Go Mo

Heute ist Draw-Mohammed-Day, also der Tag, an dem wir alle aufgerufen sind, ein Bild des islamischen Propheten Mohammed zu zeichnen und öffentlich zu zeigen, um so gegen islamische Extremisten zu protestieren, die Leute bedrohen, die Mohammed zeichnen. Es geht um die Freiheit, seine Meinung zu sagen, und das ist erst einmal eine gute Sache. Aus meiner Sicht ein Idealbeispiel dafür, wie die Zelebrierung dieses Tages aussehen kann, zeigt der zuverlässig fantastische YouTuber AronRa:

Das hat Spaß gemacht, und wenn ich sowas sehe, habe ich durchaus Lust, es selbst auch mal zu versuchen. Für Meinungsfreiheit und gegen Religion bin ich bekanntermaßen immer gerne. Andererseits kann ich nicht besonders gut zeichnen, und außerdem stört mich die Tendenz, dass bei einigen Beiträgen zu diesem Thema vor allem der Wunsch zu spüren ist, Muslime zu beleidigen und zu verärgern. Besonders traurig finde ich diese Entwicklung bei Thunderf00t, dessen Videos ich eigentlich immer sehr mochte. Er hat sich in letzter Zeit darauf verlegt, plumpe, kindische und irgendwie peinliche Anti-Islam-Videos zu drehen, in denen nichts mehr von seinem früheren Sinn für Humor und vor allem für gute Argumente zu spüren ist.

Meine Güte, das ist mir zu viel Pathos. Kann jemand den Herrn mal daran erinnern, dass er nichts weiter macht als ein paar Videos zu drehen und ins Internet zu stellen? „Leading from the front“, „Free men have drawn the line here“, ich glaub auch.

Nicht viel weniger albern ist natürlich das Gegenvideo von MoonlitKnight 81, der offenbar fest mit Todesopfern rechnet , für die er dann Thunderf00t die Verantwortung gibt.


(Übrigens hat er dann doch mitgemacht, falls es euch interessiert. Aber er hatte keinen Spaß dran.)

„This is serious shit“? Nein, ist es nicht! Wie gesagt: Wir reden hier über ein paar Youtube-Videos, können wir bitte auf dem Teppich bleiben? Natürlich laufen da draußen Verrückte rum, aber denken wir bitte daran, dass nicht alle davon Muslime sind, ja?

Der endgültige Entschluss, dass es von mir keinen Mohammed geben wird, fiel übrigens beim Lesen dieses B.L.O.G.-Artikels. Mich würde interessieren, wie es euch geht, aber ich finde es ausgesprochen unappetitlich, dass ein erheblicher Anteil der Kommentatoren es offenbar durchaus vertretbar findet, wenn ein Eisverkäufer eine Burka-Trägerin abweist, weil er angeblich nur mit Leuten redet, die ihm ihr Gesicht zeigen. Für mich gibt es da gar nichts zu diskutieren: Mit diesem Menschen würde ich nichts zu tun haben wollen, und sein Eis würde mir schon gar nicht schmecken. Man sieht daran gut, dass Religion nicht die Ursache der menschlichen Krankheit ist, sondern nur eines von vielen Symptomen.

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26 Responses to Go Mo

  1. genova68 sagt:

    Deinen Bemerkungen zu dem Liberalen-Blog kann ich nur zustimmen. Es zeigt sich hier erneut, wie dünn die Trennungslinie zwischen sogenannten Liberalen und Rechtsextremismus ist. Die FPÖ hat ja vor Jahren erfolgreich vorgemacht, wie man diese Linie zum Verschwinden bringt.

  2. Muriel sagt:

    @genova68: Hm. Ich sehe eigentlich keine besondere Tendenz Liberaler zum Rechtsextremismus, aber ich bin da natürlich auch nicht so richtig objektiv…

  3. genova68 sagt:

    Ob die Tendenz eine besondere ist, weiß ich nicht. Aber das Beispiel FPÖ ist doch bemerkenswert, oder? In Deutschland hat das Möllemann probiert, Westerwelle ist auch nicht davor gefeit, Stahl in Berlin war auch schon dran, viele andere ebenfalls. Dieser Hang ist meiner Meinung im Liberalismus dann angelegt, wenn er als vorwiegend ökonimische Freiheit betrachtet wird, was immer zu Verdrängungstendenzen führt. Da ist es zur Verdrängung von Menschen mit bestimmten Merkmalen nicht mehr weit. Die Diskussion bei den bissigen Liberalen zeigt das meiner Meinung nach deutlich. Ob das jetzt rechtsextrem ist oder rechtskonservativ oder wie man das nennen will, ist eine Detailfrage.

  4. Rayson sagt:

    Das ist ja fast schon zwanghaft, wie Genova immer wieder versucht, für eine der üblichen Diffamierungsstrategien der Linken Belege auch da zu finden, wo es keine gibt.

    Vielleicht täte die Lektüre dieses Textes eines herausragenden Autoren gut:

    Projektionsirrtum

  5. genova68 sagt:

    Danke für den Hinweis, vor allem die Diskussion dort, die ich gerade überflogen habe. Das werde ich mir bei Gelegenheit durchlesen.

    Ansonsten ein kleiner Tipp am Rande: Ich würde versuchen, Lesern einen möglichst leichten Einstieg in meinen Artikel zu bieten. Das geht nicht, indem ich die ersten beiden Absätze als Vorgeplänkel gestalte und den dritten Absatz mit einer Art „doppelten Kant“ beginne. Bis dahin weiß der Leser immer noch nicht, worum es geht, und der doppelte Kant weckt den Anspruch auf einen philosophischen Text, der nicht kommt.

  6. Guinan sagt:

    Mir erscheint der Eisverkäufer vor allem unhöflich und unfreundlich, und ich neige dazu, solche Menschen und damit auch die Geschäfte, in denen sie arbeiten, zu meiden.
    Die Begründung für sein Benehmen ist mir dabei herzlich egal. Ich wäre höchstens in Versuchung, ihn wie ein Kleinkind anzuweisen: „Das tut man nicht.“

  7. Andi sagt:

    Ich hab mir grad die Kommentare im verlinkten B.L.O.G-Artikel durchgelesen bzw. überflogen. Das ist ja Realsatire. Gibt es tatsächlich Menschen, die so engstirnig sind und auf so eine Frage mit irgendwelchen juristischen Winkelzügen kommen? Ja, vermutlich gibt es die und meinen das auch alles noch ernst. Armes Deutschland.
    Ich will mir gar nicht vorstellen, wen der Eisverkäufer noch alles ablehnt. Lehnt der auch Dicke ab? Nach dem Motto: wer so dick ist, bekommt hier auch nix mehr zu fressen?
    Ich weiß echt nicht, was ich widerlicher finde: den Eisverkäufer oder einen Großteil der Kommentare drüben…

  8. genova68 sagt:

    Andi,

    das sind exakt meine Gedanken. Das ist Realsatire, ein Bürokratenverein, der sich, aus Gründen der Selbsttherapie, liberal nennt.

    Ich schätze mal, dass viele der Blogger bei den bissigen Liberalen Juristen sind, deshalb engagieren sie sich so begeistert bei juristischen Details in Sachen Eismann.

  9. Muriel sagt:

    @Guinan: Ja, genau. Wie ich drüben schon schrab: Das wäre ja noch schöner, wo kämen wir denn da hin, da könnte ja jeder kommen. Ganz unerfreuliche Denke.
    @Andi, genova: Ganz so schlimm wie ihr kann ich es aber nun auch wieder nicht finden. Das Thema hat eben zwei Aspekte.
    1. Ist es in Ordnung, wie der Eisverkäufer sich benimmt?
    2. Gehört es verboten, wie der Eisverkäufer sich benimmt?
    Aus meiner Sicht muss die Antwort auf beide Fragen ohne Wenn und Aber nein lauten.
    Winkelzüge sehe ich nicht.

  10. Andi sagt:

    Mir fiel beim Überfliegen nur auf, dass man nicht wirklich auf die moralische Frage kam, ob das Verhalten des Verkäufers in Ordnung ist, sondern sich sehr schnell damit beschäftigte, dass er das ja rein juristisch betrachtet darf und man sich dann gar nicht mehr damit beschäftigt hat, ob das Verhalten in Ordnung war. Wahrscheinlich war „Winkelzüge“ ein von mir falsch gewählter Begriff. Denn wir sind uns ja einig.
    Ich find es nur extrem widerlich und heuchlerisch, wenn man irgendwelche Verhaltensweisen mit „Ich darf das aber“ rechtfertigt. Nicht alles, was man darf, muss man auch tun.

  11. Muriel sagt:

    @Andi: Na gut, das sehe ich genauso.

    Für alle, die heute noch einen Facepalmgrund brauchen, habe ich übrigens noch zwei besonders gelungene Kommentare im Angebot. Moslems wollen das GG nicht anerkennen und müssen deshalb „eingedämmt“ werden. Großer Gott, liegt das an mir, oder fällt euch auch keine angemessen beleidigende Antwort auf so was ein?

  12. Muriel sagt:

    @Rayson: Lass dir bitte nichts einreden. „Projektionsirrtum“ ist ein rundum gelungener Beitrag, der bitte genau so bleiben sollte.

  13. Rayson sagt:

    @Muriel

    Lass dir bitte nichts einreden.

    Höchstens von dir 😉

  14. pyrrhussieg sagt:

    >> habe ich durchaus Lust, es selbst auch mal zu versuchen.
    >> Für Meinungsfreiheit und gegen Religion bin ich
    >> bekanntermaßen immer gerne. Andererseits kann ich nicht
    >> besonders gut zeichnen, und außerdem stört mich die Tendenz, >> dass bei einigen Beiträgen zu diesem Thema vor allem der
    >> Wunsch zu spüren ist, Muslime zu beleidigen und zu verärgern.

    Ziemlich fadenscheinig. Seit wann müssen Blogger irgendwas „besonders gut“ können. Und wird der ganze Schmaus nicht ohnehin unter die Gürtellinie gehen? Das ist wie mit der Kiez-Ohrfeige*: Es gibt den Typen, der gerne austeilt, und es gibt den Typen, der gerne eine gekeilt kriegt. Beide sind gleichermaßen bedauerlich.

    ___
    * http://www.linkfun.net/fun-videos/kiez-klatscher_-_ohrfeige_fuer_einen_passanten_video-554

  15. Muriel sagt:

    @pyrrhussieg: Ich würde nur zu gerne verstehen, was du mir sagen möchtest.

  16. pyrrhussieg sagt:

    Ergo: Warum provozieren Wollen, wenn man es sich nicht traut?
    Plus: Beide Seiten einer solchen Provokation sind schwachsinnig (s. Metapher der Kiezohrfeige).

  17. Muriel sagt:

    @pyrrhussieg: Fragst du das mich? Vorschlag: Lies doch einfach den Artikel da oben, dann wirst du mit ein bisschen Glück erkennen, dass ich von vornherein gar nicht provozieren will. Danach beantworte ich gerne weitere Fragen.
    (Ich hoffe, dass du den etwas spitzen Ton dieser Antwort nicht übelnimmst, aber mir ist ganz ehrlich schleierhaft, wie du auf die beiden Prämissen deiner obigen Fragen gekommen sein könntest, wenn du gelesen hättest, was ich geschrieben habe. Darüberhinaus würde die Frage auch keinen Sinn ergeben, wenn ihre Prämissen stimmen würden. Der Mensch kann sich nicht aussuchen, was er will, und dass man sich etwas nicht traut, war doch wohl noch nie ein Grund, es nicht zu wollen.)

  18. David sagt:

    Genau, und warum Opernarien singen wollen, wenn man sich nicht traut? Blogger dürfen das auch ohne Kunst, auf YouTube. Guckst Du hier! http://www.youtube.com/watch?v=sWh_2Iit3Ek

  19. pyrrhussieg sagt:

    Ist die Aktion keine Provokation? Und ist der eigene Wille, sich ebenfalls zeichnerisch zu beteiligen, dann nicht ebenfalls eine Provokation? Die restliche Kirmes auf YouTube interessiert mich dabei gar nicht. Lineare Videos setzen schließlich immer den Willen zur freiwilligen Fügung der Didaktik voraus… 🙂

  20. Muriel sagt:

    @pyrrhussieg: Okay. Anscheinend bin ich bei dem Versuch, meine Ansichten zum Draw-Mohammed-Day zu schildern, weitgehend gescheitert. Ich versuch’s noch mal ohne störende Randbemerkungen und verwirrende Abschweifen:
    Das Konzept, Meinungsfreiheit gegen die Schutzansprüche organisierter Religion nachdrücklich zu verteidigen, ist mir sehr sympathisch. Aufgrund der beleidigenden Tendenz der und dem stupiden Antiislamismus vieler Beiträge möchte ich mich aber nicht am Draw-Mohammed-Day beteiligen, zumal die ganze Aktion mir ein bisschen zu pathetisch daherkommt.

    Und um auch wirklich jedes Missverstäündnis auszuschließen noch einmal in simplen Hauptsätzen: Ich wollte mich nicht an der Aktion beteiligen. Ich habe mich deshalb auch nicht an der Aktion beteiligt. Deshalb verstehe ich deine Fragen nicht.

  21. Maxi sagt:

    Nachdem ich mich durch die gefühlten 1.000 Kommentare beim Ursprungsartikel sowie die hier teilweise weitergeführte Diskussion durchgeackert habe, möchte ich auch mein Statement abgeben.
    Die Argumentation müsste beim Ursprung, also der Aussage des Eisverkäufers anknüpfen:
    1. Hat der Eisverkäufer sich nur unklar ausgedrückt und er meinte, dass es sich im (europäischen) Geschäftsgebaren so gehört, dass man sich von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht, wenn ein Geschäft abgeschlossen werden soll? Dann hat die burkatragende Frau sich lediglich „unhöflich benommen“ und der Eisverkäufer hätte sie darüber aufklären und trotzdem bedienen können. Das wäre konsequent. Mit seiner Reaktion hat er sich aber in meinen Augen auch unhöflich benommen, indem er sie mit seine Aussage abspeist und sich weigert, ein Eis aus Gründen der „Unhöflichkeit“ zu verkaufen. Ist das sein Recht? Ja. Ist das moralisch zu vertreten? Nein.

    2.) Hat der Eisverkäufer sich nur unklar ausgedrückt und er meinte, dass er aus seiner persönlichen Einstellung die Religion, die die burkatragende Frau vertritt, nicht unterstütz bzw. öffentlich ablehnt und nicht toleriert. Dann hätte er das in seiner Aussage bekräftigen oder erörtern sollen. Darf der Eisverkäufer aufgrund seiner persönlichen Meinung das Eis nicht verkaufen? Nein. Hat er das Recht auf diese Einstellung und Meinung? Ja, da es seine persönliche Meinung ist.

    Und um den Kreis zu schließen, will ich den Titel der (Ursprungs)Diskussion aufgreifen. Rassismus, Intoleranz, Diskriminierung? In meinen Augen hat sich der Eisverkäufer diesen Vorwürfen „schuldig“ gemacht.

  22. Muriel sagt:

    @Maxi: So ungefähr sehe ich das eigentlich auch. Nur den Rassismusvorwurf müsste ich infrage stellen, wenn ich ein bisschen kleinlich bin. Burkatragen oder Muslimin sein ist ja keine Rasse.

  23. Maxi sagt:

    stimmt, da war ich etwas zu voreilig…

  24. Muriel sagt:

    @Maxi: Wow, du stimmst einfach so zu? Du hättest mal sehen sollen, was das drüben bei B.L.O.G. für ein Akt war, das zu klären… (Die sind aber auch manchmal wirklich anstrengend da.)

  25. […] sein Handeln verwerflich ist. Das heißt nur, dass er hätte abwägen müssen. (Die Parallele zum Draw Mohammed Day drängt sich geradezu auf.) Denn dem Risiko gewalttätiger Proteste steht der Einsatz für die […]

  26. […] wenn ihr hier schon länger mitlest, wisst ihr, dass ich schon beim Titel direkt ins Essen brechen wollte. Und der […]

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