Rub-a-duck-duck

Lange musstet ihr darauf warten, aber heute ist es endlich soweit, hier ist der erste Bericht über unsere Zeit in Beijing. Ich denke, dass es insgesamt drei werden. Am Nachmittag des 25. September sind wir in Beijing gelandet und wurden wider Erwarten sehr freundlich und schnell von den Polizeibeamten an den Einreiseschaltern abgefertigt, die dort eine kleines Konsole vor sich haben, auf der man per Knopfdruck seine Zufriedenheit mit deren Service bewerten kann.

Meine Erfahrung mit der Internetzensur dort hatte ich schon mal kurz erwähnt, aber vielleicht interessiert sich der eine oder andere von euch ja für mehr Einzelheiten:

WordPress ist komplett blockiert, und Facebook auch. Google Reader geht aber ulkiger Weise, und FAZ darf man auch lesen. Wenn man eine zensierte Seite aufrufen will, gibt es kein Stoppschild und keine Diskussion, nur eine Fehlermeldung. Deswegen habe ich die ersten zwanzig Minuten auch gar nicht richtig verstanden, woran es lag. Als mir dann klar wurde, wo ich war, versuchte ich es spaßeshalber mal via VPN-Verbindung über den Server in Deutschland, und siehe da, plötzlich waren all die schönen bunten Seiten wieder erreichbar.

Aber gewiss wollt ihr nicht nur von der Zensur in China lesen, das hier ist ja nicht das Menschenrechtsblog, sondern ein Reisebericht.

Kein Stoppschild

Gegenüber Südkorea gab es in Beijing einen ganz entscheidenden Unterschied: Mein Freundin Keoni kennt aus Zeiten ihres Studiums einige freundliche Chinesen, die sich unglaublicherweise die ganzen neun Tage über immer wieder Zeit genommen haben, um uns die Stadt zu zeigen, mit uns essen zu gehen oder einfach für uns da zu sein. Besonders eine Freundin hat sich dabei hervorgetan, Ihr englischer Name lautet Louise. Chinesen sind in diesen Zeiten unheimlich importbegeistert und legen sich bei erstem Auslandskontakt sofort ein Alter Ego zu, gerne so blumige Namen wie Sky, Rain, Cherry oder Snow. Da Louise kein Deutsch spricht, wird sie das hier mit Sicherheit nie lesen, aber wir danken ihr trotzdem noch einmal ganz herzlich.
Es fing schon damit an, dass sie uns vom Flughafen abholte. Sie hätte das mit ihrem Auto getan, aber in Beijing dürfen an bestimmten Tagen der Woche Autos mit bestimmten Kennzeichen nicht fahren, und am Tag unserer Ankunft war sie dran, deswegen musste es der Bus sein. Sie war aber dennoch eine unschätzbare Hilfe, denn chinesische Bus- und Taxifahrer verstehen kein Englisch und weigern sich in aller Regel auch, Eigennamen zu verstehen, die sie nicht in chinesischen Schriftzeichen vor sich haben. Man kann im Taxi also noch so laut und deutlich „Hilton Wangfujing!“ in das Ohr des Fahrers rufen, er sieht einen nur – je nach Veranlagung – mit freundlicher Geduld oder genervtem Unverständnis an und sagt irgendwas Chinesisches, mutmaßlich: „Ich weiß, was Sie meinen, ich bin ja nicht doof, aber ich fahre trotzdem erst los, wenn ich es Schwarz auf Weiß habe. Da könnte ja jeder kommen.“
Aber das wussten wir ganz am Anfang natürlich noch nicht. Und ich will ja von vorne anfangen.
Das Allererste, was man von Beijing sieht, noch vor der Landung nämlich, ist der Smog. So sieht der Himmel über Beijing an normalen wolkenfreien Tagen aus:

Grau

Und in allen anderen Richtungen außer unten bietet sich in der Regel dasselbe Bild, wenn man nicht gerade direkt vor einem Gebäude steht. Das macht es übrigens ziemlich schwer, schöne Bilder zu machen. Ich hoffe, dass ich trotzdem ein paar für euch finde.
Das Zweite, was man von Beijing sieht, ist der Stau. Von dem bleibt natürlich auch der Bus nicht verschont, deswegen brauchten wir gute zwei Stunden für die 30km vom Flughafen bis zum Bahnhof, und dann noch mal rund 20 Minuten für den letzten Kilometer zum Hotel.
Man hat also viel Zeit, zu bereuen, dass man dort ist. Die Aussicht ist trist, man kommt nicht voran, Sehenswürdigkeiten hat man auch keine entdeckt, und man wünscht sich nach Jeju zurück, wo alles so schön grün und freundlich war.
Aber von da an geht es wieder bergauf. Der erste Sonnenstrahl ist die Taxirechnung, die nämlich irgendwo im Bereich um zehn bis zwanzig Yuan (Ihr erinnert euch) liegt, also so ungefähr einsfünfzig. Dafür kriegt man in Deutschland für gewöhnlich nicht mal ein Busticket. Die ganze Strecke Flughafen-Innenstadt kostet übrigens knapp 100 Yuan, also immer noch unter 10 Euro.
Und dann kommt das Hotelzimmer. Für einen Preis, für den man in Deutschland vielleicht so was wie ein Ibis-Hotel erwarten könnte, bekamen wir in Beijing was richtig Schönes:

Hilton Wangfujing

(Das Foto ist von der Homepage des Hotels, weicht aber nur geringfügig von unserem echten Zimmer ab.)

Unsere Freunde hatten den Abend, wie auch die kommenden Tage, schon für uns verplant und fuhren mit uns zu einem authentischen Peking-Ente-Restaurant in einem original Bejinger Hutong.

Drei Chinesen ohne Kontrabass

Ich weiß nicht, ob ihr Peking-Ente kennt. Ich hatte noch nie eine, weil man die in Deutschland ja offenbar immer vorbestellen muss und ich meine Mahlzeiten nicht so weit in die Zukunft zu planen pflege. Es handelt sich um eine sehr knusprige Ente, die in dünne Scheiben geschnitten serviert, in Soße getunkt und dann mit Frühlingszwiebel- oder Gurkenstreifen in einen Reispapier-Wrap gewickelt vertilgt wird. Man kann sie statt in die Soße auch in Zucker oder in Knoblauchpaste tunken.
Es war lecker, aber wenn ich ehrlich sein soll, wird die Sache überschätzt. Spätestens, wenn man die drei Dipp-Möglichkeiten durch hat, wird die Sache ein bisschen langweilig. Viel begeisterter war ich von den Beilagen und Vorspeisen, die unsere Freunde für uns bestellt hatten, darunter so ein Teller mit drei verschiedenen gebratenen Pilzen, die so unerklärlich gut schmeckten, dass ich bis heute nicht so richtig glauben mag, dass es wirklich nur Pilze waren.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit einem kleinen Rundgang durch die nähere Umgebung unseres Hotels, beginnend mit der großen Einkaufsstraße. Ich finde ja sowieso, dass Supermärkte als Sehenswürdigkeiten unterschätzt werden. Es gibt kaum einen Ort, wo man so viel über ein Land erfährt, wie in seinen Supermärkten. Trotzdem zeige ich euch lieber Fotos von eher klassischen Attraktionen:

Tian'anmen

Tian’anmen,

Zhengyang

das weitaus weniger bekannte, aber viel schönere Zhengyang-Tor an anderen Ende des Platzes,

Maosoleum

die Begräbnisstätte des Großen Vorsitzenden

Palastmuseum von außen

und die Verbotene Stadt, die wir aber an dem Tag noch nicht betreten haben.

Und damit wir nicht vergessen, dass China nicht nur aus hübschen alten Gebäuden und exotischem Essen besteht, gibt es zum Schluss noch ein anderes ganz typisches Bild von den Straßen Beijings:

Freunde und Helfer

[wird fortgesetzt]

11 Responses to Rub-a-duck-duck

  1. Andi sagt:

    Mir vorm Essen vom Essen zu berichten, ist natürlich ein wenig gemein. 🙂

    Was ich ja skurril finde, ist, dass dort an bestimmten Tagen irgendwelche Autos schlicht nicht fahren dürfen. Find ich ja auch irgendwo niedlich. Man stelle sich vor, das würde man hier in Deutschland durchsetzen. An Montagen bleiben alle mit einem D im Kennzeichen mit ihren Autos in der Garage.

  2. Anscheinend hatte ich mit dem Wetter auf meiner Reise nach Peking richtig Glück – bei mir gab’s bis auf den letzten Tag strahlendes Wetter. Und dann war’s auch nur deshalb grau, weil es zu schneien begann. Ich habe damals meine Reiseberichte auf Blogger.com veröffentlicht – das funktionierte im Februar 2009 einwandfrei. Soweit ich weiß wurde seit dem Jahrestag zum Tiananmenplatz (Studentenproteste) einiges gesperrt – bestimmt tragen auch die 60-Jahr-Feiern dazu bei.

    Mit den Bussen hatte ich in Peking keine Probleme – die Durchsagen sind ja auch in Englisch. Zum Flughafen habe ich die U-Bahn genommen, ging absolut unproblematisch!

    Weiterhin gute Reise!
    Gerry
    Andersreisender

  3. fragmentjunkie sagt:

    Eine Ente macht noch keinen Sommer, oder wie war das noch mal?
    Hmm, also das Zimmer sieht echt bombastisch aus 😀

  4. pampashase sagt:

    Sehr interessant, ich freu mich schon auf die Fortsetzung. Und ICH hätte auch gerne Supermarkt-Fotos gesehen… 🙂

  5. Arctica sagt:

    Ja ausländische Supermärkte sind immer unglaublich toll. Ich schau mir die im Urlaub auch gerne an (gut, hauptsächlich um alle mir nicht bekannten Chipssorten aufzusammeln)

  6. Muriel sagt:

    @Arctica: Mit den Chips hast du’s aber, oder? Ich bin ja mehr für Schokolade und deren Derivate.

  7. Arctica sagt:

    Naja, Schokolade weiß ich ja schon, dass sie in anderen Ländern (mit Ausnahme der Schweiz) nichts taugt (wenn es sie überhaupt dort gibt). Außerdem gibts da die verrücktesten Sorten ja sowieso bei uns zu kaufen. Aber Chips kann man in Deutschland in der Feinkostabteilung von Karstadt so lange suchen wie man will, da kriegt man trotzdem keine Käse & Fruchtchutney Chips…

  8. Muriel sagt:

    @Arctica: Nichts taugt, das klingt so hart, so darf man das nicht sehen. Ich habe das früher bei Cadbury auch immer so leichtfertig dahingesagt, aber heute bin ich viel weltoffener und rede mir ein, dass das Zeug… interessant schmeckt.

  9. Kai sagt:

    Das mit der Fahrt vom Flughafen in die Stadt erinnert mich an die Worte von Max Goldt, der ähnliche Erfahrungen schilderte: „Wenn man durch Peking fährt, bekommt man den Eindruck, die ganze Welt sei von einer grauen Kruste namens Peking bedeckt. Man denkt, irgendwann muss doch mal Wilhelmshaven oder wenigstens Teheran kommen, aber nein, man ist immer noch in Peking.“
    Mich hat mein bisher einziger Aufenthalt in Peking nicht sonderlich beeindruckt, was aber sicher auch daran liegt, dass ich vorher schon so schöne chinesische Ecken wie Suzhou, Guilin, Zhangjiajie oder Xinjiang gesehen hatte. Eindrücke sind ja immer auch davon beeinflusst, in welcher Reihe man sie macht…

  10. Muriel sagt:

    @Kai: Willkommen und Danke, das hat Max Goldt wirklich ganz treffend gesagt.
    Mit der Reihenfolge hast du sicher Recht. Sollte ich eines Tages die schönen Ecken kennenlernen, werden sie mir dann umso besser gefallen. So gesehen habe ich mir das doch ganz gut ausgesucht.

  11. Andi sagt:

    Max Goldt ist geil… Ich hatte die Stelle auch im Kopf, als ich hier die Reiseberichte gelesen habe. Aber ich konnte sie nicht genau zitieren und war auch zu faul, sie rauszusuchen. 🙂

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