Traumberufe (1): Der Podologe

Fußpilz

Ich habe da eine Idee für eine neue Serie. In loser Folge – das wollte ich schon immer mal sagen – werde ich hier ein paar Traumberufe vorstellen, die ich selbst für ein kleines bisschen ungewöhnlich halte.

Wir beginnen heute gleich mit einem ziemlichen Extremfall: Dem Podologen. Podologie heißt medizinische Fußpflege, befasst sich also mit der Behandlung von pflegebedürftigen Füßen. Da wird also Hornhaut entfernt, eingewachsene Nägel werden gerichtet, eventuell werden Spangen gesetzt, Fußpilz wird bekämpft und auch Wunden werden (unterstützend) behandelt. Jeder kann einen Podologen aufsuchen, eine einzelne Behandlung dauert grob zwanzig Minuten bis eine Stunde, je nachdem, was zu tun ist, und kostet in der Regel irgendwas um 20 Euro, je nachdem, wo und von wem man sich behandeln lässt. Man kann sich die Behandlungen auch verschreiben lassen, aber die Krankenkasse zahlt nur, wenn man Diabetiker ist. Diabetiker bekommen offenbar in der Regel gleich sechs Behandlungen auf einmal verschrieben, die sie dann nach und nach einlösen. Der Podologe bekommt sein Geld dabei erst, wenn die letzte Behandlung abgeschlossen ist, also in der Regel ungefähr nach einem halben Jahr.

Nun habe ich natürlich nichts gegen Podologen, im Gegenteil, ich empfinde großen Respekt vor ihnen und bin froh, dass es sie gibt. Dennoch versuche ich manchmal, mir vorzustellen, wie das wohl geht.

Man wacht eines Morgens auf und denkt sich: ‚Bei meinem Barte! Ich glaube, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als an anderer Leute verwachsenen, blutenden, pilzbefallenen, übelriechenden Füßen herumzuschleifen und zu schneiden! Ich werde jetzt augenblicklich mit der zweijährigen Ausbildung beginnen und mir für 30.000 Euro Werkzeug anschaffen, um dann für einen Hungerlohn, für den ein Friseur kaum seine Schere in die Hand nimmt, eine Tätigkeit auszuüben, die andere Menschen im besten Falle nicht verstehen und für die ich im schlimmsten Falle hämisch ausgelacht und angewidert gemieden werde. Mit etwas Glück gelingt es mir sogar hin und wieder, ein bisschen Geld für was zu essen übrig zu behalten, nachdem ich die Miete für meine Praxis bezahlt habe. Beim Teutates, wird das schön!‘

Oder wie?

20 Responses to Traumberufe (1): Der Podologe

  1. fragmentjunkie sagt:

    Da ich weder einen Podologen kenne, der mir diese Frage beantworten könnte, noch selber je den Wunsch verspürt habe, diesem Beruf nachzugehen, kann ich leider keinen Beitrag zur Beantwortung der Frage leisten.
    Ich glaube auch, dass der Job nichts für Fußfetischisten wäre. Diese Möglichkeit hätte ich ansonsten noch gesehen.

  2. Salomea sagt:

    Ich suche zwar die oben genannte Berufsgruppe nicht auf hab aber abrechnungsmäßig von Berufswegen mit denen zu tun. Viel Geld kriegen die wirklich nicht und viel aushalten müssen die auch. Aber das müssen auch Pflegekräfte. Irgendwie mag ich da nicht glauben, dass Gesundheit wirklich das höchste Gut ist.

    Ich glaube allerdings, dass die Gruppe die diesen Beruf freiwillig lernt eine ähnliche Motivation hat wie die Masseure/medizischen Bademeister – sie will in erster Line helfen. Warum sie das wollen muss eine andere Gruppe im Gesundheitssektor, die Psychologen, dir erklären.

    Liebe Grüße

  3. pampashase sagt:

    Ich habe gerade den Arbeitsbereich des Po-dologen mit dem des Proktologen verwechselt…und habe mir sehr erstaunt das Bild angesehen und dachte immer:“nee! …oder?!“

    Auch beim Text dauerte es noch einige Sätze, bis ich meinen Irrtum bemerkte…dann hab ich mir das Bild nochmal angesehen, so macht´s auch mehr Sinn :mrgreen:

    Es gibt so einige Berufe, wo sich mir die Frage der jeweiligen Motivation stellt! Unter anderem, warum wird ein Mann Frauenarzt…und hat der dann noch ein normales Sexualleben?

    Oder Zahnärzte, das ist ja nun wirklich nicht besonders lecker und fast niemand mag die…muss man da etwas sadistisch veranlagt sein?

    Oft denk ich, die Menschen tendieren in eine Richtung…zum Beispiel Kosmetikerin, Fusspflege, Nagelpflege…und die Hartgesottenen nehmen dann die Sparte, die noch nicht total überlaufen ist, um eine bessere Auftragslage zu haben

    Hautarzt finde ich auch eklig…meine Schwester hatte letztens ein Gespräch mit ihrer Hautärztin. Da hat ihr die Hautärztin erklärt, sie macht das ganz gerne, weil man sich die Erkrankungen gut ansehen kann, man braucht höchstens mal eine Lupe…auch ein Argument 🙂

  4. lisakathrin sagt:

    Natürlich hast du – wie so oft – recht und ich habe auch mehrfach schallend gelacht, aber mal ganz ehrlich: wie viele von uns sind denn schon Feuerwehrmänner, Ballerinas und Astronauten?
    Wahrscheinlich dachten sich alle Podologen, wie auch die anderen very unimportant people (ich darf das sagen! Ich gehör‘ dazu!), irgendwann: ‚Na gut, dann mach ich halt ‚was anderes…‘

  5. quadratmeter sagt:

    Ich habe jetzt etwas länger gebraucht, bis ich das Foto für mich anatomisch korrekt sortiert hatte.

    Vor Jahren habe ich mal eine Podolgin kennengelernt, kann mich leider aber nicht mehr erinnern, ob ich sie nach den Gründen für die Berufswahl gefragt habe und wenn ja, was sie mir geantwortet hat.

    Ich erinnere mich lediglich daran, dass die Ausrüstung sehr teuer war, dass es große Qualtätsunterschiede bei den Koffern gab (bis hin zu den Rollen), dass es wichtig ist, ob man Zehennägel gerade oder rund schneidet und dass das ganze Gespräch bei mir dann unter der Kategorie „Überinformation“ in einer staubigen, kaum befahrenen Hirnwindung deponiert wurde.

  6. Muriel sagt:

    @lisakathrin: Danke für dein Lob, das freut mich. Natürlich hast du aber auch Recht, und ich hatte ja schon gesagt, dass ich froh bin, dass es Podologen gibt. Gerade, wenn jemand mit der „Na gut, dann halt was anderes“-Einstellung an die Sache rangeht, verstehe ich aber eben nicht, warum der so viel Kosten und Mühen auf sich nehmen sollte, um dann so einen Hungerlohn dafür zu bekommen.
    @pampashase: Da hast du mir ja gleich ein paar gute Anregungen für Teil 2 der Serie geliefert. Mal sehen…
    @quadratmeter: Ja, das Foto ist ein bisschen Tricky, aber es war eben gerade zur Hand (Wikipedia).

  7. dot tilde dot sagt:

    übrigens, nur mal so am rande: die werbe-stichworte im snap-preview des ansprechenden bildes lauten bei mir:

    „start a blog“, „ice cream“, „free blog“, „plakate“, „kampagne“ und „fun stuff“.

    passt doch.

    .~.

  8. Muriel sagt:

    Hallo dot tilde dot, schön, dass du da bist.
    ice cream passt, findest du? Ich weiß ja nicht. Bei den anderen bin ich dabei, aber ice cream?

  9. […] machen das beruflich und völlig entsexualisiert. Und manche können je nach Umständen beides. Das macht die Sache kompliziert. Hat die Dame in dem […]

  10. Christina sagt:

    Ich bin zwar keine Podologin, aber eine gute Bekannte von mir. Und da hier anscheinend niemand richtig Bescheid weiß, möchte ich mal meinen bescheidenen Senf dazu geben. Erstens, dauert so eine Ausbildung nicht 2 Jahre, sondern nur ein paar Wochen. Zweitens nehmen die für eine Behandlung (im Durchschnitt etwa 30 Min.) 13 – 18 €, soviel ich weiß. Zum Vergleich: Ein Frisör in Thüringen verdient ca. 3,50 € die Stunde. Insofern verdienen die mehr wie ein Frisör. Selbst wenn davon vielleicht noch Benzinkosten abgerechnet werden müssen. Denn es ist nicht so, dass die Podologen üblicherweise eine Praxis betreiben (vielleicht gibt es sowas auch), sondern die machen Hausbesuche. Insofern haben sie keine Praxiskosten. Ich weiß zwar nicht, was so ein Behandlungs-Koffer kostet, da müßte ich meine Bekannte mal fragen, aber 30 000 € auf gar keinen Fall. Maximal 5000 €, schätze ich mal, vielleicht auch weniger.

    Nun, Podologen werden sicher nicht reich, aber mit irgendwas muß man seine Brötchen ja verdienen. Ich könnte mir so einen Job durchaus auch vorstellen. Erstens bin ich gerne mit alten Menschen zusammen und zweitens gibt es Schlimmeres als jemandem die Füße zu behandeln. 🙂

  11. Muriel sagt:

    @Christina: Bist du sicher, dass deine Freundin Podologin ist, und nicht vielleicht nur Fußpflegerin?

  12. Christina sagt:

    @ Muriel: Hmmmm……jetzt hat mich dein Link unsicher gemacht. Muß ich direkt noch mal bei ihr nachfragen. Ob es da noch einen Unterschied zwischen Fußpflegerin und med. Fußpflegerin gibt? Vielleicht ist das ja tatsächlich so. Mir ist jedoch so, als wäre der Begriff „Podologin“ in einem Gespräch zwischen uns mal gefallen. (Vielleicht bezeichnen sich ja alle so…..und manche dann zu Unrecht?). Oder sie hat ihre Qualifizierung schon vor 2002 gemacht, ab dem Zeitpunkt sollen diese Bestimmungen ja erst gelten. Und sie weiß jetzt gar nicht, dass sie sich gar nicht so nennen darf. Könnte auch möglich sein.

  13. Muriel sagt:

    @Christina: Den Unterschied gibt es auf jeden Fall. Wie es bei deiner Freundin ist, weiß ich natürlich nicht, aber die Tätigkeiten von Fußpflegern und Podologen unterscheiden sich schon sehr. Podologen mögen es auch gar nicht, wenn man sie Fußpfleger nennt.

  14. Christina sagt:

    @ Muriel: Sie werden aber sogar in deinem fachlichen Link so genannt. Ich zitiere: „Zukünftig muss jeder, der den Titel „Podologe“ oder „Med. Fußpfleger“ tragen möchte, eine 2jährige vollschulische Ausbildung mit anschließender staatlicher Prüfung absolvieren……“

  15. David sagt:

    warum wird ein Mann Frauenarzt…und hat der dann noch ein normales Sexualleben?

    Wenn er seine Behandlungserlebnisse sorgsam photographisch dokumentiert, dann drängt sich eine dralle Hypothese geradezu auf. Und sollte er seinen Patientinnen ungefragt Schamlippenkorrekturen anempfehlen und Schwangeren erklären, sie seien zu fett, so mag dies aus einer gewissen Bitterkeit erwachsen, wie sie enttäuschte Hoffnungen oft hinterlassen. In allen anderen Fällen, die hoffentlich die überwältigende Mehrheit ausmachen, ist es mir jedoch auch ein Rätsel.

  16. Muriel sagt:

    @Christina: Ja, medizinische Fußpfleger. Das ist von der Benennung her ungünstig, aber was ganz anderes als (nur) Fußpfleger. Ähnliche kosmetische Chirurgie und Kosmetik. Klingt ähnlich, ist aber schon unterschiedlich.
    @David:

  17. Wir müssen wohl trennen zwischen den neuen Bundesländern und dem alten Westen. Hier kostet die Podologische Behandlung 32€ und die Ausbildung dauert 2-3 Jahre. LG Ulrich Becker

  18. Auf jeden Fall wird hier von den Kommentierenden sehr viel durcheinander geworfen. Aber zurück zum Ausgangsthema. Der Podologe steht aktuell sehr hoch im Kurs, da es sehr viele ältere Menschen gibt, die diese Fußpflege für ihre Füsse benötigen. Zweitens wächst die Anzahl der Diabetiker ständig und Diabetes Patienten erhalten die Kosten für eine podologische Behandlung von der Krankenkasse bezahlt. Es ist doch wohl nicht die Frage, ob Du es magst oder nicht. Auf jeden Fall bietet dieser Berurf, zumindest in den alten Bundesländern die nächsten Jahre einen sicheren Job. Das ist doch auch etwas wert. Und wie einer der Vorredner schon erwähnt hat, den Beruf eines Gynokologen können wir uns alle auch nur sehr schwer vorstellen 😉

  19. Muriel sagt:

    @ubeckerratingen: Danke für den Hinweis! Natürlich ist es tatsächlich alles nicht so einfach, wie ich oben in meinem fehlgeleiteten Versuch, lustig zu sein, schrieb.
    Aber Ärzte werden für ihre Tätigkeit wenigstens vernünftig bezahlt und respektiert, deswegen kann ich mir das um viele Längen besser vorstellen als diese Variante …

  20. […] bei überschaubare Relevanz sind manchmal ein bisschen langsam, aber wir geben nicht auf. Niemals. Wir geben nicht auf. Egal was passiert. Wir geben nicht auf. Also, was ich eigentlich sagen wollte: Die Reiseberichte […]

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