Seoulmates

Ja, tut mir Leid, der musste sein. Heute schreibe ich mal einen kleinen Reisebericht für euch. Bei dieser Gelegenheit werde ich auch gleich mein Bestes tun, die Projekt-52-Fotos, die ich euch noch schulde, möglichst ungezwungen einzuflechten. Für die, die es interessiert: Ich schreibe diesen Bericht im Bus nach Sokcho. Mit Seoul ist also erst einmal Pause, da geht es Mittwoch weiter. Bis dahin wird der Seoraksan-Nationalpark bewandert, der voller malerischer Berge, seltener Tierarten und romantischer Wasserfälle sein soll. Aber weil ich den ja noch gar nicht gesehen habe, geht es erstmal um Seoul. Wohlan.

Seoul ist eine riesengroße Stadt. Ich wusste das vor meinem Urlaub selbst nicht, aber mit (je nachdem, was man noch dazu rechnet) 10-20 Millionen Einwohnern ist es offenbar sogar größer als Beijing.
Wir haben uns glücklicherweise trotzdem ganz gut zurechtgefunden. Die wichtigen Dinge sind meistens auch in westlichen Schriftzeichen geschrieben, außerdem haben wir gleich drei Reiseführer mit Stadtplänen eingepackt und ein GPS-taugliches Telefon dabei.
Trotzdem verliert man natürlich immer mal wieder die Orientierung. In diesen Momenten fällt auf, dass wir überall immer sofort von freundlichen Menschen Hilfe angeboten bekommen, sobald wir nur mal drei Sekunden lang fragend in die Gegend gucken. Sie helfen uns dann zum Beispiel mit Fahrplänen und anderswo weiter, was einerseits sehr nett ist, manchmal aber auch ziemlich anstrengend, weil alle Koreaner der verbreiteten Überzeugung anhängen, dass jeder ihre Sprache versteht, wenn sie es nur enthusiastisch genug versuchen. Viele von ihnen können kein Englisch, geben aber trotzdem nicht auf, wenn man ihnen versichert, sie leider nicht zu verstehen. Gestern Abend stand ich in einem Tom n Toms Cafe (Wie Starbuck’s, nur koreanisch, obwohl es Starbuck’s hier auch reichlich gibt.), und die junge Dame hinter dem Tresen und der Mann neben mir riefen mir abwechselnd hoffnungsvoll zu: „Bip Dee? Bip Dee? Bip Dee! Bip Dee!“
Ich fing schon an, mir Sorgen zu machen, aber schließlich stellte sich heraus, dass sie nur wissen wollten, ob ich Schlagsahne (Whipped Cream) auf meinem Getränk möchte.
Dieses Problem fällt übrigens auch in der geschriebenen Sprache auf. Kürzlich stand zum Beispiel eine junge Koreanerin vor mir, auf dessen (nicht selbstbedruckten) Sweatshirt stand: „The palar bear which is swiming“. Und das ist nur ein willkürlich ausgewähltes Beispiel von vielen.
Die erste Sehenswürdigkeit, die wir hier besichtigt haben, ist der Cheongye-Cheong-Strom. Das ist ein kleiner Fluss, der offenbar erst kürzlich bei Bauarbeiten entdeckt und seitdem zu einem kleinen Park ausgebaut wurde. Wie man hier auf dem Foto sieht, erfreut er sich großer Beliebtheit bei den Bewohnern Seouls.

Cheongye-Cheong

Am zweiten Tag haben wir verschlafen, wegen der Zeitverschiebung, aber auch, weil mein Telefonwecker während der Nacht leise verendet war. Wir haben es trotzdem noch geschafft, uns den großen Palast Gyeongbok-Gung anzusehen und dabei festzustellen, dass die einzelnen Gebäude offenbar von Terry Pratchett benannt wurden. Glaubt ihr nicht? Wie erklärt ihr euch dann Namen wie „Alle Angelegenheiten werden ordentlich geregelt, wenn man Sorgfalt zeigt“ oder „Saal, wo der König gründlich nachdenken sollte, bevor er entscheidet, was falsch und was richtig ist“? Ich schwöre, das steht (auf englisch) wörtlich so als Übersetzung der koreanischen Bezeichnungen in der Broschüre, die man am Eingang des Palastes bekommt. Koreanische Paläste bestehen aus ganz vielen einzelnen Gebäuden, die mehr oder weniger unordentlich in einem Park herumstehen und teilweise miteinander verbunden sind, deswegen kann ich euch kein Bild von dem Palast anbieten, aber hier ist ein Beispiel mit steinernen Fellmonstern:

IMG_5421

Und hier eine Schönheitskönigin:

Schönheitskönigin

Gestern haben wir einen Bummel über den Namdaemun-Markt unternommen, wo man allerlei ulkige Köstlichkeiten und garantiert echte Marken-Kleidung kaufen kann.

Markt

Mein Frühstück war ein Hefekloß mit süßer Bohnenfüllung, ein frittierter Fischkuchen am Stiel und ein paar süße Kleinigkeiten aus Reismehl, wieder mit Bohnenfüllung. Die Lebensmittel hier werden schrecklich frisch verkauft; die Muscheln an den Verkaufsständen bewegen sich zum Beispiel noch. Mein Fischkuchen allerdings war ziemlich reglos, und der Hefekloß auch.

Wir haben an diesem Tag auch eine koreanische Freundin getroffen, die uns noch einen anderen Palast zeigte, mit uns essen ging und dann zum NSeoul-Tower führte. Das ist so ein Fernsehturm, von dem aus man eine wirklich fantastische Sicht auf die Stadt hat. Bitteschön.

Aussicht

Am Fuß dieses Turms haben wir allerdings noch eine Attraktion entdeckt, die die Aussicht durchaus in den Schatten stellen konnte: Cold Stone. Sagt euch wahrscheinlich nichts, ist aber eine ganz große Sache. Eiscreme, die auf einer kalten Fläche (Ich kann nur vermuten, dass es sich dabei um den Kalten Stein handelt.) mit verschiedenen Zutaten vermanscht und einem dann serviert wird. Das klingt jetzt zugegebenermaßen gar nicht so spektakulär, sieht aber interessant aus und ergibt ganz köstliche Eisbecher wie Yo!Go!Cheesecake, Banana Caramel Crunch, Greeeeen with Envy oder… Ach, seht doch selbst.

Speisekarte

Ach ja, eins noch: Die Kölner, die dachten, das mit den Schlössern an der Rheinbrücke wäre schon eine coole Sache, sehen sich bitte dies hier an

Schlösser

und dürfen dann gerne leise weinend durch einen kleinen Seitenausgang abgehen.

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9 Antworten zu Seoulmates

  1. Andi sagt:

    Ich liiiiebe Reiseberichte – danke dafür! Wobei ich frittierten Fischkuchen tendenziell eher eklig finden würde… Schmeckt sowas??

    Viel Spaß dir/euch im Nationalpark. Von dem hab ich schonmal gehört, ist allerdings schon was her. Gibt´s davon dann auch Fotos? *bettel*

  2. Muriel sagt:

    @Andi: Och, das war eigentlich ganz lecker, ja.
    Fotos vom Park gibt’s sicher, zusammen mit dem Reisebericht. Freut mich sehr, dass dich das so interessiert. Einen kleinen, thematisch sehr eingegrenzten, Vorgeschmack findest du gerade frisch unter „Warnungen“.

  3. Sigrid sagt:

    „Saal, wo der König gründlich nachdenken sollte, bevor er entscheidet, was falsch und was richtig ist“ wäre doch mal eine sehr gute Bezeichnung für den Plenarsaal des Bundestages.

  4. Andi sagt:

    Dankeschön. Den Problembär, der als Warnhinweis dienen soll, hab ich schon gesehen. Könnte so auch in Tirol hängen, mit dem Hut, oder?

    Wenn du jetzt in Schweden oder Österreich wärst, würden mich die Reiseberichte vermutlich nicht so stark interessieren. Da war ich selber schon. Aber in Seoul etc. war ich noch nie und komm ich vielleicht auch nie hin und deswegen interessiert´s mich sehr. Fotos und Reiseberichte von fremden Ländern sind was Tolles.

  5. Arctica sagt:

    Der Fischkuchen hat sich bestimmt nur getarnt und nicht bewegt, weil er dachte du bist vielleicht kein Aasfresser! *G*
    Mmmmh, nd uauf so ein Chocolate Devotion hätte ich jetzt auch Lust. Nachdem Ben & Jerry immerhin schon das Chocolate Therapy abgeschafft haben und mein Gefrierfach zu klein für ein lecker Triple Chocolate mit Knusperflocken ist…

  6. […] is no way to happiness Da sich „Seoulmates“ ganz ordentlicher Beliebtheit erfreut, nehme ich mal an, dass an einer Fortsetzung meines […]

  7. Oliver sagt:

    Aye, aye, aye. Danke für den Bericht. Ich habe mich nur darüber geärgert, dass die Koreaner derart dreiste Plagiatoren sind. Auf die Schlösser hält Köln das Copyright. Jawohl!

  8. mp sagt:

    Schöne Sache, ich bin seit zwei Monaten in Seoul. Diese Pratchett-Broschüren hab ich noch garnicht entdeckt – wird also Zeit mal wieder auf sightseeing zu gehen. Vielleicht finde ich dort den „Saal in dem der König nach Vollendung seiner digestiven Extrusion sich hoffentlich die Hände gewaschen hat“ oder ähnliches.

  9. Muriel sagt:

    @mp: Willkommen bei überschaubare Relevanz. Wir drücken dir die Daumen und freuen uns über weitere Informationen.

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