Nimmermehr (22)

24. Oktober 2009

Jawohl, nachdem ihr das letzte Mal länger warten musstet, geht es diesmal ein bisschen schneller: Nimmermehr 22 ist da. Diesmal erfahrt ihr ein wirklich interessantes und echt wahres Trivia über Leichen, und Lenore kocht für Marten.

Den Rest des Beitrags lesen »


Liebe Marketingstrategen

24. Oktober 2009

…von Amazon.de, Conrad, UCI Kinos und vielen anderen Unternehmen, wie mir was verkaufen wollen,

wahrscheinlich stellt ihr euch das ungefähr so vor:

„Wenn Muriel Silberstreif sieht, dass sein voller Name in der Betreffzeile einer E-Mail steht, dann kann er gar nicht anders, als das für eine total individuelle und persönliche Mail zu halten, die nur für ihn gedacht ist, und er kann sich im Grunde gar nicht gegen den Reflex wehren, das Ding zu öffnen, komplett durchzulesen und alles was darin steht, für die reine Wahrheit zu halten.“

Ich gehe davon aus, dass ihr SMS an eure Freunde ungefähr so schreibt:

„Hallo Karl-Heinz Unterberg, ich habe eine persönliche Nachricht für dich!!! Wollen wir uns Sonntag zum Brunch treffen?“

Und Beziehungsgespräche fangen bei euch wahrscheinlich mit den Worten an:

„Melanie Kruse, deine Meinung ist mir wichtig!!“

Tja, ich habe da eine schlechte Nachricht für euch: Kein Mensch redet einen anderen Menschen in einer im weitesten Sinne natürlichen Situation mit seinem vollen Namen an, und wirklich kein Mensch schreibt jemals den Namen seines Adressaten in die Betreffzeile! Deswegen kann es sich in solchen Fällen nur um dreiste, aufdringliche Werbemails handeln, deren Verfasser noch so unverschämt ist, mich mit einer völlig schwachsinnigen Aufmerksamkeitsfalle zu beleidigen. Ich habe nur deshalb noch keine feste Regel für Outlook eingerichtet, derartige Mails sofort zu löschen, weil ich manchmal das Gefühl der Überlegenheit genieße, wenn ich sie manuell in den Papierkorb schiebe.

Schreibt doch einfach stattdessen mal einen echten Betreff in das Betreff-Feld. Dann lese ich vielleicht auch hin und wieder, was ihr mir mitzuteilen habt.


Freude an den kleinen Dingen

23. Oktober 2009
  1. In der letzten Woche habe ich in dem kleinen Wertsachenschließfach meines Fitness-Studios das Pfand vergessen, immerhin 2 Euro. Auf dem Parkplatz fragte ich mich noch, ob ich zurückgehe, aber der Parkplatz war ziemlich weit weg, es war kalt, es war spät, ich wollte nach Hause, und ich dachte, wahrscheinlich ist das Geld eh schon weg.
    Gestern besuchte ich wieder das Studio, benutzte wieder dasselbe Fach, und siehe da, es lagen zwei Euro in der Pfandausgabe. Ich könnte hier jetzt was von Kharma und Gerechtigkeit salbadern, aber ich fürchte, ich bin einfach der Einzige dort, der nicht den Mumm hat, seine Wertsachen einfach mit dem anderen Kram im Spind einzuschließen.
  2. Heute habe ich mal unseren Qualitätsmanagement-Bericht-Entwurf für das bevorstehende Audit gelesen und laut gelacht, als ich dies hier las: „Unser Ziel für das nächste Jahr: O Fehler.“
    Zugegeben, man muss ein bisschen genauer hinsehen, aber dieses Zeichen da ist keine 0 (Null). Es ein großes O (Ohhhh). Hoffentlich ist das das einzige Ziel, das zu erreichen wir von Anfang an völlig chancenlos sind.

Na diese Dings, Sie wissen schon

22. Oktober 2009

Vor einer Weile hat Malte Welding anlässlich der berühmten „Onlinecommunitybenutzer“-Rede einer gewissen Frau Noll einen sehr netten Beitrag geschrieben, in dem er die Frage stellte: „Warum um Gottes Willen ist es […] so unfassbar schwer, über das Internet nicht in teils völlig ungebräuchlichen, teils aber auch grundbeknackten Begriffen zu reden?“

Die Frage ist berechtigt, aber das Problem ist keinesfalls auf das Thema Internet und Computer begrenzt. Ebenfalls sehr verbreitet ist es in den Themenkreisen Physik und Astronomie, wie ich kürzlich wieder am Beispiel einer eigentlich ganz interessanten Sendung des Deutschlandfunks feststellte. (Für die Onlinecommunitybenutzer unter uns: Das ist Radio.)

Es geht knapp zusammengefasst darum, dass die NASA festgestellt hat, dass der Sonnenwind sich von der Sonne aus nicht grob kugelförmig ausbreitet, wie man bisher dachte, sondern ganz anders. Ein bisschen wie eine Erdnuss, von der Form her. Der interviewte Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen sagte dabei die folgenden Sätze:

„Und dieser Satellit [ibex] kreist um die Erde herum, auf einer ganz skurrilen Bahn, braucht eine Woche dafür und kommt fast bis hinaus in Mondentfernung. Und der hatte ein Messgerät an Bord, das misst neutrale Atome, die in dieses Gerät einschlagen. Und diese neutralen Atome, die entstehen ganz weit draußen, dort am Rand dieser Sonnenblase, dieser erdnussförmigen Sonnenblase. Da wird aus geladenen Teilchen neutrale Atome. Und manche davon fliegen zurück in das Sonnensystem, das kann man messen mit diesem Nasa-Satelliten.“

Wir unterhalten uns hier mal nicht über den Grammatikfehler, der es sogar bis in die transkribierte Internetfassung des Interviews geschafft hat, sondern über den Teil mit den neutralen Atomen. Dirk Lorenzen hat damit anscheinend nicht direkt Unrecht. Aber er hat es meiner Meinung nach trotzdem ausgesprochen irreführend erklärt.

  • Erstens klingt das so, als wären neutrale Atome etwas verdammt Exotisches, was „ganz weit draußen“ entsteht. Das ist natürlich Unsinn. Elektrische Neutralität ist meines Wissens der Normalzustand eines jeden Atoms.
  • Zweitens hat er etwas ganz Wichtiges weggelassen: Es geht nicht um irgendwelche neutralen Atome, sondern um sogenannte „Energetic Neutral Atoms (ENA)„, also energiereiche (vulgo schnelle) neutrale Atome, die tatsächlich im Randbereich der Blase aus magnetisch beschleunigten geladenen Teichen entstehen.
  • Drittens hat diese total irre crazy skurrile Bahn des Satelliten genau dieselbe Form wie jede andere anständige Umlaufbahn, nämlich eine Ellipsenform. Ungefähr so.

Wie seht ihr das: Bin ich einfach kleinlich, oder ärgere ich mich zu Recht darüber, dass ein öffentlich-rechtlicher Kultur- und Informationssender es nicht auf die Reihe kriegt, wissenschaftliche Entdeckungen so zu erklären, dass die Zuhörer hinterher wirklich ein bisschen verstanden haben, was die NASA da gemacht hat?


Wieder was gelernt

20. Oktober 2009

Ich habe vor zwei Monaten meine alte Visa-Karte gekündigt und eine neue bestellt. Die schicke sympathische von Amazon. Soweit hat das alles auch geklappt, aber vor kurzem erhielt ich mit gelinder Überraschung eine neue Umsatzabrechnung – von der alten Visa-Karte. Die wie gesagt seit zwei Monaten gekündigt ist. Es waren zwar nur zwei Buchungen drauf – meine Monatsgebühr fürs Audible-Abonnement und ein bisschen was von itunes -, aber ich fand das trotzdem ganz ordentlich für eine Karte, die es gar nicht mehr gibt.

Nun ist mir dadurch kein Schaden entstanden, denn die Rechnungen hätte ich ja eh bezahlen müssen, aber ein bisschen verwirrt war ich doch, und so rief ich mal beim Kundenservice an, um mir das erklären zu lassen. Ja, sagte die freundliche Dame am Telefon, das könne durchaus sein. Kleine Beträge würden von manchen Annahmestellen nicht über das Anfrageverfahren über das Prüfungssystem (oder so) gebucht und könnten daher einfach so durchrutschen.

Wie gesagt, es ist kein Schaden für mich, aber gut zu wissen. Wer weiß, wann man so eine Information mal gebrauchen kann. Und für was…


Nimmermehr (21)

19. Oktober 2009

Endlich ist es wieder so weit, ein neuer Nimmermehr-Teil erscheint, und ich bitte alle um Entschuldigung, die jetzt eine ganze Woche lang drauf warten mussten. Erstens war in der letzten Woche so viel anderes los, dass ich nicht genug Zeit für Nimmermehr hatte, zweitens ist dieser Teil außerdem noch ausgesprochen lang und ausgesprochen schwierig. Es war viel daran zu ändern, und ich hoffe, dass ich ihn am Ende in eine Form gebracht habe, in der er Sinn ergibt und euch anspricht. Viel Vergnügen.

Den Rest des Beitrags lesen »


Restebloggen zum Wochenende (12)

18. Oktober 2009
  1. Ute hat ein schönes Beispiel für Zivilisation und den Umgang miteinander auf dem Spielplatz entdeckt.
  2. Ich verstehe ja, dass die Angehörigen der Opfer des Amoklaufs von Winnenden aufgebracht sind, und deshalb wäre es auch nicht anständig, allzu polemisch zu werden, aber wie doof ist denn bitte schön diese Aktion und dieser Shop?
  3. Diese Woche sind drei neue Magazine für Männer an den Start gegangen, eins davon die „Gala Men“, über die Thomas Knüwer eine ziemlich verheerende Rezension verfasst hat. Das Brad-Pitt-Portrait lobt er allerdings. Stefan Niggemeier hatte einen anderen Eindruck. Ob man nun Knüwers schlechtem Urteil über Business Punk und dem guten über Beef auch nicht trauen darf, müsst ihr selbst entscheiden.
  4. Die Existenz der Kirchen wird auch gerne mal mit ihrem sozialen Engagement gerechtfertigt. Sapere aude hat sich mal mit der Frage auseinandergesetzt, wie es damit eigentlich wirklich aussieht und stellt fest: „Der Anteil von Kirchengeldern in der Finanzierung aller Tätigkeiten von Caritas und Diakonie beträgt insgesamt etwa 2 Prozent.“ [via 49 suns]
  5. Sind Anime-Freunde unter uns? Die kennen die fantastische Serie Hellsing [sic] dann sicherlich schon. Aber die, die es werden wollen, sollten sie unbedingt mal kennenlernen. Ich empfehle den sofortigen Kauf der gesamten Serie, aber wer mir da in Anbetracht meines evident zweifelhaften Geschmacks nicht trauen mag, kann zum Beispiel bei Youtube mal gratis einen Blick riskieren. Von dem etwas pornohaften Einstieg solltet ihr euch nicht verschrecken lassen. Das hört nach gut zwei Minuten auf, und für Anime-Verhältnisse ist Hellsing gottlob ausgesprochen anständig.

    (Die anderen Teile gibt’s dort auch noch.)
  6. Dank Not quite like Beethoven habe ich ein cleveres kleines Gedicht von Philip Larkin entdeckt:

This be the verse

They fuck you up, your mom and dad
They may not mean to, but they do.
They fill you with the faults they had
And add some extra, just for you.

But they were fucked up in their turn
By fools in old-stylen hats and coats,
Who half the time were soppy-stern
And half at one another’s throats.

Man hands on misery to man
It deepens like a coastal shelf.
Get out as early as you can
And don’t have any kids yourself.