Von künstlerischer Empfindsamkeit und religiösen Symbolen

Für alle, die sich gefragt haben: Ja, wordpress.de ist in China tatsächlich blockiert. Toll. Wer von euch war das? Wer hat hier was Regimekritisches geschrieben und damit riskiert, dass ich neun Tage lang keine neuen Beiträge veröffentlichen kann? Aber ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut und trotzdem einen Weg gefunden, euch den nächsten Reisebericht zu übermitteln, in dem es aber erst mal noch gar nicht um China gehen soll. Bin ja gerade erst angekommen.

Los geht’s also, und ich habe nicht vergessen, was ich euch beim letzten Mal versprochen habe: Pornokrug und Nazizaun.

In Gyeongju gibt es nicht nur das schon erwähnte vielfältige Freiluftmuseum, sondern auch ein richtiges mit Vitrinen und Audioguides und holografischen Erklärungen zu den Königsgräbern.

Hologramme

Dieses Museum enthält als ein Ausstellungsstück einen Tonkrug, der mit verschiedenen kleinen Skulpturen verziert ist, die unter anderem (laut Audioguide) darstellen wie „ein Mann und eine Frau sich verlieben“. Das hörte ich und war neugierig, wie man das in so winzigen Figuren auf einem Tonkrug zeigt. Ich wanderte also um den Krug herum und fand – nunja, eine ausgesprochen plumpe Darstellung eines beginnenden Sexualaktes, wie Jimmy Pop ihn offenbar bevorzugt, mit allen beteiligten Geschlechtsorganen zwar unbeholfen, aber doch unverkennbar modelliert. Äh. Wie meinte der Audioguide? „… bietet einen wertvollen Einblick in den damaligen Alltag der Menschen, sowie ihre künstlerische Empfindsamkeit.“ Und ich habe tatsächlich das Gefühl, dass ich dies beides jetzt besser verstehe. Hätte ich so was früher im Kunstunterricht so gestaltet, ich frage mich, ob der Lehrer das im Gespräch mit meinen Eltern auch so formuliert hätte.

Da wir gerade bei lustigen Museumsstücken sind, fällt mir noch das hier aus dem Nationalmuseum in Seoul ein:

Heiliger Rückenkratzer

Priester haben diese Zepter benutzt, um sich zu kratzen, wo man mit der Hand nicht hinkommt. Alternativ konnten sie damit, so der Beschreibungstext, Würde und Majestät symbolisieren, und schließlich bringt das Ding auch noch Glück. Sowas müsste man haben, oder?

Kommen wir zum nächsten Thema, und wer hier aufmerksam mitliest, wird schon ahnen, dass unsere Besichtigungstour uns zu einem sehr hübschen Tempel führte.

2 Götter, die zufällig auch gerade da waren

Da habe ich ein Accessoire gefunden, das bei uns im Lande manch einer wahrscheinlich nur zu gerne im Garten hätte, wenn er denn dürfte.

Nazizaun

Steintürme gab es auch wieder reichlich, ich finde diesen Brauch ja zu schön.

Die habe ich nicht alle selbst gebaut

Quasi einen Ableger dieses Tempels gibt es noch in einer Höhle in einem Hügel in der Nähe, den will ich euch auch nicht vorenthalten, weil dieser Schrein sozusagen die allerhöchste Stufe der buddhistischen Bildhauerei markieren soll.

Der gute Buddha

Und jetzt mal ehrlich: Wer von euch hat erkannt, dass auf dem Foto hier nur ein 1:10-Modell im Museum zu sehen ist? Der echte Schrein ist hinter Glas, und Fotografieren ist strengstens verboten. Ich hatte zwar das Gefühl, der einzige zu sein, der sich daran hielt, aber das ist ja auch mal ein erhebendes Gefühl.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Busan

Busan

– ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann von diesen asiatischen Pavillons gar nicht genug sehen – stellten wir fest, dass es auf die herrliche subtropische Insel Jeju zwar eine Fähre gibt, diese aber knapp 12 Stunden unterwegs ist. Deshalb sind wir geflogen. Und von der Insel erzähle ich im nächsten Reisebericht.

4 Responses to Von künstlerischer Empfindsamkeit und religiösen Symbolen

  1. Andi sagt:

    Das Zepter sieht aus wie ein Schuhanzieher… Aber ich hätte so ein Teil trotzdem gerne, ja. Wobei ich natürlich auch ohne dieses Teil Macht ausstrahle, ist klar. 🙂
    Und von dem Pornokrug kann man leider nicht allzuviel erkennen. Der Nazizaun ist dafür aber der Knaller. 🙂

  2. fragmentjunkie sagt:

    Das ist ja besser als im Phantasialand 😉 8-8 Ich bin schon auf den Bericht von der Insel gespannt.

  3. Muriel sagt:

    @Andi: Das ist ein bisschen missverständlich, zugegeben: Der Krug ist hier ohne Abbildung. Ich wollte meine Jugendfrei-Bewertung von WordPress nicht riskieren…

  4. […] Erfahrung mit der Internetzensur dort hatte ich schon mal kurz erwähnt, aber vielleicht interessiert sich der eine oder andere von euch ja für mehr […]

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