Ich kenne keine CSU-Witze. Live.

Vor einer ganzen Weile schrieb ich mal, dass ich hoffte, nie ein Interview geben zu müssen. Das war natürlich gelogen.

Jedenfalls war ich ausgesprochen angenehm überrascht, als der Postillon mich letzten Freitag freundlicherweise wissen ließ, dass er mich für ein Interview in der Sendung Trackback beim Berliner Radiosender Fritz vorgeschlagen hatte. Hui, mein erstes Interview, dachte ich, mal sehen, ob die mich wirklich nehmen? Ich hörte mir das Interview mit dem Postillon mal an, fand das sehr nett und begann zu hoffen, dass es bei mir auch so gut laufen möge.

Am Mittwoch traf die Mail vom Moderator Marcus Richter bei mir ein, in der er mich in seine Sendung einlud. Dankbar nahm ich an und fragte in meiner Antwort noch, wie das denn wohl so laufen würde.

Es wurde Samstag, und ich rief Marcus Richter vorsichtshalber an, weil ich furchtbar nervös war und es einfach nicht mehr abwarten konnte ich immer noch keine Antwort von ihm bekommen hatte und ihm zumindest schon mal meine Nummer geben wollte. Er sagte, er würde wohl so gegen halb anrufen und ungefähr um 19:40 Uhr mit dem Interview anfangen.

Es wurde halb acht, es wurde fünf nach halb, es wurde 19:40 Uhr und ich saß vor meinem Telefon und schaute so alle fünf Sekunden auf die Uhr, dachte über meine Antworten nach und fragte mich, ob die denn nicht auch ein kleines bisschen Angst haben, irgendwann einfach mal ohne Interviewpartner dazustehen, wenn sie das alles so kurzfristig regeln.

Ich rief mich mal selbst an, um herauszufinden, ob etwas mit meinem Telefon nicht stimmte. Es war ein sehr angenehmes Gespräch, und es gelang mir, mich ein wenig zu beruhigen. Sofort nachdem ich aufgelegt hatte, klingelte es wieder, und diesmal war nicht bloß ich selber dran.

Marcus Richter sagte, in rund zwei Minuten sei der Song zu Ende, und dann wäre ich live im Radio. Prima. Ich hörte also diesen komischen Song aus dem Telefon, hatte einen Frosch im Hals, fragte mich, ob ich mich räuspern durfte oder ob man das hören konnte und schaute immer noch dauernd auf die Uhr, obwohl das jetzt wirklich keinen Sinn mehr ergab. Er sagte Hallo, und es ging los. Das Ergebnis gibt es hier als Podcast (ab 39:19).

Im Nachhinein fallen mir zu jeder einzelnen Frage dutzendweise die schlagfertigen Antworten ein, die ich eigentlich hätte geben müssen. Aber ich finde, für’s erste Mal kann ich mit dem Interview leben. Marcus war nachsichtig mit mir, und ich habe auch nicht irgendwo angefangen, wirres Zeug von Flughäfen und Hauptbahnhöfen oder von Autobahnen zu faseln. Was will man mehr?

Natürlich würde mich auch brennend interessieren, wie ihr das Ganze so findet.

Nun schulde ich Radio Fritz noch einen 30-Sekunden-Gag über die CSU. Bei Frau Quadratmeters Suche war da aus meiner Sicht noch nicht ganz das Richtige dabei, und mein Guttenberg-Interview dürfte ein bisschen zu lang sein. Vielleicht kennt ja einer von euch einen echt guten CSU-Witz? Es wäre mir eine große Hilfe.

38 Responses to Ich kenne keine CSU-Witze. Live.

  1. quadratmeter sagt:

    Sehr sympathisch. Und nun habe ich bei der lektüre ab sofort eine Stimme dazu. Du hast dich sehr gut geschlagen, finde ich 🙂

  2. Peter sagt:

    Hast dich doch ganz wacker geschlagen, Anton… ähhh, Muriel. 😉

  3. Ich hab’s sogar live gehört und finde auch, du hast das fein gemacht, zumal ich die spontanen Fragen deutlich kniffliger fand als bei mir seinerzeit (den Politik-Aspekt habe ich dir ohnehin als Altlast hinterlassen). Das konntest du ja dann in der Kurzantwort-Runde offensichtlich gut vorbereitet ausgleichen. CSU-Witze habe ich leider keine, aber vielleicht gibt’s ja irgendwo ’ne Witzeseite oder so.

  4. julial49 sagt:

    Aber ganz hervorragend hast du dich geschlagen (wobei die Frage mit den DNS-Sperren fies war).

    CSU-Witze kenne ich keinen außer Stoiber.

  5. Muriel sagt:

    @quadratmeter: Danke!
    @Peter: Psschhhh! Wenn der Joker von meiner geheimen Identität erfährt, kann bald niemand mehr Gotham City beschützen.
    @Der Postillon: Gerade in dich hatte ich so große Hoffnung gesetzt… Na, kommt Zeit, kommt dummer Witz.
    @julial49: Auch dir herzlichen Dank. Ich finde ja auch, wer Alternativfragen stellt, sollte dann damit leben können, wenn sein Gegenüber sich für eine entscheidet.

  6. ruediger sagt:

    Leider vermag ich persönlich Dir keine politischen Witze zu irgendeiner Partei vortragen. Auch wenn Du die Möglichkeit des Witzelns hast verstreichen lassen müssen, gut geschlagen und Deine sympathische Stimme gut eingesetzt.

  7. Muriel sagt:

    Vielen Dank noch einmal an alle, und weil ich es im Artikel vergessen habe: Natürlich war es mordsschwer, sich für eine Empfehlung für den nächsten Interviewpartner zu entscheiden. Ich hätte viele gewusst, die ich gerne gehört hätte, aber am Ende… wie beim Highlander, ihr wisst schon.

  8. ruediger sagt:

    Du hättest dann zumindest ja mal über Radio grüßen können. Echt jetzt. :mrgreen:

  9. Muriel sagt:

    @ruediger: Du wirst lachen, aber ich habe ernsthaft überlegt, irgendwann zwischendurch mal zu fragen, ob ich jemanden grüßen darf. Aber dann hatte ich doch Angst, dass er den Scherz nicht verstehen würde.
    „… und Heinz und Kuddel und Gabi, und den Knallschorsch und die Didi natürlich, und alle, die ich jetzt vergessen habe.“

  10. Matthias Schumacher sagt:

    Das hast Du gut gemacht. Life is live. Hinterher ist man immer schlauer. Hast ja fast eine Radiostimme;)

  11. Hast Du klasse gemacht. Bewundernswert, wenn man spontan so schlagfertige Antworten geben kann.
    Einen CSU-Witz kenne ich leider nicht, nur die schlechtesten Border-Collie-Witze der Welt, die sich fast immer um Berlusconi drehen…

  12. Muriel sagt:

    @Fellmonsterchen: Ich freue mich über dein Lob, aber der Postillon hat schon Recht: Die Antworten in der Kurzfragerunde hatte ich mir vorher mit Keonis Hilfe so grob zurecht gelegt. Man will ja einen guten Eindruck hinterlassen, wenn man seine 15 Minuten Ruhm auf sich zukommen sieht.

  13. Muriel sagt:

    @Matthias Schumacher: Vielen Dank. Ich hoffe, ich kann dir das nächstes Wochenende zurückgeben.

  14. Tim sagt:

    Kommen ein CSU-Mitglied aus Augsburg, ein CSU-Mitglied aus München und ein CSU-Mitglied aus Nürnberg in eine Bar. Fragt der Barkeeper: Was soll denn das werden, ein Witz?

  15. […] Schumacher: Dahinter. Und wenn alles gut läuft, gibt’s ihn nächstes Wochenende sogar im Radio. Ob er sich da wohl auch […]

  16. Johannes sagt:

    So klingst du also…;-)

    Kann mich den Meinungen hier nur anschließen. Gutes Interview!

  17. Axel Scherm sagt:

    Da fällt mir doch sofort Loriot ein:
    Im liberalen Sinne heißt liberal nicht nur liberal.
    Hier zu bestaunen.

    Ansonsten: Feines Interview!

  18. Muriel sagt:

    @Tim: Da hätte ich ein bisschen Sorge, dass den keiner versteht.
    @Johannes: Danke. So klinge ich, wenn ich mein erstes Interview gebe. Sonst klinge ich möglicherweise ganz anders. Ich höre mir so selten zu…
    @Axel Scherm: Noch so ein Spruch, der mir hätte einfallen sollen.

  19. Katja sagt:

    Auch wenn’s hier schon so oft steht: Schön, ab jetzt eine Stimme zu den Texten im Kopf zu haben. 🙂
    Und noch dazu eine so sympathische, die zugegebenermaßen glatte 10 Jahre älter klingt als ich vermutet hätte.

  20. Muriel sagt:

    @Katja: Sowas kann ich gar nicht oft genug hören, und ich kann mich auch gar nicht oft genug dafür bedanken. Was hättest du denn vermutet?

  21. Katja sagt:

    Oh je, wie komme ich denn aus der Nummer jetzt raus ohne mich in die Nesseln zu setzen?
    Dem Bauchgefühl beim Lesen deiner Texte nach, hätte ich dich irgendwo in den 30ern eingeschätzt, eher Anfang / Mitte als Ende. (Was mir seltsamerweise erst bewusst wurde als ich dich gerade gehört habe.)
    Die Stimme klingt etwas reifer für mich, irgendwo in den 40ern, auch da eher in der ersten Hälfte.

    Natürlich werde ich das alles abstreiten und gerne genau das Gegenteil behaupten, falls ich dir damit jetzt irgendwie zu nahe getreten bin. 😉

  22. Muriel sagt:

    @Katja: Ach Quatsch, wie nervig sind denn Leute, die andere bitten, ihr Alter zu schätzen, um dann beleidigt zu sein? Zumal du mich ja nicht mal gesehen hast.
    Ein bisschen jünger bin ich übrigens schon noch.

  23. Katja sagt:

    Nervig oder nicht, existent sind sie allemal, daher hat mich meine leichtfertige Äusserung gerade schon ein wenig ins Schwitzen gebracht. War ja freundlich gedacht und nicht, um dich möglicherweise zu ärgern.

    Ach und um’s nicht unerwähnt zu lassen: Du klingst auch norddeutscher als ich vermutet hätte, was Alter sowieso in die Bedeutungslosigkeit drängt.

  24. Muriel sagt:

    @Katja: Norddeutscher? Das ist ja spannend. Wie kamst du denn drauf, ich käme aus Süddeutschland?

  25. Katja sagt:

    Neiin! Herrje, ich kommentiere mich hier heute echt um Kopf und Kragen…
    Ein positiv überraschender, da nicht erwarteter norddeutscher Dialekt bedeutet nicht, dass ich dich im Süden der Republik eingeordnet hätte.
    Ich glaube, über Sprachfärbungen mache ich mir noch weniger (bewusste) Gedanken als über das Alter und würde am ehesten neutrales Hochdeutsch annehmen.

    Da ich nur wenige Dialekte gerne leiden mag und norddeutsch mit Abstand an erster Stelle kommt, überrascht es mich immer positiv, wenn ich jemanden zum ersten mal so „schnacken“ höre. 🙂

  26. Muriel sagt:

    @Katja: Freut mich doch. Danke!

  27. quadratmeter sagt:

    Da kann ich mich Katja nur anschliessen, das habe ich auch wohlwollend herausgehört 😉

  28. Maxi sagt:

    Norddeutsch ist doch kein Dialekt.

  29. […] Muriel Silberstreif kennt keine CSU-Witze. Aber Herrn Guttenberg (CSU). So ein […]

  30. marcus sagt:

    @muriel: „Ich finde ja auch, wer Alternativfragen stellt, sollte dann damit leben können, wenn sein Gegenüber sich für eine entscheidet.“

    Da hast du natürlich vollkommen recht. Die Entscheidung selbst nehme ich auch immer kommentarlos hin.

    Aber die Begründung hat mich so überrascht, dass ich meine Klappe nicht halten konnte.

    Hätt ich aber besser machen sollen…

    Nächstes Mal dann wieder.

  31. Muriel sagt:

    @marcus: Ach, dass du nachgefragt hast, ist doch in Ordnung. Im Nachhinein kommt mir mein Spruch da oben auch ein bisschen weinerlich vor. Wobei ich wirklich nicht verstehe, was an meiner Begründung nicht stimmen sollte…
    Mal was ganz anderes: Kommentierst du, während du moderierst, oder ist der Livestream über eure Website ein bisschen verschoben?

  32. marcus sagt:

    Der Livestream schiebt ein bisschen und das Interview war aufgezeichhnet. =)

    Mal schauen ob ich es auf die schnelle zusammenkriege:

    Du sagtest: ( > == schlimmer )
    Sperre > DPI, weil die Ministerin für Sperren ist.
    Im allgemeinen wird aber davon ausgegangen, dass
    DPI > Sperre.

    Die Deep Packet Inspection ist ein viel größerer Eingriff in die Privatsphäre als die Sperren, weil dadurch seltsame Inhalte mitgelesen werden, die im Netz rumgeschickt werden.

    Deine Begründung kam also an als: „Ich bin für die schlimmere Überwachungsmethode, weil die Ministerin die weniger schlimme gut heißt.“

    War das jetzt verständlich?

    Sonst später noch ausführlicher, muss mal moderieren… =)

  33. Muriel sagt:

    @marcus: Ach so. Ich hatte schon angefangen, dich für deine Multitaskingfähigkeit zu bewundern.
    „Ich bin für die schlimmere Überwachungsmethode, weil die Ministerin die weniger schlimme gut heißt.“
    Genau so habe ich das auch gemeint. Ich würde auch zu rauchen anfangen, wenn unsere Arbeitsministerin das verbieten wollte.
    Nein, ich weiß, im Ernst: Natürlich finde ich das beides falsch, und du hast auch Recht damit, dass DPI der stärkere Eingriff in die Privatsphäre ist. Man müsste allerdings zugestehen, dass DPI immerhin eine wirkungsvolle Maßnahme wäre, sodass anders als bei den Sperren immerhin die Argumentation schlüssig wäre.
    Wenn du mich im Ernst fragst, finde ich aber jedenfalls beide Maßnahmen falsch und dämlich, um das nochmal unmissverständlich sagen. Die eine ist halt wirkungsloser Quatsch, die andere gefährlicher Quatsch.

  34. marcus sagt:

    Word.

    Jetzt beginne ich zu verstehen, was der Satz „Ironie funktioniert im Radio nicht“ bedeutet und das er zumindest manchmal stimmt.

    Nachdem Vergleich mit dem Rauchen, wusste ich sofort, was du meinst. Hätteste das mal dazu gesagt… 😉

    So. Nächste Runde geht gleich los.

  35. Muriel sagt:

    @Marcus: Mach dir keine Gedanken. Ironie funktioniert eigentlich nirgends. Aber dass der Rauchvergleich die Sache erhellt hat, wundert mich. Ich habe den dreimal umformuliert, damit er dich nicht noch mehr verwirrt…

  36. […] im Gegensatz zum letzten Mal ist es diesmal kein bisschen anonym und mit richtigem Namen und allem. Ihr erfahrt also die […]

  37. […] natürlich. Ich durfte zum Beispiel ein Radiointerview geben, ein Buchkonzept pitchen, und dann noch eins, ich wurde von meiner Nachbarin getrollt, ich habe […]

  38. Don Alfredo sagt:

    CSU- Witze gibt es nur hinter Mikrophonen!

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