Miriam Meckel nimmt faz.net nicht ernst.

Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass sie es nicht für nötig hält, mal ein bisschen nachzudenken, bevor sie da was reinschreibt.

Ihr neuester Artikel beginnt damit, dass sie bei Facebook eine Geburtstagstorte sieht, die sie mögen möchte. Sie klickt also auf „like“ und ist sofort hoch erfreut, einen angemessen dämlichen Einstieg in ihren nächsten faz.net-Artikel gefunden zu haben völlig verunsichert und entsetzt, als sie feststellt, dass diese Funktion auf die Torte nicht anwendbar ist.

Das Mögen ist ein Ausdruck menschlichen Ermessens, und ich muss solche Zuneigung zum Ausdruck bringen können, um sie zum Thema für eine sozial anschlussfähige Kommunikation zu machen. Wenn ich mir aber durch eine Maschine und ihren Algorithmus vorschreiben lassen muss, was ich mögen darf, ob und wie ich diese Neigung zum Ausdruck bringen darf, ist mein Ermessensspielraum beschränkt.

Im weiteren Verlauf ihres Artikels geht sie dazu über, allgemeiner darüber zu schreiben, wie wichtig Zufall und Unberechenbarkeit für die Weiterentwicklung einzelner Menschen und der ganzen Menschheit ist, und dass Computer nie zufällig und immer berechenbar sind. Und deswegen schädlich für unsere Entwicklung. Okay…

Ich könnte das für Satire halten, aber dafür habe ich schon zu viel von Frau Meckel gelesen. Direkt nach dem Lesen habe ich mich gefragt, ob es vielleicht der dümmste Anti-Internet-Beitrag aller Zeiten ist, aber ich fürchte, das Dummheitsfass der Fundamentalkritiker des Internets hat keinen Boden.

Nur für den Fall, dass jemand jetzt gerade von faz.net hier herüberkommt und noch ganz aufgebracht und in Angst um unsere Zukunft schon mit dem Gedanken spielt, seinen PC sofort aus dem Fenster zu werfen, möchte ich ganz kurz auf zwei Denkfehler eingehen, die so evident sind, dass ich mich eigentlich wundere, dass Frau Meckels Rechtschreibprüfung sie nicht automatisch darauf hingewiesen hat:

  1. Es ist nicht eine Maschine, die Ihnen vorschreibt, was Sie mögen dürfen. Es sind die Menschen, die Facebook programmieren. Ihre Idee, dass unsere Freiheit durch Computer eingeschränkt wird, ist manifest unfug, wenn man sich nur kurz mal bewusst macht, dass die Computer bis auf Weiteres noch von Menschen bedient werden.
  2. Computer funktionieren tatsächlich zwar tatsächlich deterministisch – aber wissen Sie was, Frau Meckel? Da sind sie kein bisschen anders als das menschliche Gehirn. Sogar Ihres. Auch wenn das schwer vorstellbar scheint.
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15 Responses to Miriam Meckel nimmt faz.net nicht ernst.

  1. Andi sagt:

    Wenn ich bis vor 2 Minuten noch nicht wusste, was ich von Frau Meckel halten soll – jetzt weiß ich es. 🙂

  2. Tim sagt:

    Ich glaube, Miriam Meckel hat sich einfach noch nicht sehr intensiv mit Zufall, Determinismus und Algorithmen befaßt. Und übrigens auch nicht mit menschlichen Entscheidungen, denn selbst wenn man sich gelegentlich von Algorithmen leiten läßt, heißt das ja noch lange nicht, daß man das immer so macht.

  3. Muriel sagt:

    Das Beispiel mit dem Like-Button finde ich immer schwachsinniger, je länger ich darüber nachdenke. Ob Frau Meckel sich auch jedes Mal aufregt, wenn sie ein Buch gelesen hat und keine Bewertungsmöglichkeit vorfindet?
    @Tim: Ja, das glaube ich auch. Für sich betrachtet wäre das natürlich nicht weiter schlimm, aber es hätte ein Grund sein können, vielleicht keinen FAZ-Artikel drüber zu schreiben…

  4. Tim sagt:

    @ Muriel

    Man muß natürlich auch die Situation der FAZ sehen. Dort liegen die Nerven blank. Kein Mensch weiß, ob es die Zeitung in dieser Form in 5 Jahren noch geben wird. Nun merken sie plötzlich, daß das Internetdingsbums irgendwie bedeutsam werden könnte. Vielleicht sind Gastbeiträge wie der von Meckel auch einfach nur ein Indiz für die Orientierungslosigkeit der FAZ in einer Zeit, in der es bei ihnen erstmals um die eigene Existenz geht.

  5. Muriel sagt:

    @Tim: Ja. Einerseits verstehe ich das. Andererseits sollte die FAZ vielleicht gerade, wenn es um die Existenz geht, nicht so hysterisch um sich schlagen, sondern sich stattdessen mal einen Algorithmus Plan zurechtlegen, wie man mit der Situation umgeht.

  6. Maxi sagt:

    Der (theoretische) Ansatz von Tim, überzeugt mich und bestärkt mich in meiner Meinung, dass die FAZ (besonders bei FAZ.net) vor lauter Panik (Zukunftsangst) alles druckt, veröffentlicht, aufsaugt und wiedergibt, um aktuell und stündlich ihre Internetausgabe zu füllen. Da wird nicht mehr lange recherchiert, redaktiert oder diskutiert. Einfach veröffentlicht.
    Zu Frau Meckel, ich glaube,ihr Einstieg in diesen Artikel war nicht der Facebookbesuch, sondern die Matrix-Trilogie-Session vom Wochenende, die sie sich reingezogen hat. Und nu hat sie Angst vor den Maschinen 😉

  7. Muriel sagt:

    @Maxi: Ich hatte bei Matrix immer vor Allem Angst vor Keanu Reeves…

  8. Johannes sagt:

    Facebook ist überall, ich habe Angst davor. Und ich dachte schon, Twitter wäre Blödsinn gewesen. Wieso gibt es keinen „Gefällt mir nicht!“-Button? Heute habe ich mich noch über die rassistischen Äußerungen in den Anti-Boateng-Gruppen beschwert und seitdem habe ich innerhalb von einer Stunde rund 100 (!) Klicks durch Googlesuchende bekommen, die nach dem Gruppennamen gesucht haben. Hurra. Äh, danke, Facebook.

  9. Muriel sagt:

    @Johannes: Ich weiß zwar nicht, wer oder was Boateng ist (Stimmt gar nicht, aber ich wusste es nicht, bevor ich deinen Beitrag gelesen hatte, Ehrenwort!), aber eins weiß ich:
    Das Nichtmögen ist ein Ausdruck menschlichen Ermessens, und du musst solche Abneigung zum Ausdruck bringen können, um sie zum Thema für eine sozial anschlussfähige Kommunikation zu machen. Wenn du dir aber durch eine Maschine und ihren Algorithmus vorschreiben lassen musst, was du nicht mögen darfst, ob und wie du diese Abneigung zum Ausdruck bringen darfst, ist dein Ermessensspielraum beschränkt. Und das ist nicht okay.

  10. Andi sagt:

    Boateng muss man nicht kennen, lieber Muriel. Man muss sich nicht mal weiter mit Boateng beschäftigen. Ist die Mühe nicht wert. 🙂

  11. Muriel sagt:

    @Andi: Lass mich raten: Du hast kein Problem mit Boateng und findest, dass er anderen Fußballspielern gegenüber gleichberechtigt behandelt werden sollte, nur dass er aus Ghana kommt ghanaischer Abstammung ist, findest du irgendwie eklig. Richtig?
    (Für alle Nicht-Insider, die sich wundern, was ich lustig daran finde, Andi Rassismus zu unterstellen: Lange Geschichte.)

  12. Andi sagt:

    *Ironiemodus an*
    Ich finde Menschen aus Ghana, mit ghanaischer Abstammung und sogar Menschen, die nicht aus Ghana kommen, eklig. Ich finde alle Menschen eklig, die nicht so sind wie ich.
    *Ironiemodus aus*

    Wie schön, dass man hier mal was zum Thema Fußball beitragen kann. 🙂

  13. Bioschokolade sagt:

    Ich finde Fussballspieler generell …. also ich finde Fussballspieler ja okay, sind ja auch nur Menschen, wie alle anderen auch. Aber nicht okay ist es, wenn sie Fussball spielen. Das geht gar nicht. Das finde ich irgendwie …. unangemessen … ne, also echt.

    Und ich denke nicht dass Sie die Hallen der …. Handballspieler benutzen dürfen, auch wenn diese vielleicht leer stehen und sich auch für Fussball geeignet ist. Weil es ist ja die Halle der Handballspieler und die wurde gebaut, damit da Handballer spielen können. Handballspielen ist ja okay, so solls ja auch sein. Und überhaupt Fussball … früher hat man da nicht drüber gesprochen.

    Okay, tschuldigung …. ähm …. ach ja, Frau Meckel. Naja über Algorithmen und so zu schreiben würde mich irgendwie auch verwirren. Ich bin da ja tolerant und verständnisvoll … aber Fussballspielen … ne …. also tut mir leid. Sorry.
    Nein, also ich weiß nicht, ich hab ja auch immer gelernt dass den Computer bzw. eher die Anwendungen dafür erst einmal jemand programmieren muss, weil von alleine denken Anwendungen ja nicht, man muss denen ja sagen was man möchte und wenn das jemand nicht richtig tut, dann funktioniert das halt nicht. Wenn ich die Glühbirne nicht richtig eindrehe geht sie auch nicht, da kann ich aber auch nicht sagen dass mir der Glühbirnenhersteller vorschreibt ob ich im dunkeln sitzen soll oder nicht.

  14. Muriel sagt:

    @Bioschokolade: Das war sehr, sehr lustig. Danke!
    „Früher hat man da nicht drüber gesprochen.“ Ich glaube, ich lache morgen noch hin und wieder mal über deinen Kommentar.
    Und das mit der Glühbirne stimmt auch.

  15. […] wäre jetzt wahrscheinlich nicht angemessen, von gewissen grundsätzlichen Positionen der FAZ auf den Umgang von deren Redakteur(inn)en mit modernen […]

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