Was macht eigentlich… Adolf Hitler?

Da frei erfundene Interviews derzeit offenbar voll im Trend liegen, dachten wir von überschaubare Relevanz, dass wir auch mal wieder eins machen könnten. Zu diesem Zweck haben wir den ehemaligen deutschen GröFaZ Adolf Hitler auf einer tropischen Insel besucht, deren Namen und genaue Lage wir auf seine Bitte hin verschweigen.

üR: Guten Tag, Herr Hitler. Vielen Dank noch einmal, dass Sie sich zu diesem frei erfundenen Interview bereit erklärt haben. So viel Großzügigkeit hätte man von Ihnen vielleicht gar nicht erwartet.
AH:
Ach ja, die meisten Menschen haben so ein negatives Bild von mir, seit dieser dummen Sache damals…
üR: Sie meinen den Holocaust? Oder den Zweiten Weltkrieg?
AH: Nein, Mambo No 5. Aber ich schätze, da spielt vieles zusammen, man kann das wohl nicht auf einzelne Faktoren reduzieren. Ich würde schon sagen, dass ich heute vieles anders machen würde. Das mit den Autobahnen zum Beispiel…
üR: Nanana, jetzt aber Vorsicht!
AH: Verzeihung.
üR: Sehr schöner Surfladen übrigens, den Sie hier haben.
AH: „Wollt ihr den totalen wipe out?“ Der Slogan ist Goebbels eingefallen. Schade, dass er die Eröffnung nicht mehr erlebt hat.
üR: Trotzdem ist Ihr Konzept eingeschlagen wie eine V2. Touristen und Wellenreiter aus aller Welt reißen Ihnen Ihre Bretter geradezu aus den Händen. Unvergessen ist auch das legendäre „Größte Longboard Aller Zeiten“, das Sie persönlich designt haben. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
AH: Meine Boards sind hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, und flink wie…
üR: [verlegenes Hüsteln] Ja, schon gut, das hätte ich mir wohl auch denken können.
AH: Außerdem wissen unsere Kunden zu schätzen, dass sie bei uns keine Massenware erhalten, sondern individuell gefertigte Spitzenqualität. Diese billige Serienproduktion sehe ich als eine völlige Entartung der Wellenreiterkultur. Ich habe schon immer gesagt: Jedem das Sei-
üR: [Ein bisschen zu laut] Schon klar, schon klar, aber-
AH: Wir exportieren auch immer mehr ins Ausland. Noch in diesem Jahr plane ich die Erschließung neuer Geschäftsräume im Osten. Außerdem experimentiere ich zurzeit mit Radiowerbung. Bis heute hört uns nur Deutschland, aber ab morgen…
üR: Herr Hitler, ich muss Sie leider bitten, diese dummdreisten Anspielungen zu unterlassen. Diese Art von Humor ist weit unter dem Niveau unserer Leser.
AH: Auch bei den Hygieneeinrichtungen am Strand haben wir Wert auf das Besondere gelegt. Unsere Duschen zum Beispiel-
üR: Herr Hitler, jetzt reicht es aber. Duschen geht gar nicht. Ich muss Sie leider bitten, zu gehen.
AH:
[räuspert sich unsicher] Ähm, dies ist mein Laden.
üR: Na gut. Dann gehe ich eben.
AH: Schon? Aber ich habe Ihnen doch noch gar nicht unser Einsteigerangebot mit kostenlosem Fitnesstraining vorgestellt. Ich nenne es „Kraft durch“… Ach. Weg ist er. Naja. Deutsche haben eben keinen Humor.

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8 Responses to Was macht eigentlich… Adolf Hitler?

  1. Andi sagt:

    Sehr schön! Du wagst dich echt an die heißen Eisen. Der Teil mit den Duschen hätte mich allerdings noch interessiert. 🙂

  2. axeage sagt:

    Ha, dass ich nicht lache. Muriel hasst Kabarettisten. Ha !!!

  3. Muriel sagt:

    @Andi: Tut mir Leid, Andi. Duschen geht gar nicht. Ich muss dich leider bitten… Entschuldigung. Gewohnheit.
    @axeage: Ach komm. Ein bisschen Selbsthass gehört doch zu jedem Künstler, der ernstgenommen werden will, oder?

  4. Andi sagt:

    Muriel:
    Kein Thema. Ich wär eh nicht gegangen. Das hier ist nämlich nicht die Johannes B. Kerner-Show und ich nicht Eva Herman. 🙂

  5. growiak sagt:

    „Diese Art von Humor ist weit unter dem Niveau unserer Leser.“
    Ja, liebe Muriel, das ist durchaus möglich. Ich zum Beispiel mag Dein Blog und auch viele Deiner Texte, distanziere mich also von jeglichem Troll-, Miesmacher- oder Neidertum. Aber ist das da oben wirklich Humor, Ironie, Satire, Kabarett? Dafür muss man pointiert lustig sein und sich (zielgruppenrelevant) gut mit der Materie auskennen. Hast Du, bist Du das? Zumindest Glückwunsch, Du hast kein überdrüssigstes Adolf-Klischee ausgelassen. Oder liegt es an (axeage) „Muriel hasst Kabarettisten“. Lesetipp: Mehr Hitler lesen (Kershaw, Fest…, selbst Speer könnte helfen), danach Originelles auftischen. Oder Titanic, Moers… überlassen, die setzen schließlich die Maßstäbe.
    Nix für unklug!
    gr

  6. Muriel sagt:

    @growiak: Na, das ist doch schön, dass dir mein Blog im Großen und Ganzen gefällt, und dass du sagst, wenn du etwas nicht gut findest, darüber freue ich mich natürlich auch.
    Trotzdem kann ich mich – das wird dich nicht weiter wundern – deinem Urteil nur teilweise anschließen. Meine Sternstunde war dieser Beitrag sicher nicht, das stimmt, aber leidlich lustig finde ich ihn eigentlich schon. Und die These, dass man für gelungenen Humor immer gute Kenntnisse zum Thema braucht, zweifle ich erst recht an.
    So oder so kann ich dir aber versprechen, dass dieser Artikel keinen neuen Trend markiert. Ich kann dir zwar nicht versprechen, dass ich in Zukunft völlig auf dumme Klischees verzichte, Adolf oder sonstwie, aber die Vorherrschaft der Titanic erkenne ich natürlich an.

  7. growiak sagt:

    O.k., das mit den Kenntnissen zum Thema und dem gelungenen Humor war meinerseits ein wenig schwach auf der Brust, bitte um Verzeihung, zumal sich das ja schon mit der von mir auch eingeforderterten Zielgruppenrelevanz ein wenig beisst. Da ist dieses Wissen ja nicht immer vorauszusetzen und/oder erforderlich. Aber ich wage mal die steile These: Entweder muss der Gag verdammt steil sein oder man muss ihn schon verdammt steil begründen können. Will heißen: Die Güte des Witzes erhellt sich aus sich selbst oder aus der Helle selbst.

  8. Matthias Schumacher sagt:

    Ich weiß, Du hast noch immer eine gewisse Scheu vor Twitter, aber diese Nachricht vom Führer ist zu wichtig, um sie zu unterschlagen:

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