Because f you, that’s why!

Ja, zurzeit sind anscheinend Aggro-Wochen bei überschaubare Relevanz, aber macht euch deshalb keine Sorgen, das geht vorbei.

Michael Hanfeld hat drüben bei FAZ.net einen kleinen Beitrag über Paul Kirchhofs Vorschlag eines geräteunabhängigen Rundfunkbeitrags geschrieben. Kirchhofs Idee sieht im Prinzip vor, dass jeder Haushalt in Zukunft unabhängig von der Anzahl angemeldeter Geräte oder sonstigen Bedingungen pro Monat 17,98 an die GEZ zahlt. Wer sich das nicht leisten kann, weil er zum Beispiel ALG II bezieht, muss auch bezahlen, bekommt den Betrag aber vom Staat erstattet.

Herr Hanfeld findet diesen Vorschlag „vor allem eins: überzeugend“, und schließt mit den Worten:

„Es änderte sich für die meisten Gebührenzahler nicht viel, nur für die, welche bislang für Radio oder Computer die „kleine“ Gebühr von 5,76 pro Monat zahlen oder sich der Pflicht entziehen. Auch die Anstalten haben nichts zu fürchten. Ihnen stehen per Definition keine griechischen Verhältnisse ins Haus. Da wäre kein politischer Akteur und kein Reformator, der sie zu Verzicht drängte. Warum eigentlich nicht?“

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob Hanfeld damit meint: „Warum drängt sie eigentlich niemand zum Verzicht?“ oder bloß: „Warum sollte man es eigentlich nicht so machen, wie Kirchhof das vorschlägt?“ Ich will zu seinen Gunsten lieber die erste Alternative vermuten. Dann ist mir aber nicht klar, was er an Kirchhofs Idee so überzeugend findet.

Aber gerade weil die Anstalten nichts zu fürchten haben, ist dieser Vorschlag nichts weiter als der Versuch, ein marodes, unsinniges, anachronistisches System öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu perpetuieren, indem man ein paar zu offensichtlich gewordene Makel übertüncht, aber im Prinzip alles beim Alten lässt.

Ich sehe ein, dass es Argumente für öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt. Warum es aber selbstverständlich ist, dass dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk über 7 Milliarden Euro pro Jahr kosten muss; warum es selbstverständlich ist, dass dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk für Unsummen die Rechte an Sportveranstaltungen kauft, die private Sender genausogut übertragen könnten; warum es selbstverständlich ist, dass auch Menschen, für die jeder Euro kostbar ist und die nicht mal einen Fernseher haben und auch gar keinen wollen, weil sie vielleicht lieber lesen, das alles zwangsweise mitfinanzieren müssen; das sehe ich überhaupt nicht ein.

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8 Responses to Because f you, that’s why!

  1. Sanníe sagt:

    Jeder Geringverdiener, der kein Hartz IV bezieht, muß das dann bezahlen. Es gibt so viele Leute, die durch Behördenformularraster fallen, aber ich hatte immer schon die Befürchtung, daß das Weltbild von Herrn Kirchhof dafür zu schlicht ist.

    Zur generellen Bezahlpflicht: Kannst Du Dir wirklich vorstellen, daß es nur noch Privatfernsehen gibt? Oder meinst Du, es entsteht dann hochwertiges Bezahlfernsehen? Ich möchte die ÖR jedenfalls nicht missen und finde auch, daß dafür alle zahlen sollten (die es können).

    Allerdings glaube ich auch, daß es da so krasse Reformen geben muß, daß diese nur durch Abriß möglich sind. Die Erkenntnis, daß große Programmteile schwachsinnig sind, ist jedenfalls nicht da. Kleines Beispiel: Gestern abend im Deutschlandfunk verteidigte Kai Gniffke die abendliche Schalte zur Frabkfurter Börse mit den Worten, Millionen Menschen hätten dort ihre Rente angelegt und seien darauf angewiesen.

    Hier mein Konzept: http://www.elfengleich.de/blog.php?id=769

  2. Muriel sagt:

    @Sanníe: Zunächst mal Dank für die grundsätzliche Zustimmung.
    Zu deiner Frage: Ja, ich kann mir prima vorstellen, dass es nur noch Privatfernsehen gibt. Das fällt mir unter anderem deshalb sehr leicht, weil ich sowieso praktisch gar nicht fernsehe.
    Und ich glaube in der Tat, dass der Wegfall der ÖR-Sender zum Entstehen von anspruchsvolleren Privatsendern beitragen könnte. CNN ist ein Privatsender. Jon Stewart läuft auf einem Privatsender. Und auch wenn beide ihre (gerade im Fall von CNN dramatischen) Schwächen haben, ist mir jeder einzelne immer noch lieber als alle unsere ÖR-Sender zusammen.

  3. Andi sagt:

    Ach, der Herr Kirchhof… Das ist doch echt so ein Bürokraten-Theoretiker-Vorschlag, der sich nicht damit beschäftigt, wie die Welt draußen eigentlich aussieht.
    Wobei ich generell sagen muss, dass ich es auch begrüßen würde, wenn man den Haufen ÖR/GEZ mal überdenkt und dann ggf. reformiert.
    Wenn mich die ÖR gut unterhalten (und das tun sie recht oft), dann bezahl ich auch (gerne) dafür. Ich genieße es vor allem, den „Tatort“ oder Harald Schmidt ohne lästige Werbeunterbrechungen sehen zu können. Wenn mir RTL/Sat1/Dingsbums/undsoweiter gewährleisten könnten, dass dort auch keine Werbung mehr läuft, würd ich auch für diese Sender zahlen. Ich wäre also für eine Gleichbehandlung sozusagen. Entweder wir zahlen alle (also, die die´s können) für alle Sender im frei empfangbaren TV oder für gar keinen.

  4. Muriel sagt:

    @Andi: Ich bin mir jetzt nicht sicher, wie dein Gleichbehandlungsmodell im Detail aussähe, aber prinzipiell wäre es mir jedenfalls nicht Recht, zwangsweise zu einer Rundfunkgebühr herangezogen zu werden, egal, ob die nun nur den traditionellen ÖR zufließt, oder außerdem noch RTL, Sat. 1 und Beate Uhse TV. Ich habe nichts gegen Pay-TV, aber es sollen doch bitte nur die bezahlen, die es auch bestellen.

  5. Andi sagt:

    Klar, Pay-TV sollen nur die bezahlen, die es bestellen. Wenn dir der Sinn nach Beate Uhse steht, will ich ja auch nicht dafür mitbezahlen. 🙂
    Ich meinte nur frei empfangbares TV, also ARD/ZDF wie auch RTL/Sat1/VOX/… Wenn ich bei den Privaten letzten Endes gleiches kriegen würde wie bei den Öffis, also abends keine Werbung mehr, dann würd ich gerne dafür bezahlen.
    Und dann könnte man ja meinethalben auch einen festen Betrag entrichten lassen, also für die, die zahlen können.
    Oder wir bezahlen eben alle gar nicht mehr und schaffen die GEZ ab und kriegen überall nur noch verbilligtes Programm und werden mit Werbung zugeschüttet. Das fänd ich aber wiederum doof.

  6. Muriel sagt:

    @Andi: Ich bin mir nicht sicher, ob wir das Gleiche meinen.
    Ich halte es durchaus auch für falsch, dass jeder einen festen Betrag für frei empfangbare Sender bezahlt. Warum sollten das nicht nur die mitfinanzieren, die es auch nutzen?
    Die Protagonisten des ÖR-Rundfunks tun oft so, als würde die gesamte Bildung dieses Landes, die Zukunft unserer Kinder und unsere politische Entscheidungsfähigkeit davon abhängen, was im Fernsehen läuft. (Ich unterstelle dir persönlich nicht, dass du das auch tust, ich gebe nur meinen Eindruck der Diskussion wieder.) Ich halte Fernsehen für ein Medium, das nicht nur stetig an Bedeutung verliert, sondern auf das man auch prima verzichten kann, wenn man sich lieber anders informieren will, zum Beispiel über Zeitungen oder das Internet. Und deshalb will mir einfach nicht einleuchten, warum es eine nationale Aufgabe sein soll, öffentlich-rechtlich finanziertes Fernsehen zu betreiben. Warum dann nicht auch öffentlich-rechtliche Bücher, Restaurants und öffentlich-rechtliche Autos?

  7. Andi sagt:

    Es geht ja nicht nur um Information, sondern auch um Unterhaltung. Wobei es da natürlich auch jedem selbst überlassen ist, ob er sich unterhalten lassen will und womit er sich unterhalten lassen will.
    Aber auch was die Information angeht, brauchen wir auch das Fernsehen – egal, ob privat oder öffentlich-rechtlich. Zeitungen und Internet nutzen die meisten doch ohnehin „nur“ für weiterführende Informationen, wenn man ein Thema vertiefen will oder nochmal was nachschlagen will oder so. Fernsehnachrichten und auch der Videotext sind ja dazu da, um sich kurz mal informieren zu lassen – und doch verständlich. (Wenn nicht grad die RTL II-News guckt.) Mal ganz davon abgesehen, dass einfach nicht jeder das Internet gewinnbringend nutzen kann.

    Wir sind uns ja einig, dass wir nicht zwingend öffentlich-rechtliches Fernsehen brauchen, dass wir durch GEZ-Gebühren mitfinanzieren. Und ich wär auch sofort dafür, die ARD und die GEZ zu reformieren. Ich weiß aber nicht, ob das Programm von ARD und ZDF noch immer so vielschichtig ist und viele Sparten abdeckt, wenn man es nicht mehr gebührenfinanziert.

  8. Tim sagt:

    Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist ja damals gegründet worden, weil man glaubte, daß Fernsehen im Vergleich zu anderen Medien besonders großes Überzeugungspotential besitze und daß man es darum auf gar keinen Fall privaten Anbietern überlassen dürfe.

    Ich habe das Gefühl, daß Fernsehen vor allem eines besonders gut vermitteln kann: das Gefühl, daß man gut informiert ist. Auch sehr komplexe politische Diskussionen und Themen müssen für das Fernsehen von allen Beteiligten so aufbereitet werden, daß der Zuschauer glaubt, er könne problemlos folgen. Allerdings glaube ich, daß sich exakt aus diesem Grund die meisten Themen nicht gut fürs Fernsehen eignen. Insofern bin ich der Meinung, daß politische Informationen (in der gewohnten Darbringungsform) im Fernsehen eher schädlich sind. Fernsehen ist nun mal ein Unterhaltungsmedien. Um mal Lee Iacocca falsch zu zitieren: „“Der Mensch, der nicht fernsieht, ist besser informiert als derjenige, der nur fernsieht“.

    Dadurch, daß es öffentlich-rechtliche Sender mit gutem Image gibt, haben es wirklich gute private Angebote (die es heute ja schon reichlich gibt), um so schwerer. Denke, wir würden nur gewinnen, wenn die Öffis in ihrer derzeitigen Organisationsform von heute auf morgen abgeschafft würden.

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