Fuck the poor

Warnhinweis: Das folgende Gedicht kann Spuren von Satire enthalten. Bei entsprechender Unverträglichkeit bitte ich, von der Lektüre Abstand zu nehmen. Warnhinweis Ende

Irgendwo in Afrika liegt ein Kind im Dreck und weint,
Es ist hungrig, es ist krank, es ist traurig, und mir scheint,
Dass dieses Kind nicht mein Problem ist, es ist da draußen, ich hier drin,
Weil das Kind in Afrika ist und weil ich in Deutschland bin.

Hätt’ ich die XBox nicht gekauft, die vor meinem Fernseher steht,
Hätt’ von dem Geld ein Afrikaner vielleicht ein ganzes Jahr gelebt.
Das Geld für meinen neuen Laptop wäre wohl genug
Für zwei, drei Ochsen, einen Brunnen, oder einen neuen Pflug.

Und wenn ich ehrlich bin, die XBox – ich benutze sie fast nie,
Aber irgendwann demnächst kauf ich vielleicht Bad Company,
Obwohl ich weiß, dass von dem Geld… Sicher habt ihr’s schon kapiert.
Am Ende ist’s mir halt egal, ob das schwarze Kind krepiert.

Pfeif auf Haiti, pfeif auf Chile,
Pfeif auf die Armen Afrikas,
Und gegen meine Schuldgefühle
Spende ich vielleicht mal was.

Nicht zu viel, weil ich das meiste von meinem Geld doch selber brauche,
Wobei ‚brauchen‘ nicht ganz stimmt, wenn ich’s am Ende nur verrauche,
Doch die Schachtel Zigaretten bedeutet mir nun mal sehr viel,
Sehr viel mehr, der Wahrheit halber, als das kranke Kind am Nil.

Und der Cocktail, den ich trinke, kostet mehr als Medizin
Für einen Monat für ein krankes kleines Kind in Äthiopien.
Doch ohne Cocktail wär mein Abend furchtbar einsam, es ist wahr,
Denn wenn ich keinen Cocktail trinke, wirft man mich bald aus der Bar.

Darum wein‘ ich ganz erschüttert um das arme Kind im Dreck,
Doch erst später, denn zuerst mal muss hier dieser Cocktail weg.
Wenn du jetzt sagst, ich bin ein Scheusal, und dass du das ganz anders siehst,
Muss ich dich ganz ernsthaft fragen, wie du dieses Blog hier liest.

Pfeif auf Haiti, pfeif auf Chile,
Pfeif auf die Armen Afrikas
Und gegen meine Schuldgefühle
Spende ich vielleicht mal was.

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10 Responses to Fuck the poor

  1. DeserTStorM sagt:

    Tja wahr, leider. Aber so ist es nunmal und so ist jeder von uns.

    Ich hab aber schon was gespendet und auch Schulsachen gekauft 😉 Und es selber kleinen Kindern in den Slums gegeben 😉

  2. rauskucker sagt:

    Es wird dich überraschen, aber ich finde es sehr gut, was du da aufgeschrieben hast. Und fühle mich davon direkt angesprochen, und ja, ich kenne diesen Gedanken und kenne dieses Schuldgefühl. Ich spende trotzdem sehr selten, und nur, wenn ich den Empfänger sehr gut kenne.
    Eine Antwort habe ich nicht.
    Aber einen Namen dafür: Korruption.

    (btw: ich glaube, „Satire“ trifft es nicht ganz. Vielleicht eher Sarkasmus?)

  3. Jan sagt:

    Ein großartiger Text! Wirklich fies, aber schön zugespitzt und sehr sarkastisch auf den Punkt gebracht: Das Problem der kapitalistischen Gesellschaft – die Kluft zwischen arm und reich.

  4. pyrrhussieg sagt:

    Neulich stand ich an einer Bushaltestelle und wunderte mich über die Zigarettenwerbung von Gauloises – die mit den riesigen Schachteln, die in ein Stadtgebiet montiert sind. Ich wunderte mich darüber, dass ich den Schriftzug „Rauchen kann tödlich sein“ nicht gesehen habe. Ich suchte diesen am Rand des Plakats, doch erst nach einer Minute stellte ich fest, dass er riesengroß auf den Schachteln steht.

    Obwohl Rauchen jedes Jahr Millionen von Menschen das Leben kostet, werden Zigaretten nicht verboten, jedoch stattdessen fadenscheinige Sprüche auf Schachteln gedruckt, die, wie mein Beispiel zeigt, mittlerweile in toten Winkel stehen – nicht mehr wahrgenommen werden.

    Genauso verhält es sich mit der 3. Welt: Der Norden ist der Kopf – und der Süden der geschundene Körper. Alle Werte, die hier Bestehen, bestehen nur, weil dieses „Gleichgewicht“ vorliegt. Es ist Fakt, genauso wie Rauchen tödlich ist (nicht sein „kann“!). Aber das interessiert keinen.

    Denn es ist leichter, sich tot zu rauchen oder angenehm im Norden zu leben, als die Dinge wirklich zu verändern, Zigaretten zu verbieten, Reichtum zu teilen.

    Deswegen bekommt die Politik mein Stimme nicht, weil es keine Partei gibt, die essenzielle Dinge ernsthaft verändert. Dieses Land und seine Politik (sowie sämtliche Partner-Staaten, mit denen wir gemeinsame Sache machen) sind einzig und allein auf Status Quo-Erhalt optimiert – und selbst damit schon überfordert.

  5. pyrrhussieg sagt:

    PS: Reichtum ist übrigens vor allem Bildung.

  6. Oh, Bad Company kommt jetzt für die XBox raus?!Gut das du dass erwähnst. Hätte ich fast verpasst … *staub abklopf*

    Naja, also letztendlich liegt es wohl in der Natur der Dinge dass die meisten immer nur an sich denken. Angefangen von mir als Einzelperson über große und kleine Unternehmen und Staaten die als erstes ihr eigenes Wohlergehen im Blick haben. Inweit man das eigenen Wohlergehen pusht und andere damit unterdrückt ist dann wohl auch die entscheidene Fragen.

    Echten Verzicht zu üben und richtiges Teilen, was über die Anstandsspende zu Katastrophenzeiten hinaus geht, ist wohl eher selten. So als Aufopferung für das große ganze. The real „Gutmensch“. Es ist halt einfacher im Supermarkt sich den Einkaufswagen vollzupacken und sich damit was gutes zu tun als Zeit, Geld und Arbeit zugunsten von wenig Privilierten zu geben. Ich möchte mich da nicht ausnehmen. Aber wie hieß es bei Brot für die Welt: „Es ist genug für alle da“, nur eben nicht in der Menge wie das jeder gerne hätte. Kann halt nicht jeder ein großes Stück Kuchen bekommen, gerade wenn das kleine doch auch satt macht.

    Übrigens sehr treffend und gut geschriebenes Gedicht. Hab ich wirklich gerne gelesen.

  7. Muriel sagt:

    @rauskucker: Danke, aber warum „Korruption“? (Satire ist laut Wikipedia „eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche Missstände anklagt“. Passt doch, oder?
    @Jan: Schön, dass es dir gefällt. Ich sehe das Problem allerdings weniger in der Kluft, als in der Armut. Und es ist kein Problem des Kapitalismus, soweit ich weiß. Armut gab es bisher in jeder Gesellschaft
    @Pyrrhussieg: Auch dir vielen Dank, obwohl ich nicht sicher bin, dass man Zigaretten verbieten sollte. Und ich glaube eigentlich, dass das mit dem Teilen von Reichtum auch vor allem dann funktioniert, wenn man damit immateriellen Reichtum wie Bildung meint.
    @Bioschokolade: Danke für den ausführlichen Kommentar, und für das Lob natürlich auch. Ich war mir ziemlich unsicher, wie mein Poem hier ankommt. Der Vergleich mit dem Kuchen sagt mir aber auch nicht recht zu. Ich mag mich irren, aber ich bin eigentlich der Überzeugung, dass den armen Menschen in der Welt weniger die materiellen Güter selbst fehlen, als vielmehr die Möglichkeit, sie zu verdienen. Kurz gesagt.
    Rüdiger von thatblog hat Badcompany übrigens gerade kürzlich angespielt. Seine Erfahrungen findest du bei Interesse hier.

  8. Also ich verstehe deine Argumentation. Hoffe ich. Ich persönlich denke ja das man fast allen Menschen ein ertragbares (im sinne von gesund Leben), wenn nicht sogar angenehmes Leben ermöglichen kann, wenn man damit meint dass Kleidung, Lebensmittel und Medikamente vorhanden sind und alle von einem guten Bildungssystem profitieren können. Das ist natürlich schwierig wenn man es anderen erschwert. Und damit meine ich weniger Geld, sondern dass das eigene Potenzial und die eigenen Ressourcen nicht so zum Einsatz kommen können wie es eigentlich machbar wäre, bzw sich daraus nicht ein ausreichender Ertrag ergibt.
    Ich finde zum Beispiel deswegen fair gehandelte Lebensmittel ala Kaffee gut, weil da das Geld auch ankommt wo es hingehört. Ich denke das ist auch einer der Hauptprobleme und ich rede nicht nur vom Kaffee-Anbau. By the way, empfehle ich zu dem Thema auch immer wieder gerne „We Feed the World“, großartiger Film, nur so nebenbei.

    Oh, und ich wollte mit dem Kommentar zu Bad Company eigentlich vor allem zum Ausdruck bringen, dass ich die wichtigen Infos aus deinem Beitrag durchaus entnehmen konnten *g*. Aber mich interessiert das Spiel tatsächlich, auch wenn ich zu doof für Shooter bin.

  9. rauskucker sagt:

    @muriel:
    nur ganz kurz (da zur zeit einhändig):
    korruption = vorteilsannahme
    obwohl gegner des systems, profitiere ich doch davon.
    und bin damit ein teil davon.

  10. Muriel sagt:

    @rauskucker: Aaaaah, jetzt verstehe ich, was du meinst. Danke!

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