Gerade hab‘ ich’s noch gesagt,

und dann dauert es nur ein paar Stunden, bevor ich einen noch viel besseren Anwärter auf den Titel „Bester Spam der Welt“ entdecke, diesmal in Papierform.

Ich empfehle, das ganze Ding zu lesen, aber für alle, die darauf keine Lust haben oder es einfach trotzdem nicht glauben wollen, fasse ich es noch mal zusammen:

Der Brief erweckt den Eindruck, hier schreibe so eine Art Insolvenzverwalter einer Gesellschaft, die Kaffeefahrten veranstaltet, an eine – ist das der richtige Ausdruck? – Kundin dieser Gesellschaft, um ihr mitzuteilen, dass im Zuge der Insolvenz noch ihr Guthaben in Höhe von 437,38 EUR an sie ausgezahlt werden soll. Außerdem bekommt sie noch ein „fabrikneues, hochwertiges Navigationsgerät“ dazu. Und als wäre das noch nicht genug, steht „der gesamte Prämien-Lagerbestand der Firma RTC“ „allen kostenlos zur Verfügung“, und man wird zu „einem kleinen Frühstück“ eingeladen, und dann gibt es auch noch ein „gut bürgerliches Büffet“. Himmel ja, ich bin die schlecht bürgerlichen Büffets auch echt Leid, von denen ich sonst immer essen muss. Man kennt das ja, so läuft es bei Insolvenzen, man bekommt seine gesamten Forderungen einschließlich Zinsen, und aus der Güte seines Herzens legt der Insolvenzverwalter noch ein paar zusätzliche Geschenke drauf. Insolvenzquote 380%. Warum ist der Laden noch mal pleite?

Natürlich wird einem der Betrag nicht einfach überwiesen. Es muss ja alles seine Ordnung haben, deshalb muss man ihn persönlich in Empfang nehmen, und zwar – die Zyniker unter euch ahnen es vielleicht schon – im Rahmen einer „Tagesfahrt“ nach Waren an der Müritz. Ist klar. Und wenn man da nicht am 10. April auf der Matte steht, „wird der Betrag nicht ausgezahlt, und somit verliert der Berechtigte den gesamten Auszahlungsbetrag“. Tja, das wäre natürlich blöd, also nix wie hin, denn „Wir können uns nicht vorstellen, dass Sie auf die 437,38 €uro [sic] und das Navigationsgerät verzichten wollen“.

Besonders niedlich finde ich übrigens den Briefkopf, der fairerweise schon ein paar subtile Hinweise darauf enthält, dass man hier verschaukelt wird:

„Kontobetreuung – Finanzservice – Kapitalverwaltung von Bargeld – Hauptgewinne – Insolvenzware“

Kapitalverwaltung von Bargeld? Hauptgewinne? Ich glaub’s auch. Wenn ich schon Betrüger sein will, wäre es dann nicht eine gute Idee, mal fünf Minuten über den Mist nachzudenken, den ich da hinschmiere, um wenigstens ein bisschen vertrauenswürdig zu erscheinen?

Tja. Einerseits ist das ja schon irgendwie lustig, und man könnte vielleicht mit gutem Grund sagen, dass man selbst Schuld ist, wenn man auf so etwas reinfällt. Andererseits kann einem schon ein bisschen übel werden, wenn man über die Art Mensch nachdenkt, die solche Briefe an gutgläubige ältere Damen verschickt, um ihnen mit schwachsinnigen Versprechen und wertlosem Schund ihre Rente abzuluchsen.

4 Responses to Gerade hab‘ ich’s noch gesagt,

  1. quadratmeter sagt:

    Irgendwann fahre ich bei sowas mal mit.

  2. Muriel sagt:

    @quadratmeter: Das habe ich auch schon oft gedacht. Sag mir Bescheid, wenn du dich angemeldet hast.

  3. Johannes sagt:

    Heute wurde ich per Spam darüber informiert, dass Alkohol die Wirkung von Viagra einschränken kann. Echt unnett; erst wird man dazu gezwungen, Massen von dem Scheiß zu kaufen und dann will man mir auch noch den Alkoholgenuss verbieten. Was kommt als Nächstes? Penisvergrößerungen führen zu Haarausfall?

  4. rauskucker sagt:

    Als wir in Waren waren, waren Waren und Umgebung noch Ostzone.

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