There is no way to happiness

Da sich „Seoulmates“ ganz ordentlicher Beliebtheit erfreut, nehme ich mal an, dass an einer Fortsetzung meines Reiseberichts noch Interesse besteht. Außerdem ist es schön symmetrisch, dass ich den Bericht über Seoul im Bus in den Park geschrieben habe und nun den Bericht über den Park im Bus nach Seoul schreibe. Ich beginne mit einer kurzen Einführung.
Der Seoraksan-Nationalpark liegt an der Ostküste von Korea, nahe der hübschen Stadt Sokcho, von wo aus eine Straße am Rand eines ziemlich trockenen Flussbetts zum Eingang des Parks ins Gebirge führt. Er bietet eine enorme Vielfalt an Pflanzen und Tieren und Natur. Zum Beispiel leben dort offenbar 61 verschiedene Fischarten, einschließlich Vögel und Insekten. Äh. Naja, egal. Die Hauptsaison für den Park ist offenbar Sommer und späterer Herbst, wenn die Blätter schön bunt werden. Wir kamen also in der Nebensaison im Overview-Hotel an, was wir zunächst daran erkannten, dass nirgends andere Gäste zu sehen waren und dass sämtliche der zahlreichen Zusatzeinrichtungen wie beispielsweise Casino, Bar, Souvenirshop und mehrere Restaurants geschlossen waren. Ein Herr Torrance, der während dieser Zeit gemeinsam mit seiner Familie auf das verlassene Hotel aufpasst und parallel seinen nächsten Roman zu Ende zu schreiben versucht, begrüßte uns ein bisschen missmutig. Offenbar war er gerade vom Holzhacken hereingekommen…
Nein, Moment, Unsinn, das habe ich bloß geträumt. In Wirklichkeit hieß das Hotel „Sorak Park Hotel„, und da waren zwei sehr freundliche, unbewaffnete Koreaner an der Rezeption, die uns tadellos behandelten.
Geht oder fährt man vom Hotel aus noch ein bisschen weiter, erreicht man den Eingang zum Park, von wo aus wir mit einer Seilbahn auf einen ca. 650m hohen Gipfel hinauffuhren, ein bisschen kletterten und die Aussicht bewunderten. Asiaten bauen ja gerne diese kleinen Steintürmchen, vielleicht ist euch das auch schon mal aufgefallen, man sieht die sogar in Deutschland gelegentlich. So ein eindrucksvoller ist mir aber noch nie untergekommen:

Steinturm

Wieder unten gingen wir ein bisschen weiter zu dem Kloster, das sich dort am Fuß des Berges angesiedelt hat.

Alles in Buddha

Als religiöses Zeichen befindet sich hier an fast jedem Tempel ein großes Hakenkreuz. Die meinen das natürlich nicht so wie die Leute, die bei uns Hakenkreuze malen, aber es ist trotzdem ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Ändert aber nichts daran, dass der Tempel sehr hübsch war:

Tempel innen

Weiter ging es, einen Pfad entlang, der zunächst noch betoniert und von Verkäuferinnen gesäumt ist, die dort merkwürdigerweise Gewürze feilbieten (statt Wasser und Snacks, wie man sich vielleicht vorstellen würde), nach und nach aber rustikaler wird.

Pfad

Die Natur hier wirkt nicht so unglaublich exotisch, weil Korea ja in der gleichen Klimazone liegt wie Deutschland, und so besonders aufregende Tiere wie Tiger oder Elefanten gibt es hier auch nicht, aber ein paar Überraschungen hielt die Fauna doch bereit:

Gottesanbeterin
Eine Gottesanbeterin,

Raupe
eine echt große, grüne Raupe,

Die Fliege
Und das hier. Was zur Hölle ist das? Ist das einfach die größte Fliege der Welt, oder was ganz eigenes? Ich hoffe, ihr könnt es auf dem Foto einigermaßen erkennen, das Vieh ist größer als mein Daumen!

Und für alle, die eher auf Wirbeltiere stehen, habe ich auch noch ein Bonbon. Der ganze Park ist nämlich voll mit diesen sympathischen Gesellen hier:

Hörnchen

Auch der Wanderpfad führt eigentlich immer am Fluss entlang, was so schöne Bilder wie dieses hier ermöglicht:

Kleiner Wasserfall

Oder das:

Zeichen

Und dann kamen wir an eine Weggabelung. Mit einem Schild, das den Weg zu einer Höhle wies, die 600m entfernt sein sollte. Gut, dachten wir, die nehmen wir mit, wenn wir schon mal da sind. Ach. Zunächst mal sah alles noch ganz harmlos aus, aber dann wurde es schlimmer. Suchbild: Wer findet den Pfad?

Kletterpfad

Wenn man dann schließlich nach ca. 45 Minuten (!) die 600m überwunden hat, wird man naturgemäß mit einer sehr hübschen Aussicht belohnt.

Aussicht

Die Höhle selbst ist allerdings… Naja… Okay.

Höhle

Aber wenn man sich gerade unter Einsatz seines Lebens auf so einen Gipfel gequält hat, erwartet man eigentlich ein bisschen mehr als drei Statuen und ein paar Kerzen. Vielleicht ist genau diese Anspruchshaltung mein Problem. Der Zen-Mönch, der die Höhle bemannte, hätte mir darüber vielleicht einiges beibringen können, wenn er nicht gerade telefoniert hätte.

Höhlenmönch

Runter ging es dann, wie so oft, ein bisschen einfacher. Hat aber trotzdem noch mal eine halbe Stunde gedauert, weshalb es auch schon beinahe dunkel war, als wir unser letztes Tagesziel erreichten, den Biryeong-Wasserfall:

Größerer Wasserfall

Kleine Zusatzgeschichte: Die neonstrahlenden Touristenfallen am Parkeingang wirkten nicht so vertrauenerweckend auf uns, deswegen haben wir uns Abends in die schon erwähnte Stadt Sokcho bussen lassen, um dort noch mal so richtig koreanisch zu essen. Wir können nicht sagen, wir hätten nicht bekommen, was wir wollten. Wir fanden ein nettes kleines Hafenrestaurant, in dem es keine Stühle gab, sondern eben nur diese knöchelhohen Tischchen, vor denen man beim Essen schneidersitzt. Natürlich sprach dort niemand englisch, und die Karte war auch nur voll von Zeichen, mit denen ich nichts anfangen konnte. Die Kellnerin wies auf einen bestimmten Teil der Karte und sagte: „Sashimi.“ Schön, dachte ich, Sashimi ist doch fein, und wir wollten ja Fisch. Ich wählte also willkürlich eines der Gerichte aus, die da standen, und wartete.

Dinner 1

Seht ihr die Tentakel da links in der Mitte im Bild? Die bewegten sich noch ziemlich energisch, als sie auf dem Tisch ankamen, und sie hörten damit eigentlich bis zum Schluss nicht ganz auf. Richtig schlimm war aber das rote Zeug über den Tentakeln. Wir vermuten, dass das so was wie Muscheln in Soße waren, aber das schmeckte so eklig, dass ich es beinahe wieder ausgespuckt hätte und nur mit Hilfe von einigen Löffeln Reis, Kürbis, Salat und Suppe heruntergespült bekam.
Ihr dürft aber bitte nicht denken, das wäre insgesamt nicht gut gewesen. Alles andere – einschließlich der Tentakel – war eigentlich in Ordnung bis ausgezeichnet, nur halt eine ganze Menge. Und gerade als wir dachten, jetzt hätten wir’s geschafft, bekamen wir diese drei Kameraden serviert:

Dinner 2

Die waren noch mal richtig lecker, aber aufgegessen haben wir sie trotzdem nicht. Ich hoffe, die Kellnerin hat verstanden, dass es fantastisch war, aber einfach zu viel für uns.

Inzwischen sind wir wieder im quirligen Seoul angekommen, aber dazu erzähle ich dann ein ander Mal mehr.

10 Responses to There is no way to happiness

  1. Arctica sagt:

    Tja, ich sag ja immer Berge sind doof. Entweder man muss sie mit großer Anstrengung erklettern, oder sie stehen dumm im Bild rum und verdecken die Aussicht. Aber die, die ihr dann von oben hattet ist wirklich toll.
    Das mit dem Essen klingt recht riskant… und wirklich viel! Hat die Kellnerin euch nicht gewarnt, dass das zu viel wird? Wieviel hast du da bestellt? ^^ Und die Tentakel… sehen zwar sehr lecker aus aber deine Beschreibung ist echt eklig!

  2. Muriel sagt:

    @Arctica: Ja, das mit den Bergen sehe ich auch ungefähr so.
    Die Kellnerin hat uns nicht gewarnt, oder zumindest haben wir sie nicht verstanden. Es gab drei „Sashimi“-Gerichte. Eines für 70.000 Won (ca.40,- EUR), eines für 80.000 Won (ca.45,-EUR) und eines für 150.000 Won(ca. 84,- EUR). Ich hab einfach das in der Mitte genommen und dachte, 45,-EUR sind für zwei Leute doch nicht unmäßig. Aber in Korea ist eben vieles anders. Zum Vergleich: Vorgestern Abend haben wir für 3.000 Won zu zweit gar nicht mal ganz schlecht zu Abend gegessen und sind auch satt geworden. Das sind ungefähr 1,70 EUR.

  3. Andi sagt:

    Das Essen wär für mich persönlich schonmal ein Grund, nicht nach Seoul zu reisen. 🙂
    Andererseits: die Aussicht vom Berg war sicher traumhaft, das würde für das Essen entschädigen.

    Wo führt euch die Reise noch hin? Und wie sind die Temperaturen dort? Und wie ist der Zeitunterschied? Ich könnte ja auch googlen, aber dafür bin ich zu faul und zu erkältet im Moment, daher frag ich hier mal. 🙂

  4. Muriel sagt:

    @Andi: Für Faulheit habe ich immer Verständnis. Und mindestens wo wir hinreisen, wäre sicher auch nicht so leicht zu googlen. Wir sind zurzeit in Gyeongju, übermorgen geht es weiter nach Busan, dann kommt Jeju, und dann noch eine gute Woche Beijing.
    Die Temperaturen hier sind zurzeit mit ungefähr 27° tagsüber ziemlich warm, aber abends wird’s auch mal frisch. Demnächst könnte es auch mal regnen, glaube ich.
    Der Zeitunterschied beträgt komfortable sieben Stunden, sodass meine Blogeinträge in Deutschland zu einer total normalen Zeit erscheinen, obwohl ich sie hier noch nach Mitternacht schreibe, wenn ich wieder ins Hotel zurückgekehrt bin.

  5. Andi sagt:

    Stimmt, nach eurer Reiseroute hätte ich lange googeln können. 🙂
    Auf 27 Grad bin ich ein wenig eifersüchtig, wobei es hier auch im Moment 24 Grad ist.
    Danke für die Aufklärung. 🙂

  6. Oliver sagt:

    Tentatel, die sich bewegen. Cool…wobei ich mit dieser Meinung ziemlich alleine darstehe.
    Aber seitdem ich Oldboy gesehen habe, finde ich sowas…ich weiß auch nicht wie, aber halt irgendwie.

    Scheint ja echt nett zu sein in Korea. Ist auf jeden Fall schon mal ein Urlaubsziel der anderen Rat.

    Den Bericht finde ich mal hervorragend. Wenn ich mal zu faul bin, selbst einen Blogeintrag zu schreibe, werde ich den hier einfach als Empfehlung verlinken.

  7. Muriel sagt:

    @Oliver: Danke für das Lob, und die Tentakel waren cool, keine Frage. Erinnerten ein bisschen an Gagh.

  8. Sigrid sagt:

    Dieses fliegenähnliche Dings müsste eine Zikade sein. So etwas ist mir vor ein paar Tagen in Spanien begegnet.

  9. Muriel sagt:

    @Sigrid: Danke für den Hinweis, darauf wäre ich nie gekommen. Zikaden habe ich mir immer ganz anders vorgestellt.

  10. […] 31 ist eine heilige Zahl in Korea. Zu den Kommentaren Warum…..?……..Es gibt eigentlich keinen guten Grund das zu glauben. Es stimmt nämlich auch nicht. Trotzdem gibt es hier einen schönen Beitrag über Muriels Abenteuer in Korea. […]

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