Restebloggen zum Wochenende (6)

  1. Ich habe heute Mittag auf NDR Info einen kleinen Bericht darüber gehört, dass der Präsident von Samoa, offenbar so ziemlich im Alleingang, entschieden hat, dass in seinem Land der Linksverkehr eingeführt wird. Die Reporterin schien das eher doof zu finden, und das darf sie ja auch, aber der Bericht hat trotzdem einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen.
    Zum Beispiel durfte der Präsident auch einmal sagen, warum er diese Entscheidung getroffen hat: Samoa sei ein Urlaubsziel für viele Australier, und umgekehrt würden auch viele Samoaner nach Australien auswandern oder reisen und müssten sich nun nicht mehr umstellen. Außerdem könnten die Samoaner in Australien ihren Angehörigen in Samoa jetzt nicht nur Geld, sondern auch einfach Autos schicken (Ja, das ist wirklich ein ziemlich blödes Argument, aber darum geht es mir hier nicht.). Er könne nur Vorteile sehen. Wie das oft so ist, hörte man im Hintergrund den Präsidenten auf Englisch reden, während der Sprecher die Übersetzung verlas. Der letzte Satz des Präsidenten lautete aber: „The benefit is endless.“ Darüber kann man zwar auch noch streiten, es bedeutet aber im Gegensatz zur deutschen Übersetzung nicht, dass er keine Nachteile erkennen könnte.
    Wenig später wurde dann noch ein Autoverkäuferin mit der Bemerkung zitiert, sie könne derzeit wegen der geplanten Änderung und der Unsicherheit keine Autos mehr verkaufen und benötige Unterstützung vom Staat, um zurechtzukommen, während sie selbst im Hintergrund auf Englisch erzählte: „We need answers from the government, so we can make plans.“
    Ich bin davon überzeugt, dass das beides nur dumme Übersetzungsfehler aus Flüchtigkeit waren, ohne irgendwelche Hintergedanken. Trotzdem ein sonderbarer Zufall, dass gerade diese dummen Übersetzungsfehler die Position der Reporterin noch ein bisschen nachdrücklicher untermauern, als die Originalzitate das getan hätten. Ein weiterer sonderbarer Zufall ist übrigens, dass mir solche Fehler fast immer auffallen, wenn ich im Radio Interviews in englischer Sprache höre. Honît soit, qui mal y pense.
  2. In dieser Woche ist mir zum ersten Mal seit langer, langer Zeit mal wieder der Albtraum eines Buchliebhabers widerfahren: Ich schlug ein neues Buch eines Autors auf, den ich bewundere und verehre – und ich habe es gehasst. Ich bin jetzt auf Seite 20 und hätte das Buch beinahe weggeworfen. Stattdessen habe ich es erst einmal nur ins Regal zurückgelegt, um ihm später nochmal eine Chance zu geben. Es ist übrigens Neuropath von R. Scott Bakker, und ich bin richtig sauer auf ihn. Es gibt viele ärgerliche Bücher, aber dieses Gefühl des Verrats können nur die wenigen Autoren erzeugen, von denen man dachte, man könnte ihnen vertrauen. Wie konnte er mir das antun?
  3. Was ist eigentlich mit diesen Leuten los, die mich in Ortschaften halsbrecherisch überholen, um dann auf der Bundesstraße mit 70 vor mir her zu fahren? Wollen die mich bloß ärgern, oder verfolgen die noch einen höheren Plan?
  4. Hier findet ihr einen sehr hübschen kleinen Auszug aus einem Interview mit Charlotte Roche über die Bild-Zeitung.
  5. Und hier einen wundervollen Rant über die Rubriken des deutschen Fernsehpreises. Ich habe Tränen gelacht.
  6. ix hat einen Text über Horst Schlämmer geschrieben. Ich durchschaue zwar die Struktur dieses Artikels nicht ganz, fand ihn aber auf diffuse Art gut.
  7. Mögt ihr Gedichte? Ich finde Gedichte wundervoll, und die von Matthias Schumacher können meiner Meinung nach in der allerobersten Liga mitspielen.

20 Responses to Restebloggen zum Wochenende (6)

  1. Oliver sagt:

    Wer hat geil Krebs? – LOL, also die Frau ist mir unsymapthisch, aber das Interview hat meine Stimmung gehoben. Danke Frau Roche.

  2. juliaL49 sagt:

    Fehlerhafte oder unvollständige Übersetzungen im Radio/den Nachrichten kommen häufig vor und es ist erschreckend häufig so, dass der Sinn verfälscht wird. Deswegen höre ich gar nicht mehr hin, da ich mich nur aufregen würde.

  3. Andi sagt:

    Das verlinkte Gedicht ist nun nicht so meins… den dazugehörigen Blog find ich aber sehr interessant.

    Und Charlotte Roche ist einfach großartig.

  4. Muriel sagt:

    Geschmäcker sind eben verschieden. Ich zum Beispiel kann mit Charlotte Roche auch nichts anfangen, sobald sie – was wäre die treffende Formulierung – beruflich tätig ist, also moderiert oder Bücher schreibt. Interviews mit ihr habe ich bisher aber immer ganz gerne gelesen.
    @JuliaL49: Ja, das ist wahrscheinlich der beste Weg. Dass MTV sich die Übersetzungen bei seinen Pseudo-Reality-Formaten frei ausdenkt, ist ja unproblematisch, aber dass unsere öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmedien nicht den Ehrgeiz haben, zumindest sinngemäß richtig zu dolmetschen, fände ich erschreckend, wenn es irgendwie neu wäre.

  5. Andi sagt:

    Zu meiner Ehrenrettung möchte ich sagen, dass ich die „Feuchtgebiete“ nicht gelesen habe und auch nicht vorhabe, an diesem Zustand etwas zu ändern. Und ich kann auch nicht behaupten, dass ich sie schonmal irgendwo bewusst habe moderieren sehen. Aber wann immer ich sie irgendwo im Fernsehen, also als Gast, sehe, find ich sie ausgesprochen nett.

  6. juliaL49 sagt:

    Na, bei Viva Plus ihre Sendung war ganz gut, weil anders. Allerdings hat sie da noch nicht so extrem provoziert.

  7. Muriel sagt:

    Ich finde sie nicht direkt unsympathisch, aber es hat mir einfach nie Spaß gemacht, ihre Sendung zu sehen, oder auch ihre Rubrik bei Sarah Kuttner. Ist einfach nicht mein Humor. Aber wer BILD mit solcher Leidenschaft hasst, kann einfach kein schlechter Mensch sein.

  8. ruediger sagt:

    zu 4.) Sie hat etwas was mich glauben lässt, dass sie ein feiner und interessanter Mensch ist, die Frau Roche. In Worte kann ich es nicht fassen, … doch ich mag sie gerne sehen und hören. Ihr „Feuchtgebiet“ interessietr mich nicht, doch ihr Debüt in der 3 nach 9 Talkshow werde ich hoffentlich nicht versäumen.

    Auch als sie mit 3sat einen Tag unter… war, kam sie sehr sympathisch an.
    (http://www.3sat.de/specials/125973/index.html)

    zu. 6.) So sehr Kerkeling aus sympathisch ist, meistens zumindest, diese Schlemmer’ei geht mir allmählich doch dafür gehörig auf den Zeiger

    zu 7.) Das geht rein gar nicht an mich ran. Vermutlich weil uns ein Lehrer mit seinen Gedichten in der 10. wirklich gequält damit hat. Einer gegen 29.

  9. ruediger sagt:

    *argh zu früh abgeschickt, Abo vergessen. sry

  10. Muriel sagt:

    @ruediger: Kommt vor. Schlämmer nervt, keine Frage. Allein schon die Klingeltöne. Aber ich habe sowieso Vorbehalte gegen Kerkeling.
    Was Gedichte angeht, müssen wir hier aber noch an uns arbeiten. Kann doch nicht sein, dass ich so eine Perle verlinke, und mir gleich zweimal Ablehnung begegnet. Wie soll das denn werden, wenn ich hier mal ein eigenes Gedicht veröffentliche?

  11. Oliver sagt:

    „Und Charlotte Roche ist einfach großartig.“
    Das glaube ich gerne.
    Vielleicht sollte man die Charlotte auch mögen.

  12. ruediger sagt:

    @muriel
    motiviere mich. Schaffe was diverse Deutschlehrer verzweifeln lies und sorge dafür, dass mich Gedichte (von wem auch immer) mehr interessieren als eine wunderbare Currywurst mit Pommes (Flüssigauflage nach Wunsch).

    Wobei, solche Verslein mag ich:
    Opel Opel Karajan, ein jeder will ’nen Opel ha’m, fährt man ihn dann in den Graben, will ihn keiner haben.

  13. Arctica sagt:

    Mit den Übersetzungen frag ich mich auch manchmal.. gut, mir sind solche Fehler bisher eher bei Dokumentationen oder meinen geliebten Vox-Schundsendungen untergekommen, in den Nachrichten ist das natürlich noch schlimmer… aber ich frag mich immer wie das passieren kann. Die stellen doch auch nicht irgendwelche Idioten an, sondern Leute, die die zu übersetzende Sprache zumindest einmal ansatzweise studiert haben. Da kann es doch nicht sein, dass Otto-Normalfremdsprachler da noch ziemlich grobe Fehler auffallen…

  14. Andi sagt:

    Muriel:
    Ich finde Gedichte ja nicht per se doof… Du hast hier ja neulich mal eins von Erich Kästner reingestellt („Sachliche Romanze“) – und damit haste mir eine große Freude bereitet. „Sachliche Romanze“ ist nämlich ganz ganz toll und mein ganz großer Liebling.
    Versuch´s einfach mal, hier ein eigenes Gedicht reinzustellen. Ich bin gespannt. 🙂

  15. Muriel sagt:

    @Arctica: Wenn ich mal allen Humor beiseite lasse, nehme ich ganz ernsthaft an, dass die Redakteurin wirklich einfach eine Übersetzung gewählt hat, die ihre These gut unterstützt, ohne nachweisbar komplett falsch zu sein. Aber ansonsten habe ich auch keine Ahnung, wie sowas passieren kann, insbesondere in Fällen, in denen es gar keine These zu belegen gibt.
    @ruediger, Andi: Na mal schauen, Demnächst erscheint hier ein kleines Gedicht von mir. Ich habe allerdings auch ernste Zweifel, ob das mit einer guten Currywurst mithalten kann. So geschmacklich. Mit Sachliche Romanze wage ich nicht mal den Vergleich.

  16. Andi sagt:

    Kästners Romanze steht ja auch über allem. Das ist ja ´ne völlig andere Liga. Fast sogar ´ne andere Sportart. Aber besser als das hier verlinkte Gedicht wird deins allemal. 🙂

  17. Curu sagt:

    Zu 1.: Übersehe ich bei dieser Verkehrsumstellung nur die wichtigen Konsequenzen oder hat es tatsächlich keinen sinnvollen Grund, dass die Story von diversen Boulevardmedien aufgegriffen wurde?

    Zu 3.: DAS kenne ich, scheußlich sowas.

    Und ich freue mich auf dein Gedicht, ich mag Lyrik (meistens) sogar.

  18. Muriel sagt:

    @Andi: Geschmackssache. Außerdem: Abwarten!
    @Curu: Ich hab von der Umstellung nur bei NDR Info gehört, und soweit ich weiß, kann die uns objektiv betrachtet wirklich total Soße sein.
    Das Gedicht kommt wahrscheinlich Ende dieser oder Anfang nächster Woche. Es ist schon eingereiht in die Vorratseinträge für meinen bevorstehenden Urlaub. Dazu schreibe ich in einem eigenen Eintrag aber auch noch mal was.

  19. Andi sagt:

    Urlaub? Ist der bei uns angemeldet? 🙂

  20. […] Der Wortvogel hat eine nette Liste mit fiesen Übersetzungen. Schlaglinie? Der Mann mit der Torpedohaut? Ich finde, über den Stand des Übersetzungswesens kann man gar nicht genug den Kopf schütteln und empfehle deshalb dringend die Lektüre dieser Beispiele. Schließlich treten solche Fehler nicht immer in so harmlosen Zusammenhängen auf. […]

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