Restebloggen zum Wochenende (40)

23. Mai 2010
  1. Wenn Frauen in dieses Alter kommen, in dem sie, ohne sich total lächerlich zu machen, Ringe tragen können, die gefühlt ungefähr so groß sind wie ihre ganze Hand, müssten sie diese Ringe dann nicht trotzdem total blöd finden, weil die sie doch permanent daran erinnern, wie alt sie sind?
  2. Ich hatte immer Angst, dass ich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vielleicht nur aufgrund tumber Vorurteile nicht leiden kann. Ich habe mich oft gefragt, ob es vielleicht nur an ihrem albernen Nachnamen liegt, und daran, dass sie damals im Bundestag PR-wirksam geweint hat. Insofern empfand ich diesen Beitrag von ihr als sehr erfreulich, weil er mir gezeigt hat, dass die Frau wirklich weder meinen ethischen noch meinen fachlichen Anforderungen an eine Ministerin oder auch nur ein MdB genügt.
    „Wenn Investoren davon profitieren, dass sie Wetten auf das Risiko der Zahlungsunfähigkeit finanzschwacher Euro-Länder abschließen, wird das ethische Fundament der Sozialen Marktwirtschaft in Frage gestellt.“
    Nein, Frau Leutheusser-Schnarrenberger, für so dumm halte nicht einmal ich Sie. Zur Äußerung dieser These gehört auch noch die niederträchtige Absicht, aus der unterstellten Ahnungslosigkeit seiner Wähler politisches Kapital zu schlagen.
  3. Welchen Sinn hat Werbung auf Papierhandtüchern in den Waschräumen von Restaurants? Man zieht die Dinger mit nassen Fingern daraus, und erstens ist die Schrift deshalb auf Anhieb unleserlich, weil sie sich ihrem Zweck entsprechend sofort vollsaugen, und zweitens zerknüllt und zerfleddert man sie dann sofort, und spätestens dann ist jede Chance vorbei, noch etwas von der Botschaft wahrzunehmen. Sogar wenn mein Interesse soweit gereicht hätte, ein weiteres Tuch aus dem Spender zu ziehen, nachdem meine Hände trocken waren, hätte darauf wieder eine andere Werbung gestanden.
  4. Hat jemand vergessen, wer der Feind ist? Fox News ist der Feind.
  5. Herr Stefanowitsch vom Sprachlog mag das iPad auch nicht. Guter Mann!
    „Um das iPad sinnvoll einzusetzen, muss ich immer mein MacBook Pro dabeihaben. Damit das iPad dann aber im Prinzip nicht viel mehr als ein fünfhundert Euro teurer externer Monitor.“
  6. Gestern im Kino Prince of Persia gesehen. Liebe Kinder: Bitte, bitte, bitte nicht nachmachen!
  7. I’ve had it. Ich weiß nicht, warum dieses Demotivational sich nicht einbinden lässt, aber ich kann’s nicht ändern…

That’s what she said!

22. Mai 2010

„Humor – bierernst“ hat Guinan sich gewünscht, und weil sie mein Preisrätsel als erste gelöst hat, wird der Wunsch erfüllt. Wehe, einer beklagt sich, dass das hier nicht lustig ist. Das muss so.

Humor heißt so viel wie Saft oder Feuchtigkeit, weil man in der Antike dachte, dass unsere Körperflüssigkeiten für unsere Stimmung zuständig sind. Die Verbindung zum Bier liegt also denkbar nahe. Aber dazu später mehr.

Trotz seiner besonderen Bedeutung für das menschliche Wohlbefinden, Zusammenleben und (nach irriger Auffassung mancher dieser Leute, die unbedingt irgendwelche klaren Abgrenzungen zwischen Menschen und Tieren brauchen, um sich zivilisiert zu benehmen) der Abgrenzung von humorlosen Rindviechern existiert bis heute keine umfassende Theorie des Humors. Überhaupt ist der Forschungszweig auf beklagenswerte Weise unterfinanziert und vernachlässigt, was so bedauerliche Fehlentwicklungen wie Cindy aus Marzahn und Mario Barth ermöglicht hat. Obwohl es also an einer gesicherten Erklärung für das Phänomen Humor fehlt, möchte ich mich heute genau daran versuchen.

Humor entsteht in aller Regel aus der Distanz zwischen Erwartetem und Tatsächlichem, aus einem überraschenden Ausbrechen aus der Konvention, einem Verstoß gegen die Regeln. Wie so ziemlich alles ist Humor auch eine Frage des richtigen Maßes. Ist die Distanz zu gering (Moishe kommt eines Abends nach Hause und erwischt dort seinen Freund Jakob in flagrante delicto im Bett mit seiner Frau. „Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Das hätte ich nie von dir gedacht!“), entsteht kein Humor. Ist sie zu groß („Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Pluto ist kein Planet mehr!“), genauso wenig. Nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite kann die Abweichung vom Erwarteten lustig sein. (Moishe kommt eines Abends nach Hause und erwischt dort seinen Freund Jakob in flagrante delicto im Bett mit seiner Frau. „Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Was hast du dir nur gedacht? Ich habe ja keine Wahl, aber du?“)

Man beachte in diesem Beispiel auch, dass die humorvolle Wirkung eines Witzes einerseits durch Unerwartetes entsteht – Moishe ist nicht erzürnt darüber, dass seine Frau ihn betrügt -, sondern auch durch das Spiel mit verbreiteten Klischees – Paare haben in der Ehe keine Freude mehr am Sex und finden einander nicht mehr attraktiv. Wie zum Beispiel auch in der Musik gehört im Humor zum Spiel mit den Erwartungen auch die Freude des Empfängers am Wiedererkennen vertrauter Muster. Insbesondere in Witzen auf Basis von Vorurteilen beruht der Humor sehr stark auf diesem Prinzip  (Wie viele heterosexuelle Kölner braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Beide!).

Humor kann sehr schnell entstehen („Geht ein Zyklop zum Augearzt.“), er kann aber auch auf einer längeren Geschichte basieren, die auf eine Pointe hinleitet. („Ein Spaziergänger auf dem Land entdeckt auf einer Streuobstwiese einen Bauern, der ein junges Hausschwein in einen der Bäume hält, damit es die Äpfel erreichen kann. Während das Tier Frucht um Frucht fröhlich grunzend und schmatzend vertilgt, beobachtet der Spaziergänger verunsichert den merkwürdigen Vorgang, bis er sich schließlich dazu durchringt, den Bauern anzusprechen.
„He, Sie da, entschuldigen Sie bitte!“ ruft er.
„Was gibt’s?“ antwortet der Bauer.
„Warum halten Sie denn das Schwein in den Baum?“
„Na, warum wohl?“ fragt der Bauer. „Damit es die Äpfel fressen kann!“
„Könnten Sie die nicht auch einfach runterschütteln? Das würde doch gewaltig Zeit sparen!“
Der Bauer zuckt die Schultern, schürzt versonnen die Lippen und fragt: „Was bedeutet einem Schwein schon Zeit?“)
In beiden Fällen ist allerdings der wirklich humorvolle Teil nur ein kurzer Moment. Der darauf hinleitende Teil der Geschichte ist für sich betrachtet nicht komisch. Das lässt den schon aus der oben geschilderten Grundannahme, dass die Komik aus der Differenz zwischen Erwartung und Ereignis entsteht, naheliegenden Schluss zu, dass Humor im Moment entsteht, nicht über einen längeren Zeitraum.

Selbstverständlich kann Humor nicht nur auf Sprache basieren. Er kann auch Bilder einbeziehen.
demotivational posters
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Auch die wenigen hier dargestellten Grundprinzipien sind keinesfalls als feste Regeln zu verstehen. Wie bereits dargestellt, existiert keine umfassende Humortheorie. Humor kann auch außerhalb der genannten Bedinungen entstehen, beispielsweise durch völligen Unsinn („Sitzt ein Ufo im Baum und strickt; kommt ein Bär vorbei und fragt: Bist du dafür nicht viel zu klein? Sagt das Ufo: Was, schon so spät?“) oder der Freude über Schaden, der anderen entsteht.
demotivational posters

Letzteres ist mutmaßlich durch die Erleichterung zu erklären, nicht selbst den Schaden erlitten zu haben. Hiermit eng verwandt ist Humor, der schlicht auf der Demütigung anderer basiert. Insbesondere diese Form wird häufig als niveaulos und als Zeichen niederen Charakters empfunden. Auf ein Beispiel wird hier deshalb verzichtet.

Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet weiterführende Informationen natürlich bei Wikipedia.


Go Mo

20. Mai 2010

Heute ist Draw-Mohammed-Day, also der Tag, an dem wir alle aufgerufen sind, ein Bild des islamischen Propheten Mohammed zu zeichnen und öffentlich zu zeigen, um so gegen islamische Extremisten zu protestieren, die Leute bedrohen, die Mohammed zeichnen. Es geht um die Freiheit, seine Meinung zu sagen, und das ist erst einmal eine gute Sache. Aus meiner Sicht ein Idealbeispiel dafür, wie die Zelebrierung dieses Tages aussehen kann, zeigt der zuverlässig fantastische YouTuber AronRa:

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Demotivation

19. Mai 2010

Eigentlich gibt es ja wirklich schon genug Demotivationsposter im Web. Deswegen sehe ich auch nicht so richtig ein, warum ich noch mehr davon machen soll. Interessiert doch eh keinen. Und lustig sind die Dinger auch nicht. Sinnlos, langweilig, ausgelutscht. Und trotzdem. Bleibt wieder alles an mir hängen. Naja, wenigstens geht es schnell, wenn ich mir nicht so viel Mühe gebe.

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Menschenähnlich (19)

18. Mai 2010

Vielleicht ist es die deinspirierende Kraft der überwältigenden Mittelmäßigkeit von Twilight – obwohl ich noch nicht weit gekommen bin und bisher sagen muss, dass es rein handwerklich ganz in Ordnung zu sein scheint, das hatte ich aber auch so erwartet -, vielleicht auch was ganz anderes, aber das heutige Kapitel unseres Fortsetzungsromans „Menschenähnlich“ ist ein bisschen kürzer geraten als sonst, und ich bin mir der Sache auch ansonsten nicht ganz sicher. Lasst mich bitte wissen, was ihr so davon haltet.

Viel Spaß!

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Miriam Meckel nimmt faz.net nicht ernst.

16. Mai 2010

Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass sie es nicht für nötig hält, mal ein bisschen nachzudenken, bevor sie da was reinschreibt.

Ihr neuester Artikel beginnt damit, dass sie bei Facebook eine Geburtstagstorte sieht, die sie mögen möchte. Sie klickt also auf „like“ und ist sofort hoch erfreut, einen angemessen dämlichen Einstieg in ihren nächsten faz.net-Artikel gefunden zu haben völlig verunsichert und entsetzt, als sie feststellt, dass diese Funktion auf die Torte nicht anwendbar ist.

Das Mögen ist ein Ausdruck menschlichen Ermessens, und ich muss solche Zuneigung zum Ausdruck bringen können, um sie zum Thema für eine sozial anschlussfähige Kommunikation zu machen. Wenn ich mir aber durch eine Maschine und ihren Algorithmus vorschreiben lassen muss, was ich mögen darf, ob und wie ich diese Neigung zum Ausdruck bringen darf, ist mein Ermessensspielraum beschränkt.

Im weiteren Verlauf ihres Artikels geht sie dazu über, allgemeiner darüber zu schreiben, wie wichtig Zufall und Unberechenbarkeit für die Weiterentwicklung einzelner Menschen und der ganzen Menschheit ist, und dass Computer nie zufällig und immer berechenbar sind. Und deswegen schädlich für unsere Entwicklung. Okay…

Ich könnte das für Satire halten, aber dafür habe ich schon zu viel von Frau Meckel gelesen. Direkt nach dem Lesen habe ich mich gefragt, ob es vielleicht der dümmste Anti-Internet-Beitrag aller Zeiten ist, aber ich fürchte, das Dummheitsfass der Fundamentalkritiker des Internets hat keinen Boden.

Nur für den Fall, dass jemand jetzt gerade von faz.net hier herüberkommt und noch ganz aufgebracht und in Angst um unsere Zukunft schon mit dem Gedanken spielt, seinen PC sofort aus dem Fenster zu werfen, möchte ich ganz kurz auf zwei Denkfehler eingehen, die so evident sind, dass ich mich eigentlich wundere, dass Frau Meckels Rechtschreibprüfung sie nicht automatisch darauf hingewiesen hat:

  1. Es ist nicht eine Maschine, die Ihnen vorschreibt, was Sie mögen dürfen. Es sind die Menschen, die Facebook programmieren. Ihre Idee, dass unsere Freiheit durch Computer eingeschränkt wird, ist manifest unfug, wenn man sich nur kurz mal bewusst macht, dass die Computer bis auf Weiteres noch von Menschen bedient werden.
  2. Computer funktionieren tatsächlich zwar tatsächlich deterministisch – aber wissen Sie was, Frau Meckel? Da sind sie kein bisschen anders als das menschliche Gehirn. Sogar Ihres. Auch wenn das schwer vorstellbar scheint.

Restebloggen zum Wochenende (39)

15. Mai 2010
  1. Sind die Spammer in letzter Zeit aktiver geworden, oder lustiger, oder kommt mir beides nur so vor? Habe mich diese Woche wieder sehr amüsiert:“Thanks for the welcome ueberschaubarerelevanz.wordpress.com What’s up body! Yea yea, good stuff bro! ueberschaubarerelevanz.wordpress.com Chill! I have an information on the the is well! and viagra shop – qaju – 28317 viagra for woman information 5771 – tk viagra for woman information Bye
    Yo, boyakasha! Chill.

    Hi`s Dears! 🙂
    The best production in the world
    Buy Please!
    If you will not like our production, we will return you money in 20 multiple size.
    IN ADVANCE MANY THANKS! 🙂

    Wie muss ich mir das vorstellen? Ich bekomme mein Geld in 20 vielfachen Größen zurück? Also in ganz vielen verschiedenen Münzen und Scheinen? Oder was?

    Hi Everyone!
    Marck here…
    I was reading this board for about 2 months and i’ve,finally, decided to register because time is come to give something back to the board…
    Regard!!!

    Ich würde gerne mal jemanden kennenlernen, der diese Nachrichten schreibt. Einfach, um zu fragen, welches System dahinter steckt.

  2. Ich bin zurzeit ein bisschen unentschlossen, was ich als nächstes aus meinem Audible-Abo auswählen soll und hatte gerade den leicht masochistischen Gedanken, mal einen Twilight-Roman downzuloaden, um euch dann hier mit einer ausführlichen Kritik zu beglücken. Interesse, irgendjemand?
  3. Ein wunderlicher alter Mann hat in einem unbedeutenden Ort eine wirre Rede gehalten. Vielleicht könnte man das auch ganz ignorieren, aber eine Bemerkung kann ich doch nicht für mich behalten: Ja, Herr Ratzinger, Sie haben Recht: Es gibt Katholiken, die sich für ihren Glauben schämen, dass Homosexuelle keine Gleichberechtigung verdienen und Abtreibung Mord Sünde [Korrektur 15. Mai 19:22 auf Hinweis von Rayson. Danke!] ist. Aber viel zu wenige.
  4. Ist euch schon mal aufgefallen, dass die meisten Supermärkte total schwachsinnig aufgebaut sind? Es geht hinter dem Eingang los mit Obst und Gemüse, womit gewährleistet ist, dass die empfindlichen Tomaten, Mangos und Bananen den ganzen Einkauf über ganz unten im Korb liegen und von Apfelmusgläsern, Milchkartons und Waschmittelflaschen gequetscht werden. Irgendwo mittendrin sind die Tiefkühlsachen, damit die auch schön lange Zeit haben, aufzutauen, bis man es zur Kasse geschafft hat, und der Kram, bei dem Zeit und Quetschungen wirklich keine Rolle spielen, wie Zeitschriften, Socken oder Taschentücher, die sind kurz vor der Kasse. Hat da mal jemand drüber nachgedacht?
  5. Natürlich hat Rüttgers es verdient, abgewählt zu werden. Und ich verstehe auch die SPD-Leute, die sich über ihren, ähem, Sieg freuen (0,1 Prozentpunkte mehr sind immer noch mehr. Nah dran zählt nur bei Hufeisen und Granaten.) und sich ärgern, dass alles so kompliziert ist. Trotzdem ist es albern, jetzt von der FDP zu erwarten, dass sie aus lauter Verantwortungsbewusstsein um jeden Preis mit der SPD koaliert. Rayson von B.L.O.G. sagt:
    „Aber wo wir schon bei dieser seltsamen „Verantwortungs“-Logik sind: Seltsamerweise wird eine ähnliche Forderung an die „Grünen“ nicht herangetragen. Was im Grunde erstaunen muss, könnten sie mit einer Zustimmung zu einer „Jamaika-Koalition“ doch dafür sorgen, dass die Partei mit den meisten Wählerstimmen auch den Ministerpräsidenten stellt.“