Yes, Virginia

23. November 2009

„Lieber Muriel,
ich bin 8 Jahre alt.
Einige meiner kleinen Freunde sagen, es gebe keinen Weihnachtsmann.
Papa sagt: „Wenn es bei überschaubare Relevanz steht, dann ist es auch so.“
Bitte sag mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann?“
Virginia O’Hanlon

Virginia, deine kleinen Freunde haben Unrecht. Sie haben sich beeinflussen lassen von pseudokonsumkritischem Gefasel und religiösem Firlefanz. Sie sehen nicht, was sie nicht glauben.

Manche Menschen können sich nicht vorstellen, etwas Gutes zu finden in dem, was nicht zu ihren kleingeistigen Überzeugungen passt. Ihnen gefällt nicht, wie andere das Weihnachtsfest feiern, und ihnen fällt darauf keine bessere Antwort ein, als an einem Namen und einem Symbol herumzumäkeln. Sie stören sich daran, dass Weihnachten ein Fest des Konsums sei, und glauben im Ernst, daran etwas ändern zu können, wenn sie einen jovialen, dicken Mann im rotweißen Mantel gegen einen etwas weniger jovialen und etwas weniger dicken Mann im Bischofsgewand eintauschen.

‚Wieso tauschen?‘ magst du dich jetzt vielleicht fragen, ‚Der Weihnachtsmann und der Nikolaus sind doch eigentlich das Gleiche, oder nicht?‘ Vielleicht ist es an der Zeit für eine kleine Begriffsklärung, um den Unterschied zwischen den beiden zu erläutern:

Der eine von ihnen ist eine Kunstfigur, ein Hohlkörper, der von profitgierigen Ausbeutern erfunden wurde, die vor nichts zurückschrecken, um ihrer rücksichtslosen Geschäftemacherei ein menschliches Antlitz zu verleihen. Er dient keinem anderen Zweck, als ahnungslosen Leuten ihr Geld aus den Taschen zu ziehen. Der andere ist der Weihnachtsmann.

Der Nikolaus zieht sich außerdem anders an. Das liegt daran, dass er einem mächtigen Funktionär einer Organisation nachempfunden ist, die den Menschen seit Jahrtausenden [Edit, 24. 11. 2009 um 23:20 mit Dank an theomix für den Hinweis] rund 2000 Jahren Lügen und falsche Hoffnung teuer verkauft. Diese Organisation stellt ihn heute gerne als Wohltäter dar, weil er einen kleinen Teil des ergaunerten Reichtums verschenkt haben soll.

Der wesentliche Unterschied besteht also darin, dass der Weihnachtsmann kein Kirchenmitglied ist und nicht danach strebt, Kinder näher zu Gott zu bringen. Das ist in Ordnung so. Wenn du nicht näher zu Gott willst, Virginia, dann hat niemand das Recht, dir etwas anderes einzureden.

Ja, Virginia, es gibt den Weihnachtsmann. Es gibt ihn so sicher, wie es Liebe, Großzügigkeit und Hingabe ganz ohne Religion gibt. Du weißt, dass es sie gibt, und dass man keinen Gott braucht, um sie zu fühlen, und sich von ihnen bereichern zu lassen.

Wie traurig wäre diese Welt ohne den Weihnachtsmann? Eine Welt, in der hübsche Ideen abgelehnt werden, weil sie nicht in die kirchliche Mythologie passen? Diese Welt wäre genauso trostlos wie eine Welt ohne Virginias.

Kein Weihnachtsmann! Pah! Er lebt, und er lebt für immer! Tausend Jahre, ach was, zehn mal zehntausend Jahre von heute an, wird er noch immer die Herzen von Kindern mit Freude füllen, und ihre Gläser mit einem süßen Erfrischungsgetränk.

Eine frohe Weihnacht, Virginia, feiere sie so kommerziell oder so romantisch, wie es dir gefällt.

Virginia? Hörst du noch zu? Nicht? Gut. Die Tante hier und ich haben nämlich gerade noch mal was zu besprechen: Frau Ruge, diesen Satz meinen Sie doch wohl nicht ernst, oder?

Wer einmal die glänzenden Augen von Kindern gesehen hat, wenn sie einen „echten“ Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab erleben, der kann immerhin hoffen, dass diese Kinder sich nicht mehr mit dem Geschenkeonkel der Konsumindustrie zufrieden geben mögen.

Wollen Sie uns wirklich weismachen, Kinder ließen sich von einer Mitra und einem Bischofsstab begeistern, und das hätte dann irgendwas mit „innerem Reichtum“ zu tun? Machen Sie sich doch nicht lächerlich. Ach ja. Zu spät.


Nimmermehr (28)

22. November 2009

So, das war eine ganze Menge Arbeit. Zum Ende hin fasern meine Geschichten immer ein bisschen aus, und es war ziemlich mühsam, die 28. Szene wieder ordentlich zu bündeln. Ich hoffe, dass es uns zu eurer Zufriedenheit gelungen ist. (Keoni hat mir sehr geholfen. Dankeschön!)

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Restebloggen zum Wochenende (17)

21. November 2009
  1. Zum ersten Mal Hitler-Content bei überschaubare Relevanz. Ladies and Gentlemen, this is Mambo No. 5:

    [via Nerdsnacks]
  2. Und um die bösen Assoziationen zu vertreiben:

    Awwwwwwwwwwwwww!!!
  3. Ich bin ja immer völlig überfordert, wenn Leute, die mir nicht nahe stehen, plötzlich vor mir in Tränen ausbrechen. Ich denke so was wie „Nicht doch, das meint er doch nicht ernst, spinnt der?“, aber ich weiß, dass man eher von mir erwartet: „Ochje, was ist denn? Ich fühle ja so mit Ihnen!“ Bin ich Gregory House, oder geht euch das manchmal auch so?
  4. Kai Gniffke wird sich in den Oberschenkel gebissen haben. Ich hätte es jedenfalls getan, wenn mir ausgerechnet beim Zurückweisen der Kritik an meinen sprachlichen Fähigkeiten so ein blöder Tippfehler unterlaufen wäre…
  5. Gerade eben hätte ich beim Einparken eigentlich einen Pfeiler rammen müssen, habe ihn aber glücklicherweise ganz knapp verfehlt. Leider erinnert man sich an diese Vorfälle nicht mehr, wenn das nächste Mal unverdient etwas Schlechtes passiert.
  6. Wir alle können von Johannes viel über den taktischen Einsatz von Tageszeitungen lernen. Naja. Vielleicht auch nicht.
  7. Hättet ihr es gewusst? Der Mars-Rover funktioniert immer noch (Seit Januar 2004!), obwohl er nur für 90 Tage Betrieb ausgelegt war. Allerdings steckt er seit dem 23. April dieses Jahres im Sand fest. Kein Wunder, dass Spirit allmählich anfängt, sich dort oben zu langweilen. Keoni und ich drücken der NASA bei ihrer Befreiungsaktion jedenfalls alle Daumen.

Biss an die Grenze des Erträglichen

20. November 2009

Der Wortvogel hat einen Verriss von „Twilight“ geschrieben, in der Hoffnung, damit Traffic zu generieren und sich den Zorn der jugendlichen Fans der Reihe zuzuziehen. Guter Plan. Ich will nicht voreilig sein, aber zumindest mit letzterem Anliegen scheint er überraschend gescheitert zu sein. Der einzige halbwegs kontroverse Kommentar bisher kommt aus der „Klar ist das unfassbarer Kitsch, aber das darf doch auch mal sein“-Ecke, und das spricht zwar für Wortvogels Leser, kann als Ergebnis aber trotzdem nicht recht befriedigen. Ich habe genauso wenig wie Torsten Dewi jemals was von Twilight gesehen oder gelesen, aber ich habe mich mal von seinem sehr gelungenen Rant inspirieren lassen, im Interesse der angestrebten Kontroverse aber versucht, die Sache leicht anders anzugehen. Ich hoffe, er nimmt mir den Ideenklau nicht übel.

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Was sagt ihr dazu? Wow, oder? Ich meine, das Bild, und… Wow, oder? Und ich finde eigentlich alles andere an Twiligt auch genauso… Wow!  Allein schon der deutsche Titel! Deutsche Titel sind normalerweise einfallslos, billig und peinlich, sie setzen auf Wortspiele, die sogar einem Dreijährigen zu blöd wären und außerdem noch keinen Sinn ergeben, außerdem sind sie alle gleich. Aber bei Twilight hat sich ausnahmsweise mal jemand richtig Gedanken gemacht. Weil, ich meine, so: Bis(s) zum Morgengrauen – ist das nicht genial? Kurz, einprägsam, und witzig. Versteht ihr, weil Bis zum Morgengrauen ja heißen würde, bis dahin, also zeitlich, und mit dem S in der Klammer zusammen würde es aber Biss heißen, wie von Beißen, und das passt ja auch, weil Edward ja ein Vampir ist! Clever, ne? Außerdem heißen ja auch alle vier Bücher und die Filme auch so ähnlich, und das wird dadurch aber überhaupt gar nicht langweilig, sondern ist voll das coole Geheimsprachen-Erkennungszeichen, das nur die Insider verstehen! Wenn schon der Titel ein so cremiges Grinsen in mein Gesicht zaubert, wie phantastisch muss dann erst der Rest der Story sein?

Ich sag’s euch: Ganz phantastisch!!!!! Ich meine, das ist, so, stellt euch das mal vor: Da ist dieser Vampir, und der ist total cool und geheimnisvoll und sexy und echt stark, ist ja klar, weil er ein Vampir ist, und der ist aber völlig harmlos, also gar nicht gefährlich, der tut niemandem weh, der beißt nur Tiere. Und man muss sich auch tagsüber keine Sorgen um ihn machen, denn – jetzt kommt überhaupt das Beste, finde ich – die Sonne ist überhaupt nicht gefährlich für ihn, sie macht bloß, dass er glitzert!!! Ist das nicht wundervoll? Das heißt, dass Bella ganz toll mit ihm gehen kann, ohne dass es irgendwelche Probleme gibt, und sie ist dabei trotzdem total eigensinnig und anders und eine Außenseiterin und so, und er auch, und total geheimnisvoll und soooo cool!!

Besonders fabelhaft finde ich, dass die beiden so irre romantisch miteinander umgehen. Da wird nicht eklig rumgemacht, und es gibt keinen Sex – Die sind schließlich nicht verheiratet! – und stattdessen gibt es aber richtig liebevolle Blicke, die ganze Zeit, und man sieht Bella richtig an, wie sie Edward liebt, und wie sie um Atem ringt und völlig überwältigt ist, wenn die beiden sich wieder anschauen. Da muss ich immer ganz laut seufzen! Ungefähr so: Haaach!!!

Aber es ist jetzt nicht nur so’n Zeugs, es gibt auch was Spannendes. Edwards Vampirfamilie, das sind ja die guten Vampire, aber es sind nicht die einzigen. Es gibt auch die bösen Vampire, und die sind total – ähm – böse. Das erkennt man auch ganz leicht, weil die unter ihren offenen Jacken immer so Ketten mit großen Anhängern dran tragen, und weil sie immer so von Nebel umwabert werden, und das ist total unheimlich, aber auch irgendwie spannend und cool. Man weiß ja, es wird alles gut, weil Edward beschützt einen ja. Haaach…

Ich fühle mich schon ganz wohlig und wattig eingepackt, wenn ich nur an Bella und Edward und alle ihre Freunde denke, und ich kann es kaum erwarten, bis ich endlich meinen Lobotomie-Termin kriege, damit ich endlich auch alle Bücher von Stephenie Meyer lesen und alle Twilight-Filme sehen kann! Das wird bestimmt total schööööön!!!!!!


Mein Vater

19. November 2009

Warnhinweis: Die folgende Geschichte ist etwas speziell und ziemlich persönlich. Trotzdem ist es mir ein inneres Anliegen, sie zu erzählen. Ich bitte um Verständnis.

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Nimmermehr (27)

18. November 2009

Ich verkünde große Freude, Lenore ist wieder da!

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Why Do All Good Things

17. November 2009

Gewiss erinnern sich schon nur noch die Älteren unter euch, dass ich überhaupt mal im Urlaub war, aber ich schulde euch trotzdem noch einen letzten Reisebericht aus der einzigartigen, majestätischen Kapitale des Reiches der Mitte, Beijing.

Symbolträchtig oder was

Und hier isser:

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