That’s what she said!

„Humor – bierernst“ hat Guinan sich gewünscht, und weil sie mein Preisrätsel als erste gelöst hat, wird der Wunsch erfüllt. Wehe, einer beklagt sich, dass das hier nicht lustig ist. Das muss so.

Humor heißt so viel wie Saft oder Feuchtigkeit, weil man in der Antike dachte, dass unsere Körperflüssigkeiten für unsere Stimmung zuständig sind. Die Verbindung zum Bier liegt also denkbar nahe. Aber dazu später mehr.

Trotz seiner besonderen Bedeutung für das menschliche Wohlbefinden, Zusammenleben und (nach irriger Auffassung mancher dieser Leute, die unbedingt irgendwelche klaren Abgrenzungen zwischen Menschen und Tieren brauchen, um sich zivilisiert zu benehmen) der Abgrenzung von humorlosen Rindviechern existiert bis heute keine umfassende Theorie des Humors. Überhaupt ist der Forschungszweig auf beklagenswerte Weise unterfinanziert und vernachlässigt, was so bedauerliche Fehlentwicklungen wie Cindy aus Marzahn und Mario Barth ermöglicht hat. Obwohl es also an einer gesicherten Erklärung für das Phänomen Humor fehlt, möchte ich mich heute genau daran versuchen.

Humor entsteht in aller Regel aus der Distanz zwischen Erwartetem und Tatsächlichem, aus einem überraschenden Ausbrechen aus der Konvention, einem Verstoß gegen die Regeln. Wie so ziemlich alles ist Humor auch eine Frage des richtigen Maßes. Ist die Distanz zu gering (Moishe kommt eines Abends nach Hause und erwischt dort seinen Freund Jakob in flagrante delicto im Bett mit seiner Frau. „Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Das hätte ich nie von dir gedacht!“), entsteht kein Humor. Ist sie zu groß („Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Pluto ist kein Planet mehr!“), genauso wenig. Nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite kann die Abweichung vom Erwarteten lustig sein. (Moishe kommt eines Abends nach Hause und erwischt dort seinen Freund Jakob in flagrante delicto im Bett mit seiner Frau. „Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Was hast du dir nur gedacht? Ich habe ja keine Wahl, aber du?“)

Man beachte in diesem Beispiel auch, dass die humorvolle Wirkung eines Witzes einerseits durch Unerwartetes entsteht – Moishe ist nicht erzürnt darüber, dass seine Frau ihn betrügt -, sondern auch durch das Spiel mit verbreiteten Klischees – Paare haben in der Ehe keine Freude mehr am Sex und finden einander nicht mehr attraktiv. Wie zum Beispiel auch in der Musik gehört im Humor zum Spiel mit den Erwartungen auch die Freude des Empfängers am Wiedererkennen vertrauter Muster. Insbesondere in Witzen auf Basis von Vorurteilen beruht der Humor sehr stark auf diesem Prinzip  (Wie viele heterosexuelle Kölner braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Beide!).

Humor kann sehr schnell entstehen („Geht ein Zyklop zum Augearzt.“), er kann aber auch auf einer längeren Geschichte basieren, die auf eine Pointe hinleitet. („Ein Spaziergänger auf dem Land entdeckt auf einer Streuobstwiese einen Bauern, der ein junges Hausschwein in einen der Bäume hält, damit es die Äpfel erreichen kann. Während das Tier Frucht um Frucht fröhlich grunzend und schmatzend vertilgt, beobachtet der Spaziergänger verunsichert den merkwürdigen Vorgang, bis er sich schließlich dazu durchringt, den Bauern anzusprechen.
„He, Sie da, entschuldigen Sie bitte!“ ruft er.
„Was gibt’s?“ antwortet der Bauer.
„Warum halten Sie denn das Schwein in den Baum?“
„Na, warum wohl?“ fragt der Bauer. „Damit es die Äpfel fressen kann!“
„Könnten Sie die nicht auch einfach runterschütteln? Das würde doch gewaltig Zeit sparen!“
Der Bauer zuckt die Schultern, schürzt versonnen die Lippen und fragt: „Was bedeutet einem Schwein schon Zeit?“)
In beiden Fällen ist allerdings der wirklich humorvolle Teil nur ein kurzer Moment. Der darauf hinleitende Teil der Geschichte ist für sich betrachtet nicht komisch. Das lässt den schon aus der oben geschilderten Grundannahme, dass die Komik aus der Differenz zwischen Erwartung und Ereignis entsteht, naheliegenden Schluss zu, dass Humor im Moment entsteht, nicht über einen längeren Zeitraum.

Selbstverständlich kann Humor nicht nur auf Sprache basieren. Er kann auch Bilder einbeziehen.
demotivational posters
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Auch die wenigen hier dargestellten Grundprinzipien sind keinesfalls als feste Regeln zu verstehen. Wie bereits dargestellt, existiert keine umfassende Humortheorie. Humor kann auch außerhalb der genannten Bedinungen entstehen, beispielsweise durch völligen Unsinn („Sitzt ein Ufo im Baum und strickt; kommt ein Bär vorbei und fragt: Bist du dafür nicht viel zu klein? Sagt das Ufo: Was, schon so spät?“) oder der Freude über Schaden, der anderen entsteht.
demotivational posters

Letzteres ist mutmaßlich durch die Erleichterung zu erklären, nicht selbst den Schaden erlitten zu haben. Hiermit eng verwandt ist Humor, der schlicht auf der Demütigung anderer basiert. Insbesondere diese Form wird häufig als niveaulos und als Zeichen niederen Charakters empfunden. Auf ein Beispiel wird hier deshalb verzichtet.

Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet weiterführende Informationen natürlich bei Wikipedia.

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10 Responses to That’s what she said!

  1. Andi sagt:

    Also, ich hab gelacht. Ich weiß nicht, ob dein „Experiment“ jetzt fehlgeschlagen ist, aber es ist durchaus nett gemeint gewesen, dass ich hier gelacht habe.
    Aber hast du nicht Wortspiele vergessen? Sowas wie „Wo wohnt die Katze? – Im Miezhaus.“
    Und ich finde, man muss auch mal den Mut haben zu ganz schlechten Witzen.
    Wie sagte Harald Schmidt einst so schön? „Ich hab gar keinen Humor.“

  2. Guinan sagt:

    Danke. Sehr schön umgesetzt. Aber wo ist denn jetzt bitte das oben angekündigte weitere Bier?

  3. Manuel sagt:

    Nicht schlecht! Vor allem die Pointe: „Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet weiterführende Informationen natürlich bei Wikipedia.“

  4. Tim sagt:

    Ausgezeichneter Artikel, den letzten Satz fand ich ebenfalls klasse! Besonders schön finde ich übrigens Witze über Witze. Mein Lieblingsbeispiel:

    Ein englischer Blogger, ein deutscher Blogger und ein jüdischer Blogger kommen in eine Bar. Fragt der Barkeeper: Was soll denn das werden, ein Witz?

  5. Muriel sagt:

    @Andi: Danke, der mit dem Miezhaus war gut.
    @Guinan: Ähm… Ich wollte nur mal schauen, ob ihr auch aufpasst.
    @Manuel, Tim: Ähm… Danke.

  6. rebhuhn sagt:

    @Manuel, Tim, Muriel
    pointe? wikipedia? … muß man wahrscheinlich nicht verstehen.

  7. Manuel sagt:

    Wenn man es erklären muss, ist es nicht mehr witzig.

  8. Muriel sagt:

    @rebhuhn: Mach dir keine Sorgen: Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es verstehe, ich hatte bloß nicht den Mumm, um eine Erklärung zu bitten.

  9. Manuel sagt:

    ACh so, du meintest den Satz ernst?

  10. Muriel sagt:

    @Manuel: Nein. Aber ich hatte ihn mir jedenfalls nicht als krönende Pointe gedacht und finde ihn bestenfalls so mittel lustig. Habe mich im Nachhinein auch schon ein paar Mal in den Fuß gebissen, dass ich nicht auf was Besseres verlinkt habe.

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