Cave-Man

Am 25. Februar hat Sascha von endgueltig.com dankenswerterweise im Rahmen der Aktion Bfasdmzbhudesevwigs einen Gastbeitrag von mir veröffentlicht. Und weil ich ein bisschen Probleme mit dem Loslassen habe, habe ich ihn gefragt, ob es ihm Recht ist, wenn der Beitrag auch hier auf meinem Blog noch einmal erscheint. Er hatte nichts dagegen. Vielen Dank! Hier ist er nun also:

Ich kann das gar nicht rational erklären, aber als ich erfuhr, dass mir das Blog „Endgueltig“ zugelost worden war, erkannte ich, dass mein Gastbeitrag nur eine Filmrezension oder eine Albumkritik sein konnte. Bis zur nächsten Entscheidung dauerte es auch nur ein paar Sekunden, denn ich habe von Filmen wenig Ahnung, von Musik allerdings noch deutlich weniger.

Damit war klar: es wird eine Albumkritik. Artikel über Musik von Leuten, die sich damit auskennen, kann man schließlich dauernd und überall lesen.

Macht euch also bitte von allen euren Erwartungen frei, legt eure Brillen ab, damit ihr nicht so genau hinschauen könnt, gießt euch heißes Wachs in die Ohren, und dann folgt mir bitte in die wundervolle Welt der oberflächlichen Stümperei. Vorsicht, dabei bitte nicht über die Bundesregierung stolpern. Ich bedanke mich schon mal bei meinem Gastgeber dafür, dass er mir diesen Versuch gestattet, mal was zu tun, was ich noch nie getan habe, und bei euch allen natürlich genauso fürs Lesen.

Das Album, das ich für euch ausgewählt habe stammt von dem begnadeten Musiker und Schriftsteller Nick Cave und seiner fantastischen Band „The Bad Seeds“. Es heißt „Dig, Lazarus, Dig!!!“ (Die Ausrufezeichen sind nicht von mir, die gehören so.)

Für alle, die ihn gar nicht kennen: Die Musik mischt sich so zusammen aus Gospel, Blues, Country und Punk, und seine in aller Regel angenehm raffinierten und humorvollen Texte sind voller biblischer und literarischer Anleihen und Anspielungen sowie natürlich völlig wahnsinniger Bilder wie aus den besten Albträumen, die ihr je hattet. Das war doch schon mal ein ziemlich professioneller Start, oder? Lasst euch davon aber keine falsche Hoffnung machen; bisher konnte ich einfach aus Wikipedia abschreiben.

Damit ist jetzt aber Schluss, denn wir kommen zum Album an sich: Cave steigt gleich mit dem Song „Dig, Lazarus, Dig!!!“ ein, der ja auch dem ganzen Album seinen Namen gibt. Das Stück ist trotz der durchaus anspruchsvollen Lyrik melodisch schön geradeaus und einfach, und der klar strukturierte Refrain lädt geradezu zum fröhlichen Mitgröhlen ein:

„Dig yourself,
Laa-z’rus dig yourself,
Laa-z’rus dig yourself,
Laa-z’rus dig yourself
Back in that hole!“

Ein Bonbon für die Freunde des ganz klassischen Seeds-Sounds ist das fünfte Stück im Album. „Night of the Lotus Eaters“ ist richtig zum Gruseln, nicht nur wegen des, ähm, naja, irgendwie gruseligen Sounds, sondern auch wegen des surrealen Textes:

„I like floating here, it’s nice
They’ve hung seaweed around my hips
And I do the hula for the hungry ones
And the lames all throw me tips”

Vielleicht wird das mit den besten Albträumen anhand dieses Beispiels ein bisschen deutlicher. Ich ärgere mich regelmäßig, dass es auf Deutsch keine vernünftige Übersetzung für „creepy“ gibt. Jetzt gerade ganz besonders.

Ein sehr schönes Mittelstück bildet„We Call Upon The Author“. Mit druckvollem Rhythmus und ein paar ziemlich dummen Witzen („I feel like a vacuum cleaner – a complete sucker!“) wettert Cave gegen Gott und die Welt, aber wie das eben so ist: der Autor erklärt nicht, er wirft einem sein Werk hin und verschwindet dann.

Und wie es sich gehört, kommt ganz zum Schluss das Beste. Auch wenn es den alten Hardcore-Cave-Fans vielleicht nicht so gefallen wird, ist „More News from Nowhere“ mein klarer Favorit auf diesem Album, wenn nicht sogar der Gesamtsieger aller Cave-Songs, die ich kenne.

“I crawl over to her, I say hey baby, I say hey Janet
You are the one, you are the sun and I’m your dutiful planet
But she ain’t down with any of that, she’s heard that shit before
I say a-ha, oh yeah, right, cause I see Betty X standing by the door” Schon allein für diese Textstelle liebe ich den Song. Und davor und danach sind noch ganz viele, die genauso gut sind. Dazu noch eine entspannte Melodie, dieser wunderbar flüssige Gesang und eben der ganz eigene Cave-Humor, über den ich mich jedes Mal wieder ausschütten kann.

„Well, Betty X is like Betty Y minus that fatal chromosome.“

Im Gesamturteil – das wird euch jetzt völlig verblüffen – ist Cave hier ein ganz großer Wurf gelungen, der mich restlos begeistert. Kaufen. Sofort. Auch, wenn euch die Musik nicht gefällt, einfach aus Ehrfurcht. Ich meine, hört doch mal:

(Einbinden geht jetzt leider nicht mehr. Wer mag, kann sich das Video aber direkt auf Youtube ansehen.)

Hach. Zu schön, oder?

4 Responses to Cave-Man

  1. axeage sagt:

    Über Musik schreiben, ist wie zu Architektur tanzen. Haste aber sehr gut gemacht!
    Ich mag den Cave-Man auch gerne. Lazarus steht schon lange im CD-Regal.

  2. Muriel sagt:

    @axeage: Danke, ich weiß das zu schätzen.

  3. […] und heute ist es endlich soweit (Yeeeeeeha!)! Heute erscheint eine neue Episode aus der bisher einteiligen Reihe „Die ahnungslose Rezension“, und diesmal heißt das glückliche Sujet meiner […]

  4. […] 16) Simple but extremely complex. Favorite band? Nick Cave and the Bad Seeds […]

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