Nicht mit mir!

Sie sind sauer? Aber richtig? Der Heizungsmonteur war jetzt schon zum dritten Mal da, und das Öl ist immer noch alle? Der Orthopädietechniker hat Ihre Schiene schon fünfmal neu angepasst, aber Ihre Gallensteine sind noch nicht besser geworden? Amazon hat Ihren neuen Mikrowellenherd schon siebenmal ausgetauscht, und trotzdem können Sie immer noch weder fernsehen noch telefonieren?

Dann ist dieser handliche Ratgeber das Richtige für Sie. In wenigen einprägsamen Schritten lernen Sie, Ihrer Wut Luft zu machen und sich zu beschweren. Aber richtig!

  1. Der richtige Einstieg in ein Beschwerdeschreiben ist natürlich immer ein ordentlicher Vorwurf. Sollte Ihnen sonst nichts einfallen, geht immer so etwas: „Auf mein Schreiben vom 25. Februar haben Sie bis heute noch nicht geantwortet!
  2. Besonders neckisch wirkt das, wenn Sie sich ein paar Absätze weiter fürchterlich über einen Satz in der Antwort echauffieren, die Sie angeblich gar nicht erhalten haben. Ihre Wut bringen Sie dabei besonders zur Geltung, indem Sie vor lauter Entrüstung jede Regel von Orthografie und Grammatik vergessen. Zum Beispiel so: „Betrifft Ihr Schreiben vom 18. März wie Sie schreiben Kein Fehler in Ihrer Leistung erkennen zu können Ist vollkommener Quatsch.
  3. Briefe von irgendwelchen Kunden nimmt doch eh niemand Ernst. Sie wissen das und geben sich deshalb Mühe zu belegen, dass Sie nicht einfach nur irgendein Kunde sind: „Ich war selbst Jahrelang Personalchef! bei einem großen schwedischen Unternehmen! Und weiß daher! Wovon ich rede!
  4. Um auch die letzten Zweifel auszuräumen, berufen Sie sich auf irgendwelche Leute, die mit der ganzen Sache nichts zu tun haben: „Es ist Ihnen doch bekannt, dass Sie Ihr Produkt ohne Fehler ausliefern müssen und so lange gilt auch die Garantiezeit. Aussage Frau Büchner vom ADAC Tel. 555-1384
  5. Bevor Sie zum großen Finale kommen, atmen Sie noch einmal tief durch und apellieren an die Vernunft Ihres Gegenübers: „Überlegen Sie es sich, überweisen Sie mir mein Geld zurück, und ich werde die Sache vergessen.
  6. Aber am Ende muss es natürlich noch mal richtig scheppern. Drohen Sie, was das Zeug hält, gerne auch mit völlig unsinnigen Handlungen, oder solchen, die Sie sowieso schon vorgenommen haben: „Sollte das nicht der Fall sein, werde ich mich an den ADAC, die Presse, meinen Hausarzt und die Polizei wenden.
  7. Eigentlich ist Ihr Beschwerdebrief schon fertig. Weil es in Ihnen aber immer noch brodelt, platzieren Sie noch die Kirsche auf der Sahnehaube und fügen ein handschriftliches, möglichst verächtliches P.S. hinzu, zum Beispiel: „Sie und Ihre Firma sollten sich schämen, so mit Behinderten/Frauen/kleinen Kindern/Quantenphysikern/Pelztieren umzugehen!

6 Responses to Nicht mit mir!

  1. Tim sagt:

    „Aussage Frau Büchner vom ADAC“, hervorragend! Diesen fabelhaften Trick kannte ich noch nicht, werde ich in der nächsten Service-Hotline gleich mal ausprobieren!

  2. nothingelse89 sagt:

    Sehr schön, damit habe ich bei der nächsten Beschwerde mit Sicherheit Erfolg. Allerdings hast du was wichtiges vergessen: Man sollte auf jeden Fall so viele Ausrufezeichen wie möglich verwenden – so beweist man, dass man es auch wirklich ernst meint.

  3. ruediger sagt:

    Sehr gerne gesehen ist der harsch gehaltene, aus dem echten Leben transportierte Abschluss „GUTEN Tag“ und keinen Namen mehr führt. Das sagt doch was aus, das hat Stil.

  4. Jan sagt:

    Der Text ist reif für die Titanic!

  5. Muriel sagt:

    @Tim: Viel Erfolg!
    @nothingelse89: Guter Hinweis. Der Kunde in Punkt 3 hat es verstanden, in dessen Brief kam im Grunde keine andere Interpunktion vor.
    @ruediger: Den hatte ich erstaunlicherweise noch nie, kann ich mir aber sehr gut vorstellen.
    @Jan: Danke, ich fühle mich geschmeichelt.

  6. Guinan sagt:

    Am nächsten Tag steht dein Kunde dann mit einer Kopie dieses Briefes vor meinem Schreibtisch. „Frollein!!!“ „Frollein, Sie sind doch die Presse!!! Das hier, das müssen Sie unbedingt morgen bringen!“ Da hilft dann kein noch so freundlicher Hinweis, ich wäre nicht ‚die Presse‘ und sowieso grundsätzlich nicht zuständig, ich säße da nur ganz zufällig.
    Also sei bitte so nett, rufe immer umgehend beim Kunden an, provoziere ihn ausgiebig und bringe ihn dazu sich vollständig bei dir zu verausgaben – du ersparst mir damit einiges.

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