Und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein

Heute war ich in Dortmund. Und ich finde es durchaus erwähnenswert, warum ich dort war. Ich habe Andi besucht, der hier seit einiger Zeit öfter man kommentiert und mit dem ich auch außerhalb des Blogs ein paar Gedanken per Mail und gelegentlich sogar schon auf Holzmedien ausgetauscht habe. Irgendwann lag der Gedanke nahe, dass wir uns auch mal persönlich treffen sollten.

Andi: Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass du hier noch mitliest, deshalb: Vielen Dank noch einmal für die Einladung und dafür, mir zu zeigen, dass Dortmund gar nicht so hässlich ist, wie man gemeinhin denkt, und dass Juliane Werding gar nicht so schlimme Musik macht, wie ich bisher immer angenommen habe.

Zu Dortmund: Es fängt erst einmal mit dem Bahnhof an, und da hat man dann auch spontan schon Lust, gleich wieder in den nächsten Zug zu steigen, erst mal egal, wohin. Der Bahnhof ist hässlich und riecht komisch und ist voller hässlicher Leute, die komisch riechen. Anwesende sind natürlich ausgenommen.

Um mir ein Gegenbeispiel zu zeigen, führte Andi mich freundlicherweise in den Westfalenpark, wo wir zunächst mal den Fernsehturm besuchten, um uns davon zu überzeugen, dass es wirklich dort oben so neblig war, wie es von unten schien. Die Aussicht war ungefähr so:

Dafür waren wir aber völlig ungestört und hatten die gesamte Aussichtsplattform für uns. Nur die Dame, die (Warum eigentlich?) den Fahrstuhl für uns bedienen musste, schien ein bisschen bedrückt, weil sie unseretwegen ihre Telenovela unterbrechen musste. Sie versicherte uns bei der Abfahrt dann aber sehr freundlich, das sei nicht so schlimm, die Folge werde ja morgen wiederholt. Wir fühlten uns danach viel besser und besichtigten noch die Steppenlandschaft, das Sonnensegel und einen Rosengarten.

Das Sonnensegel war nicht näher erklärt, aber so, wie ich mir das vorstelle, ist es für die Erddrehung verantwortlich, und möglicherweise auch für die Bewegung unseres Spiralarms um das Zentrum der Milchstraße herum. Vielleicht ist es auch nur eine Dekoration, aber wie enttäuschend wäre das denn bitte im Vergleich mit dem anderen Gedanken?

Auch die Dortmunder Innenstadt hat mich angenehm überrascht. Kaum jemand dort trägt Grubenlampen auf dem Helm, und die meisten hatten auch den Kohlenstaub aus ihren Gesichtern gewaschen. Es gab sogar eine Buchhandlung, in der es neben Currywurst, Bier und ein paar Tagebauratgebern auch noch ein paar Romane gab, sicherlich angeschafft in der Hoffnung auf die kulturhungrigen Besucher der Ruhr 2010.

Für die ironietechnisch Herausgeforderten: Nein, das ist natürlich Quatsch, die Dortmunder Innenstadt ist sehr schön, es gab sogar eine sehr gelungene Kirche. Kuckt ihr hier:

Besonders gelungen fand ich zum Schluss noch diese Idee hier:

Eine Bank mit einem Café drin. Endlich Geld abholen und dick werden in einem! Von wegen Service-Wüste!

Auf dem Weg zum Abendessen erzählte Andi mir dann dankenswerterweise noch von einer sehr hübschen lokalpolitischen Posse: In Dortmund wurde ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Der SPD-Kandidat setzte sich knapp gegen den (parteilosen) Kandidaten Pohlmann der CDU durch. Nach der Wahl stellte sich nun aber heraus, dass der bisherige (SPD-)Oberbürgermeister die dramatisch schlechte Haushaltslage während der Wahl verschwiegen hatte. Die CDU klagte deshalb, und bekam Recht. Es sollte eine neue Wahl stattfinden. Gegen den Termin klagte wiederum die SPD, und bekam Recht, und der Termin wurde verschoben. Er liegt nun offenbar auf dem 9. Mai.

Das alles ist aber Kleinkram im Vergleich zum eigentlichen Skandal: Pohlmann wurde am offenbar stadtbekannten Schnitzel-Dienstag in der Stadtkantine beim Essen mit einem der Amtsleiter gesichtet, obwohl der doch eigentlich noch für den alten OB arbeitet und obwohl dieser Schnitzel-Dienstag offenbar traditionell SPD-Mitgliedern vorbehalten ist. Übereinstimmenden Pressberichten zufolge haben die beiden das „Feinschmeckerschnitzel“ (Nur echt mit den Gänsefüßchen!) mit Pommes Frites, Spargel und Brokkoli „genossen“ (Diese Gänsefüßchen sind jetzt von mir, aber die gehören da einfach unverzichtbar hin, oder?).

Boah. Oder? Ich meine: Boah! Oder? Und wir hier in der Blogosphäre regen uns künstlich über Netzsperren und Kindesmissbrauch auf, während im Pott solche Dinger laufen. Verkehrte Welt…

3 Responses to Und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein

  1. Matthias Schumacher sagt:

    Wie kamst Du nur darauf, dass Juliane Werding schlechte Musik macht? Sie ist eine unserer Besten (die Gunter-Gabriel-Gassenhauer mal ausgenommen, aber das ist eher was für Experten) 😉

  2. Andi sagt:

    Wie er darauf kommt, dass Frau Werding schlechte Musik macht, ist mir auch ein Rätsel. Aber ich mag Menschen, die ihre Meinung revidieren können. 🙂
    Die GG-Gassenhauer (GGG sozusagen) sind jetzt soooo schlecht aber auch nicht. „Wenn du denkst…“ spielt man immer noch auf Partys, das ist einer ihrer größten kommerziellen Erfolge gewesen. Und „Komm und hilf mir durch die Einsamkeit der Nacht“ (ein etwas sperriger Titel, zugegeben) ist auch ganz schön.

    Ein sehr sehr schöner Blogeintrag. Vielen Dank dafür und natürlich für deinen Besuch. Freut mich auch, dass dich Dortmund doch nicht so verschreckt hat. Die Stadt wird ja gerne mal unterschätzt, aber das Problem hat Hannover ja auch. 🙂

  3. DennyCrane sagt:

    Und Dresden 🙂

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