Nimmermehr (18)

Hier ist aus dem fernen Korea der 18. Teil meines Fortsetzungsromans Nimmermehr. Die Fragen, mit deren Antworten ihr mir helfen könntet, stehen am Ende des Textes, nur hier, nicht im PDF.

Kurz zusammengefasst haben wir im ersten Teil eine junge Dame kennen gelernt, die an einem norwegischen Fjord wohnt und offenkundig unter ernst zu nehmenden psychischen Beschwerden leidet. Diese junge Dame bekam in der ersten Szene einen Anruf von Clarence und musste sich auf den Weg machen, um etwas für ihn zu erledigen. Sie bekommt später auch einen Namen, aber noch kennen wir den nicht.
Der zweite Teil stellte uns Sonia vor, eine junge Journalistin, die zurzeit nicht ganz freiwillig ihren Bruder bei sich beherbergt und einen geheimnisvollen Anruf bekommen hat, in dem ihr eine große Verschwörungsgeschichte angekündigt wurde.
Im dritten Teil waren wir dabei, als eine junge Frau, die der Fjordbewohnerin des ersten Teils kein bisschen ähnelte, in Oslo ein Flugzeug nach Deutschland bestieg, auf dem Weg nach Hamburg. 
Im vierten Teil kam Sonia ihrer Verschwörung näher, und zum Schluss stellte sie fest, dass die geheimnisvolle Anruferin den Mord an einem ehemaligen Hamburger Bürgermeister und seiner Familie vorhergesagt hatte.
Im fünften Teil sahen wir einer kinderlieben jungen Frau in einem Hamburger Hotelzimmer dabei zu, wie sie erschöpft auf ihrem Bett lag und sich an ihr hartes Tagwerk erinnerte, das ziemlich direkt mit dem vorhin erwähnten Mord zusammenhängt.
Der sechste Teil führt uns nach Afrika, wo wir einen neuen Mitarbeiter des Unternehmens Discordia, Incorporated, beim Beginn seines ersten Arbeitstages begleiten.
Im siebten Teil fährt Sonia zur Arbeit, frohen Mutes und bereit, sich in die Recherche für die Story ihres Lebens zu stürzen.
Die junge Frau hat im achten Teil noch eine PSP zu retten, zwei Überraschungseier zu essen, einen kleinen Auftrag zu erledigen und einen Kater zu beerdigen, bevor sie sich schließlich auf den Weg zu Sonia macht.
Sonia und die junge Frau, die uns nun endlich verrät, dass wir sie Lenore nennen dürfen, treffen im neunten Teil aufeinander, doch als Lenore siche gerade ernsthaft an die Arbeit machen will, taucht ein unterwartetes – und ein wenig absurdes – Hindernis auf.
Im zehnten Teil gibt es ein leider sehr kurzes Wiedersehen mit Kristina und Lenore und Sonia werden aus ihrer prekären Lage befreit.
Sonia gelingt im elften Teil die Flucht – gewissermaßen -, und wir lernen Clarence endlich mal persönlich kennen.
Lenores Tag hat eine ungute Wendung genommen, aber im zwölften Teil sieht sie schon wieder ein bisschen Licht.
Im dreizehnten Teil lernen wir Sonias Chef ein bisschen besser kennen, und er wiederum hat das zweifelhafte Vergnügen, Lenores Bekanntschaft zu machen.
Im vierzehnten Teil nimmt besagte Bekanntschaft ihren Lauf und kein gutes Ende.
Der fünfzehnte Teil führt uns nach Afrika. Wir besuchen Philippe, Kira und Clarence, aber es gibt leider keinen Tee und keine Kekse. Außerdem begleiten wir Sonias Bruder Marten zu seinem Lieblingsdealer.
Im sechzehnten Teil tritt mit Jan Hauptmann ein neuer Mitspieler auf, von dem wir erstmal nicht viel mehr erfahren, als dass er zum Thema Sauberkeit und Ordnung geteilter Meinung ist. Lenore erwacht aus einem langen, tiefen Schlaf, ohne sich besonders erholt zu fühlen. Trotzdem weiß sie nun, was sie zu tun hat.

Detaillierter könnt ihr bei Bedarf oben bei den Geschichten nachlesen, was bisher geschah.  Jetzt aber los:

Pedro saß an seinem Küchentisch und aß sein Lieblingsknuspermüsli. Er las dabei einen Roman von Terry Goodkind und erholte sich von seiner Arbeit. Er hasste seine Arbeit. Und er hasste diesen dämlichen Wichser, den er während der Arbeit darstellte. Er wusste gar nicht mehr, wie es angefangen hatte, aber er hatte sich irgendwie gedacht, er müsste ein harter Kerl sein, wenn er Drogen verkaufen wollte. Wann er sich dabei zu so einem dummen Arsch entwickelt hatte, konnte er nicht mehr so genau sagen.
Andererseits funktionierte es. Die dämlichen Junkies sahen ihn an als würde er ihnen jeden Moment die Nase abbeißen, und auch die anderen Dealer behandelten ihn mit angemessenem Respekt. Ein paar Mal hatte er jemanden zusammenschlagen müssen, das ließ sich in diesem Business nicht vermeiden, aber im Großen und Ganzen lief es smooth.
Er hatte einen riesigen Plasmafernseher, einen Festplatten-DVD-Rekorder und einen BMW. Es gab viele Leute, die ihren Job hassten, und die meisten von ihnen verdienten nicht ein Zehntel von dem, was bei ihm übrig blieb. Bei den Gelegenheiten, wenn er ihn anrief, zahlte Clarence ihm einen sehr ordentlichen Zusatzverdienst. In ein paar Jahren würde er sich ein großzügiges Landhaus in Irland kaufen und den Rest seines Lebens Schafe hüten können.
Er lachte leise, als er sich das vorstellte. Hoffentlich würde es ihm wirklich gefallen. Er würde wohl einen größeren Müslivorrat mitnehmen müssen. Und Bücher, denn Englisch lesen war ihm zu mühsam. Lieferte Amazon auch nach Irland?
Jemand klopfte an seiner Tür. Es war ein schnelles, eiliges Klopfen. Er hörte das oft. Er fragte sich, wie die miesen kleinen Loser immer an seine Adresse kamen.
Pedro seufzte und schlüpfte in seine Pedro-Attitüde wie in einen viel zu engen, schrecklich unbequemen und völlig lächerlichen Konfirmationsanzug, bevor er die Tür öffnete.
„Was willst du, du Opfer?“
Auf dem Flur stand ein überraschend aufgeräumtes Mädel mit völlig klaren Augen, wenn auch ziemlich verquollenem Gesicht, und kein bisschen zitternden Händen. Ihre Frisur erinnerte ihn an eine Figur aus Alien v. Predator. Er hatte diese Figur ziemlich gemocht, aber leider war sie früh gestorben. Er fragte sich, ob er mit der Einordnung des Besuchs voreilig gewesen war und dachte über eine angemessene Entschuldigung nach, doch sie kam ihm zuvor.
„Pedro?“
Er nickte. Und entschied sich gegen die Entschuldigung. Wenn schon, dann auch richtig.
„Was is los, mach schon, ich hab grad ne Nutte im Bett.“
Zu seiner Überraschung wandte sie ihren Blick ab, als würde sie das peinlich berühren. Wer hatte denn heute noch Schamgefühl?
Er dachte gerade zum zweiten Mal über eine Entschuldigung nach, als er sich plötzlich auf seinem Fußboden wieder fand, zu Füßen der blonden Besucherin. Was hatte sie gemacht? Er hatte gesehen, wie ihre Hand sich bewegte, aber… Reflexartig griff er nach der Magnum in seinem Gürtel. Sie versetzte seiner Hand einen kräftigen Tritt. Er hörte ein unangenehmes Knacken und spürte einen scharfen Schmerz in der Hand.
Sie zog ihre eigene Pistole und hielt sie wie die Polizisten im Fernsehen, wenn sie eine Wohnung durchsuchten, mit beiden Händen vor sich. Die Polizisten hatten dort allerdings keine Schalldämpfer vor ihren Waffen. Ihre Nüstern blähten sich als könnte sie es riechen, ob noch jemand hier war.
„AAH! Scheiße, was hast du“
Sie unterbrach ihn mit einem weiteren Tritt, der ihm mindestens eine Rippe brach, dann zog sie die Tür hinter sich zu.
„Wo steckt sie?“ fragte sie.
Pedros Wohnung war winzig. Die einzigen denkbaren Verstecke waren der Kleiderschrank, unter seinem Bett und der Winkel hinter der offenen Badezimmertür. Pedro begann zu ahnen, wer seine Besucherin war. Ihm wurde heiß, und sein Herzschlag beschleunigte sich.
„Hier ist niemand außer mir, okay?“
Sie glaubte ihm nicht.
„Sie haben gesagt-“
„Jaja, das war gesponnen. Glaub nicht alles, was die Leute dir erzählen.“ Er versuchte sich an einem offenen Lächeln. „Du musst Lenore sein.“
Jetzt schien sie beschlossen zu haben, ihm vorerst zu glauben. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit und den Lauf ihrer Glock auf ihn. Er spürte den Angstschweiß auf seiner Haut.
„Kriechen Sie drei Meter zurück, langsam. Dann nehmen Sie sehr langsam die Waffe aus Ihrem Gürtel und schieben Sie zu mir rüber.“
Er tat es. Es war nicht leicht, mit einer gebrochenen Hand und zwei gebrochenen Rippen. Aber er war schon früher verletzt worden. Er war auch schon öfter mit einer Waffe bedroht worden. Dies war anders. Er hatte von Lenore gehört.
„Was wollen Sie denn von mir? Ich hab keinen Stoff hier in der Wohnung.“
Sicherheitsmaßnahme. Er hatte nie was davon gehört, dass Lenore auf irgendeiner Droge war, aber er hatte keinen Grund anzunehmen, dass er alles über sie wusste.
„Wer war der Junge, den Sie mir zum Bahnhof geschickt haben?“
Er schluckte. Eigentlich hätte er es selbst machen sollen. War sie deshalb hier?
„Das war… Der Kerl heißt Marten. Marten…“
„Schopp?“
„Genau!“
„Wo finde ich ihn?“
„Er wohnt“
„Ich weiß, wo er wohnt“, unterbrach sie ihn. „Da ist er nicht. Ich will wissen, wo ich ihn finde.“
Woher soll ich das wissen, wollte er gerade fragen, da fiel ihm ein, mit wem er sprach.
„Er hat ne Freundin… Ich weiß nicht, wie die beiden genau zueinander stehen, aber ich seh‘ sie öfter zusammen. Nennt sich Kalle, die wohnt in Blankenese, Kardinal-Waltner-Straße 115. Sonst weiß ich nicht, wo er sein kann.“
„Wer sind seine anderen Freunde?“
„Ich glaube, er hat nicht viele.“
Sie trat noch einmal gegen die gebrochenen Rippen. Er schrie auf.
„Hören Sie auf zu quieken, was sind Sie denn für einer?“
„Ich seh‘ ihn wirklich sonst nie mit jemandem.“
„In Ordnung.“ Sie dachte kurz nach, dann nickte sie. „Er ist bei Kalle. Danke, Sie waren mir eine große- “ Sie stockte. „Was ist das denn?“
Sie blickte konsterniert auf etwas hinter ihn. Sie steckte ihre Glock ein und ging an ihm vorbei in seine Küche.
„Das ist ja ein Buch!“
Was war denn jetzt passiert?
„Ja… Stimmt was nicht damit?“
„Es überrascht mich, dass Sie lesen. Fantasy, wenn auch keine besonders gute. Das ist ungewöhnlich.“
Und jetzt? Er sah sie stumm an. Sie erwiderte seinen Blick. Er dachte an sein irisches Herrenhaus, während ihre Hand unter ihre Jacke glitt.
„Ihre Wohnung hier ist auch ziemlich bescheiden. Sie sind ein interessanter Mann. Wahrscheinlich reden Sie sich ein, dass Sie in Wirklichkeit ganz anders sind.“
Er sah seine Magnum neben der Tür liegen, drei Meter von ihm entfernt. Keine Chance. Er dachte an seine Schafzucht.
„Sie hätten Clarence nicht hintergehen sollen. Er mag das nicht. Wenn Sie dafür bezahlt werden, mir selbst das Set zu bringen, dann sollten Sie’s auch selbst machen.“
Die Hand glitt langsam wieder unter ihrer Jacke hervor und hielt die Glock mit dem Schalldämpfer. Dann setzte sie sich auf seinen Stuhl neben dem Küchentisch und hob seinen Löffel aus der Müslischale.
„Man denkt immer, Müsli wäre gesund, aber dieses hier ist es jedenfalls ganz bestimmt nicht. Wissen Sie eigentlich, wie viel Fett und Zucker in diesem Zeug ist?“ fragte sie, und dann erschoss sie ihn, ohne sich zu ihm umzudrehen.

Lenore war sich nicht sicher, ob der Wachmann tot war. Vielleicht lebte er noch. Lenore war sich auch nicht sicher, ob Dr. Meiller den Polizisten von Sonia erzählt hatte. Vielleicht hatte er es getan. Falls eine dieser beiden Möglichkeiten eingetreten war, wurde Sonias Wohnung bestimmt observiert. Falls nicht, war es immer noch nicht ausgeschlossen.
Lenore war nicht bereit, dieses Risiko ohne zwingenden Grund einzugehen, deshalb war sie ihrem ersten Impuls nicht gefolgt, zu Sonias Wohnung zu fahren und dort nach den fehlenden Beweisen zu suchen.
Wenn sie Sonias Bruder hatte, konnte sie ihn in ihre Wohnung schicken. Er hatte sicherlich einen Schlüssel und wusste vielleicht sogar, wo sie was aufbewahrte. Mit viel Glück wusste er vielleicht sogar, wo sie war.
Lenore verließ das Mietshaus in der Schanzenstraße und stieg in das Taxi, das sie vom Bahnhof hierher gebracht hatte. Sie stieg immer hinten ein, wenn sie Taxi fuhr.
„Wohin geht’s jetzt?“
„Kardinal-Waltner-Straße in Blankenese, kennen Sie das?“
„Klar.“
Er fuhr los.
„Sie sind noch jung“, sagte sie, „Sind Sie Student?“
„Muss jeder junge Taxifahrer ein Student sein?“
Sie atmete aus. Fast ein Seufzen. Als er merkte, dass sie nicht weiter auf seine Gegenfrage reagieren wollte, sagte er:
„Ich bin sogar schon Diplombetriebswirt. Ich heiße Matthias.“
„Glückwunsch. Lenore.“
„Wie der Rabe bei Poe?“
Sie lächelte. Der Rabe. Warum dachten so viele an den Raben, obwohl der doch gar nicht so hieß. Trotzdem war es gar nicht mal ganz falsch. Der Rabe hieß Nimmermehr, und das war ihr wahrer Name.
„Ganz genau. Macht Ihnen Ihr Beruf Spaß?“
Er sah sie durch den Rückspiegel an. Vielleicht wollte er sehen, ob sie mit ihm zu flirten versuchte. Der Gedanke verursachte ihr leichte Übelkeit.
„Ich hatte mir schon was anderes gedacht, aber es ist besser als gar nichts. Manchmal ist es sogar wirklich interessant, wenn man nette Fahrgäste hat.“
Er zwinkerte ihr durch seinen Rückspiegel zu und grinste sie an. Als sie sein Grinsen nicht erwiderte, verschwand es wieder.
„Haben Sie oft nette Fahrgäste?“
„Ab und zu. Viele Leute reden nicht mit dem Fahrer, das ist eigentlich schade. Ich glaube, sie fühlen sich sogar ziemlich unwohl beim Schweigen, aber irgendwie trauen sie sich auch nicht, was zu sagen, sogar wenn ich ein Gespräch anfange. Das liegt an der erzwungenen Nähe. Ist ein bisschen wie im Fahrstuhl.“
„Fahrstuhl?“
„Kennen Sie das nicht? Wenn mehrere Leute in einem engen Fahrstuhl zusammengedrängt sind, können die meisten sich nicht mal gegenseitig ansehen. Die erzwungene Nähe ist ihnen so peinlich, dass sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Deshalb versuchen sie, die anderen zu ignorieren.“
Sie sah nachdenklich aus dem Fenster. Sie sah beleuchtete Fenster, hinter denen Familien fernsahen. Sie sah zwei Polizisten auf Fußstreife. Und sie sah eine alte Frau, die sich mit Hilfe eines Rollators voran schob.
„Was machen Sie denn?“ fragte er.
„Ich töte Menschen“, antwortete Lenore.
Er lachte.
„Zahlen Sie mir auch 800 Dollar für die Nacht?“
„Es ist ganz egal, was ich Ihnen zahle. Ich nehme es Ihnen sowieso wieder weg, nachdem ich Sie umgebracht habe.“
Er lachte wieder.
„Sie wissen, dass am Ende der Taxifahrer den Killer erschießt.“
„Nicht in meinem Film.“
Er lachte wieder, aber diesmal eindeutig nur aus Höflichkeit.
„Das hat Vincent sicher auch gedacht“, murmelte er.
Sie sah weiter aus dem Fenster. Jetzt fuhren sie auf der mittleren Spur und sie konnte die Menschen in den Autos rechts von ihnen beobachten. In einem der Autos saß ein junges blondes Mädchen mit Kopfhörern, das Lenores Blick erwiderte und ihr fröhlich zuwinkte. Lenore winkte zurück und stellte sich vor, was für ein exquisit trauriges Gefühl es wäre, das fröhliche Mädchen zu töten. Sie dachte an das Leben, das das Mädchen möglicherweise vor sich hatte, an die Menschen, denen es Freundin, Geliebte, Mutter sein würde, an die Freude, die das Mädchen erleben würde und an das Unglück, das ihm widerfahren würde. Sie dachte darüber nach, wie offen und neugierig ihr dieses Mädchen mit dem freundlichen Lächeln gegenüber treten würde, bevor sie ihr die Kehle durchschnitt.
Kinder hatten einen besonderen Platz in ihrem Herzen.
„Vincent war der Killer in Collateral“, sagte Matthias. Offenbar nahm er an, dass sie nicht antwortete, weil sie nicht verstanden hatte, wovon er sprach.
„Es hat ihm am Ende gar nichts ausgemacht zu sterben, oder?“ sagte sie.
Er schüttelte den Kopf.
„Er hatte ja eigentlich nichts, wofür er leben wollte. Er war eine leere Hülle. Darum geht es in dem Film.“
Ach was.
„Welche Hausnummer?“ fragte er, als sie in die Zielstraße einbogen.
„Einhundertfünfzehn. Haben Sie etwas, wofür Sie leben wollen, Matthias?“
„Hm. Ich meine, natürlich. Aber wenn Sie wissen wollen, was das ist, würd’ ich gern noch ein bisschen überlegen.“
Er hielt vor Haus Nr. 115.
„Überlegen Sie. Wäre doch gut, das zu wissen, bevor ich Sie umbringe, oder?“
Sie lächelte ihn durch den Rückspiegel an.
„Da haben Sie recht“, sagte er belustigt. „Soll ich wieder warten?“
„Klar.“
Sie stieg aus.

Ich hatte im letzten Beitrag ja damit begonnen, Fragen zu stellen, unter anderem die, ob ich in Zukunft weiter solche Fragen anbieten soll, um euch Hinweise zu geben, wie ihr mir besonders helfen könntet. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen, deswegen gibt es auch heute wieder Fragen für euch:

  1. Wie kommt die Pedro-Szene bei euch an? Was denkt ihr über ihn? (Die ist ziemlich weit gefasst, ich weiß.)
  2. In der zweiten Szene gibt es ein langes Gespräch, nicht das erste dieser Art in der Geschichte. Interessiert euch sowas, oder findet ihr das eher lästig?
  3. Hier tauchen wieder einige Referenzen zu dem Film Collateral auf. Kennt ihr den Film? Und findet ihr die Anspielungen passend, oder stören sie euch eher?

15 Responses to Nimmermehr (18)

  1. Klasse, trotz Weitwech ein neues Kapitel! Und Fragen.
    1. Die Pedro-Szene finde ich interessant (was so im Kopf eines Dealer vorgehen könnte) und kam mir nicht zu langatmig vor.
    Pedro ist (ach, dank Lenore kann ich ja jetzt sagen: war) für mich ein Unsympath, trotz seiner Selbstverachtung, denn Zweifel im Sinne von Mitgefühl für seine Opfer hatte er ja offensichtlich nicht. („…miesen kleinen Loser…“)
    2. Ich mag Dialoge, gern auch länger. Besser, als wenn Mord auf Mord folgt. 🙂
    3. Den Film kenne ich nicht bzw. nur vom Hörensagen, deswegen kann ich mir die Anspielungen nur vage zurechtreimen (bzw., nachdem ich mir kurz den Wikiartikel zum Film durchgelesen habe, etwas besser). Ein paar Anspielungen würden mich nicht stören, solange sie für die Handlung nicht allzu entscheidend werden. Sollte das der Fall sein, hätte ich wohl als jemand, der relativ wenige Filme kennt, ein Problem. Aber ich bin da kein guter Maßstab, kannst ja als Autor schlecht Rücksicht auf das filmische Nichtwissen einzelner Leser nehmen.

  2. Andi sagt:

    So, ich auch wieder:

    1. Pedro-Szene find ich soweit wieder gut. Mir gefällt auch, wie du in die nächste Szene dann überleitest und erklärst, wieso Lenore plötzlich vor seiner Tür stand. Interessant war natürlich auch, dass er nicht der harte Typ ist, den er so als Dealer gibt. Gut hätte mir gefallen, wenn er noch was anderes gelesen hätte, als einen Fantasy-Roman. Vielleicht was von Thomas Mann oder so? Irgendwas Deutsches Schöngeistiges? Aber das ist Geschmackssache. Man traut ihm nach den ersten Szenen mit ihm ja nicht mal zu, dass er überhaupt lesen kann. Ich glaub, die Figur bedarf auch ansonsten keiner weiteren Erklärung, z.B. warum er zum Dealer wurde und wie er an Clarence geriet. Ist jetzt, wo er tot ist, uninteressant.

    2. & 3.
    Fand das Gespräch jetzt eher belanglos. Auch deswegen, wiel ich den Film nicht kenne und ich mich bei Büchern immer ärgere, wenn dort eine Anspielung auf einen Promi/ein Lied/ein Buch gemacht wird, wo ich nicht mitreden kann, weil mir das alles völlig unbekannt ist. (Aber wie das Fellmonsterchen schon schrieb: darauf kann ein Autor keine Rücksicht nehmen. Daher: passt schon – wenn du nicht grad den Film kopieren willst.)
    Interessant an der Szene und dem Dialog ist aber, dass man noch mehr über Lenor erfährt. Sie scheint ja eine irre Faszination auf die Menschen auszüben – ansonsten wäre der Taxifahrer auch nicht so redselig und würde auf sie warten.
    Täusch ich mich, oder kam schon wieder der Hinweis darauf, dass Kinder in Lenores Herzen einen besonderen Platz innehaben, oder so ähnlich? Wie auch immer: da erwarte ich noch Aufklärung. 🙂

    So, und jetzt schreib mal schön weiter, ich will wissen, wie es weitergeht. 🙂

  3. Muriel sagt:

    @Andi: Ich hatte auch an ein anspruchsvolleres Buch gedacht, fand das dann aber doch ein bisschen zu viel des Guten.
    Interessant, dass ihr alle Collateral nicht gesehen habt. Der ist gut. Ich kann Tom Cruise auch nicht leiden, aber Collateral hat mich beeindruckt.
    Was die Kinder angeht: Da kommt noch ein bisschen was, aber Aufklärung, weiß nicht… Werden wir sehen.

  4. Andi sagt:

    Ja, ein anspruchsvolleres Buch wäre vielleicht zuviel an Skurrilität.
    Tom Cruise spielt da mit? Ein Grund mehr, sich den nicht anzugucken. Da bin ich ja sowas von intolerant. 🙂 Aber wenn die weiteren Szenen keine Anspielungen mehr auf den Film haben, bin ich gütig gestimmt.

    Ich würde gerne die nächsten Kapitel ausgedruckt und in Buchform haben, damit ich im Bett und in der Bahn weiterlesen kann. Wäre das irgendwie möglich? 🙂

  5. Muriel sagt:

    @Andi: Ich glaube, ein bisschen was kommt noch. Aber nicht mehr viel.
    Was das mit der Buchform angeht: Wenn jemand hier einen Verleger kennt, soll es an mir nicht liegen. On Demand kann ich’s gerne selbst liefern, aber das wird dann wahrscheinlich zu teuer…

  6. Oliver sagt:

    Pedro kommt nicht ganz klar rüber. Müsste vielleicht etwas deutlicher herausgearbeitet werden. Die langen Gespräche finde ich gut. Die Anspielung zum Film Collateral finde ich, so wie sie hier ist, nicht gut gelungen.

  7. Muriel sagt:

    @Oliver: Danke für die Kritik, sowas hilft immer. Aber ich wüsste gerne noch, was dir an der Anspielung missfällt.

  8. Oliver sagt:

    Ich habe die Anspielung nicht gecheckt. Oder zu spät gecheckt. Dann empfand ich die Auflösung nicht als raffiniert.
    Es ist halt schwer eine Referenz auf einen Film zu machen, der kein Klassiker ist.

  9. Muriel sagt:

    @Oliver: Da sollte eigentlich auch gar nix raffiniert sein. Nur zwei Leute, die über einen Film reden. Aber vielleicht ändere ich da doch noch mal was, danke jedenfalls.

  10. Oliver sagt:

    Okay, dann habe ich mich nicht genau ausgedrückt. Ich versuche es mal so…Also ich kenne ja den Film, habe ihn gesehen.
    Als der Dialog anfing, war mir dann noch unklar, worum es ging. Als es aber klarer wurde, wurde es klarer, aber ohne einen Aha-Effekt. Ich finde, der hätte das gut abgerundet. Das habe ich vermisst.

  11. Muriel sagt:

    @Oliver: Vielleicht fällt mir ja noch einer ein. Ich überlege. Oder hast du eine Idee?

  12. Oliver sagt:

    Es wäre ja auch erstmal interessant zu wissen, wie jemand reagiert hat, der das von Anfang an gecheckt hat…Kann ja auch gut sein, dass es im Allgemeinem gut ankommt, nur bei mir halt nicht 😉
    Das hängt ja auch ein wenig vom Gesamtkonzept ab des Buchs.
    Also wenn der Taxifahrer sagt, dass die Taxifahrer immer überleben….was ist mit Tom Cruise, der stirbt in seinen Filmen normalerweise auch nicht!? Aber in dem Film schon! Vielleicht also da schon vorher Tom Cruise reinbringen, und am Ende des Dialogs schreiben:
    „Tom Cruise hat das auch sicher gedacht. Aber die Leute lieben nun mal ein Happy End!“
    Vielleicht noch am Angang eine kurze Referenz zu Taxi Driver…und dann zu Collateral rüber schwanken.
    Das sind aber alles nur so kleine Ideen. Keine Garantie, dass es dann besser wird!!
    Beim zweiten Lesen liest sich der Dialog schon viel besser. Vielleicht auch, weil ich nun von vornherein weiß, worum es geht!

  13. pampashase sagt:

    Die Pedro-Szene find ich gut, einfach im Hinblick darauf, dass Menschen nicht immer so sind, wie sie nach außen scheinen. Buchwahl find ich gut, wenn da jetzt ein Super-Literarisches-Werk liegen würde, er also soooo clever ist, dann wäre er wahrscheinlich auch kein Dealer.

    Die Gespräche finde ich wichtig, bzw. Leonores Gedankengänge, um ihren Character besser kennen zu lernen.

    Ich kenne den Film, kann mich aber eigentlich nicht besonders gut dran erinnern, habe aber die Anspielung trotzdem schnell erkannt. Ansonsten hätte ich es einfach, als Teil des Gespräches, überlesen.

  14. madove sagt:

    1) Hahaa, ich habs doch gewußt, daß Pedro ein bißchen interessanter ist als der olle Klischeedealer. Aber auch nicht zu perfekt sympathisch. Prima. Ich mochte den „unbequemen und völlig lächerlichen Konfirmationsanzug“.
    2) Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, daß zuviel direkte Rede schlechter Stil ist, stelle aber fest, daß ich Deine Dialoge eigentlich besonders mag. sie sind gleichzeitig wirklich pfiffig UND glaubwürdig, was seltsam ist, weil reale Dialoge, denen sie ja ähneln müßten, eigentlich selten so interessant sind. Versteh ich nicht, klappt aber.
    3) Den Film nicht kennend, habe ich mich ein klitzekleines bißchen geärgert und ansonsten ist die Anspielung an mir vorbeigerauscht, ohne größeren schaden anzurichten.

  15. Muriel sagt:

    @madove: 1) Die Konfirmationsanzüge, die wie tragen, haben wir selbst geschmiedet.
    2) Wow. Danke.
    3) Der ist durchaus sehenswert. Sicher nicht der beste Film aller Zeiten, aber echt gut. Man muss Tom Cruise halt abkönnen. Aber in Collateral rockt er auch wirklich.

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