A propos Minarette

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Damit es nicht heißt, ich würde hier nur auf der Schweiz herumhacken:

Art. 139 WeimVerf (Bestandteil des Grundgesetzes gemäß Art. 140 GG): „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“

So ist das nämlich. Bei uns ist es verfassungswidrig, wenn der Staat seinen Bürgern nicht verbietet, an vier Sonntagen hintereinander ihre Geschäfte zu öffnen. Wegen der seelischen Erhebung. Bloß gut. Ich kenne ein paar Leute, die Sonntags arbeiten müssen, und ich kann euch sagen, die sind seelisch so dermaßen nicht erhoben, das ist echt unschön.

Gut, den Polizisten, Stewards, Kellnern, Köchen, Tankwarten, Krankenpflegern, Feuerwehrleuten, Taxifahrern, Beleuchtern, Kinomitarbeitern, Bahnangestellten, Ärzten, Bademeistern, Fitnesstrainern, Busfahrern, Straßenreinigern, Bäckern, Kraftwerksmitarbeitern, Justizbeamten, Tierpflegern, Journalisten, Elektrikern, Heizungsmonteuren, Pizzaboten, Call-Center-Agents und zahllosen anderen Leuten nützt es nichts, dass das BVerfG jetzt das Berliner Ladenschlussgesetz als teilweise verfassungswidrig eingestuft hat, aber wenigstens können sie sich darüber freuen, dass die Seelen der Einzelhandelsverkäufer nicht mehr in Gefahr sind. Ausgenommen natürlich die, deren Geschäfte sich in Bahnhöfen oder Flughäfen oder so befinden, die müssen trotzdem arbeiten. Aber immerhin. Also, die meisten Einzelhandelsverkäufer dürfen jetzt nicht mehr an vier Sonntagen nacheinander arbeiten. Und da sage noch mal einer, die christlichen Kirchen würden nichts für uns tun.

Ich habe aber noch einen Vorschlag, den ich den Kirchen hiermit gerne nahebringen würde. Es gibt da nämlich eine Berufsgruppe, die schon seit Ewigkeiten dazu verpflichtet ist, am Sonntag zu arbeiten, obwohl das nicht dringend erforderlich ist. Und die Kirchen hätten es in der Hand, dem ein Ende zu machen. Es wäre ganz leicht. Sie müssten dafür niemanden verklagen, und sie bräuchten kein Gesetz und keine Verfassung. Insbesondere die katholische Kirche könnte aufgrund ihrer zentralistischen Struktur sogar weltweit ohne große Mühe dafür sorgen, dass Tausende Priester und Ministranten den Sonntag so verbringen können, wie Gott es sich mal gedacht hat: Als Tag der Arbeitsruhe, und ohne andere Leute mit unnötigem Lärm zu belästigen.

12 Responses to A propos Minarette

  1. DeserTStorM sagt:

    Die arbeiten doch nicht 🙂 Ich stell mich am Sonntag auch inne Kirche, erzähl was und lass den Klingelbeutel rumgehen 🙂

    Und warum auf den Schweitzern rumhacken? Ich finde es in Ordnung was sie getan haben 🙂

  2. ruediger sagt:

    Wer hackt denn auf den Schweizern herum?

    Es gibt keine Kirchengewerkschaft, die den kirchen- und glockenfreien Sonntag anleiern könnte, sry.

  3. Salomea sagt:

    Juhu, wenn meine Kollegin Frau Priester sonntags nicht arbeiten müsste wäre sie wahrlich erhoben (und erholt dazu). Nein, ich arbeite bei keiner kirchlichen Einrichtung, aber es gibt bei uns Leute, die müssen am Sonntag für uns vorarbeiten. Und Frau Priester zieht irgendwie immer die Arschkarte. Ob das an ihrem Nachnamen liegt? 😉

    Liebe Grüße

  4. Tim sagt:

    Sehr schöner Vorschlag, meine Stimme hast Du!

  5. rundumkiel sagt:

    Ich bin enttäuscht über diese Entwicklung. Weniger staatliche Regulierung wäre der richtige Umgang mit der Sachlage. „Always open“ muss es ja nicht gerade sein. Obwohl: Wenn keine Regulierung, dann entscheidet eben der Markt, also die Verbraucher und der Handel, wie es am besten funktioniert. Und sozial ist das trotzdem noch, denn es sichert Arbeitsplätze, Kaufkraft, Wohlstand…

  6. AndiBerlin sagt:

    Tja, soviel zum Thema Trennung von Staat und Kirche.
    Das wirft Berlin wirklich zurück. Ich hatte mal eine amerikanische Mailbekanntschaft, die meinte in anderen Ländern lachen sie schon über Deutschland, weil man da am Sonntag nicht einkaufen gehen kann.

  7. Arctica sagt:

    Ich finde es eigentlich ganz schön, wenn am Sonntag alles zu ist und man sich nicht durch Menschenmassen kämpfen muss, sondern in den Innenstädten einfach gemütlich spazieren kann. Ob das jetzt für die einzelnen Händler gut oder schlecht ist will ich dabei garnicht beurteilen, ist einfach meine persönliche Meinung.

  8. Muriel sagt:

    @AndiBerlin: Willkommen bei überschaubare Relevanz, und danke für deinen Kommentar.

  9. Citizen Kane sagt:

    Ich verteidige zwar nur ungern das Bundesverfassungsgericht, denn nirgendwo hat Elfenbeinturmjuristerei mehr Schaden angerichtet als in Karlsruhe, aber der Fairness halber ist Folgendes anzumerken:

    Ein tendenziell allgemeiner Tag der Arbeitsruhe hat neben dem religiösen auch einen sozialen Sinn (darauf hat das BVerfG in seiner Entscheidung ja regelrecht insistiert): Familienleben, die Wahrnehmung des Grundrechts der Versammlungsfreiheit u. dgl. wird natürlich erheblich erleichtert, wenn viele Menschen ein und denselben Tag zu ihrer freien Verfügung haben.

    Die Notwendigkeit der permanenten Bereitschaft der Polizei, eines Krankenhauses etc. ist doch wirklich nicht mit der Kommodität des sonntäglichen Einkaufs in Bekleidungsläden vergleichbar. Da ist m. E. eine Differenzierung schon zulässig. Etwas problematischer wird es da schon bspw. beim ÖPNV. Es ist richtig, dass nicht wenige Menschen auf die Öffis angewiesen sind, um an Orte zu gelangen, an denen sie sich am Tag des Herrn erheben und erholen können. Die dominikale Öffnung eines Restaurants kann man sicher auch mit der Notwendigkeit der „Arbeit für den Sonntag“ [sc. der anderen – Zitat BVerfGE bin zu faul, die Nummer zu recherchieren] rechtfertigen. Andererseits stellt sich da die Frage, ob eine sonntägliche Öffnung z.B. von Textilläden nicht jetzt schon oder in absehbarer Bälde mit den veränderten Freizeitgewohnheiten der Bevölkerung legitimiert werden kann.

    Versteht mich nicht falsch: Ich bin beruflich und privat ungebunden und arbeite deshalb öfters auch am Sonntag, abends und zu anderen ungewöhnlichen Zeiten. Mir wäre es also ziemlich egal, wenn der Wirtschaftsverkehr im 7-24-Rhythmus stattfinden würde. Aber ich kann von anderen Leuten mit anderer Lebenssituation nicht ein Opfer verlangen, das ich selber schmerzlos erbringe, weil es für mich neutral bewertete Normalität ist. Für viele meiner Bekannten ist das Wochenende bzw. der Sonntag wirklich eine unschätzbare Gelegenheit der Alltagsunterbrechung.

  10. Muriel sagt:

    @Citizen Kane: Mir ist diese Argumentation durchaus bekannt, und sie wäre auch überzeugend, wenn man Gründe sucht, warum es nicht Pflicht sein sollte, am Sonntag zu arbeiten. Hier geht es aber um die Frage, ob es verboten sein sollte, am Sonntag zu arbeiten. Ich verstehe zwar den Standpunkt derer, die das aus diesen Gründen so wollen, aber ich teile ihn eben überhaupt nicht.

  11. Dennis sagt:

    Ja, an die Mitarbeiter der Kirche musste ich auch schon denken. Auch an die Organisten, den Kirchenchor…

    Was die Kirche bezweckt ist eben nicht der Schutz der Verkäufer/innen, sondern sie missbrauchen diese Gruppe als Werbeplakat für die Kirche. Purer Populismus, mehr ist das aus meiner Sicht nicht.

  12. Muriel sagt:

    @Dennis: Ja. Bei den Gewerkschaften schätze ich das übrigens ähnlich ein, die waren sich hier ja mal einig mit den Kirchen. Die kämpfen auch schon lange nicht mehr für Arbeitnehmer, falls sie es jemals getan haben.

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