Alles klar, Herr Kommissar?

Die Aggro-Wochen sind noch nicht zu Ende. Ich hätte hier gerne mal wieder was Unpolitisches geschrieben, oder einfach was Lustiges, aber was da gerade in Sachen EU läuft, mag ich dann doch nicht komplett ignorieren. Wenn ich ein bisschen melodramatisch sein wollte, würde ich sogar sagen, es macht mir Angst, aber vielleicht reicht es auch, wenn ich es bloß ziemlich ärgerlich finde.

Ich war schon nicht besonders glücklich mit der geplanten Unterstützung für Griechenland. Nicht, weil ich etwas gegen die Griechen hätte, sondern weil ich der Meinung bin, dass es lang- oder wahrscheinlich auch schon mittelfristig gesehen das falsche Signal ist, dass ein Staat, der sich quasi in die Zahlungsunfähigkeit manövriert (Und kommt mir bloß nicht mit „Die Spekulanten sind doch Schuld!“) und dabei noch so lange es eben ging seine wahre Situation verschleiert hat, die Konsequenzen dieser Fehler nicht tragen muss. Aber damit war zu rechnen. Insofern hat es nicht besonders weh getan.

Überhaupt nicht erwartet hatte ich aber, dass man bei der Gelegenheit dann auch gleich noch ein paar andere saudumme Fehler hinterher schiebt und sich dabei als tapferer Euroretter geriert. Herr Steltzner von faz.net hat treffende Worte gefunden:

„Die Europäische Union rüstet zum Kampf gegen den Markt.“

Und genauso klingt es auch, wenn ich von unserem Kommissionspräsidenten höre, er wolle „den Euro verteidigen, was immer es kosten mag“. Ähem, hallo, Herr Barroso? Was immer es kosten mag? Ich hab den Euro ja auch lieb, aber haben Sie das zu Ende gedacht? Und den nächsten kalten Schauer jagt mir dann gleich der französische Präsident über den Rücken. Herr Sarkozy ist ja immer mal für einen kalten Schauer gut, nicht wahr? Und nun will er also zur „Generalmobilmachung“ blasen, um „ohne Gnade gegen die Spekulation zu kämpfen“. Jawoll, denn wenn es dieses Drecksspekulantenpack nicht gäbe, könnte man als Staat endlich so hemmungslos misswirtschaften, wie man will, ohne dass man deshalb in Schwierigkeiten gerät. Geld kann man ja schließlich drucken. Hat doch früher auch immer funktioniert, oder? Oh, nee, doch nicht. Naja, egal. Diesmal wird’s klappen. Was kann denn schon schiefgehen?

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10 Responses to Alles klar, Herr Kommissar?

  1. Andi sagt:

    Diese „Generalmobilmachung“ gegen Spekulanten klingt für mich nach purem Aktionismus. Das sagen die alle nur, auch die Politiker hierzulande, weil sie wissen, dass es normalerweise Quatsch wäre, Griechenland zu helfen, vor allem in der Größenordnung. (Politisch gibt es dazu aber wenig bis keine Alternativen. Jedenfalls seh ich keine.) Nun helfen „wir“ aber nunmal, angeblich macht sich jeder Sorgen um sein Geld – und die Politik verfällt jetzt eben in diesen Aktionismus. Zum einen: „Wir kämpfen gegen die Spekulanten blabla“. Zum anderen: „Griechenland muss selbst aber auch was tun.“ Das ist alles nur, um das gemeine Volk zu beruhigen.
    Ich persönlich bin ja der Ansicht, dass Frau Merkel ganz andere Probleme hat, als Spekulanten und ob und wie sie Griechenland helfen soll.

  2. ruediger sagt:

    Ich und Politik, hin und wieder muss es sein. m2c: Die Damen und Herren aus den Politiketagen verzocken den letzten Teil ihrer selbst herbei geredeten Integrität und hinterlassen ein im Schrecken und Angst erstarrtes Wahlvolk.

    Erklären kann ich es nicht: Wenn ich eine Möglichkeit hätte zu flüchten, ich würde es tun => denn die wissen nicht was sie tun.

  3. Tim sagt:

    Den europäischen Banken wird hier (wieder mal) ein fabelhaftes Signal gegeben: Wem auch immer sie Geld leihen – sobald Schwierigkeiten auftauchen, springt der Steuerzahler gern für sie ein. Sogar dann, wenn es durch Verträge eigentlich gar nicht erlaubt wäre. So fördert man Fehlverhalten, das man am nächsten Tag gleich wieder als „unmoralisch“ und „außer Kontrolle geraten“ brandmarken kann.

  4. Muriel sagt:

    @Andi: Aktionismus ja, und Frau Merkel hat auch wirklich andere Probleme. Aber man darf nicht die Risiken unterschätzen, die sich aus diesem Aktionismus ergeben. S. Tims Kommentar.
    @ruediger: Aber wohin sollte man fliehen? Korea ist schön, aber ob ich da wohnen wollte…?
    @Tim: Ja, besonders lustig finde ich, wenn hinterher dann der entfesselte Markt Schuld sein soll, nachdem die Politik durch so offensichtliche Fehlanreize die Sache herbeigeführt hat. So findet man ganz leicht den Grund, um noch mehr dumme Fehlanreize zu setzen…

  5. bornabas sagt:

    Also ich bin mal wieder konträrer Meinung (ich muss zugeben, dass sie bei diesem Thema hauptsächlich vom spiegelfechter gebildet wird). Ich denke, dass die EU mit allen ihren Macken und Auswüchsen das Beste ist, was Europa passieren konnte. Würden die EU-Staaten jetzt nicht Griechenland retten und voll für die anderen Mitglieder bürgen, würde wahrscheinlich das ganze Projekt den Bach runtergehen. Deshalb sehe ich zu diesem Zeitpunkt keine Alternative. In der Vergangenheit hätte es wahrscheinlich zig bessere gegeben, die wurden aber auf die lange Bank geschoben.

  6. Tim sagt:

    @ bornabas

    Ich bin da etwas anderer Meinung und finde, daß die EU sich in den letzten 10 Jahren in eine falsche Richtung bewegt. Die EU ist ja mal als Friedensprojekt gestartet. Seit einiger Zeit weiß sie aber offenbar überhaupt nicht mehr, was ihre Vision ist, und verrennt sich in technokratischen Fragen wie der überflüssigen und völlig verfrühten Verfassung. So wird sie die Herzen und Köpfe der Europäer nicht mehr gewinnen können. Vor den Toren Europas liegt die Türkei, die Brücke zur ganzen muslimischen Welt! Und was macht Europa? Tut alles, damit die Türkei nie dazugehören kann und schiebt ständig neue Gründe vor, warum das Land noch nicht reif ist usw. Hätte man diese Attitüde in früheren Jahrzehnten gehabt, wären Länder wie Deutschland, Portugal, Spanien oder Griechenland niemals „reif“ für Europa gewesen. HIER müßten die europäischen Politiker ansetzen und eine wirklich global ausstrahlende Vision der EU entwickeln, statt sich im unsinnigen Kleinklein zu verzetteln, denke ich …

  7. Muriel sagt:

    @Tim, Bornabas: Ich bin prinzipiell auch ein großer Freund der Idee EU, versteht mich da nicht falsch. Aber ich denke, wenn jemand sagt „was immer es kosten mag“, egal zu welchem Thema, dann kann man demjenigen eigentlich nur Angst oder Mitleid entgegenbringen, je nachdem, wieviel Verantwortung er trägt.
    Natürlich ist Politik immer die Kunst des Möglichen (Blöder Spruch eigentlich. Was ist denn die Kunst des Unmöglichen?), aber wenn es nach mir ginge, könnte die europäische Einigung gerne auch schneller vorangehen, durchas in Richtung eines europäischen Bundesstaates.
    Die Tendenz, die sich jetzt abzeichnet – jeder macht, was er will, und alle bezahlen für die Folgen – kann aber nur zu einem Desaster führen, wenn wir nicht rechtzeitig eine bessere Lösung finden.

  8. Andi sagt:

    Aber es gibt ja – im Moment – keine bessere Lösung, oder? Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet und hab alle Infos auch nur aus Nachrichtensendungen und ähnlichem.
    Was ich aber weiß, ist, dass die EU (und auch übertragen auf Deutschland Frau Merkel) noch nie solche Probleme hatte. Natürlich könnte man da jetzt sagen: „Wieso haben die sich nie mit solchen Szenarien beschäftigt?“
    Immerhin tun sie es jetzt und es ist vielleicht naiv, aber ich denke, dass alle bemüht sind, eine Lösung zu finden.
    Diese „Generalmobilmachung“ gegen Spekulanten bleibt Aktionismus. Sowas macht man immer, wenn man von anderen Unzulänglichkeiten ablenken will.

  9. bornabas sagt:

    @Muriel:
    Eigentlich bin ich ganz Deiner Meinung, sehe aber keine Alternative als im Moment alles daran zu setzen, dass die Eurozone stabil bleibt. Natürlich ist ein „was immer es kosten mag“ Schwachsinn, soll aber wahrscheinlich das Vertrauen in Staatsanleihen aller EU-Staaten soweit erhöhen, dass nicht die nächsten Länder bedroht sind.

    @Andi:
    Dieser Krieg EU gegen Spekulanten ist natürlich völliger Quatsch. Im Endeffekt heißt es nur, dass alle, die schon auf einen Bankrott von Griechenland gesetzt haben, ihre Kohle verlieren und es generell nicht mehr attraktiv ist gegen einzelne EU-Staaten zu wetten. Dass sowas generell möglich ist, ist sicher nicht die Schuld von Spekulanten.

  10. ruediger sagt:

    @muriel
    Wohin? Überspitzt: Auf eine Insel, scheiß egal nur ohne Politiker, Banken und all dem Scheiß, weit weg von hier. Palmen züchten, Fische jagen, seine Ruhe haben und „einfach“ sein Leben leben. Meine eigene Arbeit dient dazu mich zu ernähren und fertig.

    Aufgrund dessen das ich nicht überblicke, was die „da oben“ gerade verzapfen, bekomme ich Zukunftsängste.

    Der schwarz-gelbe Zirkus wirft mit Geldern um sich, die die nächste/übernächste Generation noch nicht verdient hat. Das kann doch nicht gut gehen.

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