We’re from the government, and we’re here to help you.

Gerade läuft mal wieder einer dieser Berichte bei Blickpunkt im ZDF.
Irgendeine Reporterin berichtet mit ernster, um nicht zu sagen: bedrohlicher Stimme, dass eine „beispiellose Rabattschlacht zwischen den Discountern“ stattfindet und dass Lebensmittel nirgendwo in Europa so billig sind wie in Deutschland. Die Kamera schwenkt über ein paar Plakate, die mit niedrigen Preisen werben, und dann wird zu einem Landwirt geschaltet.

Wir sehen ihm dabei zu, wie er einer Kuh die Anschlüsse der Melkmaschine ans Euter hängt, während er darüber klagt, dass seine Existenz bedroht ist, und dass er nur noch 22 Cent pro Liter Milch bekommt, obwohl das doch eigentlich ein „hochwertiges Produkt“ ist.

Als Nächstes berichtet uns ein Ernährungsexperte, dass die Industrie mit Zusatzstoffen viel ausgleichen kann und dass im Erdbeerjoghurt keine Erdbeeren mehr sind.

In der Sendung danach belehrt uns dieselbe Reporterin (oder eine andere mit genauso entrüsteter Stimme), dass auch teurer Schinken häufig aus Fleischstücken zusammengeklebt wird.

Die Botschaft ist unmissverständlich, auch wenn sie nicht ausdrücklich geäußert wird: Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Wie kann es eigentlich sein, dass dieser arme Bauer da nur 22 Cent für einen Liter Milch bekommt? Davon kann der doch nicht leben! Und Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren gehört jawohl auch verboten, von Klebschinken ganz zu schweigen. Klingt doch schon eklig!

Wenn ein Landwirt mit den Marktpreisen nicht mehr leben kann, dann arbeitet er offenbar nicht marktgerecht, denn andere können es ja. Auf diese Weise stellt Marktwirtschaft sicher, dass Produktionsprozesse möglichst effizient ablaufen und Ressourcen so eingesetzt werden, wie es für alle am sinnvollsten ist. Wenn ein Schinkenhersteller seinen Schinken klebt, um damit „höhere Profite zu erwirtschaften“, dann ist das moralisch nicht verwerflich, denn seine Kunden haben die Möglichkeit, ungeklebten Schinken zu kaufen, wenn ihnen das wichtig ist. Wenn das genug Kunden tun, wird der Hersteller feststellen, dass seine Strategie nicht aufgeht, und er wird wieder zur traditionellen Fertigung zurückkehren. Wenn die Kunden nicht umsteigen, dann liegt ihnen offenbar nicht viel daran, ungeklebten Schinken zu bekommen. Problematisch ist das nur, wenn der Hersteller lügt und nicht erkennbar ist, ob er Klebschinken oder traditionellen anbietet. Dafür gibt es meines Wissens schon Vorschriften.

Mich regt sowas auf. Ganz ehrlich. Warum bieten die „Discounter“ denn die Milch so billig an? Warum sind denn keine Erdbeeren im Joghurt?  Weil die Verbraucher es so wollen. Das Spiel nennt man Markt, Wettbewerb, mündigen Verbraucher, oder schlicht: Freiheit.

Jeder Eingriff der Regierung ist ein Verlust an Freiheit. Und die Erfahrung lehrt, dass jeder solche Eingriff außerdem am Ende kein Problem löst, sondern stattdessen ein Dutzend neue schafft. Permanent schreit jemand danach, die Verbraucher vor sich selbst zu schützen. Diese Vorstellung, erwachsene, mündige, geistig gesunde Menschen vor sich selbst schützen zu müssen, finde ich zutiefst antidemokratisch und gefährlich.

Ich würde mich freuen, wenn unsere Medien ein bisschen mehr dafür täten, die Menschen wirklich zu informieren, statt ihnen einzureden, wie hilflos sie sind, wie gefährlich der unkontrollierte Markt ist und wo sie überall den Schutz der Regierung brauchen.

Natürlich entsteht durch regulierte Milchpreise und verbotenen Klebschinken nicht gleich ein autoritärer Polizeistaat. Aber jede neue kleine Gängelung ist ein neues kleines Stück Freiheit, das der Staat dem Bürger nimmt. Und was der Staat erst einmal hat, gibt er nicht gerne wieder her.

30 Responses to We’re from the government, and we’re here to help you.

  1. Andi sagt:

    Ich komme aus einer Gegend, wo es viele Bauern gibt. Die würden dir jetzt erzählen, dass sie tatsächlich nur schlecht über die Runden kommen mit ihren Erträgen. Ich selber bin ein guter braver Bürger und kaufe echte Milch. Ich kaufe aber auch „Müllermilch“. Das ist der kleine Revoluzzer in mir.

    Mir gehen diese Diskussionen um Lebensmittel auch auf die Nerven. Ich würde aber das Problem der Bauern, dass sie für Milch nur 22 Cent kriegen, ausklammern wollen – denn das scheint ja tatsächlich ein Problem zu sein, auch wenn das ganze nunmal Marktwirtschaft ist…
    Der Klebschinken scheint jetzt die ganz neue Masche zu sein, früher war es dieser Analog-Käse. Und wenn mit Empörung in der Reporter-Stimme darüber berichtet wird, dass es sowas gibt, denk ich mir auch immer: „Es wird Leute geben, die das kaufen. Die Kühltheke bei REWE ist voll damit.“ Und ich halte durchaus auch den ein oder anderen Konsumenten für so intelligent zu wissen, dass Analogkäse und Klebschinken nicht nur eklig klingt sondern auch nicht wirklich nahrhaft und lebensmittelzubereitungstechnisch auch noch geschummelt ist.

    Keine Erdbeeren mehr im Erdbeerjoghurt – ähm… waren jemals echte Fruchtstücke im Fruchtjoghurt?

    Also, für sowas brauchen wir mit Sicherheit keine Gesetze. Ich schätze sogar, dass auch Politiker beim Einkaufen schnell mal zu eher bedenklichen Lebensmitteln greifen.

  2. pyrrhussieg sagt:

    >> denn seine Kunden haben die Möglichkeit,
    >> ungeklebten Schinken zu kaufen, wenn ihnen das wichtig ist.

    Stimmt. Aber nur, wenn die Menschen es sich leisten können. Und das können leider nicht alle.

    >> Mich regt sowas auf. Ganz ehrlich. Warum bieten die
    >> “Discounter” denn die Milch so billig an?

    Weil es ebenso unnatürlich im Sinne des Marktes ist, wie ein politischer Eingriff: Discounter machen Termingeschäfte und so, um die Preise zu drücken.

    >> Warum sind denn keine Erdbeeren im Joghurt?
    >> Weil die Verbraucher es so wollen.

    s. Geldthese: Wer kein Geld hat muss ich Umkehrschluss nicht wollen, dass im Joghurt aromatisierte Sägespäne sind, oder?

    >> Das Spiel nennt man Markt, Wettbewerb, mündigen
    >> Verbraucher, oder schlicht: Freiheit.

    Mündig im Sinne des Marktes bedeutet: kaufkräftig. Unsere Gesellschaft steuert aber auf das Gegenteil zum. Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher. Da letztere in der Unterzahl sind, würde ich diese nicht gerade als Maßstab für Markttheorien nehmen.

    >> Diese Vorstellung, erwachsene, mündige, geistig
    >> gesunde Menschen vor sich selbst schützen zu müssen,
    >> finde ich zutiefst antidemokratisch und gefährlich.

    Ab „erwachsen“ wird es windig: Wer ist denn heute noch „mündig“? Wer ist „geistig gesund“? Diese Punkte sollten vielleicht erst definiert werden. In meinen Augen ist jener „mündig“, der es sich leisten kann. Und geistige Gesundheit setzt wiederum Bildung voraus? Wie steht es jedoch um die Bildung der Durchschnittsbevölkerung?

  3. Mirage sagt:

    @pyrrhussieg

    „Stimmt. Aber nur, wenn die Menschen es sich leisten können. Und das können leider nicht alle.“

    Genau aus dem Grund gibt es Schinken, der aus Fleischstückchen zusammengeklebt ist. Damit auch Menschen mit wenig Geld Schinken kaufen können.

    „In meinen Augen ist jener “mündig”, der es sich leisten kann.“

    Das ist ein merkwürdiger Begriff von „mündig“. Arme Menschen sind per se unmündig? Was folgt daraus?

    „geistige Gesundheit setzt wiederum Bildung voraus?“

    Welcher Bildungsgrad darfs denn sein, bevor ich jemanden als geistig gesund betrachten darf?

  4. Es wäre schon viel mit einer deutlichen Kennzeichnungspflicht gewonnen, damit auch die Menschen, die sich nicht so sehr (oder gar nicht) mit der Thematik beschäftigen, sehen, was sie dort kaufen.
    Vielleicht wäre so etwas möglich, ohne dass eine tausendseitige Vorschrift daraus gemacht wird, die das Bürokratenherz selig macht, aber wieder kein Normalsterblicher versteht… Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Mir ist mittlerweile bei dieser ganzen Regulierungswut auch nicht mehr wohl, und ich bin durchaus dafür, dass der Staat wichtige Felder besetzt, um — salopp gesagt — Schindluder in wichtigen Bereichen zu unterbinden. Aber wenn ich so Ideen höre, dass man Leuten mittlerweile z. B. auch Rauchen in den eigenen vier Wänden verbieten will, oder wie vor ein paar Jahren gab’s doch die Idee, das Spielzeug in den Ü-Eiern verbieten zu wollen, weil das ja so gefährlich für die lieben Kleinen sei.
    Usw., ich sehe ja ein, dass der goldene Mittelweg nicht immer leicht zu finden ist, und US-amerikanische Verhältnisse möchte ich hier auch nicht haben (der Staat — Dein Feind), aber das… Und die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

  5. rauskucker sagt:

    „Auf diese Weise stellt Marktwirtschaft sicher, dass Produktionsprozesse möglichst effizient ablaufen und Ressourcen so eingesetzt werden, wie es für alle am sinnvollsten ist.“
    Das ist nicht dein Ernst, oder? Du mußt ja wohl blind durch die Welt laufen um so einen Unsinn zu behaupten.
    Ich habe keine Lust, da argumentativ drauf einzugehen, aber wenn deine tolle effiziente Marktwirtschaft den Planeten irgendwann komplett ruiniert haben wird können wir ja noch mal drüber reden.
    Mann!
    Nur ein anderes Beispiel, auch mit Milch. Seit ein oder zwei Jahren gibt es nur noch Vollmilch die durch kurzes Erhitzen länger haltbar ist. Sie schmeckt etwa wie H-Milch, ist pur kaum noch genießbar. Und die Leute kaufen sie. Und du meinst, das liegt daran, daß die Leute diese Milch haben wollten? (Einmal geöffnet wird sie übrigens genausoschnell schlecht wie früher. Nur kann man sie dann nicht mehr als Sauermilch verwenden. Für den Verbraucher hat sie also keinen Vorteil.)

  6. pyrrhussieg sagt:

    >> Das ist ein merkwürdiger Begriff von “mündig”.
    >> Arme Menschen sind per se unmündig? Was folgt daraus?

    Umgekehrt gedacht: Welche Armen Menschen haben Einfluss und können irgendetwas bewegen? Und jetzt bitte nicht auf irgendwelche Sonderfälle Bezug nehmen, die nur eine Ausnahme von der Regel sind. 😉

    >> Welcher Bildungsgrad darfs denn sein, bevor ich
    >> jemanden als geistig gesund betrachten darf?

    Gewiss: Auch Intellektuelle können geistig daneben sein, wenn man auf die Psyche abzielt. Die Psyche wahr aber nicht gemeint, sondern die Ratio – sprich alles was man dazu braucht, um nicht gänzlich manipuliert durchs Leben zu laufen. (-> Flipperball im Automat)

  7. Muriel sagt:

    @Andi: Ich kann die genaue Situation der Landwirte nicht beurteilen. Aber ich kenne keinen Unternehmer, der nicht permanent über die viel zu niedrigen Preise klagt, und ich kenne keinen Landwirt, bei dem ich den Eindruck hätte, er würde besonders unternehmerisch denken. Insofern scheint es mir, als läge das Problem weniger bei den Supermärkten, aber ich gebe zu, dass das sehr oberflächlich gedacht ist.
    @Mirage: Danke. Das hätte ich nicht schöner sagen können.
    @rauskucker: Tja. Vielleicht fiele mir dazu ein bisschen was ein, aber wenn jemand in mein Wohnzimmer kommt und mir dann auf den Teppich bricht, biete ich ihm ja auch kein Tässchen Tee an. Immerhin muss das hier im Blog niemand aufwischen, wir können es einfach da liegen lassen, bis es eintrocknet…
    @pyrrhussieg: Nee, das ist nicht umgekehrt gedacht, das ist eine Verdrehung deiner ursprünglichen Behauptung. Mündigkeit hat nichts mit Einfluss zu tun.
    Mich würde ganz ehrlich interessieren, ob du wirklich der Meinung bist, dass Menschen unterhalb eines gewissen Einkommens und / oder unterhalb eines gewissen Bildungsstandes generell keine eigenen Entscheidungen treffen sollten, sondern mal lieber drauf vertrauen, was klügere Leute ihnen vorschreiben. So klingen deine Beiträge nämlich für mich, und das fände ich äußerst unangenehm, wenn es wirklich so gemeint wäre.

  8. Muriel sagt:

    @Fellmonsterchen: Jetzt hätte ich dich fast vergessen. Bitte um Nachsicht. Ich sehe das ähnlich wie du. Rein mengenmäßig haben wir meines Wissens mehr als genug Kennzeichnungspflichten. Aber mit dem Gedanken, die vielleicht ein bisschen wirksamer zu gestalten, könnte ich mich vielleicht anfreunden.

  9. pyrrhussieg sagt:

    Da ist nichts verdreht. 🙂

    Ganz recht: Genau diese Meinung vertrete ich. Aber was ist daran verwerflich? Sie die Realität etwa nicht so aus? -> Die politische Elite entscheidet, das Volk fügt sich.

    Gerne können wir nun anfangen darüber zu diskutieren, dass dies ja alles Bürger sind, die Wählen dürfen und somit ihren Willen kriegen und so…

    Aber dann sollte man diese Menschen vielleicht mal einfach fragen, was sie da überhaupt gewählt haben, wie das Programm genau aussah, uswusf..

    Wenn man auf der Straße nur einen einzigen trifft, der in dieser Hinsicht nicht ahnungslos ist, nehme ich gerne alles zurück. Ich befürchte aber, dass diese kleine Fallstudie eher ernüchternd ausfällt.

  10. Muriel sagt:

    @pyrrhussieg: Mich würde viel mehr interessieren, wie aus deiner Sicht die Lösung dieses Problems aussähe. Brauchen wir so etwas wie eine Regierung, die nicht von den Stimmen von Leuten abhängig ist, die ja sowieso keine Ahnung haben, worum es geht und keine vernünftigen Entscheidungen treffen können? Jemanden, der der tumben Masse mal erklärt, was sie eigentlich zu wollen hat?
    Oder wie stellst du dir das vor?
    (Ich gebe zu, dass ich da jetzt ein bisschen polemisch war, wäre dir aber dankbar, wenn du mir trotzdem antworten würdest. Deine Einstellung mutet für mich immmer noch ausgesprochen abenteuerlich an.)

  11. Mirage sagt:

    @pyrrhussieg

    Vielleicht liegt es an mir, aber Du verwirrst mich. Erst verbindest Du Mündigkeit mit finanzieller Leistungsfähigkeit, nun mit Einfluss – „etwas bewegen können“ – generell. Beides hat für mich nur am Rande mit Mündigkeit zu tun.

    In jedem Fall bleibt meine Frage bestehen: Was folgt daraus?

  12. Mirage sagt:

    @rauskucker

    Ich will ja nicht beim Eintrocknen stören, aber was das Milchbeispiel betrifft, so oute ich mich gerne.

    Mir schmeckt diese Milch. Ich merke keinen Unterschied zu früher und teile daher den Befund „kaum genießbar“ nicht. Aber vermutlich macht mich das so unmündig, wie alle anderen Leute, die diese Milch kaufen, ohne sie jemals haben zu wollen.

  13. Ja, Vater Staat und Mutter Paragraph kümmern sich um Kummer aller Art.

    Ich habe das Thema ja auch schon einmal am Beispiel von Pressfleischgarnelen behandelt und die Verschwörung der Milchmafia öffentlich gemacht. David Harnasch hat auch gerade einen sehr amüsanten und informativen Beitrag über Klebeschinken gebracht.

  14. Muriel sagt:

    @Daniel Drungels: Ja, ich habe beim Schreiben auch ein paar Mal an dich gedacht…
    Vielen Dank für den Link zu Harnaschs Video. Hat Spaß gemacht.

  15. btw: Ich liebe ja diese Kommentare à la „Also Du redest ja nur gegorenen Magerquark aber ich werde mir jetzt nicht mit Argumenten die Laune versauen. Ich wollte nur mal eben nichts sagen. Aber das möglichst laut“.

  16. Mella sagt:

    Ich würde mir wünschen, dass Analogkäse draufstehen muss und nicht nur Käse und ich würde mir wünschen, dass einiges an Bürokratie und Subventionen abgebaut wird, damit es eine Marktwirtschaft geben kann.
    Ich kann mir das wünschen, da wir uns „normales“ Essen leisten können.
    Am Samstag Abend bin ich beim zappen bei einer Doku hängen geblieben. Darin ging es um Hartz IV und gesunde Ernährung. Das eben viele Kinder in Hartz IV-Familen übergewichtig sind, da es einfacher und vor allem billiger sei ungesunde und kalorienhaltige Lebensmittel zu kaufen. Beispiel ist. z.B. Brot. Weißbrot kostet gerade mal die Hälfte.
    Die Diskussionen wie hält auch länger satt mal außen vor gelassen:
    Es ist eindeutig teurer sich gesund und/oder kalorienbewußt und vielleicht sogar Richtung Bio zu ernähren.
    Und dieses Geld wollen nicht mehr viele ausgeben und aufbringen, da es ihnen das nicht wert ist.

    Und zu guter Letzt:
    wer garantiert mir, das das Geld auch wirklich beim Bauern ankommt wenn die Milch 10 ct mehr kostet?

  17. pyrrhussieg sagt:

    So abenteuerlich meine Einwürfe auch klingen, so einfach sind die Konsequenzen für meine Person: Was ich nicht verstehe, kann ich nicht wählen. Erst wenn genug Menschen genauso handeln, wird die Politik über lang oder kurz einen Weg finden müssen, wie die Menschen wieder stärker ins Zentrum der Entscheidungen zu stellen sind. Die Wahlbeteiligung erreicht zwar immer wieder neue Negativrekorde, aber offensichtlich kann man auch ohne Wähler Politik machen.

    @ Mirage: Mündigkeit und etwas bewegen können sollte man der Einfachheit vielleicht einfach bündeln. In puncto des finanziellen Aspektes wiederhole ich mich gerne und frage: Welche armen Menschen können wirklich etwas bewegen -> von gesamtgesellschaftlichm Ausmaß vielleicht?

  18. Maxi sagt:

    Meiner Meinung nach, haben wir als Verbraucher alle Rechte und Möglichkeiten in den eigenen Händen.

    Stichpunkt „Erdbeerjoghurt“:
    Wenn jemand gerne Erdbeerjoghurt essen möchte, dann hat er die Wahl das „Fertigprodukt“ aus dem Kühlregal zu holen, den Becher einfach aufzureißen und aufzuessen. Oder er holt sich einen Naturjoghurt (gehört in den Milchkreislauf mit den 22ct pro Liter) und eine Packung TK-Erdbeeren (mit echten Früchten) und mixt sich seinen Erdbeerjoghurt selbst. Zugegeben, dass sind 2 Handgriffe mehr als der Fertigerdbeerjoghurt. Aber es sind echte Früchte drin und ich weiß, was im Produkt enthalten ist.

    Stichpunkt „Klebschinken“:
    Schinken läuft eigentlich unter dem Titel „Delikatesse“. Ich stell mir die Frage, muss man jeden Tag Schinken essen? Ich persönlich hole mir lieber für mehr Geld ab und zu einen „richtigen“ Schinken, esse ihn bewusster und genieße. (und freue mich, dass es kein Klebschinken ist)

    Ich sehe mich im Bereich Lebensmittel in D noch als mündigen Bürger, denn ich habe die Wahl. Und jeder kann wählen nach seinen Prinzipien und Grundeinstellungen.

    @ Andi: Müllermilch zu kaufen sehe ich nicht als „Revoluzzeraktion“, sondern ist einfach nur dämlich und ziemlich werbungsbeeinflusst.

  19. Muriel sagt:

    @pyrrhussieg: Dann kann aber keiner irgendwas wählen, oder? Insbesondere in unserer modernen komplexen Gesellschaft ist es doch ein bisschen zu viel verlangt, dass jeder Wähler neben seinem Beruf und privaten Engagements noch ein Experte in allen Feldern der Außen-, Innen-, Wirtschafts-, Entwicklungs-, Verteidigungs- etc.-Politik ist.
    Aber auch davon abgesehen finde ich es eigentlich viel merkwürdiger, dass du – wenn ich dich richtig verstanden haeb – als deine Meinung bestätigst, dass manche Leute kein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben, weil sie einfach zu dumm sind. Wow. Im Scherz sage ich das auch manchmal, aber zu dieser These, im Ernst vorgebracht, fällt mir keine salonfähige Erwiderung ein.

  20. Muriel sagt:

    @Maxi: Na, na. Erst schreibst du einen so sachlichen und sympathischen Beitrag, und dann sowas.
    Bist du sicher, dass es angemessen ist, jemanden „dämlich“ zu nennen, weil er gerne eine Sorte Milch trinkt, die du nicht magst?
    Es kann dir zwar egal sein, aber du würdest ganz erheblich in meinem Ansehen steigen, wenn du das zurücknähmest.

  21. pyrrhussieg sagt:

    Naja. „Meinung“ ist dafür eigentlich auch ein blödsinnig falscher Ausdruck. Denn eine Bestandsaufnahme ist schließlich keine Meinung. Oft verwechseln das Menschen, wenn sie mit mir diskutieren. Nur weil ich die anderen Aspekte erdenke, muss es nicht bedeuten, dass dies auch meine Meinung ist. Ich bleibe radikal neutral in alle Richtungen und stifte zugleich Verwirrung. 🙂

  22. Günther sagt:

    Ohne mich jetzt auf die Mündigkeitsdebatte einlassen zu wollen – ich würde dem Artikel ja in soweit zustimmen, dass geklebter Schinken oder Joghurt ohne Erdbeeren nicht per se vom Teufel sind und verboten gehören. Und wenn der Konsument das Essen möchte, soll er ruhig.

    Das Problem (ob man das Skandal nennen muss sei dahingestellt) entsteht ja genau dann, wenn für den Kunden nicht ersichtlich wird, was er kauft. Also wenn auf dem Schinken nicht draufsteht, dass er geklebt ist. Oder wenn auf dem Kunst-Erdbeerjoghurt steht „Mit echten Erdbeeren – ganz ehrlich!“ In diesen Fällen hat der Kunde nämlich keine Entscheidungsgrundlage, und die Gesetze des Marktes greifen nicht. Und eben das war ja soweit ich weiß auch der Knackpunkt bei der Klebschinkengeschichte.

    Klar – Produkte, die von der Norm abweichen (um es mal diplomatisch auszudrücken) haben ihre Existenzberechtigung. Aber wenn ich sie nicht kaufen möchte, muss ich auch die Möglichkeit haben, diese Entscheidung umzusetzen.

  23. Andi sagt:

    „Ich sehe mich im Bereich Lebensmittel in D noch als mündigen Bürger, denn ich habe die Wahl. Und jeder kann wählen nach seinen Prinzipien und Grundeinstellungen.

    @ Andi: Müllermilch zu kaufen sehe ich nicht als “Revoluzzeraktion”, sondern ist einfach nur dämlich und ziemlich werbungsbeeinflusst.“

    Maxi:
    Kann es sein, dass du dir da widersprichst? Oder hältst du mich nicht für mündig?
    Wieso isses überhaupt dämlich, nach einem Werbespot einzukaufen? Sind alle Leute dämlich, die Produkte kaufen, die vorher beworben wurden?
    Übrigens kaufe ich, unvorstellbar, aber wahr, „Müllermilch“, weil ich sie lecker finde und nicht, weil neulich bei RTL mal Werbung dafür lief.

    Und frag mal die „normalen“ Bauern, was die von „Müllermilch“ halten. Für die kommt es durchaus einer Kulturrevolution gleich, dieses Produkt zu kaufen. Aber das weißt du ja sicherlich besser.

    Ich hab ja schon viele merkwürdige Kommentare in Blog gelesen – aber deiner bestreitet tatsächlich einen Höhepunkt.

  24. Maxi sagt:

    Höhepunkt hin und Höhepunkt her…
    Ich nehme das Wort dämlich in diesem Zusammenhang zurück und entschuldige mich offiziel bei Herrn Andi.

    Im Grundsatz wollte ich damit meine Antipathie gegen Großkonzerne (im Bereich Lebensmittel)zum Ausdruck bringen und gleichzeitig den sich für mich nicht ersichtlichen Gleichklang zwischen „Revoluzzer“ und „Großkonzern/Müllermilch“ aufzeigen.

  25. Tim sagt:

    @ alle

    Ich glaube, es ist gar nicht so einfach, ein Produkt so auszuzeichnen, daß jeder sofort weiß, wie und womit es hergestellt wurde. Jeder Produktionsschritt kann ja für den einen oder anderen Kunden relevant sein. Eigentlich müßte man jedem Produkt also eine umfassende Produktionsbeschreibung beilegen. Die Frage ist: Wo zieht man die Grenze? Was muß genau beschrieben werden, was nicht? Denke, dafür gibt es keine allgemeingültige Antwort.

    Andererseits dürfte doch aber jedem klar sein, daß man im Supermarkt keine naturbelassenen Produkte wie zu Großmutters Zeiten bekommt, oder? Die Biowurst für 1,49 Euro ist eben nur in einem industrialisierten Prozeß machbar. Das muß ja auch gar nicht schlecht sein. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Lebensmittelqualität in einem ganz normalen Supermarkt heute sehr viel höher als zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Geschichte ist.

  26. Andi sagt:

    Maxi:
    Schon okay.
    Es gibt aber durchaus einen Zusammenhang. Das Wort „Revoluzzer“ ist vielleicht übertrieben, aber wenn mich ein Bauer beim Einkaufen sieht, mit normaler Milch und
    Müllermilch im Einkaufswagen, würd er mir links und rechts eine scheuern.
    Genau kann ich das nicht erklären, das müsste mal irgendjemand genauer recherchieren, ich bin dazu ja auch zu faul: aber der Müller-Konzern hat irgendwas damit zu tun, dass die Erträge für die Milchbauern so niedrig sind.

  27. Muriel sagt:

    @pyrrhussieg: Wie denn nun? Bestandsaufnahme oder Meinung? Vorhin hast du mir noch zugestimmt, dass es deine Meinung sei, dass Menschen unterhalb eines gewissen Einkommens und / oder unterhalb eines gewissen Bildungsstandes generell keine eigenen Entscheidungen treffen sollten, sondern mal lieber drauf vertrauen, was klügere Leute ihnen vorschreiben.
    Du stiftest hier wirklich Verwirrung.
    @Günther: Ja, da bin ich bei dir. Aber steht das denn da nicht drauf? Ich muss ja zugeben, dass ich es eigentlich nie lese. Bin mehr der „Hauptsache-es-schmeckt“-Typ.

  28. Maxi sagt:

    @Andi: Du hast recht, mich hat spontan beim Lesen wahrscheinlich das wort „Revoluzzer“ gleich in eine bestimmte Richtung denken lassen. Und das etwas mit dem Müller Konzern nicht koscher ist, wissen wir ja alle. Aber ich denke, das gilt für die meisten Konzerne bzw. Wirtschaften. Auch für milchverarbeitenden Betriebe… das hängt alles miteinander zusammen. Da haben wir im Detail als Endverbaucher kaum eine Chance, moralisch korrekt zu handeln.

    @Muriel: Das Verwirrt mich jetzt aber auch, dass du eher der „“Hauptsache-es-schmeckt”-Typ“ bist. Ich bin der Meinung, dass eine gewisse Mündigkeit des Bürgers/Endverbrauchers einhergeht mit einer gewissen Verantwortung, die einen auch mal unter die Verpackung schauen läßt.

    Das wollte ich noch loswerden. Ich fand die Debatte hier sehr interessant, aber ich glaube, sie endet jetzt, da ja inzwischen neue Themen zur Diskussion gestellt sind.

  29. pyrrhussieg sagt:

    Meinung nenne ich es nicht, meine Mitdiskutanten denken es nur immer und vermuten eine Meinung, fordern sie mitunter. Deswegen habe ich ja auch geschrieben >“Meinung“ ist eigentlich ein blödsinnig falscher Ausdruck.<

    Vielleicht erwarte ich auch einfach zu viel von anderen, wenn sie nicht erkennen, was die Meinung und was das aufzeigen von anderen Aspekten sein könnte. Hinweis zur Kenntlichmachung von Meinungen: Eine Meinung wird meist von "ich finde es super, dass" oder "ich finde es beschissen, dass" begleitet. 😉

  30. Mirage sagt:

    @pyrrhussieg

    „Meinung nenne ich es nicht, meine Mitdiskutanten denken es nur immer und vermuten eine Meinung, fordern sie mitunter.“

    Ich zitiere mal ein paar Einträge weiter oben:

    „Ganz recht: Genau diese Meinung vertrete ich. Aber was ist daran verwerflich?“

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