Luftschlager

Unser cooler Baron Verteidigungsminister hat ein bisschen Ärger wegen eines kleinen Luftschlags. Das kuschelige kleine Blog „überschaubare Relevanz“, das, wenn es groß ist, auch mal so investigativ werden will wie Der Postillon oder Spiegel Online, wollte hierzu ein Interview mit Herrn von und zu Guttenberg. Dieser erklärte sich jedoch nicht dazu bereit, vielleicht auch, weil ihn niemand gefragt hat, deshalb haben wir uns einfach eins ausgedacht:

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=Guttenberg&iid=7395348″ src=“c/6/7/1/Pressure_Builds_on_f1ca.jpg?adImageId=8386040&imageId=7395348″ width=“500″ height=“366″ /]

üR: Herr von und zu Guttenberg – Oder darf ich einfach Wilhelm sagen? – wir sind verwirrt. Wie ist es denn nun zu dem Angriff auf die Tanklaster in Afghanistan gekommen, und wer trägt die Verantwortung dafür?
Guttenberg: Waah! Nennen Sie mich bloß nicht Wilhelm, sonst geht diese unselige Wikipedia-Debatte von vorne los. Ich kann das nicht mehr hören. Sylvester ist doch nett.
üR: Wie Sie wollen.
Guttenberg: …
üR: Äh, und die andere Frage?
Guttenberg, sich räuspernd: Wieso, welche andere Frage?
üR, leicht ungeduldig: Wer trägt die Verantwortung für den Tod mehrerer Zivilisten bei dem Angriff auf einen Tanklastzug in Afghanistan, den Sie selbst inzwischen auch als militärisch nicht angemessen bezeichnet haben?
Guttenberg: Ach so, ja, die Frage, natürlich. Verzeihen Sie bitte, die hatte ich ganz vergessen. Ein sehr peinlicher Fehler, insbesondere, weil man es als Versuch auffassen könnte, diese eher unangenehme Frage zu umgehen, und ich versichere Ihnen, dass mir nichts ferner läge.
üR: …
Guttenberg: …
üR: Herr von und zu Guttenberg, ich schreie gleich.
Guttenberg: Sylvester. Wieso?
üR, schreiend: Weil Sie die Frage immer noch nicht beantwortet haben!
Guttenberg: Ach ja. Wie lautete… [erschrocken:] Schon gut, schon gut, setzten Sie sich bitte wieder hin. Also, die Frage: Ich kann Ihnen versichern, dass ich mich in meiner Funktion als Verteidigungsminister hier zu 100% vor meine Soldaten Stelle. Unsere Männer – und Frauen – in Afghanistan tun in vorbildlicher Weise ihre Pflicht und verdienen dafür unsere volle Unterstützung. Ich bewundere diese Menschen, die ihre Pflicht erfüllen, für ihr Vaterland und für die hilfsbedürftige afghanische Bevölkerung, und dabei bereit sind, ihre eigene Sicherheit und Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
üR, mit zuckendem rechtem Augenlied und pochender Schläfenader: Und wer träg nun die Verantwortung?
Guttenberg: Wie ich schon sagte, ich stelle mich da vor meine Leute. Als Minister nehme ich selbstverständlich die Offiziere in Schutz, die hier schwierigste Entscheidungen in Sekundenbruchteilen zu treffen haben. Schuld ist alleine Oberst Klein.
üR: [Betretenes, leicht ungläubiges Schweigen]
Guttenberg: Also was denn jetzt, stellen Sie mir noch eine Frage oder was?
üR: Natürlich, Verzeihung. [Kramt einen böse zerknitterten Notizzettel aus der Hosentasche] Äh… Naja… Also, Oberst Klein ist an allem Schuld?
Guttenberg: Genau.
üR: Ganz alleine?
Guttenberg: Jup.
üR: Oberst Klein hat also einfach kraft eigener Herrlichkeit seine Einsatzregeln ignoriert und unter Missachtung des Bundestagsmandats mit frei erfundenen Gründen (”Troops in contact”) einen Luftangriff angefordert, um ein paar Taliban zu töten, wobei er billigend in Kauf genommen hat, dass unschuldige Menschen sterben?
Guttenberg: Ich schätze, so muss das gewesen sein.
üR: Oh. Na gut. Und was passiert dann jetzt mit dem?
Guttenberg: Gar nichts, wieso?
üR: Keine Sanktion?
Guttenberg: Nein. Das gehört sich nicht.
üR: [Lacht ein bisschen verstört.] Ach so, klar, dumm von mir. Und warum schätzen Sie, müssten Sie das nicht wissen?
Guttenberg: Naja, ich habe von der ganzen Sache natürlich keine Ahnung.
üR: Wie jetzt?
Guttenberg: Na, sehen Sie… Äh… Da gibt’s doch diesen… Hier, wie heißt das? Sie wissen schon… Untersuchungsdings, oder so. Da bin ich aber nicht drin, und sonst weiß ich nur, was halt in der Zeitung steht. Also, in der, die ich lese.
üR: Sie könnten ja versuchen, es rauszufinden. Wäre doch eine nette Geste, einfach mal zu schauen, was in ihrem Ministerium so läuft, wenn Sie eh schon mal da sind, oder?
Guttenberg: Was? Wieso?
üR, sich nach der versteckten Kamera umsehend: Weil… Sie der Verteidigungsminister sind?
Guttenberg: Ja, und? Soll das jetzt heißen, ich wäre für alles verantwortlich, was in meinem Ministerium passiert, oder was? Meinen Sie nicht, dass ich Besseres zu tun habe? Haben Sie eigentlich eine Ahnung, worum man sich da alles kümmern muss? Allein mein Styling – aber davon verstehen Sie ja offensichtlich nichts. Verteidigungsminister, pah! Soll sich doch der Seehofer drum kümmern. Mir doch egal. Das wär ja noch schöner! Hätten die wohl gerne, gemeines Pack, Bauerngesindel… [Verlässt unter weiterem, unverständlichen Gegrummel grußlos die Redaktionsräume]

12 Responses to Luftschlager

  1. Salomea sagt:

    Du hast mir meine Mittagspause gerettet 🙂 🙂 🙂

  2. Meine war – Gott sei Dank – nicht in Gefahr. Trotzdem: feines Interview.

  3. Muriel sagt:

    @Salomea: Schön, dass es dir gefällt.
    @Der Postillon: Danke für das Lob. Im Nachhinein tut es mir ein bisschen Leid, dich in die Nähe von Spiegel Online gerückt zu haben. War nicht böse gemeint.

  4. fragmentjunkie sagt:

    Danke für das Interview mit Mr. Guttenberg a.k.a „Der Baron, der von nichts wusste“.
    Er hätte es doch wie die Amis machen sollen: Einen erfolgreichen Angriff melden sollen, mit ein paar kleinere Kollateralschäden, hier und da, nichts Gravierendes.

  5. Tim sagt:

    Sehr schönes Gespräch! Übrigens, wenn unsere Politiker mit dem Wort „Krieg“ ein Problem haben – warum reden wir dann nicht einfach von „Ostfront“, wenn es um Afghanistan geht?

  6. @Muriel:
    Ist schon in Ordnung. Seriöser Journalismus allein ist auch irgendwie langweilig, da braucht es manchmal auch sinnfreien Klamauk und Fake-Nachrichten wie bei Spiegel Online.

  7. fragmentjunkie sagt:

    „warum reden wir dann nicht einfach von „Ostfront“, wenn es um Afghanistan geht?“…weil es eine Front für die Bundeswehr nicht gibt. Eine Front gibt es ja nur in einem Krieg.
    Afghanistan ist vielmehr die vorderste Linie der Verteidigung.

  8. Dr. Borstel sagt:

    Wenn der Tag dank Wintereinbruch nicht ohnehin schon toll gewesen wäre, hätte dieser Artikel ihn mit Sicherheit erheblich verschönert. Dankeschön! 😀

  9. Muriel sagt:

    @Dr. Borstel: Willkommen bei überschaubare Relevanz, und danke für das Lob, das bei mir durchaus ähnliche Freude auszulösen vermag wie der Schnee, der seit heute Morgen nach und nach mein Auto begräbt.
    [Nachtrag:] Klingt das doppeldeutig? Ist nett gemeint.

  10. Dr. Borstel sagt:

    Klingt doppeldeutig, aber ich habe die Nettigkeit dann doch noch herausgelesen. 😉 Ich habe hier übrigens schon des Öfteren mal im Stillen mitgelesen, aber beim Herrn Gutenberg hat es mich dann doch gerissen, mal einen Kommentar zu hinterlassen. Ich komme auch gerne wieder. 🙂

  11. Muriel sagt:

    @Dr. Borstel: Nur gute Nachrichten, das höre ich gern. Also, über den Schnee habe ich mich durchaus den ganzen Tag über sehr gefreut. Erst im Nachhinein ist mir klar geworden, dass man das vielleicht nicht so deutlich merkt, wenn ich nur davon schreibe, dass er mein Auto zuschüttet…

  12. […] Bei Frau Quadratmeters Suche war da aus meiner Sicht noch nicht ganz das Richtige dabei, und mein Guttenberg-Interview dürfte ein bisschen zu lang sein. Vielleicht kennt ja einer von euch einen echt guten CSU-Witz? Es […]

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