Wer hat’s erfunden?

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=minarets&iid=3531315″ src=“1/e/9/6/Israel_Increases_Military_3546.jpg?adImageId=7933797&imageId=3531315″ width=“418″ height=“594″ /]

Liebe Schweizer,

ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll. Ich bin ein bisschen verwirrt. Deswegen fange ich einfach mal so an:

Liebe Schweizer,

habt ihr eigentlich ganz gewaltig die Pfanne heiß oder was ist da bei euch los?

Ich meine, sicher, ich bin gegen alle Religionen, egal ob Christentum, Zoroastrismus oder eben Islam. Aber ich bin auch gegen „Twilight: New Moon“ und will trotzdem nicht in einem Land leben, in dem so ein Film verboten würde.

Ich war eigentlich immer auf eurer Seite. Euer Bankgeheimnis fand ich cool, und dass ihr es so lange nicht aufgeben wolltet, obwohl alle gegen euch waren, das hatte Stil. Auch dass ihr keine Partei ergreift und euch international aus allem raushaltet, das finde ich gar nicht so schlecht. Ihr wart sogar einer der wenigen Staaten, die uns damals nicht den Krieg erklärt haben. Aber irgendwann ist auch mal gut, meint ihr nicht auch?

Und jetzt mal ehrlich, liebe Schweizer, von allen inhaltlichen Problemen mit eurer gestrigen crazy Volksabstimmung mal abgesehen:

„Der Bau von Minaretten ist verboten.“ In der Verfassung? Das meint ihr doch nicht ernst. Welche Verfassungszusätze habt ihr noch in Planung? „Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen“ und „Tanzen ist illegal“?

السلام عليكم

Euer Muriel

59 Responses to Wer hat’s erfunden?

  1. rauskucker sagt:

    Von der anderen Volksabstimmung hört man leider gar nichts. Sie durften ja auch entscheiden, ob die Schweiz zukünftig keine Waffen mehr in Kriegsgebiete exportiert. Diese wirklich wichtige Initiative wurde aber mit 68 Prozent abgelehnt.

    In der Schweiz werden Minarette verboten, in Deutschland soll Kinderporno im Internet gesperrt werden, und in Österreich wird die Verfassung so geändert, daß man rosa Elefanten nur noch mit 30 Grad waschen darf.
    Moderne Zeiten.

  2. Muss die Verfassung jetzt eigentlich umgeschrieben werden oder gibts da noch ein Verfassungsgericht, das nochmal drüberguckt?

  3. Oh, und wie gut, dass wir Menschen wie Wolfgang Bosbach haben, der solche Dinge beurteilen und zu den richtigen Schlüssen kommen kann.

  4. Muriel sagt:

    @rauskucker: Das mit den rosa Elefanten wäre doch mal ein Ansatz für die neue Familienministerin, um aus dem Schatten ihrer Vorgängerin zu treten.
    @not quite like beethoven: So, wie ich das verstehe, ist der Drops jetzt gelutscht. Die Gerichte haben in de Schweiz dem verfassungsändernden Gesetzgeber anscheinend nicht ins Handwerk zu pfuschen.
    Und in der Tat, Bosbachs Hinweis ist sehr hilfreich. Hoffen wir, dass er damit nur sagen wollte, dass er sich freut, dass wir hier nicht so viel direkte Demokratie haben…

  5. sayadin sagt:

    Ach ich weis nicht, diese Minarette sehen wirklich aus wie Raketen. Vielleicht schmuggeln die Iraner heimlich ihre Raketen in die Schweiz damit sie es nicht so weit haben.
    Haben die Schweizer denn inzwischen das Frauenwahlrecht?

    Ghadafi hat in der UNO beantragt die Schweiz aufzulösen und sie zwischen Deutschland, Italien und Frankreich aufzuteilen. Ich hab an die Lybische Botschaft ne Mail geschickt das ich die Idee grundsätzlich gut finde aber das es uns Europäern nicht zuzumuten sei die Schweiz mit Schweizern zu übernehmen. Und ob Ghadafi nicht die Schweizer in seine Wüste schicken könnte. Vielleicht hat er noch ein paar von den KZs die die Briten im 2 WK dort betrieben haben.

  6. Nikita Bondarev sagt:

    „crazy“ an dieser Abstimmung sind lediglich die Reaktionen, auf welche sie allenthalben stößt – pluralismus sieht ein wenig anders aus – aber Wahlen und Meinungen müssen nun mal respektiert werden – du hast schließlich ja auch „deine eigene“

    „Scheiß Schweizer! Zuerst Steueroase – nun Nazi-Paradies!“ – Ein ironischer Artikel zu diesem Thema; „Durch diese hohle Gasse muss der Rechtspopulist kommen“ – toller Artikel, der sich ebenfalls damit auseinandersetzt – http://freidemzen.wordpress.com/

  7. Muriel sagt:

    @Nikita Bondarev: Müssen sie? Das kommt darauf an, was du unter „respektieren“ verstehst.
    Ich sehe das ein bisschen wie bei dem Link, den du da in deinen Kommentar geschrieben hast. Den respektiere ich auch kein bisschen, aber ich sehe ein, dass es das kleinere Übel ist, ihn da stehen und jeden sich seine eigene Meinung darüber bilden zu lassen.

  8. DeserTStorM sagt:

    Hm ich finds nicht schlimm. Warum den auch? Wenn sie keine dort wollen, dann dürfen Sie. Ist deren Land und fertig. Und anscheinend will es ein Großteil so – das ist Demokratie.

    Daran muss sich wohl auch der Islam gewöhnen…

  9. Muriel sagt:

    @DeserTSTorM: Naja, nun aber nicht so schnell. Ein zeitgemäßer Rechtsstaat ist nun mal nicht nur die Diktatur der Mehrheit, sondern der legt auch Grenzen fest, die kein Gesetzgeber überschreiten darf.
    Wenn 58% der Deutschen der Meinung sind, dass türkische Kulturvereine verboten gehören, dann geht das trotzdem nicht. Und das ist auch gut so.

  10. sayadin sagt:

    Wenn sich solche Mehrheiten durchsetzen dann stimmt was nicht. Dabei ist es egal welchem Ideal die Gesellschaft folgt.
    Viele Schweizer haben sicher Betonschädel. Aber die gewöhnen sich auch dran.
    Hauptsache die Moscheen sind nicht hässlich.
    So wie das jetzt abläuft, das die Moslems am Freitag in hässlichen Industriebuden oder Lagerhäusern beten ist unwürdig. Obwohl ich für Religionen nicht so viel Sympathie habe. Und vielleicht strahlt unsere Tolleranz ja auch irgendwann auf die moslemischen Länder über.

  11. Tim sagt:

    Mir ist es furchtbar peinlich, daß wir uns auch im 21. Jahrhundert noch mit solchem Religionsquark beschäftigen. Wir müßten uns doch in Grund und Boden schämen, wenn wir plötzlich Besuch von einer außerirdischen Intelligenz bekämen … Wie soll man einer extrasolaren Zivilisation klarmachen, daß Milliarden Menschen Jenseitsvorstellungen nachhängen, die letztlich schon älter als dreitausend Jahre sind?

  12. Jens sagt:

    Mir ist es furchtpar peinlich, daß auch im 21. Jahrhundert noch UFo-Spinner Kommentare schreiben.
    Aber ich werds deswegen nicht verbieten wollen.

  13. sayadin sagt:

    Oder sie haben einen eigenen Mythos und wir müssen alle eine gosse Schabe anbeten.
    Obwohl das für mich Sinn machen würde…

  14. Tim sagt:

    @ Jens

    Ufo-Spinner kriegen übrigens keine Plätze in Rundfunkräten, werden nicht in staatliche Ethikkommissionen berufen und dürfen auch nicht in Schulen ihre lächerlichen Thesen verbreiten.

    Ich finde natürlich auch nicht, daß man sowas verbieten sollte, aber der Staat sollte solche Dinge als das betrachten, was sie sind: Quatsch.

  15. ruediger sagt:

    Mal anders herum gefragt: Braucht es denn ein Minarett, damit ein Mensch dem islamischen Glauben nachgehen kann?

  16. sayadin sagt:

    Sicherlich geht es auch anders, aber die Diskussion offenbart die Kleinlichkeit der Schweizer. Natürlich nicht aller. Ich kann mir vorstellen das vielen Schweizern das ganze peinlich ist.

  17. Muriel sagt:

    @ruediger: Sollte das wirklich die Frage sein, an der ein moderner Rechtsstaat sich orientiert, wenn er was verbieten will?

  18. ruediger sagt:

    @Muriel
    Ja-Nein-Ich weiß nicht. Es ist eine mehrheitliche Entscheidung, wie aufgrund auch immer diese zustande gekommen sein mag. Ich ziehe deren Rechtsstaatlichkeit oder Demokratie deswegen nicht in Zweifel.

    Unsere Rechtsstaatlichkeit hier versuchte mit Stoppschildern die Welt zu verbessern. Sind wir deswegen keine Demokratie mehr?

  19. Muriel sagt:

    @ruediger: In meinen Augen ist eine Demokratie ohne Gleichbehandlungsgrundsatz und Grundrechte nur eine Sonderform der Diktatur.
    Ich will an dieser einen Entscheidung das gesamte schweizer System weder abstrakt noch im Vergleich zu Deutschland verurteilen. Diese einzelne Entscheidung ist für mich aber schon ein lächerliches, ein peinliches Versagen, das eines Rechtsstaates unwürdig ist. Nicht nur vom Ziel her, das ich ablehne, sondern auch vom eingeschlagenen Weg, der in meinen Augen völlig untauglich und albern ist.

  20. Jan sagt:

    Die moderne Demokratie ist ohnehin nicht viel mehr als eine verschleierte Diktatur inklusive gut durchdachter, asozialistischer Zweiklassengesellschaft. Sicher ist die Absicht der schweizerischen Mehrheit eine ganz abwegige, andere als die meine – aber aus der Sicht einer Gerechtigkeit, in der alles frei ist, eben solang es niemand anders stört; aus dieser Sicht finde ich die Entscheidung in Ordnung.

  21. Citizen Kane sagt:

    Die Aufnahme dieses Votums in die Verfassung hat zweifellos eher eine formelle als eine materielle Bedeutung: Ich gehe davon aus (ohne das eidgenössische Recht wirklich zu kennen), dass Verfassungsartikel in der Schweiz – wie in den meisten anderen Rechtsstaaten – nur in qualifizierten Gesetzgebungsverfahren abgeändert werden können. Das heißt: Plebiszitäre Bundesbeschlüsse erhalten wohl deshalb Verfassungsrang, damit sie nicht von der gewählten Legislative (dem Parlament) mir nichts, dir nichts wieder aufgehoben werden können. Dass der betreffende Passus nun in der Verfassung steht, bedeutet sicher nicht, dass er konstitutiv für das Selbstverständnis der Confoederatio Helvetica wäre.
    Aber ich lasse mich auch gern eines Besseren belehren.

  22. Muriel sagt:

    @Jan: Da wüsste ich nicht mal, wo ich anfangen sollte zu widersprechen. Da finden wir keine gemeinsame Grundlage, fürchte ich.
    @Citizen Kane: Ich bin zwar kein Schweizkenner, aber anscheinend ist zurzeit auch sowieso keiner da. Materielle Wirkung entfaltet die Regel schon, und Volksentscheidungen erwachsen in der Schweiz nicht zwangsläufig in Verfassungsrang. Prinzipiell gebe ich dir aber Recht, soweit ich das verstehe.

  23. Hahaha, schweizer Muslime werden nun kreativ! Muriel, ich hoffe, Du verzeihst das Linken in Kommentaren.

  24. sayadin sagt:

    Was gibts an der Schweiz schon zu kennen, Almöhis, überspannte Künstler und schlechte Uhren. Vor allem die von Pattek Philliph. Möchte man nur als Kopie.

    Aber sie haben hervorragende Sniper.

  25. Muriel sagt:

    @not quite like beethoven: Was gibt’s da zu verzeihen? Blogs leben von Links. Und dieser ist sogar noch ziemlich gut.
    @sayadin: Du achtest aber bitte noch darauf, in deinen Kommentaren nichts direkt Justiziables zu sagen, ja? Ich möchte nicht der nächste bemitleidenswerte Blogger sein, der bei Spreeblick und Netzpolitik als armes Abmahnopfer gehyped wird. Obwohl es ja andererseits zu einem enormen Anstieg der Visits führen dürfte…

  26. sayadin sagt:

    Jedes System hat seine Schwachstellen, Spreeblick, hört sich nach Angela Merkel an.
    Ich würde sogar die Sonne angreifen, wenn sie mir ein Leid zufügte….
    Ich will übrigens einen gesellschaftlichen und weltweiten Umsturz organisieren. Dazu suche ich nette Menschen mit anachistischen Neigungen.
    Hat jemand Lust mit zu machen?

    Wenn es schief geht, dann könnt ihr alles auf mich schieben. Das klappt meisst.

  27. Muriel sagt:

    @sayadin: Die Sonne kannst du angreifen, die schickt bekanntermaßen keine Rechnung.
    Was deinen Umsturz angeht, wünsche ich dir zwar alles Gute, ziehe es aber vor, nicht mitzustürzen.

  28. sayadin sagt:

    Doch, das tut sie inzwischen, den Ökos sei dank.
    Ich stelle mir den Umsturz als ein überwiegend blutiges Ereignis vor. Und wer nicht für mich ist ist gegen mich.
    Überlege noch mal gut, nimm Dir noch ein wenig Zeit.
    Ich bin halt wie Gott, rachsüchtig und kann einfach nichts vergessen.
    Obwohl ich mir bei dem blutig noch nicht sicher bin. Theaterblut würde mir auch reichen.

  29. Jan sagt:

    Muriel, ich verachte den Rechtspopulismus, der in der Schweiz nach einer propagandistischen Plakataktion seine Mehrheit gefunden hat, bitte verstehe mich da nicht falsch.

  30. sayadin sagt:

    Aber was hilft Verachtung? Mit Feuer und Schwert müssen wir die Intolleranz bekämpfen….
    Und alles was ich sage meine ich ernst.

  31. Eipa sagt:

    Wo dass dieser Mist steht ist ja prinzipiell egal…
    Es steht nur deshalb in der Verfassung, weil per Volksinitiative nur Verfassungsänderungen zur Abstimmung gebracht werden können. (Ich glaub es gab auch mal eine über das Beseitigen von Hundekot, die gottseidank abgelehnt)
    Der Absatz kommt zwingend in die Verfassung.
    Und zum eingreifen der Justiz: Eine Initiative wird schon vor deren Lancierung geprüft, dabei darf sie aber lediglich nicht irreführend sein oder gegen „zwingendes Völkerrecht“ verstossen.

    Und was bitte war am Bankgeheimnis „cool“?

  32. Muriel sagt:

    @Eipa: Danke für die Erläuterung, das wusste ich nicht.
    Ich mag es grundsätzlich, wenn jemand ein Geheimnis für sich behalten kann. Ist selten genug, dass ich mich drüber freue, wen es mal so konsequent gehandhabt wird, wie das beim Bankgeheimnis üblich war.

  33. Muriel sagt:

    @sayadin: Ich beobachte dich mit wachsender Sorge…
    @Jan: Das hatte ich schon vermutet, aber auch was den Rest deines Kommentars angeht, kommen wir aus ganz unterschiedlichen Richtungen.

  34. Jens sagt:

    @Tim: Dir ist aber klar, daß es hier nicht um Religions- oder sonstige Spinner geht sondern um Vorurteile und das Schüren von Ressentiments gegen Ausländer und die Stärkung rechtsradikaler Positionen?

  35. Muriel sagt:

    @Jens: Ich bin zwar sicher, dass Tim das auch für sich selbst beantworten kann, möchte aber trotzdem mal einwerfen, dass er nicht derjeniger war, der mit den Spinnern angefangen hat.
    Ich gönne euch zwar euren kleinen Streit hier, muss aber zugeben, dass ich nicht ganz sehe, wo ihr überhaupt eine Meinungsverschiedenheit habt. Oder hast du irgendwie den Eindruck gewonnen, dass Tim das Minarettverbot befürwortet oder sonstwie was gegen Ausländer hätte?

  36. Jan sagt:

    Muriel – wie meinst du das? Von welchen „ganz unterschiedlichen Richtungen“ sprichst du? Ich will niemand in Schutz nehmen und auch nicht für das Minarett-Verbot gestimmt haben. Mein erster Eindruck ist bloß gewesen: Es könnte ja auch eine Störung von diesen Minaretten ausgegangen sein, im Sinne von Belästigung durch Allah preisende Herrschaften. Sicher, mit Kirchen ist das nun kaum anders. Und nachdem ich die Tagesschau gesehen habe, war mir erst bewusst, um welche mir politisch ganz, ganz fernen Menschen es sich da überhaupt handelte, mit welcher Absicht sie diese Aktion ins Leben riefen. Als dann noch dieser Volksparteisprecher von der „Prävention der Entstehung von Parallelgesellschaften“ sprach, war ich mir klarer über die Lage. Da hat wohl wieder jemand den Traum vom einzig wahren und selbstverständlich christlichen, vom, so ist es wohl, Nationalismus.

  37. Muriel sagt:

    @Jan: Keine Sorge, ich halte dich nicht für rechts oder ausländerfeindlich oder sonst sowas Schlimmes. Ich wollte nur einfach keine Diskussion anfangen, die vom eigentlichen Thema wegführt. Aber jetzt habe ich doch das Gefühl, dass ich mal erklären sollte, warum ich deinen Kommentar so völlig weit weg von meinem eigenen Standpunkt fand:
    Schon das mit der verschleierten Diktatur sehe ich ganz anders. Ich ahne, was du meinst, finde es aber nicht überzeugend.
    Und im zweiten Satz, „aber aus der Sicht einer Gerechtigkeit, in der alles frei ist, eben solang es niemand anders stört; aus dieser Sicht finde ich die Entscheidung in Ordnung.“ naja, da verliere ich dann völlig den Anschluss. Was hat es mit Gerechtigkeit zu tun, dass alles frei ist, solange es niemanden „stört“, was auch immer das heißt? Was für eine Gerechtigkeit ist das denn dann, aus der die Entscheidung in Ordnung ist, die du dann aber für dich selbst anscheinend doch ablehnst?

  38. Arctica sagt:

    (Ohne jetzt alle Kommentare genau gelesen zu haben) Sowas kommt eben raus, wenn man das gesamte Volk direkt an der Politik beteiligt. Und die Schweizer sind noch wenig genug und ich halte sie im Schnitt auch für etwas intelligenter als die Deutschen, aber stellt euch dann mal vor solche Volksentscheide gibt es deutschlandweit, was ja so einige Parteien fordern *schauder*

  39. Citizen Kane sagt:

    @ Muriel: Natürlich entfaltet dieser Verfassungsartikel materielle Wirkung. Das würde die entsprechende Norm allerdings auch als einfaches Gesetz tun. Was ich sagen wollte: Die Erhebung in den Verfassungsrang dient wohl vor allem dazu, dass sie nicht durch die Parlamente des Bundes oder der Kantone (bzw. durch Kantonsplebiszite) wieder aufgehoben werden kann (z.B. indem der Kanton XY eine Bauordnung erlässt, welche die Errichtung von Minaretten gestattet). D.h. der Verfassungsrang ist wohl eher formalrechtlich bedeutsam. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich glaube nicht, dass das Minarettverbot durch die Aufnahme in die Verfassung zum Definiens des eidgenössischen Staatswesens wird.

  40. Muriel sagt:

    @Citizen Kane: Ich denke, da hast du Recht.

  41. Jan sagt:

    Muriel: Vielen Dank, dass du näher auf meinen ersten Kommentar eingegangen bist. Damit kann ich dann doch etwas mehr anfangen. Vielleicht hätte ich doch etwas detaillierter erläutern sollen: Mit der verschleierten Diktatur meine ich, dass in der modernen Demokratie doch nur „die da oben“ entscheiden (die man somit quasi als ein Individuum zusammenfassen könnte) und eine Masse in der Unterschicht leidet, für sie also kein Unterschied zwischen diesem Status Quo und jenem Status Quo Ante zu erkennen – und dass „das Volk regiert“, merken sie auch nicht. Und erinnert es außerdem nicht auch ein wenig an Diktatur, wenn ein gewisser CDU-Politiker den Abtritt des ZDF-Intendanten veranlasst, somit also ein Staatssender geschaffen wird in der Hand der Politik (mehr dazu in meinem aktuellen „Wort zum Alltag„)? Es gibt da immer wieder ein paar Fälle, die sich gar nicht so recht nach „Demokratie“ im eigentlichen Sinne anhören.

    Die Definition dieser erwähnten Gerechtigkeit: Du bist frei in deiner Entscheidung, wenn du damit nicht deinen Mitmenschen schadest. Du darfst deine Meinung frei äußern, solange du keine Verleumdungen oder üble Nachreden von dir gibst. Du darfst folglich argumentieren, das Minarett störe in seiner auffallenden Höhe das Stadtbild. Und so hat man argumentiert, das Bauverbot für Minarette wurde auf der Grundlage von Bauvorschriften durchgesetzt, um eine rechtspopulistische Absicht zu maskieren. Ich wollte mit diesem Satz lediglich die Argumentationsweisen dieser „Volks-Politiker“ (noch ein Produkt aus der Reihe der Bild-Zeitung, neben „Volks-Zahnbürste“ und „Volks-Rasierer“) beleuchten. In der Theorie ist so ein Argument meiner Meinung nach nämlich ganz legitim und in Ordnung – „Ich habe etwas dagegen, weil es mich stört. Was andere stört, zählt für mich nicht mehr in das bekannte Spektrum der Freiheiten (eben auch Religionsfreiheit).“ Soweit verständlich?

  42. sayadin sagt:

    Ja, keiner hätte geglaubt, das der 3. Weltkrieg von der Schweiz ausgehen würde.

  43. Muriel sagt:

    @Jan: Verständlich… Ja, obwohl ich finde, dass eine Auffassung, nach der ausschließlich Minarette das Stadtbild stören, nicht aber etwa Fernseh-, Kirch- oder sonstige Türme, wirklich nichts mehr mit irgendeiner brauchbaren Definition von Gerechtigkeit zu tun hat. Dass du das aber selbst auch nicht so siehst, ist mir dabei klar.
    Deine Auffassung zu unserer Demokratie teile ich nach wie vor überhaupt nicht, aber das hier ist aus meiner Sicht nicht der Platz, das zu diskutieren.
    @sayadin: Doch, ich habe das schon lange kommen sehen.

  44. sayadin sagt:

    sagte der blinde als er gegen die laterne knallt, und wann gehts richtig los?

  45. Jan sagt:

    Minarette stören das Stadtbild ebenso wenig wie alles andere. Ein Turm ist ein Turm, ob er nun funkt oder den Herrn im Himmel preist. Das ist ja gerade der Punkt, an dem diese „Maßnahme nach Bauvorschriften“ in ihrer Scheinheiligkeit scheitert.

  46. sayadin sagt:

    Ja, gut, die Bombe ist schon geplatzt. Und ihr fliegt gerade geistig mit ihr davon.

  47. […] Ich wollte darüber schon lange mal was schreiben, und den letzten Anstoß hat mir Arctica mit diesem Kommentar hier gegeben: „(Ohne jetzt alle Kommentare genau gelesen zu haben) Sowas kommt eben raus, wenn man das gesam… […]

  48. Jan sagt:

    Lieber „sayadin“, hör bitte auf, dich so aufzuspielen und abzuheben.

  49. sayadin sagt:

    Nein, tut mir leid, ich bin Preusse, wir schiessen nun mal erst und fragen dann.
    Zum abheben braucht es einen Grund und ihr diskutier so trocken wie der Bauschutt einer gesprengten Moschee, sorry.
    Aber ihr seid halt Schweizer, da kann man nichts machen.

    Obwohl, Gadhafi hat vorgeschlagen die Schweiz aufzulösen. Ich hab ihm vorgeschlagen die Schweizer in die lybische Wüste zu schicken, weil uns nicht zuzumuten ist, die Schweiz mit Schweizern zu übernehmen.
    Aber ich fürchte, das sich da noch nicht viel getan hat.

  50. Jan sagt:

    Deinen letzten Absatz habe ich schonmal gelesen, musst du dich jetzt auch noch wiederholen?

    Ich bin kein Schweizer. Und du, brüste dich nicht mit Preußentum.

  51. sayadin sagt:

    Doch…

    Wiederholung ist die Mutter der Weisheit.
    Doch, ich brüste mich mit meinem Preussentum. Mein Opa war in Stalingrad und mein Grossonkel Fallschirmjäger. Er hat bei der Befreiung Mussolinis ein Bein verloren. Da war er sogar in der Wochenschau.

    Die Familientradition führe ich in der virtuellen Welt fort. Und da sind die Schweizer nicht schlecht.

    Aber wenn sie disskutieren dann habe ich den Staub von gesprengten Moscheen im Mund, den Ohren und auf den Augen. Die können das nicht.

  52. sayadin sagt:

    die habens nicht erfunden….

  53. lisakathrin sagt:

    Nun muss ich mich hier doch einmal noch eben zu Wort melden, wenn auch reichlich spät.
    Die direkte Demokratie hat, wie jede andere Staatsform, durchaus ihre Schattenseiten. In diesem Fall hat sich eine Gruppe aufmerksamkeitsheischender Politiker ein aktuelles Thema ausgesucht, die dazu passenden, politisch inkorrekten Plakate gedruckt damit die Weltpresse sich darüber auslassen kann und dann diskutiert, bis das Thema so ziemlich allen schlicht zu blöd wurde. Zwei Monate danach war die Abstimmung und es gingen nur noch die Leute hin, die sich über so einen Blödsinn tatsächlich ereifern können. Das ist unglücklich, natürlich, und entsprechend peinlich.
    Was passieren wird, ist dass in einem, zwei Jahren – zuvor geht ja schon aus diplomatischen Gründen nicht; man kann ja dem Volk nicht einfach sagen, dass es unrecht hat – jemand vortreten wird, der sagt „Ja, aber halt mal. Hatten wir nicht mal was von Religionsfreiheit erzählt?“, worauf das Ganze dann wieder aus der Verfassung entfernt wird.

  54. Jan sagt:

    Deine klugen Sprüche lassen dich auch nicht intelligenter wirken. Und deine Vergangenheit tut bei dieser Diskussion, in der es rein zufällig um das Schweizer Verbot des Bauens von Minaretten geht, überhaupt nichts zur Sache. Auch nicht dein Preußentum, denn das ist hierbei so irrelevant wie nichts anderes. Bitte bleib beim Thema, vor allem aber stelle dich nicht über die gesamte Diskussionsrunde.

  55. sayadin sagt:

    Mehr sein als schein…

  56. sayadin sagt:

    Mehr schein als sein…

  57. Jan sagt:

    Sehr einfallsreich.

  58. sayadin sagt:

    Ich weis, und die Diskussion über Minarette oder nicht finde ich kleinlich. Und die Schweizer sind kleinlich, genau wie die Mosslems. Ihr Horizont ist ihr Standpunkt.

  59. […] daherkommt wie ein kleines Holzkreuz im Klassenzimmer, oder so offensichtlich und dummdreist wie ein Verbot der Errichtung von Minaretten, oder eben wie die Unterdrückung von Religion in den kommunistischen Staaten. Alles Seiten […]

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