Give war a chance

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=war&iid=7301784″ src=“http://view1.picapp.com/pictures.photo/image/7301784/050419-5313a-414-the-rotor/050419-5313a-414-the-rotor.jpg?size=500&imageId=7301784″ width=“380″ height=“532″ /]

Heute möchte ich mit euch mal über Krieg nachdenken. Habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht. Im Einzelfall bin ich mir selbst nicht sicher, wo ich da stehe. Afghanistan, Kosovo, Irak, Frankreich, ich weiß einfach nicht genug über diese Länder und ihre Umstände, um fundiert darüber entscheiden zu können, ob es richtig war, dort militärisch einzugreifen, oder ob man es besser mit anderen Instrumenten versucht hätte.

Aber ich weiß, dass ich kein Pazifist bin. Ich halte Pazifismus für eine nicht ganz unsympathische, aber letzten Endes doch ausgesprochen unmoralische Einstellung. Ich glaube, dass jeder Mensch grundsätzlich eine Verpflichtung hat, anderen Menschen zu helfen, wenn er es mit vertretbarem Aufwand kann. Wenn ich nachts durch eine Stadt laufe und in einer dunklen Gasse sehe, wie jemand überfallen wird, fühle ich mich verpflichtet, ihm beizustehen. Es ist in so einer Situation nicht immer die beste Entscheidung, selbst einzugreifen. Der Täter könnte bewaffnet sein, und ich bin – für viele von euch vielleicht eine Überraschung – nicht Batman. Das sind gute Gründe, nicht selbst einzugreifen, sondern Hilfe zu rufen. Wer es aber prinzipiell für falsch hält, einen anderen Menschen vor einem Angreifer zu schützen, wenn dafür der Einsatz von Gewalt erforderlich wäre, dessen Moral ist in meinen Augen in dieser Hinsicht sehr, sehr zweifelhaft. Und genau das ist Pazifismus: Die prinzipielle Ablehnung jeglicher Gewalt, zumindest zwischen Staaten.

Und ich finde durchaus, dass die Situation zwischen Völkern und Staaten vergleichbar ist. Saddam Hussein war meines Wissens ein Diktator, dessen Volk in ständiger Furcht vor seiner Geheimpolizei und willkürlichen Gewaltakten lebte. Auch die Taliban hatten in Afghanistan ein Regime auf der Basis von Terror, Gewalt und Mord errichtet. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob die USA den richtigen Weg gewählt haben, dieses Problem zu beheben. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob das Resultat den Aufwand und die Anzahl der gefallenen Soldaten rechtfertig. Man meines Erachtens in beiden Fällen nicht darüber streiten, dass es moralisch richtig war, etwas dagegen zu unternehmen. Und wer ernsthaft glaubt, dass das ohne Gewalt möglich gewesen wäre, der muss eine sonderbare Vorstellung von der Offenheit fanatischer totalitärer Regime für freundliches Zureden haben.

Ich habe auch noch kein überzeugendes Argument gehört, das prinzipiell gegen solche Einsätze spräche. Noch mal: Wie genau man dabei im Einzelfall vorgeht, ist eine andere Frage. Gerade im Irak ist ohne Zweifel vieles falsch gelaufen, und der Vorwand für den Angriff war natürlich schlicht gelogen. Aber „Was geht uns Afghanistan an?“ oder „Unsere Soldaten sterben da drüben, weil die ihr Land nicht in den Griff kriegen!“ sind keine moralischen Argumente.Vielleicht kennt ihr bessere; sie würden mich interessieren.

Es ist verständlich, die Leben von Menschen, die einem nahe stehen, höher zu bewerten als die von Fremden. Aber wer ernsthaft findet, dass die Leben deutscher Soldaten grundsätzlich mehr wert sind als die Leben von Afghanen, der hat etwas ganz Entscheidendes nicht verstanden.

Krieg ist eine fürchterliche Sache. Im Krieg sterben und leiden Menschen. Soldaten, Zivilisten, Kinder, Frauen, Männer, und übrigens auch Tiere. Ich finde, dass wir trotzdem nicht die Augen vor der Tatsache verschließen dürfen, dass militärische Gewalt manchmal der beste oder sogar der einzige Weg sein kann, die Abscheulichkeiten, die Menschen anderen Menschen antun, zu verhindern.

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7 Responses to Give war a chance

  1. Tim sagt:

    Die Frage lautet doch letztlich: Darf man Unschuldige töten, um andere Unschuldige zu retten oder zu befreien? Ich meine, ganz klar nein. Andererseits hätte man sich so manches Problem sparen können, wenn die Alliierten 1937 einen Präventivkrieg gegen Deutschland geführt hätten usw.

    Ich bin jedenfalls sehr froh, daß ich nicht in der Situation bin, Entscheidungen pro oder contra Krieg treffen zu müssen …

  2. Günther sagt:

    Ich würde mich jetzt auch nicht als Pazifisten bezeichnen, und ich bin gerade was Afghanistan angeht auf jeden Fall davon überzeugt, dass man jetzt nicht Hals über Kopf die Bundeswehr usw. von dort abziehen sollte, weil das für die Menschen dort das Allerschlimmste wäre.
    Und man könnte deiner Argumentation jetzt noch entgegenhalten, wie schwer es ist, durch einen militärischen Einsatz ein stabiles, gerechtes, demokratisches System aufzubauen (hat das überhaupt schon mal irgendwo funktioniert?).

    Aber du übersiehst meiner Meinung nach einen ganz entscheidenden Punkt: Welcher dieser Kriege wurde denn wirklich angefangen, um die Menschen von ihren bösen Diktatoren zu befreien? In Afghanistan hat man in erster Linie versucht, einen Schlag gegen den internationalen Terrorismus zu landen – dass dabei noch ein übles islamistisches Regime gestürzt wurde war eher eine Randnotiz. Noch eklatanter war die Sache im Irak. Da hat man versucht, mit zusammengebastelten Beweisen ein Bedrohungsszenario zu konstruieren, dass mehr schlecht als recht einen Präventivkrieg rechtfertigen sollte. Was der ware Grund für den Krieg war ist ja nach wie vor rätselhaft. Aber es ist nicht so, dass Bush eines schönen Morgens gut gelaunt aufgewacht ist und sich überlegt hat, in seiner grenzenlosen Güte die unterdrückten Bürger eines beliebigen Landes der Welt von ihren Peinigern zu befreien. Und das ist doch genau der Punkt – wenn man so einen Krieg nicht anfängt in der öffentlich geäußerten Absicht, das Leben der in dem Land lebenden Menschen zu verbessern, dann kann man dieses humanitäre Argument auch nicht nachher einsetzen, um den Krieg zu rechtfertigen.

  3. Ron sagt:

    Zum Einen möchte ich dem Argument von Günther zustimmen: die allermeisten Kriege werden aus wirtschaftlichen Interessen geführt und nicht aus humanitärer Absicht. Daher kann diese dann nicht als Rechtfertigung dienen.

    Zum Anderen muss man sich auch immer Fragen, was denn dem jeweiligen Land und den Menschen NACH dem Krieg bleibt. Was bleibt im Irak? Was bleibt in Afghanistan? Pseudodemokratische Regierungen, Armut, Hass, Gewalt. War es vorher besser? Nein. Ist es nachher besser? (Fast immer) nein. Aber „zwischendurch“ hat man einen Krieg mit vielen Toten auf allen Seiten geführt …

    Die beste Alternative dazu ist meiner Meinung nach immer, wenn die Initiative aus dem Volk kommt – ohne Eingriff oder Steuerung von Außen. Nur dann haben diese Änderungen auch eine Chance auf eine gewisse Nachhaltigkeit.

    Deswegen bin ich gegen Krieg (ohne aber Pazifist zu sein), weiß aber auch, dass dies nur eine Utopie ist und die Wirklichkeit anders aussieht.

    Zum Thema passt auch der „Bericht“ in der Daily Show: „Jetzt“ wurden in Afghanistan reiche Bodenschätze gefunden – ist ja überall zu lesen. John Stewart stellt die berechtigte Frage, warum plötzlich jetzt darüber berichtet wird, denn diese Information liegt schon seit 2007 vor. Ob es wohl damit zusammenhängen könnte, dass der Afghanistan-Krieg jetzt auch offiziell der längste Krieg der USA ist und man dies bzw. die Tatsache weiterhin im Land zu kämpfen irgendwie rechtfertigen muss? Ein Schelm wer Böses dabei denkt …

  4. ruediger sagt:

    „schlüpfriges“ Gebiet.

    Ich wage zu behaupten, dass einzelne Staaten mit ihren militärischen Möglichkeiten keinem Hilfereflex unterliegen. Es geht vielmehr um die Wahrung der eigenen Interessen (welche immer das auch sein können), die auf anderem Wege nicht mehr zu „beschützen“ sind. Es geht ums letzte Wort haben, um Macht und um die Demonstration der eigenen Möglichkeiten zum Zwecke der Einschüchterung.

    OT: Warum hat es mich nicht erstaunt, als ich letzthin im Deutschlandfunk(?) hörte, dass Afghanistan reich an Bodenschätzen sei und ‚man (hab nicht mitbekommen wer)‘ dem Land helfe wolle, diese Bodenschätze zu fördern. „Yeah right“, wo ist das Pferd damit der weiße Ritter was zum reiten hat?

    Wohingegen ich bei den Bündnissen schon eher den Willen sehen möchte, Militär auch zum helfen zu entsenden (Blauhelme, EU-Soldaten, etc.).

    Wenn in einem Land aufgrund massiver Handlungen die Bevölkerung unterdrückt ist, sehe ich keine Veranlassung dort aktiv einzuschreiten. Man kann auch anders helfen, wenn einem die Wahrung der Menschenrechte wirklich wichtig ist. Es geht um die Souveränität von Staaten und Gesellschaften, die von jedem zu akzeptieren sind.

    Krieg ist scheußlich, auch weil ein Konflikt an völlig falscher Stelle ausgetragen wird und Menschen hineingezogen werden, die mit dem eigentlichen Konflikt selten etwas zu schaffen zu haben. Doch gerade die leiden am Meisten. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er versucht Gewalt anzuwenden, wenn reden nicht mehr funktioniert, IMHO sind das die restlichen Instinkte unserer eigentlichen Abstammung.

    Würde ich in den Krieg ziehen? Diese Frage nicht fair zu stellen, denn jeder der sich bedroht fühlt oder wird, muss sich verteidigen. Würde ich in fremden Ländern kämpfen wollen? Nein. Verteidigung heißt für mich, zu wahren was ich hier habe und nicht x tausend Kilometer weiter. Ja, ich weiß um Raketen und ihre Reichweiten. Es gibt unzählige Szenarien, ich muss nicht alle erschöpfend behandeln, es geht mir ums grundsätzliche.

    m2c: Ohne Militär wäre die Welt besser und reicher. Was könnte man mit dem vielen Geld sinnvolles bewirken, anstelle immer neue effektivere Methoden zu ersinnen, „andere“ in ihre Bestandteile zu zerlegen?

    zur Person: Ich habe nicht gedient, sondern war beim BGS, als der noch nicht Bahnhofstoiletten bewachen musste und habe dort neben einer vollständigen Ausbildung zum Polizisten, auch eine para-militärische Ausbildung durchlaufen.

  5. Muriel sagt:

    OK, mit dem Widerspruch hatte ich gerechnet.
    @Tim: So sehr ich es gewohnt bin, dir zuzustimmen, ich finde nicht, dass das die Frage ist. Im Krieg sterben Unschuldige. Aber so direkt läuft die Abwägung nicht. Wenn überhaupt, lautet die Frage: Nimmt man in Kauf, dass Unbeteiligt möglicherweise dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden, dass man Unschuldigen hilft?
    Und das ist aus meiner Sicht eigentlich keine Frage, denn wenn man dieses Risiko nicht in Kauf nimmt, darf man gar nichts mehr tun.
    @alle anderen: Ja, da habt ihr vielleicht Recht. Die These

    „die allermeisten Kriege werden aus wirtschaftlichen Interessen geführt“

    hätte ich zwar eigentlich gerne belegt, bevor ich sie akzeptiere, aber ich bin bereit, sie euch zu schenken, denn: Sie spielt für meine Argumentation keine Rolle.
    Ich frage nicht, ob die Staaten, die ihr Militär nach Afghanistan oder in den Irak geschickt haben, gut und edel sind. Ich frage, ob ich diesen Einsatz befürworte oder ihn ablehne. Und ich komme zu dem Ergebnis, dass ich ihn prinzipiell befürworte, und zwar aus humanitären Gründen.
    Dass der anschließende Aufbau eines besseren Systems schwierig ist, ist wieder eine andere Frage. Ich habe allerdings – auf der Basis von sicherlich eher unvollständigen Informationen – bisher den Eindruck, dass die jetzigen System in unseren Beispielstaaten Irak und Afghanistan zumindest einen leichten Fortschritt gegenüber den Vorgängerregimen darstellen. Wie sich das langfristig entwickelt, werden wir alle sehen. Aber „Die kriegen das doch eh nicht besser hin“ ist für mich auch kein Grund, untätig danebenzustehen, während Menschen verfolgt und ermordet werden.
    Natürlich wäre die Welt ganz ohne Militär besser. Aber eine Welt, in der nur Nordkorea, der Iran und meinetwegen Russland noch Militär haben, während alle anderen ihre Waffen niederlegen, mag ich mir doch lieber nicht vorstellen.

  6. fragmentjunkie sagt:

    Ich fände es gut, wenn man diesen Einsatz dann aber auch konsequent zu Ende denkt. Und das würde bedeuten, dass man Oberst Klein des Todschlags anklagt.
    Dass dies nicht geschieht, führt dazu, dass man Moral mit zweierlei Maßen misst und somit kann die moralische Begründung nicht beansprucht werden, um anderen Menschen zu helfen.
    Prinzipiell ist es schwierig eine moralische Rechtfertigung für die genannten Einsätze zu finden, da diese Moral ein Fantasiegebilde ist, das nach Belieben umgebaut wird.
    Entscheidend sind rechtliche, vertragliche und außenpolitische Aspekte, weswegen man diese Kriege führt. Die Moral, die man sich zusammen dichtet, ist dann ein nettes Blendwerk. Aber das funktioniert ja ganz gut.

  7. […] Rücktritt hat sie immerhin ihren Job gekostet. Das Gejammer darüber, wie furchtbar Krieg ist, war […]

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