So etwas sagt man auch nicht oft

20. März 2010

Ob ihr’s glaubt oder nicht, ich denke, dass ich gerade eben die beste Spam-Mail meines bisherigen Lebens bekommen habe. Nicht, dass ich dafür feste Kriterien hätte, an denen ich das jetzt festmachen könnte. Es ist wahrscheinlich die sympathisch schlichte, schnörkellos ehrliche Direktheit, mit der das Spam-Anliegen daherkommt:

„Please help me to advertise.

Register on this link and click every day on your advertisments, we don’t loose nothing with some clicks, we will got $ !!

[Hier war der Link]
Thanks Alot !!“

Ist das nicht herzig?

Und da ich gerade dabei bin: Gibt es irgendwo ein mir unbekanntes Gesetz, das Spammer zwingt, ihre Nachrichten mit diesen blöden Rechtschreib- und Grammatikfehlern zu füllen, oder machen die das, um noch mehr Mitleid zu erheischen, als sie ohnehin schon verdienen?


Menschenähnlich (12)

18. März 2010

Donnerstag. Ist doch eigentlich auch ein schöner Tag für ein neues Kapitel unseres Fortsetzungsromans Menschenähnlich, oder? Ich wünsche viel Vergnügen.

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Thank you for the music!

17. März 2010

Ich weiß gar nicht so richtig, was ich sagen soll. Ich kann es gar nicht richtig fassen. Dabei hatte ich jetzt schon über drei Tage, um die Sache zu verarbeiten.

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=Music&iid=7293582″ src=“5/f/0/6/High_angle_view_b43c.jpg?adImageId=11363640&imageId=7293582″ width=“250″ height=“375″ /]

axeage hat tatsächlich einen Song aus meinem Gedicht „Soldiers live“ gemacht. Wow. Ich bin sprachlos. Vielleicht ist das auch ganz gut so. Was soll ich dazu schon noch groß sagen, außer:
Vielen Dank, axeage!
[Wer gut aufgepasst hat, wird mich vielleicht darauf hinweisen wollen, dass da jetzt noch ein Fragezeichen fehlt. Aber das würde da wirklich nicht hinpassen, oder?]

Downloadlink

(Und das Podcast-Upgrade habe ich dann jetzt bei der Gelegenheit auch gekauft.)


Aber da kann doch wirklich keiner was dafür

16. März 2010

Ich entschuldige mich vorab schon mal, dass dieser Beitrag vielleicht ein bisschen wirr und desorientiert wirkt. Und dafür, dass ich mich vorab entschuldige, denn das soll man ja auch nicht machen. Erst recht nicht zweimal. Naja. Jedenfalls: Ich habe hier noch etwas, das mir beim Lesen vom „Matthew Flinders‘ Cat“ durch den Kopf gegangen ist: Findet außer mir noch jemand die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker sehr, sehr merkwürdig? Jetzt nicht nur wegen des vielen Geblubbers über Gebete und Gott, „spirituelles Erwachen“ und Höhere Mächte, sondern schon wegen der Grundidee?

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=wine&iid=7281408″ src=“7/5/4/2/Portrait_of_a_79a3.jpg?adImageId=11316195&imageId=7281408″ width=“500″ height=“333″ /]

Ein Teil der 12 Schritte leuchtet mir durchaus ein. Ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass es hilft, ein ehrliches Inventar seines Lebens aufzustellen, die eigenen Fehler zu reflektieren und bei Menschen, denen man Unrecht getan hat, Vergebung zu suchen.

Einen anderen, großen Teil verstehe ich aber gar nicht. Der macht auf mich den Eindruck, als würden sie eher dazu führen, dass man die Ursache und die Lösung für die eigenen Probleme außerhalb der eigenen Person sucht. Zuallererst muss man eingestehen, dass man völlig machtlos gegenüber dem Alkohol ist. Man bittet Gott, die eigenen Fehler zu beseitigen. Denn man selbst hat ja keine Kontrolle darüber.

Ja, Alkoholismus ist offenbar eine Krankheit. Ich gebe zu, dass das für mich kontraintuitiv ist, denn die Unfähigkeit, darauf zu verzichten, sich durch Vergiftung der Realität zu entziehen, würde ich zunächst mal eine Charakterschwäche nennen. Überhaupt sind so psychische Störungen schwierig, oder? Die Grenzen zwischen Erkrankung und Charakterschwäche sind da doch eher fließend, denn  im Gegensatz zu Krebs, Schizophrenie oder einer Erkältung ist Alkoholismus eine Krankheit, die nicht vollständig der willentlichen Kontrolle entzogen ist. Ich kann die Flasche Bier/Wein/Bacardi/Wodka trinken, oder ich kann es lassen. Es fällt mir vielleicht schwer, es zu lassen. Es scheint mir vielleicht sogar unmöglich, aber es ist letzten Endes eine Entscheidung. Oder nicht? Wenn man das leugnet, landet man doch irgendwann in einer Weltsicht, in der niemand mehr für irgendetwas verantwortlich ist, was er tut. In der ein Vergewaltiger auch sagen kann, er habe ja keine Wahl, er müsse sich einfach anderen Menschen gewaltsam aufzwingen, er könne das nicht kontrollieren.

Es ist einfach jenseits meiner Vorstellungskraft, wie es bei der Bewältigung eines Problems richtig und gut sein kann, sich einzureden, man sei dem Problem gegenüber machtlos und auf eine höhere Macht angewiesen.

Vielleicht ist die Höhere Macht in den 12 Schritten eine nützliche Fiktion, ohne die viele Alkoholiker es wirklich nicht schaffen würden. Vielleicht übertreibe ich es mit meiner Überzeugung, dass uns am Ende nur die Wahrheit befreien kann, und nicht eine noch so angenehme oder nützliche Lüge. Ich lasse mich gerne überzeugen, wenn ihr gute Argumente habt.

Bis dahin denke ich:

Niemand ist machtlos gegenüber einer psychischen Abhängigkeit. Man kann sie kontrollieren, auch wenn es nicht leicht ist und auch wenn es manchmal die eigene Willensstärke überfordert. Körperliche Entzugserscheinungen sind was anderes, das ist mir klar.

Niemand kann uns von unseren Fehlern befreien, außer uns selbst.

Niemand ist für unsere Fehler verantwortlich, außer uns selbst.

Mich interessiert sehr, wie ihr das seht, und warum.


Restebloggen zum Wochenende (31)

14. März 2010
  1. The Onion berichtet über ein autistisches Kind, das einfach nicht den Mumm hat, sich der Aufgabe zu stellen, für die es geboren wurde.
    Mark said it was clear right after bringing him home from the hospital that something was wrong with their son, since their lives did not take a dramatic 180-degree turn for the better, lingering disputes did not just melt away, and years of underlying tension were only brought into sharper focus.
  2. Nein. Trotz Empfehlung von Fernsehlexikon und Not Quite Like Beethoven wird es für mich bei der ersten Folge „Lie to me“ bleiben. Der Hauptdarsteller ist mir unsympathisch, seine Sprüche kommen mir genauso aufgesetzt und unlustig vor wie die Gelegenheiten, zu denen er seine Fertigkeit einsetzt, an Mimik und Gestik anderer Menschen abzulesen, was sie denken. Nichts für mich.
  3. Stefan Niggemeier schreibt im BildBlog über die fehlende Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung. Und die Tatsache, dass sie eigentlich selbstverständlich geworden ist.
    So gesehen ist die Rüge des Presserates ebenso zwingend wie niedlich.
  4. Der Wortvogel hat erschütternd schlechtes Artwork zu ehedem geplanten Filmprojekten für uns. Lustig.
  5. Widgetas fragt sich, warum wir Dinge nicht mehr reparieren können. Habe ich auch schon oft. Wir sollten das ändern. Mach es zu deinem Projekt.
  6. Findet ihr es auch so putzig, dass der WDR davon ausgeht, dass meine Programmzeitschrift aktueller ist als deren eigene Website?
    Schaut bitte vorsichtshalber noch mal in die Programmzeitschrift bzw. den Videotext, da es immer wieder mal zu Sendeverschiebungen kommen kann!

Such a bright child

13. März 2010

Gerade habe ich „Matthew Flinders‘ Cat“ von dem fantastischen Bryce Courtenay beendet. Kurz gesagt geht es in dem Buch um die Freundschaft zwischen Billy, einem alkoholabhängigen Obdachlosen, der früher mal Anwalt war, und Ryan, dem Sohn einer heroinabhängigen Prostituierten. Ryan ist verständlicherweise ein Junge mit Problemen, der sich nicht so recht in die Gesellschaft integriert und gerne mal die Schule schwänzt, aber er ist sehr klug und wissbegierig und lässt sich von Billy die Geschichte der Schiffskatze Trim erzählen, die der Geschichte ihren Namen gibt.

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=cat&iid=274980″ src=“0271/58b62399-89a7-47d2-88fa-1388a076ee1a.jpg?adImageId=11234793&imageId=274980″ width=“320″ height=“480″ /]
[Symbolbild]

Während Billy mit Hilfe der Heilsarmee und der Anonymen Alkoholiker gegen seine Sucht kämpft, stirbt zuerst Ryans Großmutter, die sich, so gut sie konnte, um ihn gekümmert hat, und dann seine Mutter. Er besucht dadurch immer seltener die Schule und gerät in sehr gefährliche Gesellschaft.

Sowohl Billy als auch Ryans Lehrerin und die Schulleiterin betonen immer wieder, was für ein kluger Junge er doch ist, und wie bedauerlich es wäre, ihn zu verlieren, und dass sie wirklich alles tun wollen, um ihm zu helfen.

Es ist ein sehr lesenswertes Buch, aber es hat mir doch auch ein bisschen zu denken gegeben. Es sind immer die brillanten Kinder, die in Schwierigkeiten geraten, oder? In Filmen, in Büchern, in Hörspielen und allen Geschichten. Was ist eigentlich mit den Kindern, die nicht so helle sind? Die durchschnittlichen Schüler, vielleicht sogar die nicht so guten, die später mal kein Studium absolvieren, sondern Bauarbeiter werden, Plakatkleber, Call-Center-Agenten oder Astrologen? Sind die es nicht wert, gerettet zu werden, wenn sie in Schwierigkeiten geraten? Ist es einfach nur weniger befriedigend, aber man macht es trotzdem? Oder denke ich da zu problemorientiert über einen simplen dramaturgischen Kniff nach, der das Interesse des Lesers wecken soll?


I only read one book, but it’s a Good Book, don’t you know!

12. März 2010

In einem Video des unvergleichlichen NonStampCollector habe ich meine neue Lieblingspassage der Heiligen Schrift gefunden. Hesekiel 4:1-15:

1Und du, Menschenkind, nimm einen Ziegel; den lege vor dich und entwirf darauf die Stadt Jerusalem 2und mache eine Belagerung darum und baue ein Bollwerk darum und schütte einen Wall darum und mache ein Heerlager darum und stelle Sturmböcke rings um sie her. 3Vor dich aber nimm eine eiserne Pfanne; die laß eine eiserne Mauer sein zwischen dir und der Stadt, und richte dein Angesicht gegen sie und belagere sie. Das sei ein Zeichen dem Hause Israel. 4Du sollst dich auch auf deine linke Seite legen und die Missetat des Hauses Israel auf dieselbe legen; soviel Tage du darauf liegst, so lange sollst du auch ihre Missetat tragen.

5Ich will dir aber die Jahre ihrer Missetat zur Anzahl der Tage machen, nämlich dreihundertundneunzig Tage; so lange sollst du die Missetat des Hauses Israel tragen. 6Und wenn du solches ausgerichtet hast, sollst du darnach dich auf deine rechte Seite legen und sollst tragen die Missetat des Hauses Juda vierzig Tage lang; denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr. 7Und richte dein Angesicht und deinen bloßen Arm wider das belagerte Jerusalem und weissage wider dasselbe. 8Und sieh, ich will dir Stricke anlegen, daß du dich nicht wenden könnest von einer Seite zur andern, bis du die Tage deiner Belagerung vollendet hast. 9So nimm nun zu dir Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und Spelt und tue alles in ein Faß und mache dir Brot daraus, soviel Tage du auf deiner Seite liegst, daß du dreihundertundneunzig Tage daran zu essen hast, {Hesekiel.4,5} 4,5
Ich will dir aber die Jahre ihrer Missetat zur Anzahl der Tage machen, nämlich dreihundertundneunzig Tage; so lange sollst du die Missetat des Hauses Israel tragen.
10also daß deine Speise, die du täglich essen sollst, sei zwanzig Lot nach dem Gewicht. Solches sollst du von einer Zeit zur andern essen. 11Das Wasser sollst du auch nach dem Maß trinken, nämlich das sechste Teil vom Hin, und sollst solches auch von einer Zeit zur andern trinken. 12Gerstenkuchen sollst du essen, die du vor ihren Augen auf Menschenmist backen sollst. 13Und der HERR sprach: Also müssen die Kinder Israel ihr unreines Brot essen unter den Heiden, dahin ich sie verstoßen werde. 14Ich aber sprach: Ach Herr, HERR! siehe, meine Seele ist noch nie unrein geworden; denn ich habe von meiner Jugend auf bis auf diese Zeit kein Aas oder Zerrissenes gegessen, und ist nie unreines Fleisch in meinen Mund gekommen. {Apostelgeschichte.10,14} 10,14 Petrus aber sprach: O nein, HERR; denn ich habe noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen. 15Er aber sprach zu mir: Siehe, ich will dir Kuhmist für Menschenmist zulassen, darauf du dein Brot machen sollst.
[Textquelle: Bibel-Online.net]

Ich finde, das hat was von David Lynch. Dieser subtile Wahnsinn, der sich ein bisschen so anfühlt, als würde man direkt am Gehirn gekitzelt.


Soldiers live

11. März 2010

An der umwerfenden Serie „The Black Company“ von Glen Cook gibt es viel Denkwürdiges, aber ein Zitat geht mir nicht mehr aus dem Kopf, seit ich sie gelesen habe: „Soldiers live. And wonder why.“ Seit langer Zeit wusste ich schon, dass ich irgendwann mal ein Gedicht daraus machen würde, und jetzt habe ich es endlich geschafft. Ich hoffe, dass es euch auch ein bisschen gefällt.

Can you imagine what it’s like
to fight and be fought in a war?
To see the flash of missiles strike,
to hit whom you were aiming for.

Soldiers kill and soldiers die.
Soldiers live. And wonder why.

I’ve seen my en’my burned and flayed
And I’ve heard their sobs and screams.
The pain and terror they displayed,
I still see it in my dreams.

We made their wives and children cry.
Soldiers live, and wonder why.

When they sent us into the jungle,
they told us all to take good care,
for newbs like us were prone to bungle
up their operation there.

Do not fuck it up, said they,
I did, and lived, and wonder why.

The ones are blue, the others red
they are not different at all.
I have to shoot some in the head,
And catch some others, when they fall.

Although I didn’t even try,
I still live. And wonder why.

I get paid to kill their brothers,
They get paid for killing mine.
But in the end, the pain of others
and my own pain intertwine.

Others scream and fall but I
Always live and wonder why.


Menschenähnlich (11)

10. März 2010

Jaaaa, wenn wir hierbei überschaubare Relevanz sagen, dass wir nichts versprechen, dann meinen wir das auch so! Heute erscheint das neue Kapitel von „Menschenähnlich“ also mal am Mittwoch, und wieder ohne Podcast. Ich hoffe, ihr habt Spaß dabei.

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Pflichtgefühl

8. März 2010

Wer nur in seiner Freizeit bloggt,
und kein Geld damit verdient,
und während er auf dem Sofa hockt,
nicht auf viele Besucher sinnt,
der muss nicht jeden Tag was schreiben,
falls er mal keine Lust drauf hat,
der kann sich auch die Zeit vertreiben
mit Büchern, Filmen, oder Skat.

Wenn dieser Blogger aber nun
trotzdem auf die Statistik schielt,
und deshalb, statt sowas zu tun,
trotzdem mit dem Gedanken spielt,
sich irgendwas zu überlegen,
damit die Leser bei ihm bleiben,
um sich ihnen einzuprägen
und ihnen die Zeit zu vertreiben,

Dann ist das zwar schwer zu versteh’n,
denn er könnt‘ ja auch mal passen,
doch für die Leser ist es schön,
wenn er beschließt, was zu verfassen,
was, in Reimform oder Prosa,
seine Besucher unterhält,
und nicht – wie damals der Spinosa -,
einfach aus den Socken fällt.

Die letzten beiden Zeilen, ach,
sind auch mir selber nicht ganz Recht,
doch hoffe ich, ihr seht’s mir nach,
denn auf „Prosa“ reimt sich’s schlecht.