„Guten Tag! Danke! Bratwurst! Sauerkraut!“

Hier ist der aktuelle Südkorea-Reisebericht, nur für euch: Nach Seoraksan sind wir zwar nach Seoul zurückgekehrt, aber da ich eure Geduld auch nicht überstrapazieren will, überspringe ich diesen Teil. Das bewahrt euch auch vor den Überschriften „All About Seoul“ und „You’re My Heart, You’re My Seoul“, die ich mir gedanklich bereits zurechtgelegt hatte.

Nach unserer letzten Nacht in der südkoreanischen Hauptstadt standen wir unmenschlich früh auf, um kurz nach sieben den KTX in Richtung Gyeongju nehmen zu können. Der KTX ist sozusagen der koreanische ICE, nur dass er ein bisschen weniger futuristisch aussieht, dafür aber wesentlich schneller unterwegs ist. Weil er sein ganz eigenes Gleisnetz hat und darauf von keinem anderen Zug gestört wird, kann er tatsächlich die meiste Zeit über seine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h fahren, so dass wir schon gegen 10:30 Uhr an unserem Ziel waren und nach der Verbringung unserer Koffer ins Hotel mit dem Besichtigen beginnen konnten. Nur am Rande sei erwähnt, dass in Korea übrigens die erste Klasse nicht wie in Deutschland das Doppelte kostet, sondern mit einem läppischen Aufschlag von ungefähr 10 Prozent tatsächlich erschwinglich ist. Daran könnte sich jemand ein Beispiel nehmen, finde ich.

KTX

Gyeongju muss man sich in großen Teilen ein bisschen wie ein Freilichtmuseum vorstellen. Die ganze Stadt ist voll mit gemischtem altem Kram und offenbar besonders bekannt für ihre grünen Grashügel, unter denen olle Könige samt Frauen und Generalen begraben liegen.

Grabhügel

Die vermummenten Leute da im Vordergrund sind keine Grabräuber, sondern Gärtner, die die Parkanlagen in Ordnung halten.

Ein weiteres wichtiges Wahrzeichen der Stadt ist Cheomseongdae das älteste Observatorium Asiens, das aber leider gerade eingerüstet war, als wir es besichtigen wollten.

Sternwarte

Ich finde Observatorium aber eigentlich sowieso reichlich hoch gegriffen als Bezeichnung für einen Steinturm, auf den man raufklettert, um besser die Sterne sehen zu können. Besonders hoch ist es auch nicht, wie man auf dem Foto sieht.

 So richtig begeistern konnte uns dann erst der so genannte Anapji-Teich mit teilweise rekonstruierter Schlossanlage.

Anapji

Ein wunderhübscher Teich mit Park, in dem man nicht nur Enten und Koi, sondern auch Schildkröten beobachten kann. Anfangs wurde uns der Genuss noch ein bisschen erschwert, weil ein junger Mann aus der Touristeninformation, der sich in seiner Freizeit als Fremdenführer verdingt, uns als lohnendes Ziel erwählt hatte und uns gar nicht mehr in Ruhe lassen wollte. Nachdem er herausbekommen hatte, dass wir aus Deutschland stammen, begann er, wahllos mit deutschen Begriffen um sich zu werfen, die irgendwo aufgeschnappt hatte, und uns plumpe Komplimente für unsere Nationalität zu machen. Ich erinnere mich noch, dass Deutsche unwahrscheinlich stark und gesund sein sollen, weil sie so viele Kartoffeln essen.

Eine Kleinigkeit noch zum Schluss, bevor ich diesen Reisebericht vorerst beenden muss: Es bot sich uns die wundervolle Gelegenheit, Gyeongju mit einem Tandem zu erkunden, und wir haben sie selbstverständlich wahrgenommen. Ich weiß nicht, ob ihr das schon mal versucht habt, aber wir fanden es sehr interessant. Es ist vor allem ziemlich irritierend für denjenigen, der hinten fährt. Der kann nämlich nicht lenken, versucht es aber natürlich trotzdem dauernd. Richtig sehen kann er auch nichts von seinem Platz aus. Dieser Tandem-Effekt tritt übrigens auch in anderen Zusammenhängen als beim Fahrradfahren auf und sollte in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden.

Für heute war das alles von Gyeongju, es gibt aber bald noch mehr. Dann erzähle ich euch unter anderem vom romantischen Pornokrug und dem göttlichen Nazizaun.

11 Responses to „Guten Tag! Danke! Bratwurst! Sauerkraut!“

  1. Andi sagt:

    Ein göttlicher Nazizaun? Hat euer merkwürdiger Fremdenführer noch mehr deutsche Klischees vom Stapel gelassen? Das mit der Kartoffel scheint aber im Ausland weit verbreitet zu sein. Das hab ich so ähnlich schon aus anderen Ländern gehört.

  2. Muriel sagt:

    @Andi: Der Zaun wird bald erläutert, du wirst sehen.
    Der Fremdenführer berichtete auch, dass Deutsche ja sehr sparsam seien („Frugal“ war das englische Wort, das er benutzte.). Dass er da als Beispiel unsere Kleidung anführte, die seiner Meinung nach im Vergleich zu der koreanischer Studentinnen eher schlicht war, haben wir ihm durchaus auch ein bisschen übel genommen.
    Manche Leute sollten ihre Marketing-Strategie noch mal überdenken.

  3. Andi sagt:

    Tja… jetzt müsste man wissen, wie ihr euch und wie koreanische Studentinnen sich kleiden. 🙂
    Und täusche ich mich, oder ist „frugal“ das völlig falsche Wort?

  4. fragmentjunkie sagt:

    Ohja, witzig. Das sind ja noch vergleichsweise nette Vorurteile.

  5. Muriel sagt:

    @Andi: Frugal (als englisches Wort, das er natürlich benutzt hat), kann durchaus sparsam heißen, das passt also einigermaßen.
    @fragmentjunkie: Natürlich sind die noch einigermaßen nett. Er wollte uns ja als Kunden gewinnen, der olle Schleimer.

  6. Andi sagt:

    Und? Hat er es geschafft? Habt ihr ihm etwa tatsächlich was gezahlt?

  7. Muriel sagt:

    @Andi: Na, was denkst du denn? Spätestens wenn ich merke, dass jemand mich verschaukelt, ist es mit der Großzügigkeit vorbei, sogar im Urlaub. Es sei denn, er macht es so gut, dass ich es schon wieder honorieren muss.

  8. Andi sagt:

    Das beruhigt mich ein Stück weit. 🙂

  9. […] Andere haben Werbung für Vodafone gemacht und stehen trotzdem sauber da. Ich war immer korrekt. Im Ausland weiß man das zu schätzen. Diese Wertschätzung habe ich in Deutschland nie bekommen. Versteht […]

  10. Augenfarbe sagt:

    Klingt, als sei der Fremdenführer eine Antwort auf die Frage, wer denn Spams und warum gerade so schreibt, gewesen.
    Ich habe grade relativ spontan beschlossen, deine Südkorea-China-Reiseberichte zu lesen und finde bisher alles sehr schön und sehr interessant.

  11. Muriel sagt:

    @Augenfarbe: Wie schön! Ich mag die Reiseberichte auch und freue mich sowieso immer besonders, wenn jemand meine älteren Beiträge entdeckt.

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: