Missverständnisse

Die zukünftige niedersächsische Sozialministerin hat in einem Interview gesagt, dass sterbende Juden an antiken Folterinstrumenten Kruzifixe aus Schulen entfernt werden sollen. Nach einem problemorientierten Gespräch mit unserem Ministerpräsidenten hat sie er nun dankenswerterweise klargestellt: So war das nicht gemeint. Ach so.

Die Stammleser unter euch wird es vielleicht überraschen, dass es mir eigentlich herzlich egal ist, ob irgendwo Kruzifixe hängen. Ich wäre in meiner Schulzeit nie auf die Idee gekommen, mich darüber zu beschweren, wenn jemals eins in einem Klassenzimmer gehangen hätte – obwohl es mir sehr, sehr merkwürdig vorgekommen wäre, aber mir kam auch so schon vieles merkwürdig vor, das wäre also gar nicht weiter ins Gewicht gefallen. Schließlich finde ich, dass jemand, der sich von so einem Ding ernsthaft belästigt oder beängstigt oder unterdrückt fühlt, noch viel dringendere Probleme hat als seine beeinträchtigte Religionsfreiheit.

Was mich stört, sind also nicht die Kruzifixe. Was mich stört, ist die übelkeitserregende Heuchelei, die aufgefahren wird, um sie zu verteidigen. Das fängt schon mal mit so Sprüchen an wie diesem:

„Wir bitten zu beachten, dass das christliche Kreuz nicht nur ein religiöses Symbol ist, sondern für uns auch Ausdruck unseres westlichen Werteverständnisses, welches die Grundlage unserer christlich-demokratischen Partei ist.“

Nein, klar. Das christliche Kreuz ist nicht nur ein religiöses Symbol und deshalb total okay. Genau wie das Kopftuch. Äh. Nee. Moment. Das Kopftuch ist zwar auch nicht nur ein religiöses Symbol, aber genau deshalb nicht okay. Glaube ich. Oder wie? Naja. Egal. Jedenfalls ist das Kreuz auch ein Symbol der CDU und muss deshalb unbedingt in jeder Schulklasse… Nee, auch wieder nicht. Naja, ihr wisst schon, wie der Lechner das meint.

Vollends übel wird mir, wenn ein Integrationsbeauftragter (!) unserer größten Volkspartei (!) meint, sich mit der Bemerkung hervortun zu müssen:

„Politiker, die Kreuze aus Schulen verbannen wollen, sollten sich überlegen, ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen Stelle sind“

Verdammt noch mal, wie schwer ist das eigentlich? Ein bisschen Selbstreflexion? Mal nachdenken, bevor man sich in irgendwelche Mikrophone erbricht? Was würde die CDU wohl sagen, wenn eine SPD-Regierung das Kommunistische Manifest in Klassenräumen aushängen würde? Wenn die Grünen da, wo sie mitregieren, darauf bestünden, dass „Atomkraft – Nein, danke!“-Aufkleber an den Tafeln angebracht werden? Wenn die FDP Hakenkreuze

Ich vermute, dann würde den CDU-Leuten plötzlich wieder einfallen, dass unsere Schulen eben nicht dazu da sind, das zu verbreiten, was die gerade herrschende Partei für richtig hält, sondern Kinder aller Religionen und aller Abstammungen möglichst weltanschauungsneutral zu erziehen und zu bilden.

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39 Responses to Missverständnisse

  1. Schonzeit sagt:

    großartiger Beitrag. wirklich herrlich. So sieht es aus. Die Doppelmoral ist zum kotzen. Das Kreuz an sich stört eher weniger, kann aber auch gern woanders hängen.

  2. Und wie stolz war die CDU auf ihre Vorzeige-Integrierte. Nur eine eigene Meinung, die wollte man ihr dann doch nicht zugestehen. Da fürchtet man doch zu sehr die Stimmen von Alois und Franzl zu verlieren.

  3. Teo sagt:

    Ich verstehe die ganze Diskussion nicht wirklich. Wir sind ein sekularer Staat, was haben religiöse Symbole also in staatlichen Schulen zu suchen? Das Kruzifix ist da doch sogar noch schlimmer, als das Kopftuch. Schließlich ist ein Kopftuch nur mittelbar durch die Lehrerin mit der Schule verbunden, das Kreuz hängt da direkt und unmittelbar am Gebäude.

    Frau Özkan hat sich mit der Entschuldigung leider als Alibi-Muslimin der CDU geoutet. Sie findet es also in Ordnung, dass sie nur zum Lächeln und Winken abgestellt wird. Schade eigentlich.

  4. Mella sagt:

    Bei dieser Diskussion habe ich mich schon oft gefragt, ob es keine weiteren Probleme in unserem Land gibt.
    Ich bin im katholischen Bayern zur Schule gegangen, da hing überall ein Kreuz im Klassenzimmer. Jetzt zeigt mir aber einen Schüler, der sich davon belästigt fühlt bzw. der das Kreuz noch richtig wahrnimmt. Ich kenne keinen.
    Kopftücher haben noch einen anderen Faktor und ich habe nichts gegen religiöse Überzeugung, doch beim Kopftuch bitte ich wirklich noch 2 Dinge zu beachten:
    Wir haben hier eine christliche Kultur und bei ausländischen Mitbürgern erwarte ich eine gewisse Integration und Anpassung – dies erwarten sie in ihrem Land ja auch
    und was für mich wichtiger ist:
    Gesichtsblindheit. Ich habe hier auch starke Probleme mir Gesichter zu Merken. Haare sind für mich wichtige Erkennungsmerkmale. Doch wenn ich immer wieder ein anderes Kopftuch sehe – sorry wer bist du?

  5. Andi sagt:

    Mella:
    Naja, deine Gesichtsblindheit ist ja dein ureigenes Problem. Deswegen kann man doch nun wirklich nicht von Gläubigen verlangen, ihr Kopftuch wegzulassen.
    Ansonsten erwartest du, wie du geschrieben hast, „eine gewisse Integration und Anpassung“ – da bin ich ganz bei dir. Aber warum müssen diese Menschen ihr Wichtigstes verleugnen? Wieso muss deren Integration so weit gehen, wie „wir“ das hier in unserem ach so tollen Staat vorschreiben?
    Für mich ist das falsch verstandene Toleranz, so ein bißchen wie: „Ich hab nix gegen Schwule, solang sie mich nicht betatschen.“

    Wenn jemand Kruzifixe und Kopftücher und wasweißichnoch braucht, um seinen Glauben auszüben oder weil er es einfach nur schön findet oder so – na, meinetwegen. Diese stets wiederkehrende Diskussion um Kruzifixe stört mich. Vor allem, weil die Politik einfach nicht in der Lage ist, einen Nenner zu finden. Die beanspruchen für sich alle, wie sie da sitzen, so tolerant und weltoffen und bürgernah zu sein, sind aber nicht in der Lage, sich bei einem nicht mal besonders heiklen Thema mal auf eine (Sprach-)Regelung zu einigen.

    Ansonsten: klasse Beitrag. Den Satz mit den Hakenkreuzen und der FDP hätte ich von dir sowieso nicht erwartet. Haste dich ja scheinbar eh nur vertippt.
    Mir gefiel besonders:
    „Schließlich finde ich, dass jemand, der sich von so einem Ding ernsthaft belästigt oder beängstigt oder unterdrückt fühlt, noch viel dringendere Probleme hat als seine beeinträchtigte Religionsfreiheit.“

  6. Mella sagt:

    Moment, vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt:
    Im privaten Leben kann jeder machen was er will – sich die Wohnung mit Kruzifixen zukleistern oder mit dem Kopftuch rumlaufen. Ich rede hier ausschließlich vom öffentlichen Leben. Und da sollte man sich entsprechend – einordnen will ich nicht sagen aber vielleicht verhalten.
    Das meinte ich auch mit Gesichtsblindheit. z.B. Lehrkräfte sollten gut erkennbar sein – in der Schule außerhalb meinetwegen sogar mit Burka etc.
    Und meine Meinung: die Politik darf nur das öffentliche Leben beurteilen. Privatleben: Leben und leben lassen

  7. Teo sagt:

    Die Annahme wir lebten in einer christlich geprägten Kultur, ist prinzipiell richtig. Wir leben aber in einem Staat, der alle Religionen gleich behandeln sollte. Kirche und Staat gehören getrennt. Die Neutralität gegenüber den Religionen ist in Deutschland aber durch Dinge wie Kirchensteuer und z.B. eben Kruzifixe in Schulen nicht gewährleistet. Es geht hier nicht um irgendwelche subjektiven Wahrnehmungen, sondern um die Einhaltung unserer Verfassung.

  8. Maxi sagt:

    @Andi: Vielen Dank für deinen Kommentar, du sprichst mir aus der Seele.

    @Mella: Was meinst du mit „Im privaten Leben“? Ich bin immer privat, ob ich selbst zur Schule gehe oder auf Arbeit bin. Wann sollte ich bitte schön nicht privat sein? Ich kann in diesem Sinne deiner Argumentation nicht folgen.

  9. Tim sagt:

    Danke für den schönen Beitrag. Von allen Parteien ist die CDU wirklich die widerlichste.

  10. Tim sagt:

    @ Mella

    Wir haben hier eine christliche Kultur

    Ich kenne persönlich eigentlich nichts an der christlichen Kultur, was genuin christlich ist. Der christliche Glaube war schon immer eine Patchwork-Religion par excellence. Sie hat sich hinsichtlich ihrer Jenseitsvorstellungen, Rituale und Feiertage bei anderen Glaubensrichtungen bedient und selbst ihren Gott von einer anderen Religion geklaut. Das muß man als Religion erst mal fertigbringen!

  11. Andi sagt:

    Maxi:
    Gerne. Freut mich. 🙂

    Mella:
    Wenn ich das richtig verstanden habe, darf man also zu Hause Kopftuch tragen, aber, sagen wir, beim Einkaufen nicht? Wieso sollte man von diesen Menschen (Menschen!) verlangen oder erwarten, dass sie sich derart verleugnen?

    Ich hab ja vor ein paar Einträgen hier mal geschrieben, dass ich mich manchmal darüber ärger, dass ich immer konservativer werde, je älter ich werde. Bei diesem Eintrag fällt mir hier doch wieder auf, dass ich gar nicht so konservativ-verknöchert-verlogen werden kann wie so einige aus der CDU. Das ist doch ein schöner Erkenntnisgewinn. Danke, Muriel. 🙂

  12. Mella sagt:

    Privat ist in meinen Augen immer dann, wenn ich keine öffentliche Tätigkeit = Arbeit ausübe.
    Wenn ich Lehrerin bin oder Verkäuferin an der Kasse oder in einer Bank sollte ich mich an den „kulturellen Dresscode“ halten. Es gibt in genügend Firmen ja auch eine Kleiderordnung. Nach der Arbeit bin ich dann privat. Egal ob beim Einkaufen oder zu Hause.
    Setz es einfach gleich mit „Arbeitskleidung“. Kopftuch gehört nicht zur Abeitskleidung.
    Christliche Kultur heißt für mich übrigens, dass es bei uns nicht üblich ist eine Burka, Kopftuch oder dergleichen Religiösen Symbole allzudeutlich zu tragen.
    Das heißt auch wieder gegen eine Kette mit dem Judenstern, Kreuz, Fatimas Hand und dergleichen spricht nichts, doch sind Burkas bisher doch noch sehr gewöhnungsbedürftig und nicht in der Gesellschaft etabliert – da eben nicht aus christlicher Kultur stammend, der doch die meisten Deutschen irgendwie angehören.

  13. Andi sagt:

    Okay, dass es in einer Bank einen Dresscode gibt, seh ich ein. Aber doch nicht unter Lehrerinnen. Ich versteh aber, was du meinst.
    Ich glaub, wir kommen nur grad zu weit vom Thema ab. 🙂

  14. Teo sagt:

    @Mella, dann dürften Lehrpersonen auch keine Piercings oder Tätowierungen tragen, sehe ich das richtig?

  15. Linus sagt:

    Ich hör auch immer wieder, dass wir doch ein christlich geprägtes Land mit einer christlich geprägten Kultur sind. Außer dass das gewisse Menschen immer wieder mantra-mäßig vor sich hinblubbern, ist davon aber eigentlich nichts zu sehen. Sowohl im positiven wie im negativen.

    Welche gesellschaftspolitischen Themen werden denn vom christlichen Standpunkt her diskutiert? Wo ist denn die Kirche, wenn man Sie mal als die moralische Instanz, als die sie sich selbst sieht, braucht?

    Die ganze Heuchelei ist wirklich übelst. Man kann ja z.B. gerne darüber diskutieren, ob die Türkei jetzt unbedingt in die EU muss, aber da gibts es genügend Felder, die mir in der Diskussion wichtiger wären, als die bloße Erkenntnis, dass es sich nicht um ein christlich geprägtes Land handelt.

  16. Das ist jetzt keine Frage an dieses Blog, sondern an die Gesellschaft:
    Warum diskutiert niemand darüber, ob das rote Atheisten-A nicht neben das Kreuz gehängt werden müsste?
    Es wird Glaube gegen Glaube abgewogen, aber die Nichtgläubigen müssen wie üblich draußen bleiben – schade!

  17. Linus sagt:

    Wenn ich an „nichts“ glaube, warum soll ich dann ein Atheisten-Symbol anbeten?

  18. Anbeten?
    Wieso das denn?
    Es wäre nur fair, schon Kindern mitzuteilen, dass gar nicht zu glauben eine gleichwertige Option ist.
    Als Botschaft: „Es geht auch ohne!“

  19. Teo sagt:

    Wenn man für jede (Un)Glaubensrichtung ein Symbol in den Klassenräumen aufhängen müsste, hätte man sicher nicht mehr viele freie Wände übrig. Man müsste in Anbetracht dessen, dass die Schule ein neutraler Ort sein soll, auch die Symbole aller anderen Religionen (viel Spaß bei dem Versuch) und Religionskritiker aufhängen. Das wäre Unsinn.

  20. Andi sagt:

    Ich halte nichts davon, das Kindern mitzuteilen. Das müssen Kinder schon irgendwann selbst feststellen.

  21. Teo sagt:

    Kommunizieren würde ich das hingegen schon – und zwar in einer neuen Art von Religionsunterricht. Dieser sollte nicht mehr nach Konfessionen oder Glaubensrichtungen getrennt werden, sondern zumindest Judentum, Christentum und Islam gleichberechtigt behandeln. Ausserdem sollte man Religionen wie Buddhismus oder Hinduismus mit einbeziehen und natürlich auch Religionskritik.
    Das Wissen um das Christentum möchte ich persönlich nämlich nicht missen, auf die Gehirnwäsche seit dem Kindergarten hätte ich aber gut verzichten können.

  22. Teo,
    deshalb bin ich ja für die Durchführung der Trennung von Kirche und Staat, indem man den ganzen Zinnober abhängt und die Kinder in Ruhe lässt!

    Das mit dem A war nicht wirklich ernst gemeint – nur prinzipiell angemerkt.

  23. Nardon sagt:

    Ich weis nicht mehr ob ich in einem christlichen Kindergarten war oder nicht, in meiner Schule hingen später aber auf jeden Fall keine Kreuze.
    Was ich aber meinen Eltern immer hoch anrechnen werde ist, das sie mir und meinen Brüdern immer die Wahl gelassen haben, zu glauben oder eben nicht.
    Sie selbst sind gläubig im weitesten Sinne. Sie gehen nicht mehr in die Kirche aber der Glaube an sich ist noch da.
    Was Kopftücher betrifft bin ich immer etwas gespaltener Meinung. Zum Beispiel bin ich der Meinung das es verboten gehört, weil es in meinem Verständnis ein Symbol der Unterdrückung ist.
    Zum anderen weis ich das aber nicht mit bestimmtheit und es sehr schwer an wirkliche Fakten zu diesem Thema zu kommen.
    Erst gestern habe ich wieder einen Beitrag gelesen:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32491/1.html
    und dazu Beiträge wie:
    http://www.heise.de/tp/foren/S-Was-ist-eigentlich-mit-der-Scharia/forum-178371/msg-18445628/read/
    http://www.heise.de/tp/foren/S-Diese-Frau-ist-eine-Opportunistin/forum-178371/msg-18443668/read/

    Bitte nicht die Dargestellten Meinungen als die Meine ansehen, aber wenn man die Diskusion in den Beiträgen verfolgt, sieht man vieleicht wie schwer es ist auf einen Nenner zu kommen.

    —————————————-
    Zählen die Brights eigentlich zu Religion?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Brights

  24. Nardon sagt:

    Ich entschludige mich wenn ich zu stark vom Thema abgekommen bin. Bei Religion komm ich immer von 100sten ins 1000ste.

  25. Mella sagt:

    @Teo
    Ja, Lehrkräfte haben auch meist kein Piercing oder Tattoo und davon abgesehen herrscht schon ein Dresscode für Lehrkräfte. Zumindest an denen Schulen, an die meine Kinder gehen. Lehrkräfte müssen sich ordentlich sauber anziehen, dürfen nicht zu sexy gekleidet sein etc. Da gibt es tatsächlich Vorschriften.
    Und zu dem Religionsunterricht:
    Ich hatte so einen Reli-Unterricht, in dem andere Religionen behandelt wurden, Kritik an der Religion und an der Bibel geübt wurde etc.
    Evangelisch.
    Interessant war auch damals: In unserem Unterricht – nein Maria war sicher keine Jungfrau, seht es als Gleichnis, dass sie halt was besonderes war.
    In der katholischen Aussenwelt – ein Pfarrer wurde damals wegen genau der gleichen Aussage entlassen.
    Heute wird zumindest im ev. Relgionsunterricht in Bayern noch immer ähnliche Ansätze verfolgt wie bei mir damals

    Und nochmal mein Standpunkt kurz und knackig – Es ist egal ob da ein Kreuz hängt oder nicht – es achtet eh kein Schüler mehr darauf….

  26. Teo sagt:

    Dieser „Dresscode“ ist dann vermutlich auf einige Bundesländer beschränkt. Ja, ich hatte auch so einen Religionsunterricht, aber erst recht spät und es ist eben nicht die Regel. Soetwas gehört in die Schulgesetze der Bundesländer.

    Wenn es so egal ist, dann sollte man sie einfach abhängen und dem Grundgesetz endlich folge leisten.

  27. Mella sagt:

    Ja, denn wenn wir den Kindern schon nicht von Anfang an vorleben, dass sich alle an die Gesetze halten müssen, wann sollen wir dann anfangen.
    Die Zeiten haben sich geändert. War es früher normal, dass eine Klasse zu 99 % aus Kindern mit christlichen Glauben bestand – so ist es heute vielleicht noch 50 %.
    Die Zeiten ändern sich und wir sollten das akzeptieren.
    Also Kreuze runter.

  28. Nardon sagt:

    Wichtig ist ja nicht nur was Gesetz ist, sondern welche diese Umsetzen, in diesem Falle die Lehrer die einen ausgewogenen Religionsunterricht halten sollen.

    Wenn ich dann aber mitbekomme das eben diese Religionslehrer „ihre“ Religion immer wieder über alle anderen stellen, frage ich mich wer das prüft.
    Meine Freundin ist Erzieherin, und ihr fällt es schwer mit dem Religionslehrer zu diskutieren. Jede diskusion über andere Religionen oder den Sinn Dieser, wird sofort im Keim erstickt.

    Dann sitzt du dort, musst dir „antun“ was die „staatlich anerkannte Lehrkraft“ von sich gibt und keine Gegenargumente zulässt. Nebenbei von den christlichen Schülern auch noch unterstützt wird, welch Wunder.
    Da sitzen 17-34Jährige in der Klasse die an die biblische entstehungsgeschichte glauben, mit Adam und Eva (argh…. Kopfweh) und sich jeder vernünftigen Argumentation verschliessen. Dieses Verhalten wird dann noch vom Lehrer gefördert, na Bravo. Das sind die Unreflektierten Persönlichkeiten, die sich keiner Diskusion mit Argumenten stellen können, religiös verblendet und auf unsere Kinder losgelassen werden.
    Zum Glück muss ich sagen das dieser Anteil wenigstens „nur“ einen drittel der Klasse betrifft.

  29. Teo sagt:

    Dazu ist allerdings zu sagen, dass immer noch Lehrer ausgebildet werden, die genau eine Glaubensrichtung gelehrt bekommen. Es wird also in der Lehrerausbildung immer noch zwischen katholischem und evangelischem Religionslehrer unterschieden, von islamischem ganz zu schweigen. Da ist es kein Wunder, dass sich hier Leute als Missionare fühlen.

  30. Thomas sagt:

    Also ich finde man sollte persönliche Glaubenseinstellung und das Aufhängen von religiösen Symbolen in öffentlichen Räumen trennen. Ich finde, dass Kopftuch tragen oder eben das Kreuz um den Hals (worüber sich irgendwie niemand aufregt), ist vollkommen legitim! Dass jedoch eine staatliche Einrichtung eine Relgion bevorzugt behandelt, finde ich – im Gegensatz zu anderen hier – nicht egal.
    Außerdem hat das BVerfG das auch schon als verfassungswidrig erklärt, genau wie der EuGH – interessiert bloß keinen.

  31. Ana sagt:

    @Thomas: Bravo! Bin da ganz genau der gleichen Ansicht.

  32. Matthias Schumacher sagt:

    Morgen ist das Thema auch noch bei Illner, sie hat es mir PERSÖNLICH bei Youtube geschrieben. Wegen meines jüngsten Videos;) Was mir nur noch zu sagen bleibt, ist, dass solche Themen früher viel höher gekocht sind. Da gab es wochenlange Diskussionen und hitzige Debatten. Es ist ein echtes gesellschaftliches und politisches Problem, dass alles nur noch angerissen wird und nichts zu Ende gebracht, falls doch, dann nur halbherzig und huschhusch. Meine Meinung: Lasst die Schüler tragen, was sie wollen, wenn sie es WOLLEN! Lehrer haben sich neutral zu kleiden und Klassenräume haben frei von irgendwelchen Symbolen zu sein. Eigentlich müsste das Konsens sein.

  33. Andi sagt:

    Es passt vielleicht nicht so super, aber ich erinner mich grad an einen Lehrer von mir, der in der 10. Klasse einen Mitschüler nach Hause zum Umziehen schickte. Der hatte ein T-Shirt an mit dem Band-Schriftzug „Bad Religion“. Unser Lehrer fühlte sich dadurch beleidigt. Früher konnten wir das alle nicht verstehen. (Hach ja, früher…) Heute leuchtet es uns viel eher ein.

    Wollte ich nur mal loswerden, entschuldigung. Weiter machen…

  34. Muriel sagt:

    Für alle: Vielen Dank für die interessante Diskussion. Ich hätte auch mal was gesagt, hatte aber dann doch immer das Gefühl, dass ihr das ohne mich viel besser hinbekommt.
    @Andi: Im Ernst? Bad Religion? Mir leuchtet das kein bisschen ein.

  35. Sententia sagt:

    Ich bin zwar katholisch, finde aber dennoch, dass nicht unbedingt Kreuze im Klassenzimmer hängen müssen. Da wir kein Religionsstaat sind und die Religionsfreiheit im Grundgesetzt verankert ist, sollten meiner Ansicht nach entweder Kopftuch und Kruzifix beide im öffentlichen Leben erlaubt sein, oder eben beide nicht. Zumal sich die CDU ohnehin nur dann auf das C im Namen beruft, wenn es gerade zu ihren politischen Plänen passt.

  36. Andi sagt:

    Muriel:
    Naja, es war unser Religionslehrer, kurz vor der Pensionierung, gläubig – dass der sich von dem Schriftzug „Bad Religion“ im Religionsunterricht gestört fühlt, kann ich nachvollziehen. Der wusste wahrscheinlich auch nicht, dass es sich um eine Band handelt.

  37. Muriel sagt:

    @Sententia: Hallo, wie nett, dass du mich mal besuchst. Ich stimme dir tendenziell zu und finde im zweifel eigentlich das Kopftuch noch weitaus weniger klar religiös, das kann man ja schließlich auch aus anderen Gründen tragen.
    @Andi: Hm. Erstens sollte gerade ein Lehrer in meinen Augen irgendwann mal begriffen haben, dass man, wenn man etwas nicht weiß, das durch einfaches Nachfragen ändern kann, zweitens ist der Schluss von Bad Religion auf Religion Bad aus meiner Sicht auch schon ein ziemlicher Kurzschluss, wenn man keine Ahnung hat, worum es dabei geht. Insofern kann ich nur im allerweitesten Sinne sagen, dass ich ihn verstehe.

  38. Andi sagt:

    Muriel:
    Naja, es gibt halt sone und sone. Ich würd auch keinen Schüler deswegen nach Hause schicken, sondern auch erstmal nachfragen. Insofern verstehen wir uns in dem Punkt ja immerhin. 🙂

  39. […] der Religionsfreiheit darstellt, ganz gleich, ob sie nun so scheinbar geringfügig daherkommt wie ein kleines Holzkreuz im Klassenzimmer, oder so offensichtlich und dummdreist wie ein Verbot der Errichtung von Minaretten, oder eben wie […]

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