Menschenähnlich (2)

So, das hat ein bisschen gedauert. Aber ihr habt aus gutem Grund gewartet, vertraut mir. Mein erster Entwurf für dieses Kapitel war nämlich so grauenvoll, dass Keoni und ich ihn als unrettbar aufgeben und von vorne anfangen mussten. Ich hoffe, das Ergebnis sagt euch zu. Hier ist der zweite Teil von „Menschenähnlich“. („Was bisher geschah“ wird nachgeliefert, und der Eintrag auf der Geschichten-Seite folgt auch noch.)

„But where do you go to, my lovely, when you’re alone in your bed?”
„Guten Morgen, David, gut geschlafen?“
„Tell me the thoughts that surround you, I want to look inside your head, yes I do!”
„Ähh…“ David brauchte einen Moment, um sich zu erinnern, wo er war, und dann noch einen, bis ihm klar wurde, was das für merkwürdige Geräusche waren. Das eine war ein altes Musikstück, das andere die enthusiastischen Begrüßung von Jake.
Er wollte seinen Kopf schütteln, um ihn vom Nebel seiner Betäubung zu befreien, aber er war in der Halterung der Reisekabine eingeklemmt und ließ sich nicht bewegen, deswegen blinzelte er stattdessen nur ein bisschen und begann sich von den Anschnallgurten zu befreien, die ihn in der engen Kiste festhielten. Er stellte sich dabei ziemlich ungeschickt an, weil die Wirkung der Sedativa noch nicht ganz abgeklungen war und weil ihn das nervige Gedudel ungeduldig machte.
„Computer: Musik aus!“ murmelte er missmutig, während er aus seiner Reisekabine kletterte.
Jake warf einen schmollenden Blick in Richtung der verstummten Lautsprecher.
„Böse Menschen kennen keine Lieder, was?“
„Klar kenne ich das Lied, deswegen will ich es ja nicht hören.“ David fuhr sich mit den Händen durch sein Gesicht und die Haare. Nach dem Hyperraumschlaf hatte er immer das Bedürfnis zu duschen, obwohl er wusste, dass alle seine Körperfunktionen fast völlig heruntergefahren wurden. Man schwitzte während des Schlafes so gut wie gar nicht und blieb auch ansonsten genauso hygienisch, wie man es zuvor gewesen war.
Er warf einen Blick auf seine Uhr, stockte, und warf einen zweiten.
„Wir waren nur achtzehn Tage unterwegs. Jake, wo sind wir?“
Jake seufzte. „Tja, weißt du… Das ist das Problem. Wir sind hier in so ’nem nutzlosen kleinen System, für das wir nicht mal einen vernünftigen Namen haben, obwohl es fast genauso aussieht wie unser eigenes. Es gibt sogar ’nen Planeten mit noch cooleren Ringen als Saturn, auch wenn es hier der achte Planet ist, nicht der sechste…“
„Und den wolltest du mir unbedingt zeigen und dachtest deshalb, man könnte ja mal eine Pause machen?“
„Nein…“ antwortete Jake in etwas abwesendem Tonfall, auf seinen Monitor starrend. „Nein, der Computer hat mich geweckt, wegen eines Signals von einer Mohniu-Defensivsonde. Offenbar war das hier mal ein strategisch wichtiges System.“
„Hm? Die Mohniu dürfen doch gar keine Raumfahrzeuge mehr bauen, seit sie den Krieg gegen die Kehlar verloren haben.“ David schaute mit gerunzelter Stirn über Jakes Schulter auf die Anzeigen und beschloss nach kurzer Zeit, dass sie ihm zu kompliziert waren.
„Naja, diese Sonde hier ist auch steinalt“, antwortete Jake.
„Und was will sie von uns?“
„Sie will guten Tag sagen.
„Was bitte?“
Jake seufzte und erklärte: „Sie will einen Identifikationscode.“
„Dann sende ihn halt“, sagte David mit einem Schulterzucken. „Warum weckst du mich deshalb?“
Er schaute zu dem Fenster am anderen Ende des Cockpits. War das da hinten der große Planet mit den Ringen, oder bildete er sich die bloß ein? Es sah fast ein bisschen so aus wie…
„Weil wir für dieses Ding hier genauso wenig einen ID-Code haben wie für die Mayflower“, antwortete Jake, „Das Teil ist alt!“
„Dann sende ihn eben nicht! Ich verstehe immer noch nicht, was ich dabei machen kann.“
Er überlegte, ob er noch duschen sollte, oder einfach gleich wieder schlafengehen. Er war hungrig.
„Naja…“ Jake zögerte und drehte sich sogar kurz zu David um, um ihn anzusehen, während er mit ihm sprach. Für einen Augenblick war er – für seine Verhältnisse – ernst. „Wenn wir den Code nicht senden, greift die Sonde uns an…“
„Angreifen? Gerade hast du doch gesagt, das Ding wäre alt!“
„Ist es auch, aber alt heißt eben nicht immer kaputt. Du müsstest das doch wissen!“ Jake kicherte und wandte sich wieder den Kontrollen des Schiffes zu.
„Zu komisch. Warum haben die Kehlar das Ding nach dem Krieg nicht zerstört?“
„Naja, was weiß ich?“ fragte Jake, ohne sich nach ihm umzudrehen. „Die hatten dann ja Codes, schätze ich. Nachdem sie den Planeten erobert hatten, gehörte die Sonde eben zu ihrer Verteidigungssphäre. Vielleicht haben sie sie sogar in Stand gehalten, und deswegen tut sie’s noch.“
„Warnung: Ihr Schiff wird von einem Zielsuchradar erfasst“, verkündete die freundliche Computerstimme der Emerald-17, als hätte sie bloß gesagt, dass draußen die Sonne schien. Was sie im Weltall natürlich immer tat.
„Hat der Radarwarner eigentlich extra gekostet?“ fragte Jake.
„Herrgott, müssen die dummen Witze jetzt gerade sein?“
David konnte mit Gefahr einigermaßen umgehen. Es war nicht das erste Mal, dass er beschossen wurde, und man verlernte das nie so ganz. Was ihn verrückt machte, war, dass er keine Ahnung von der Gefahr hatte, in der er sich befand.
„Dumme Witze gehen eigentlich immer, finde ich.“
Mit wachsender Beunruhigung bemerkte David, wie Jakes Handbewegungen auf dem Kontrollpult immer hektischer wurden.
„Jake, was passiert jetzt?“ zischte er.
„Warnung: Ihr Schiff wird von einem Zielsuchradar erfasst!“
„Hm, also, David… Wie soll ich das jetzt sagen? Pass auf: Wenn du noch vorhattest eine Kirche zu spenden, oder nur ein kleines Kapellchen, oder ein Krankenhaus, oder irgend so was…“
„Jake!“
„Tu’s jetzt.“ Jake nahm die Hände von seiner Konsole und verschränkte demonstrativ die Arme. „Mehr bleibt uns nämlich vorerst nicht übrig.“
„Verdammt…“ David wurde vom Aufheulen der Triebwerke der Emerald unterbrochen und konnte sich gerade noch rechtzeitig an dem Kopilotensessel festklammern, bevor das Schiff den befohlenen Schwenk vollführte, der ihn ansonsten wohl gegen die nächste Wand geschleudert hätte.
„Teufel noch mal, hättest du mich nicht warnen können?“
„Vor dem kleinen Schubser?“
Eine Alarmsirene nahm ihren Betrieb auf und das Licht wurde schwächer und rötlich. Wofür war das wohl gut?
„Vergiss es!“ Schmollend ließ David sich in den Sessel fallen schloss seinen Anschnallgurt. „Mit was schießen die denn überhaupt? Werden wir pulverisiert, oder kriegen wir vielleicht nur ein kleines Leck irgendwo?“
„Ich konnt’s auch nicht so genau erkennen“, rief Jake über den Lärm der Sirene hinweg, „Ist das nicht aufregend? Wie früher!“
„Früher konnten wir wenigstens zurückschießen“, knurrte David, „Und ich fand das trotzdem damals schon-“
Sein letztes Wort ging in einer ohrenbetäubenden Explosion unter.

Kalon schwang sich mit dynamischer Eleganz von seinem Ross, als zählte er nur 30 Jahre, statt deren über 60. Oft genug spürte er sein Alter schon, aber es war noch nicht so schlimm, dass er sich einen überzeugenden Auftritt davon verderben lassen würde.
Er reichte der jungen Dame, die er mit sich gebracht hatte, mit ritterlicher Geste seine Hand, um ihr vom Pferd zu helfen. Schüchtern lächelte sie ihn an, während er dabei zusah, wie seine Partnerin An’Yik von ihrem eigenen weißfelligen Karrs stieg.
Der Hof des schlossähnlichen Herrenhauses wurde von zahllosen Fackeln und Lampen erleuchtet, beinahe, als wäre es heller Tag. Einige Bedienstete begannen scheu, einen Halbkreis zu bilden, um zu beobachten, was geschah.
Die Tür öffnete sich, und Quytars Frau kam ihnen entgegengelaufen. Die stattliche Matrone stürzte in einer Eile die Treppe hinunter, die er ihr niemals zugetraut hätte. Sie hatte die Arme ausgebreitet, weinte und schluchzte und schrie und jubelte, während sie auf ihre Tochter zueilte. Ihre Schuhe musste sie irgendwo im Haus abgeworfen haben. Kalon staunte, wie sie es schaffte, nicht über ihre bauschigen Röcke zu stolpern.
Der Herr des Hauses folgte wenige Sekunden etwas gemesseneren Schrittes nach. Kalon schob beiläufig den langen Rüssel seines Reittieres von seiner Schulter, bevor es ihn wieder vollsabbern konnte.
Während seine Frau weinend und lachend zugleich ihre Tochter umarmte, ergriff Quytar Kalons rechte Hand und schüttelte. Um die Verbindlichkeit der Geste zu betonen, legte er seine linke Hand noch auf ihre beiden rechten,.
„Ihr seid ein Held, Kalon“, sagte er mit einem Lächeln zu seiner Frau und seiner Tochter, und mit einem flüchtigen Blick zu An’Yik. „Ein Held! Ich weiß nicht, wie ich Euch dafür danken soll, dass Ihr meine einzige Tochter aus den Klauen ihrer Entführer befreit habt, aber seid versichert, dass ich Euch für alle Zeiten verpflichtet bin.“
„Eure Dankbarkeit ist mir Lohn genug“, erwiderte Kalon.
Quynar lachte auf.
„Kommt schon, Mann, auch reisende Helden müssen essen!“
Kalon blickte nachdenklich in die Ferne und zuckte die Schultern.
„Wir finden schon unser Auskommen“, antwortete er. „Ich könnte nicht Lohn dafür verlangen, dass ich meine Pflicht als Bürger tue.“
Quynar lachte wieder, klopfte auf Kalons Schulter und löste den prallen Geldbeutel von seinem Gürtel.
„Ihr seid gut. Aber lasst mich wenigstens-“
„Nein!“ Kalon hob abwehrend seine rechte Hand und wich ein paar Schritte zurück, in Richtung seines Rosses. „Bitte macht mich nicht zum Söldner, Herr, ich habe meine Ehre.“
Mit einer – wie er sich im Nachhinein eingestehen würde – etwas überzogenen Geste verletzten Stolzes warf er seinen Umhang über die Schulter, schwang sich zurück auf sein pechschwarzes Karrs, gab ihm die Zügel und stob davon –
um einige Läufe von Quytars Anwesen entfernt in einem kleinen Waldstück am Rande des Weges auf An’Yik zu warten.
Es dauerte etwa ein halbes Glas, bis er die Schritte ihres Karrs Dorledan hörte und sie aus der Dunkelheit auf sich zu kommen sah.
Sie war eine Frau, und noch dazu eine Munji. Sie stand auf der sozialen Rangordnung so weit unten, dass sie Quytars Belohnung annehmen konnte, ohne dass irgendjemand sich etwas dabei dachte.
Merkwürdig, dachte er, während er sie aus seinem Versteck näherkommen sah. Die meisten menschlichen Männer hätten ihr fremdartiges Äußeres wahrscheinlich abstoßend gefunden. Quynar jedenfalls hatte sichtbar die Nase kraus gezogen, als Kalon sie das erste Mal mitgebracht hatte. Seine Frau schien sie sogar immer mit mühsam beherrschtem Ekel zu betrachten, als würde es ihre Selbstbeherrschung bis an die Grenze belasten, nicht auf einen Stuhl zu springen und um Hilfe zu schreien.
Doch Kalon konnte nicht leugnen, dass er sie trotz – oder vielleicht sogar wegen- der kleinen Unterschiede sehr reizvoll fand. Die schmalen schlitzförmigen Pupillen in ihren gelben Augen, die grünliche Tönung ihrer sandpapierrauen Haut, die an die eines Hais erinnerte, ihr haarloser Kopf, die flache Nase, die spitzen Reißzähne und sogar der sieben Spannen lange seitlich abgeflachte Schwanz, der aus ihrem verlängerten Rücken auslief und sich hektisch um sie selbst schlängelte, wenn sie aufgeregt war. Mit einem Kopfschütteln vertrieb er die Schwärmereien aus seinem Kopf. Er war über sechzig, und sie knapp über zwanzig, und sogar davon abgesehen: Sie war Munji. Wenn er nicht die biologisch vorgegebene Vernunft hatte, sie körperlich abstoßend zu finden, war es doch so gut wie sicher, dass sie seine kreisförmigen Pupillen, seine zartrosafarbene glatte Haut, sein Bart- und Haarwuchs und das fehlende Anhängsel an seinem Rücken als sehr unattraktiv empfand.
Er trat auf den Weg und winkte ihr zu. Sie sprang lachend zu ihm herab, setzte ein ernstes Gesicht auf und stellte sich in Pose, während ihr Reittier sofort seinen großen kantigen Kopf zum Boden senkte und begann, mit seinem Rüssel Grasbüschel auszureißen, um sie sich ins zahnlose Maul zu stopfen, seine langen Ohren dabei gerade aufgerichtet und ständig wachsam rotierend.
„Bitte macht mich nicht zum Söldner, Herr“, äffte sie ihn nach, „Ich habe meine Ehre!“
Sie brach in Gelächter aus und musste sich schließlich an einem ihrer Steigbügel festhalten, um nicht zu fallen. Ihr fröhliches, beinahe kindisches Naturell stand in einem so krassen Widerspruch zu ihrem fast reptilienhaften Äußeren, dass Kalon sich immer wieder davon überraschen ließ.
„Irgendwann wirst du zu weit gehen, Kalon“, sagte sie, nachdem sie sich beruhigt hatte. „Irgendwann wirst du dich entweder so vollkommen lächerlich machen, dass uns einer auf die Schliche kommt, oder du wirst so überzeugend den selbstlosen Helden geben, dass mal einer wirklich nicht bezahlt.“
„Wieviel?“ fragte Kalon.
Sie zuckte die Schultern. „Ich hab’ noch nicht nachgezählt, aber es ist ein ganzer Sack voll Gold, und dann hat er aus dem Haus noch einen Haufen Schmuck geholt, der sicher auch noch mal hundert Fiores wert ist, wenn nicht hundertfünfzig, die Steine sind ordentlich groß.“
Kalon legte nachdenklich den Kopf schief und lächelte. „Hat sich doch gelohnt, was?“
„Naja… Wir müssen davon ja auch noch Berren bezahlen“, sagte sie, aber sie konnte das zufriedene breite Grinsen nicht aus ihrem Gesicht vertreiben.
„Meinst du?“ Kalon kratzte sich am Kopf. „Ehrlich gesagt ging er mir in letzter Zeit mit seinem ewigen Genörgel ziemlich auf den Geist. Und was hat er schon getan? Ein paar Tage lang auf das Mädchen aufpassen und den bösen Entführer spielen…“
An’Yik versuchte, empört und widerwillig zu schauen, aber da war noch immer dieses gierige Blitzen in ihren gelben Augen, und ihren Mund umspielte ein euphorischen Grinsen, das ihre nadelspitzen Reißzähne zeigte und deshalb nicht so unbeschwert fröhlich wirkte, wie es sich wahrscheinlich anfühlte.
„Aber er gehört auch dazu, wir können doch nicht einfach…“ Sie brachte den Satz nicht zu Ende, weil sie wollte, dass er ihr widersprach.
Er spielte mit: „Warum nicht? Weißt du noch, wie er versucht hat, ihre Ringe vor uns zu verstecken? Er wollte sie für sich behalten!“
„Hmm…“ machte sie, noch immer gegen das Lächeln ankämpfend, „Vielleicht hast du Recht…“
„Und erinnerst du dich noch daran, dass er damals so getan hat, als hätte er nichts gehört, während wir gegen die Gardisten gekämpft haben?“
„Das könnte man schon Verrat nennen, oder?“
„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er uns an die Inquisition verkauft. Meinst du wirklich, dass wir den Kerl noch belohnen sollten, indem wir diesen Fang mit ihm teilen?“
„Naja, wenn du es so-“ Plötzlich gefror das Lächeln in ihrem Gesicht und ihre Augen weiteten sich. Sie ließ den Geldbeutel fallen und hob ihre rechte Hand, um auf etwas am Himmel hinter ihm zu zeigen.
Er zog sein Schwert, wirbelte herum und folgte mit seinem Blick der Verlängerung ihres Armes. Erleichtert ließ er seine Waffe wieder sinken, als er erkannte, dass dort nichts weiter war als eine Sternschnuppe, wenn auch eine ziemlich imposante. Er warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu und bückte sich, um den Beutel aufzugeben.
„Geht’s dir noch gut, An’Yik? Weißt du noch, wie viel Arbeit das war?“
Die vorgetäuschte Entführung selbst war natürlich nicht so besonders anstrengend gewesen. Aber wie so oft bei Dingen, die einfach aussahen, steckte die eigentliche Mühe in den Vorbereitungen.
„Ja, aber… Erkennst du das denn nicht? Das ist… Die Kehlar kommen wieder!“ Sie nahm den Geldbeutel aus seiner Hand und verstaute ihn hastig in ihrem Rucksack, während ihr Schwanz aufgeregt über dem Boden hinter ihr hin und her glitt. „Komm, vielleicht finden wir den Landeplatz!“
Kalon seufzte. An’Yiks Familie hatte in der Nähe einer Kehlar-Basis gewohnt, und wenn sie erst einmal angefangen hatte, von den technologischen Wundern und der Magie des fremden raumfahrenden Volkes zu erzählen, hörte sie nicht wieder auf.
„Landung ist gut…“ murmelte er mit einer gehobenen Augenbraue, „Für mich sah das bestenfalls wie eine Notlandung aus. Vielleicht spräche ich in meiner rohen und herzlosen Art sogar von einem ziemlich ungeordneten Absturz. Immer vorausgesetzt, dass es überhaupt deine Kehlar sind und nicht einfach nur ein Meteorit.“
„Das sind sie! Meteoriten sehen anders aus. Und sogar wenn sie abgestürzt sind, vielleicht finden wir was Wertvolles in den Trümmern. Los, schnell!“
„Und… Was gedenkst du zu tun, falls der Grund für ihren… Ähem… strategischen Rückzug auch da sein sollte?“
„Wie?“ Verblüfft hielt sie in der Bewegung inne. Sie war gerade dabei gewesen, Dorledan zu besteigen, ihr rechtes Bein im Steigbügel, das linke noch auf der Erde, sodass ihre Hose auf ausgesprochen ansehnliche Art… Er zwang sich, nicht hinzusehen. In letzter Zeit ertappte er sich immer öfter dabei, sie heimlich anzustarren, wie die widerlichen Greise, über die er sich als junger Mann immer lustig gemacht hatte. Er hoffte, dass es ihr nicht aufgefallen war.
„Ja, alle Götter, vielleicht wurden sie ja abgeschossen! Die werden nicht freiwillig von sich aus beschlossen haben, einfach mal von ganz oben, einen riesigen Flammenschweif hinter sich herziehend, auf die Oberfläche unseres netten kleinen Planeten zu stürzen, um in viele kleine handliche Teile zerschmettert…’„
„Spar dir deinen Sarkasmus“, murrte sie, „Selbst wenn da noch jemand ist, was sollten die gegen uns haben?“
„Ach ja…“ Abermals verdrehte Kalon die Augen. Er schwang sich auf sein edles Streitross (das eigentlich nur ein gut gepflegtes friedliches Zugtier war), um ihr in Richtung Schicksal zu folgen, wurde aber von einem unerwarteten, scharfen Ziepen in seinem Rücken abgehalten und ließ sich leise fluchend wieder zu Boden gleiten, um einen zweiten, bedächtigeren Aufstieg zu unternehmen. Erleichtert stellte er fest, dass sie sein kleines Missgeschick nicht bemerkt hatte.
„Was soll’s?“ murmelte er, für sie unhörbar. Wahrscheinlich waren sie eh ins Meer gestürzt. Es konnte nicht schaden, ihr die kleine Freude zu machen.

Fragen an die geneigten Leser:

  1. Findet ihr, dass die Albernheiten in der Absturzszene die Stimmung kaputtmachen?
  2. Könnt ihr euch An’Yik einigermaßen vorstellen, oder hättet ihr lieber mehr Details gehabt? (Es kommen natürlich sowieso noch welche.)
  3. Ist für euch in der zweiten Szene deutlich geworden, welches Spiel Kalon, An’Yik und Berren da gespielt haben?

14 Responses to Menschenähnlich (2)

  1. Sehr spannende Folge! Und nun zu den Fragen.
    1. Nein, ich finde nach wie vor, dass das zu Jake passt. Vielleicht ist es nicht ganz realistisch, aber es lockert die Geschichte auf.
    2. Doch, ich kann sie mir schon einigermaßen vorstellen. Die Schilderung war in der Länge für mich genau richtig, noch länger könnte leicht zu langatmig werden.
    3. Die kleinen Schlingel. 🙂 Ja, das wurde schnell deutlich.
    Nun bin ich gespannt, ob Jake und David überlebt haben…

  2. Guinan sagt:

    Dann spiele ich auch mal Lektorin:

    Hast du irgendwann mal die Darkover-Romane von Marion Zimmer-Bradley gelesen? Die kamen mir vorhin sofort in den Sinn.

    1. Durch die Albernheiten kommt die unterschiedliche Persönlichkeit der Beiden gut heraus.
    2. Ich denke, ich hatte auch ohne weitere Einzelheitenein deutliches Bild vor Augen.
    3. Ja, das ist eindeutig.

    Außerdem:
    – Dreher im Wort ‚befand‘
    – Diese Scene
    „Ihr seid ein Held, Kalon“, sagte er mit einem Lächeln zu seiner Frau und seiner Tochter, und mit einem flüchtigen Blick zu An’Yik. „Ein Held! Ich weiß nicht, wie ich Euch dafür danken soll, dass Ihr meine einzige Tochter aus den Klauen ihrer Entführer befreit habt, aber seid versichert, dass ich Euch für alle Zeiten verpflichtet bin.“
    finde ich überzogen, das ist zu dick aufgetragen.

    Bitte beeil dich mit dem Weiterschreiben, ich muss ganz dringend wissen, wie es weitergeht.

  3. Muriel sagt:

    @Fellmonsterchen: Danke für die Antworten, und die Antwort auf deine Frage kommt dann hoffentlich bald.
    @Guinan: Vielen Dank auch dir. Den Dreher habe ich behoben und die Szene finde ich vielleicht auch ein bisschen überzogen, lasse ich aber vorerst noch stehen.
    Ich habe noch nie was von Marion Zimmer-Bradley gelesen. Vielleicht sollte ich mal, aber ich komme schon so kaum hinterher mit all dem, was ich lesen sollte…
    Was das Beeilen angeht, tu ich mein Bestes, ich bin ja auch gespannt, wie es weitergeht.

  4. quadratmeter sagt:

    1. Nein.
    2. Ja.
    3. Ja.

    Mir sind auch mehrere Rechtschreibfehler aufgefallen, falls du da nachträgglich noch mal dran willst: ich bin gefragter Korrekturleser aus Leidenschaft 😉

    Darf ich mir hin und wieder ein paar Absätze wünschen? Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht!

  5. Muriel sagt:

    @quadratmeter: Danke, und für Hinweise auf Rechtschreibfehler bin ich immer dankbar, ob per Kommentar, per Mail oder wie du magst.
    Mit den Absätzen bist du jetzt schon die zweite. Meinst du mehr, oder größere?

  6. quadratmeter sagt:

    Mehrere 🙂

    Wenn ich darf, dann maile ich dir das gerne. ich kenne das von mir, vor later Shcreiberei sieht man am Ende gar nichts mehr.

  7. Salomea sagt:

    Schön, dass ich mit den Absätzen nicht alleine bin 😉 Mir könntest du noch einen anderen Gefallen tun: Es gibt da so’ne Regel die lernt man in jedem Schreibkurs, und deshalb gebe ich sie einfach mal weiter, weil ich nicht möchte, dass du irgendwann Haue angedroht bekommst: Zitate – also auch Liedtexte -, kursiv setzten. In wörtlicher Rede gehen auch einfache Anführungszeichen drum.

    1. Nein, find ich gut.
    2. Ja.
    3. Ich hab zugegebenermaßen zweimal Lesen müssen bis ich’s hatte, könnte aber daran liegen, dass ich beim Lesen fast immer automatisch ein-zwei Worte übersprin ge.

  8. Salomea sagt:

    Noch ein Tipp: Kannst du bei deiner Rechtsschreibprüfung manuell Wörter und Satzzeichen zur Autokorrektur eingeben? Wenn dir irgendwas beim Tippen immer wieder passiert ist das ganz praktisch.

  9. Muriel sagt:

    @Salomea: Danke für die Antworten und auch den Kursiv-Hinweis, da achte ich mal drauf.
    Die Rechtschreibprüfung kann das, aber mir nützt es nicht viel. Die Autokorrektur führte bei meinen bisherigen Versuchen im Zweifel eher dazu, dass Word heimlich die Dinge wieder änderte, die ich absichtlich so geschrieben hatte.

  10. Andi sagt:

    Ich hinke so hinterher – und du hast ja hier auch schon das Feedback gehabt, das ich nun auch geben wollte. Trotzdem:

    1. Fand ich persönlich gar nicht so albern. Sind halt unterschiedliche Charaktere, was ja auch schon im 1. Kapitel deutlich wurde. Aber richtig albern ist doch auch noch irgendwie anders. Interessant übrigens, dass die so alte Schinken hören – wobei es ein nettes Lied ist, wie ich finde.
    Und überhaupt find ich deine Dialoge ja immer gut, weißte ja.

    2. Die kann ich mir vorstellen, die ist doch recht plastisch beschrieben. Wenngleich es sich mir nicht erschließt, wieso Kalon sie attraktiv findet. Aber da bin ich auch nicht der richtige Ansprechpartner. 🙂

    3. Jo, isses. Machen die das öfter? Spielt das für die Geschichte eine Rolle? Wenn ja – spannend, wie es nun da weitergeht. Wenn nein – netter Einfall.

  11. Muriel sagt:

    @Andi: 2. Über Geschmack kann man eben nicht streiten. Isst ja auch nicht jeder gern Löffeleier.
    3. Ja, machen sie. Ist aber trotzdem nicht so richtig zentral für die Geschichte. Zumindest glaube ich das bisher. Danke!

  12. Andi sagt:

    Die Löffeleier fand ich sehr lecker, die hab ich grad beim Lesen gelöffelt, also zwei davon. Den Rest heb ich mir für später auf.
    Danke nochmal. 🙂

  13. Muriel sagt:

    @Andi: Freut mich. Ist doch schon mal was. Übrigens, Insidertipp: Eigentlich braucht man den Löffel überhaupt nicht.

  14. Andi sagt:

    Auch auf die Gefahr hin, dass es hier nicht hingehört: ich schon. 🙂
    Aber okay, ich werde es mal ohne ausprobieren.

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