ganz traditionell erschienen. Ich bin aber sicher, dass sich Seine Essenz nicht in so abgeschmackte Kategorien wie Gender, Ethnie oder auch Religion packen lässt. Wahrscheinlich definiert Er sich vorrangig über Seine Parteizugehörigkeit (CDU natürlich). (Edit, wenige Sekunden später: Wenn Er mit Bayern spricht, alternativ CSU.)

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