Liebe Marketingstrategen

…von Amazon.de, Conrad, UCI Kinos und vielen anderen Unternehmen, wie mir was verkaufen wollen,

wahrscheinlich stellt ihr euch das ungefähr so vor:

„Wenn Muriel Silberstreif sieht, dass sein voller Name in der Betreffzeile einer E-Mail steht, dann kann er gar nicht anders, als das für eine total individuelle und persönliche Mail zu halten, die nur für ihn gedacht ist, und er kann sich im Grunde gar nicht gegen den Reflex wehren, das Ding zu öffnen, komplett durchzulesen und alles was darin steht, für die reine Wahrheit zu halten.“

Ich gehe davon aus, dass ihr SMS an eure Freunde ungefähr so schreibt:

„Hallo Karl-Heinz Unterberg, ich habe eine persönliche Nachricht für dich!!! Wollen wir uns Sonntag zum Brunch treffen?“

Und Beziehungsgespräche fangen bei euch wahrscheinlich mit den Worten an:

„Melanie Kruse, deine Meinung ist mir wichtig!!“

Tja, ich habe da eine schlechte Nachricht für euch: Kein Mensch redet einen anderen Menschen in einer im weitesten Sinne natürlichen Situation mit seinem vollen Namen an, und wirklich kein Mensch schreibt jemals den Namen seines Adressaten in die Betreffzeile! Deswegen kann es sich in solchen Fällen nur um dreiste, aufdringliche Werbemails handeln, deren Verfasser noch so unverschämt ist, mich mit einer völlig schwachsinnigen Aufmerksamkeitsfalle zu beleidigen. Ich habe nur deshalb noch keine feste Regel für Outlook eingerichtet, derartige Mails sofort zu löschen, weil ich manchmal das Gefühl der Überlegenheit genieße, wenn ich sie manuell in den Papierkorb schiebe.

Schreibt doch einfach stattdessen mal einen echten Betreff in das Betreff-Feld. Dann lese ich vielleicht auch hin und wieder, was ihr mir mitzuteilen habt.

10 Responses to Liebe Marketingstrategen

  1. Salomea sagt:

    *Schön*, dass die das auch noch bei anderen Leuten so machen? Ich lösche derartiges Zeug grundsätzlich ungelesen.

    Aber sag mal, geht’s dir auch so, dass du weil du schon so viele dieser wirklich ach so persönlichen Mails bekommen hast, dich weigerst dich bei offiziellen Anlässen mit der in Deutschland grammatikalisch korrekten Form deines vollen Namens vorzustellen?

    Ich weigere mich mittlerweile rigoros.

    Und weiß du was? Es ist noch nie jemand dieser Massenmailer ala Amazon auf die Idee gekommen mir Mails mit meinem Namen im Betreff zu schicken in der grammatikalischen Form in der ich ihn nenne.

    Hab ich die jetzt alle ge…t?! 😉

    Liebe Grüße

  2. Muriel sagt:

    @Salomea: So sehr ich mich freue, dass du meine Erfahrung teilst, muss ich doch leider zugeben, dass ich den Rest deines Kommentars nicht ganz deuten kann. Wie stellst du dich denn bei offiziellen Anlässen vor?
    Ich habe jedenfalls bisher noch keine weiteren Konsequenzen gezogen, was den Umgang mit meinem Namen angeht.

  3. Salomea sagt:

    Laut der deutschen Grammatik machst du das doch so: „Muriel Silberstreif“. In Österreich, Ungarn, Rümänien und zum Teil auch in Bayern würdest du das so tun „SILBERSTREIF Muriel“ (Nachname durchweg groß geschrieben, damit international klar ist, dass das dein Nachname ist). Und wenn ich irgendwo hingehe und sage mein Name ist S. Salomea (und nicht Salomea S.) und das auch so schreibe, dann hab ich Ruhe. Bei Amazon hat schon geholfen den Nachnamen durchweg groß zu schreiben. Und wenn die mich dann – nicht Amazon – immer noch ärgern, verpflichte ich die alle meine Vornamen auszuschreiben und spätestens dann ist Ruhe im Postfach. Da sind die nämlich zu faul zu das einmal in Access einzugeben. Als ob ich was dafür könnte, dass ich der einzige in Deutschland gemeldete Mensch mit genau dem Namen bin.

    Auch wenn du noch nie so’n Erlebnis hattest, verstehst du was ich meine?

  4. Muriel sagt:

    @Salomea: Doch, das verstehe ich, obwohl es mich überrascht. Ich hätte gedacht, dass das da überhaupt keiner merkt und in die Betreffzeile dann einfach stumpf die andere Form reinkopiert wird.

  5. Salomea sagt:

    Da ist vermutlich ein psychologischer Effekt hinter, nämlich der dass es dann nicht sofort als Name erkannt wird. (Hab ich mal gelesen.) Weil es eben bestimmte Namen gibt die wir eindeutig als Vor- und eindeutig als Nachnamen werten.

    Könnte nur sein, dass es mit diesem psychologischen Effekt vorbei ist wenn wirklich jeder begriffen hat – Achtung, Wissen das die Welt nicht braucht! -, dass 2000 (?) irgendein Idiot beim Standesamt in irgendeiner deutschen Stadt Eltern erlaubt hat ihren Sohn „Birkenfeld“ zu nennen.

    Der Junge tut mir ehrlich leid, hoffentlich heißt er nicht Gärtner oder Feldmann oder so mit Nachnamen.

    Liebe Grüße

  6. Salomea sagt:

    http://www.finanztip.de/recht/familie/ass_familienrecht_15.htm Nur zur Verifizierung falls jemand genauso wenig glaubt, dass einer Birkenfeld heißen kann, wie ich es geglaubt habe. Meine erste Assoziation war übrigens „Herr von Boedefeld“ aus der Sesamstraße meiner Kindheit

  7. Muriel sagt:

    @Salomea: Dem Jungen gilt auch mein Mitgefühl. Ein anderer wurde ja glücklicherweise vom BVerfG gerettet.
    Sonst hätte ich hier locker erwidern können:
    Was ist schon Birkenfeld gegen Chenekwahow Tecumseh Migiskau Kioma Ernesto Inti Prithibi Pathar Chajara Majim Henriko Alessandro?
    Andererseits weiß ich nicht, ob es mich als Kind viel weniger belasten würde, Chenekwahow Tecumseh Migiskau Ernesto zu heißen. Probleme mit solchen Mails hat man dann aber wenigstens nicht, soviel ist wohl sicher.

  8. Salomea sagt:

    Das stimmt was die Mails angeht und IHN betrifft. Vermutlich hätten dann aber Menschen mit so harmlosen Namen wie Andreas Schmidt, Susanne Müller, Franz Meier oder Irmgard Schulz Mail mit seinem Namen als Betreff im Postfach. Wobei dabei ja der Vorteil bestehen würde, dass selbst der dämlichste Schmidt/Müller/Meier/Schulz die sofort als „unlesbar“ im Kopf abhaken und im Spanordner verschwinden lassen würde.

    Ich finde übrigens wenn schon mehr als drei Vornamen (zwei sollten meiner persönlichen Meinung nach Pflicht sein), dann bitte alle aus einem Kulturkreis oder so, dass es nicht auffällt.

  9. Andi sagt:

    Zwei Vornamen sollten Pflicht sein?
    Ich hab nur einen und mir geht´s trotzdem ganz gut. 🙂

  10. Salomea sagt:

    Hallo Andi,

    das ist schön. 🙂 Es ist ja auch ein gewöhnlicher, schöner Name. 🙂

    Aber ich denke da auch ein bisschen an die Leute die mit den immer weiter verbreiteten Unisex-Namen durchs Leben gehen (hab ich jetzt bei einem „Luca“ gerufenem Kind einen Junge oder ein Mädchen zu erwarten? Aus meiner persönlichen Erfahrung würde ich sagen einen Jungen wenn aber alle so denken wird sich ein Mädel dieses Namens vermutlich irgendwann sehr gefrustet geben) oder einen Namen haben der in einem Land männlich und im nächsten weiblich oder umgekehrt ist(mein Großonkel heißt Catalin und wurde in Deutschland als „weiblich“ geführt). Und wenn du einen dermaßen seltenen wie ich hast – ich kenne keine andere Salomea persönlich – ist das auch nicht immer ganz einfach. Aussprache, Schreibweise alles 1.000 Mal erklären, wenn du es dann erklärt hast mitunter blöde bis rassistische Kommentare – irgendwann nervt’s. Also ich sehe es als Vorteil, dass da noch ein anderer bei mir dabei ist.

    Und dann gibt es ja noch die Kiddies mit diesen tollen amerikanischen Neukreationen. Nichts dagegen, jeder wie er mag, aber wenn mir Hope, Heaven, Piper, Willow etc. entgegen kommen, möchte ich bitte auch noch was anderes gesagt bekommen, dass für mich eindeutig als Vorname erkennbar ist. Schon alleine damit ich weiß wo Vor- und Nachname aufhören.

    Liebe Grüße

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