Restebloggen zum Wochenende (44)

  1. Astrodicticum Simplex berichtet [via Rechtslupe] über ein Urteil des OLG Stuttgart, nach dem Wahrsager keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf die vereinbarte Gegenleistung haben, weil die von ihnen versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind. Und ich bin nicht mal sicher, ob ich das gut finde. Wer zu einem Wahrsager geht, sollte wissen, dass er dort für sein Geld irgendwelchen sinnlosen Stuss erzählt bekommt. Sich hinterher dann zu beschweren, finde ich irgendwie kindisch. Andererseits behaupten Wahrsager natürlich ganz im Ernst, die Zukunft zu kennen, die Entscheidung ist also wohl im Ergebnis in Ordnung.
  2. Falls ihr mal in Köln seid und richtig gut essen wollt, kann ich das Restaurant La Vision im Hotel Wasserturm ziemlich vorbehaltlos empfehlen. Ich war gestern zum zweiten Mal da, und nicht nur das Essen ist fantastisch, der Service ist freundlich und aufmerksam, und die Atmosphäre angenehm entspannt. Unterhaltsam war außerdem der Herr am Nebentisch, der regelmäßig sehr laut und eher einsam über seine eigenen Witze lachte und zu Beginn seiner Mahlzeit quer durch den Raum nach einem Salzstreuer rief. Maggi hatte er wahrscheinlich sowieso in der Jackentasche.
  3. Ich hatte letztens in diesem Blog geschrieben, Wale seien mir egal. Das stimmt so natürlich nicht, und im Nachhinein bedaure ich diese unüberlegte Äußerung sehr. Entschuldigung.
    demotivational posters - HANDSHAKES
  4. Frau Kipping von der Linkspartei fordert die Einführung eines Einkommenskorridors, der von 1000 bis 40000 Euro pro Monat reicht. Alles darunter ist zu wenig, und alles darüber sieht sie auch nicht ein. Okay. Ich könnte mich darüber aufregen, aber glücklicherweise hat LeDru sich dazu schon geäußert.
  5. Bettler, die einfach nur da sitzen, sind Geschmackssache, Bettler, die Musik machen, finde ich vor allem lästig, aber vor dem Kölner Dom sitzt so einer, der ein Schachbrett dabei hat und gegen den man für Geld spielen kann. Er ist offenbar ein Großmeister aus Russland. Das finde ich cool. Leider bin ich kein guter Schachspieler. Nicht mal ein mäßiger.
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25 Responses to Restebloggen zum Wochenende (44)

  1. Guinan sagt:

    3. Schön, dass du das klarstellst. Ich hatte schon an meiner Meinung über dich gezweifelt 🙂
    4. So ca. 10000 netto jeden Monat, da würd ich auch nicht nein sagen. Das könnte sich auch durchaus positiv auf die heimische Wirtschaft auswirken.
    Aufregung über so einen Spruch lohnt sich aber wirklich nicht.

  2. Andi sagt:

    Wer ist denn überhaupt Frau Kipping? Muss man die kennen? War die mal bei „Hart aber fair“?
    Und wieso redet man über sie und ihren merkwürdigen Vorstoß? Ich bin ja auch der Meinung, dass eine aufgeklärte Demokratie alle paar Monate mal die ironischen fünf Minuten einer Politikerin aushalten kann.

  3. rauskucker sagt:

    3. Entschuldigung akzeptiert. Und Danke für das sehr schöne Bild.

    4. Wird dich nicht überraschen: ich finde den Vorschlag gut. Nur die Grenzen sind mir noch zu weit. Warum sollte ein Mensch 40 mal so viel bekommen wie ein anderer. Ich kann mir schon kaum vorstellen, daß jemand doppelt so viel ausgibt wie ich. Ich finde, Faktor 5 sollte ausreichen, um unterschiedliche Bedürfnisse abzudecken. Dies allerdings weltweit. Im Moment habe ich hier als Hartzler noch 10 Mal so viel wie einer in Afrika, der jeden Tag im Bergwerk schuftet und dort die billigen Rohstoffe für unseren Wohlstand ausbuddelt.

    5. Warum nennst Du einen Straßenmusiker oder einen Schachspieler „Bettler“? Ich habe Musiker gesehen, die in Osteuropa als ausgebildete Konzertmusiker hohes Ansehen hatten und sich jetzt irgendwie durchschlagen müssen. Die machen doch genau das, was die sog. Marktwirtschaft fordert: eine Ware (hier Dienstleistung) anbieten, und wer will, bezahlt dafür. Manche dieser Musiker können tatsächlich davon leben, ohne irgeneinem Sozialstaat zur Last zu fallen.

    Nennst Du Leute mit Flattr-Button auch „Bettler“?

    (Oder meintest Du solche Leute, die Hänschenklein auf der Blockflöte quäken? Die geben sich immerhin auch Mühe, zeigen doch, daß sie auch gerne etwas leisten würden – wenn sie auch sehr wenig gelernt haben. Ist vielleicht nervig, aber irgendwie auch sympathisch.)

    Zum Thema Betteln noch dies: nach meinen Beobachtungen geben Leute, die selber wenig haben, davon eher mal etwas ab.

  4. Muriel sagt:

    Andi, Guinan: Lest rauskuckers Kommentar. Wegen sowas rege ich mich auf. Aber ihr habt trotzdem Recht. Es lohnt sich nicht.
    rauskucker: 4. Glücklicherweise leben wir in einer Gesellschaft, in der es völlig egal ist, welchen Faktor du für angemessen hältst, weil niemand anderen Leuten vorschreiben darf, wie viel sie zu verdienen haben.
    5. Ich nenne sie Bettler, weil das meiner Meinung ein Begriff ist, der sie einigermaßen treffend beschreibt und den fast jeder hier sofort versteht. Er hat einen pejorativen Beiklang, ja, aber ich habe mich trotzdem dafür entscheiden, weil mir die Alternativen noch weniger gefielen. Wer Überbegriffe für große Gruppen von Menschen benutzt, muss damit leben, dass sie nicht auf jedes einzelne Individuum passen.

    Nennst Du Leute mit Flattr-Button auch „Bettler“?

    Manchmal, ja.

  5. rauskucker sagt:

    „Glücklicherweise leben wir in einer Gesellschaft,…“

    Leider leben wir in einer Gesellschaft, die sich zwar demokratisch nennt, es aber nicht ist. Die darum leider nicht fähig ist, Gier, Profitdenken und Verschwendung einzudämmen, die ihre ökologischen Grenzen ignoriert und dabei an ihren sozialen Widersprüchen zerbricht, die lieber Kriege um knappe Güter führt, als sich auf gemeinsame Ziele zu besinnen. Die es nicht mal innerhalb von kleinen staatlichen Gebilden schafft, für Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen, vom Weltmaßstab zu schweigen. Und die, wenn nicht bald sich etwas Grundlegendes ändert (z.B. eine weltweite Übereinkunft über die Verteilung der Reichtümer), an diesem Irrweg (auch „Kapitalismus“ genannt) kaputtgehen wird. Und je länger dies so weitergeht, dabei den Planeten (die Biosphäre) unrettbar und irgendwann unreparierbar mit kaputt (also für Menschen oder andere höhere Lebewesen unbewohnbar) macht.

    Frag mal die Wale, was sie dazu sagen.

    Ich denke, ich verabschiede mich damit dann mal von diesem Blog. War ganz nett, aber ich fürchte, ich rege mich dann doch zu sehr auf, wie jemand so klug sein kann und dabei so blind.

  6. Muriel sagt:

    rauskucker: Ja, unsere Gesellschaft hat viele Probleme. Aber wenn du dich ernsthaft über die These aufregst, dass diese Probleme sich nicht durch ein autoritäres Regime lösen lassen, das den Menschen die Freiheit nimmt, mit ihrem Leben und ihrem Eigentum nach eigenem Ermessen zu verfahren, und wenn du dir unter einer demokratischen Gesellschaft eine vorstellst, die sich nur an die Regeln hält, die du richtig findest, dann würdest du dich hier in Zukunft in der Tat noch oft aufregen müssen.
    Ich würde dich fragen, was für ein System du vorschlagen würdest, aber da du dich schon verabschiedet hast, hätte das wohl keine Aussicht auf Erfolg. Trotzdem: Schau mal in die menschliche Geschichte und vergleiche das Verhalten freiheitlich verfasster Staaten mit dem der anderen. Ich danke dir für deine Kommentare und freue mich, mal wieder von dir zu hören, falls du es dir irgendwann nervlich wieder zutraust. Mach’s gut.

  7. dein_föhn sagt:

    „Wer zu einem Wahrsager geht, sollte wissen, dass er dort für sein Geld irgendwelchen sinnlosen Stuss erzählt bekommt.“

    Wer würde denn mit diesem Wissen noch das Geld ausgeben? Ich befürchte, da erwartest du ein wenig zu viel. Leider.

  8. Muriel sagt:

    dein_föhn: Ich erwarte wohl wirklich zu viel, du hast Recht, aber beachte bitte, dass ich „sollte“ geschrieben habe. Ich meine das so, wie wenn jemand eine CD von Queensberry kauft und sich dann hinterher beschwert, dass ihm die Musik nicht gefällt. Er hat’s nicht besser verdient.

  9. PhillyH sagt:

    Ich mag es eher, wenn Bettler Musik machen, als wenn sie nur betteln. Wenn es dann noch gut klingt kriegen sie etwas. Ich bin immer für die Kunst, und man bekommt ja auch etwas zurück. So funktioniert eben das System. Aber nur: „Haste mal ne Mark?“ – das zieht bei mir nicht.

    p.s.: Das Bild von dem Wal und dem Taucher ist super-süß!

  10. Muriel sagt:

    PhillyH: Ist natürlich auch irgendwie Geschmackssache. Ich finde die Musik meistens nur laut und bestenfalls uninspiriert. Aber da hat wahrscheinlich jeder seine eigenen Erfahrungen.

  11. WallaceRope sagt:

    1. Moment mal – was machen denn Hans-Werner Sinn und all die anderen Apologeten der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ jetzt?

    2. „ziemlich vorbehaltlos“ heißt in diesem Fall wohl: „Es sei denn man hat keine Lust 16€ für ‚Rohmilchkäse – Auswahl von G. Waltmann mit Begleitung‘ (was, zum Geier, man sich auch immer darunter vorzustellen hat) auszugeben“

    3. Das Bild ist schon toll! (Wo findet man sowas? – Wahrscheinlich muss man nur auf die Idee kommen zu suchen… ach…)

    4. Sommerloch – was soll’s… (Allerdings gibt es sehr gute Gründe für eine Einkommensuntergrenze!)

    5. Bettler, die Musik machen, sind keine Bettler, sondern Straßenmusikanten – so präzise darf’s schon sein.

  12. Muriel sagt:

    WallaceRope: 2. Nein. Gerade dann empfehle ich ganz besonders enthusiastisch, denn wenn man darauf keine Lust hat, kann das nur daran liegen, dass man nicht weiß, was einem entgeht.
    3. Kommt drauf an, was du unter sowas verstehst. Ich persönlich mag die Bilder auf verydemotivational sehr gerne, aber ich glaube, das war das erste mit Wal.
    4. Ja, klar gibt es die. Deswegen haben wir auch seit Jahrzehnten eine.
    5. Hm. Vielleicht einigen wir uns so: Es gibt Straßenmusikanten, und es gibt Bettler, die Musik machen. Ich meinte letztere.

  13. WallaceRope sagt:

    2. Dir ist schon klar, dass 16€ für Rohmilchkäse (egal, in wessen Begleitung) ein ziemlicher Hammer sind…

    4. Echt? Ach, deshalb fordern (nahezu) alle Gewerkschaften flächendeckende Mindestlöhne, weil es eine Einkommensuntergrenze schon gibt… das ist interessant!

    5. Geeinigt.

    [Midlake – The Courage of Others]

  14. Muriel sagt:

    WallaceRope: 2. Der Käse war auch ein ziemlicher Hammer. Aber ich will hier niemandem was aufdrängen. Geschmackssache. Natürlich. Und vielleicht hast du sogar Recht, dass man zu dem Preis dann lieber ein Gericht wählt, das wirklich zubereitet wurde, wenn man vernünftig sein will.
    4. Warum die Gewerkschaften Mindestlöhne fordern, fragtst du sie am besten selbst. (Du kannst mich jetzt nicht seufzen hören, aber glaub mir bitte, dass ich es tue. Ganz laut und traurig.)
    Du wirst mir sicher nicht widersprechen, dass das ALG II (und die früheren Entsprechungen unter anderen Namen) eine Einkommensuntergrenze darstellt. Ob das gut oder schlecht oder ausreichend oder zu wenig oder zu viel ist, kann man diskutieren, aber dass es eine Untergrenze ist, steht doch wohl fest.

  15. WallaceRope sagt:

    Leider muss ich dir doch widersprechen. Denn 1. ist ALG II eine Transferleistung zur Grundsicherung und in entprechendem Sinne kein Einkommen und 2. gibt es darüber hinaus Arbeitnehmer, die auf Mittel aus der Grundsicherung angewiesen sind (2007: ca. 1,3 Millionen). Eine Einkommensuntergrenze gibt es nicht. Es sollte aber eine geben. Und dies ließe sich leicht über einen gesetzlichen Mindestlohn erreichen. Woran dieser sich dann orientiert muss diskutiert werden.

    Es gibt Vorschläge, z.B., Hartz IV als Bemessungsgrundlage zu nehmen, was einen Mindestlohn von etwa 4,50€ pro Stunde ergäbe, wobei dies den erhöhten Ausgaben eines Berufstätigen keine Rechnung trägt; der Netto-Bedarf dürfte hier bei etwas mehr als 8€/h liegen. Oder man orientiert sich an der Pfändungsfreigrenze und käme auf einen ähnlichen Stundenlohn. Oder aber man orientiert sich am durchschnittlichen Bruttolohn, der in Deutschland (2007) bei runden 20€/h liegt und nimmt davon 50%, käme also auf 10€/h. (Alle Berechnungen gehen übrigens von einer 38,5-Stunden-Woche aus.)

    [The Teenagers – Starlett Johansson]

  16. Muriel sagt:

    WallaceRope: Nein. Ein Mindestlohn ist keine Einkommensuntergrenze, abgesehen davon, dass er auch ansonsten Quatsch ist. Ein Mindestlohn ist eine Gehaltsuntergrenze. Im Gegensatz zum ALG II, das meines Wissens die Untergenze des Einkommens darstellt, mit dem man hierzulande auskommen muss. Dass Transferleistungen kein Einkommen sind, kannst du für dich so definieren, aber einfach so behaupten solltest du es bitte nicht. Der Begriff Transfereinkommen dürfte dir geläufig sein.
    Was ist mit Unternehmern, Selbstständigen, Ärzten, Anwälten, Podologen? Bist du auch für eine Gewinnuntergrenze? Oder findest du, dass nur Arbeitnehmer eine Untergrenze verdienen?

  17. WallaceRope sagt:

    Gut, mein Fehler, Transferleistungen sind Einkommen.

    Und ja allerdings geht es mir um Arbeitnehmer (wobei Ärzte und Anwälte zum großen Teil ja auch zu dieser Gruppe gehören) und diese „verdienen“ einen Mindestlohn. Dass du den Mindestlohn Quatsch findest, ist nun dein gutes Recht, von einem Grund, warum du ihn für Quatsch hältst, sehe ich allerdings wenig. Also, warum ist ein Mindestlohn Quatsch?

    Und eine „Gewinnuntergrenze“ für Besagte mit einem Mindestlohn für Arbeitnehmer, die einer nicht-selbstständigen Arbeit nachgehen, in Verbindung zu bringen, finde ich nun wieder Quatsch, weil du da Äpfel mit Birnen vergleichst.

    Oder ist das so ein „Hättense-früher-inner-Schule-besser-aufjepasst-müsstense-jetz-nich-für-nen-Fünfer-inner-Stunde-arbeiten-jehen“-Ding?

    [Gemma Ray – 100 Mph (In 2nd Gear)]

  18. Muriel sagt:

    WallaceRope: Ich verstehe einfach nicht, warum du es bei Arbeitnehmern selbstverständlich findest, dass der Gesetzgeber ihnen ein Mindestgehalt vorgeben muss, während du das bei allen anderen für völlig abwegig hältst. Wenn ein Wachmann für fünf Euro die Stunde arbeitet, ist das menschenunwürdig, aber wenn ein Anwalt das Gleiche tut, ist es völlig OK? Verstehe ich nicht.
    Warum ich Mindestlohn für Quatsch halte. Ich will es kurz machen, weil das nicht so gut hier her passt und eigentlich einen eigenen Beitrag verdient, aber: Erstens ist es meine Überzeugung, dass der Staat sich grundsätzlich aus der Privatwirtschaft herauszuhalten hat, und dass insbesondere der Kern eines jeden Rechtsgeschäfts, das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung, seinem Zugriff entzogen gehört. Vertragsfreiheit hat nicht nur wirtschaftliche Funktionen, sie ist auch ideell ein hohes Gut in meinen Augen.
    Ich vermute aber mal, dass dich mehr die wirtschaftlichen Argumente interessieren. Die will ich – wie gesagt – kurz zusammenfassen: Ein Mindestlohn liegt entweder unter dem, was freiwillig bezahlt würde, dann ist er wirkungslos, oder er liegt darüber, dann ist er schädlich. In letzterem Fall führt er nämlich tendenziell dazu, dass Menschen, die eigentlich eine Stelle hätten bekommen können, nicht eingestellt werden.
    Oder, noch kürzer, ich versuche mal, es auf den Punkt zu bringen, an dem wir früher oder später sowieso feststellen werden, dass wir uns nicht einigen: Ich bin überzeugt, dass der Markt das beste uns zur Verfügung stehende Instrument ist, Preise festzulegen, und ich bin überzeugt, dass der Staat eines der schlechtesten ist.
    Du, vermute ich, bist hingegen der Meinung, dass der Markt oft ungerechte Preise bildet, die dann durch staatlichen Eingriff korrigiert werden müssen.
    Stimmt das so ungefähr, und wollen wir es vielleicht vorerst darauf beruhen lassen?

  19. WallaceRope sagt:

    Ach, na ja, das mit Überzeugungen ist ja so eine Sache für sich.
    Ich, zum Beispiel, war lange überzeugt, dass der Trabbi ein ganz besonders tolles Auto sein muss, weil ja fast alle bei uns einen hatten (außer ein paar anderen, die fuhren Wartburg oder Lada oder so, aber was konnten das schon für Autos sein?). Und dann musste ich feststellen, dass auf dieser Welt – außer uns blöden Ossis – niemand so eine miese Mistkarre fuhr. Was glaubst du, was ich da über Überzeugungen gelernt habe?
    Richtig.

  20. Muriel sagt:

    WallaceRope: Hm. Vielleicht, dass man seine Überzeugungen auf möglichst unvoreingenommene Beobachtung der Realität und rationale Schlussfolgerungen aufbauen sollte, und dass das aber sehr schwer sein kann, wenn man in einem totalitären Staat lebt, der meint, seine Bürger zu ihrem Glück zwingen zu müssen?
    Hast du Recht, sehe ich genauso.

  21. WallaceRope sagt:

    Stimmt. Na ja, fast.
    Denn das mit der „möglichst unvoreingenommenen Beobachtung der Realität“ ist nun auch wieder so eine Sache für sich.
    Erstens schränkst du – aus gutem Grund! – den Grad der möglichen Unvoreingenommenheit einer Beobachtung ein. Was bedeutet das aber in der Praxis? Nun, letztlich doch nichts anderes, als dass man sich bemühen kann, muss, soll, den Dingen in der Welt möglichst unvoreingenommen zu begegnen, am Ende aber doch kaum entscheiden kann, ob man es auch tatsächlich tut. Jedenfalls nicht mal eben so im Vorbeigehen.
    Darüber hinaus stellt sich zweitens die Frage, was ist Realität? Und wie wirkt sich meine Beobachtung auf sie aus? Sprich: gibt es eine objektiv beobachtbare Realität oder wird Realität erst zu dem, was sie ist, indem ich sie beobachte? Ich kann das (für mich) nicht abschließend beantworten, tendiere aber zu letzterem.
    Was bedeutet das nun für Überzeugungen – egal welcher Art und Ausprägung? Nun, meines Erachtens, dass es erst in zweiter Linie darauf ankommt, welchem politischen System man unterworfen ist. Sondern in erster Linie darauf, ob man – bei aller „Rationalität der gezogenen Schlussfolgerungen“ – die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die eigenen Überzeugungen falsch sind. Tut man dies nicht, sind Überzeugungen letztlich nichts anderes als Dogmen. Denen mag man folgen oder nicht, man sollte sie dann aber beim Namen nennen, damit jeder weiß, was gespielt wird.
    Die DDR war – wenn man so will – ein einziges (bräsiges) Dogma, das mit allerlei Blendwerk ummäntelt wurde, um dem Ganzen einen irgendwie logischen, zwangsläufigen Anstrich zu verpassen. Das war für mich damals – ich war zehn Jahre alt als die Mauer fiel – nicht zu durchschauen. Heute aber – ich lebe seit ’89 im Ruhrgebiet – stelle ich fest, dass es in der sogenannten „freien, westlichen Welt“ mitunter nicht minder dogmatisch zugeht. Da wird dann versucht, die Kritik an offensichtlichen Ungerechtigkeiten – die nur dann akzeptabel wären, wenn sie jedem zugute kämen (Rawls) – mit dem wenig kreativen Argument zu ersticken, dass der Markt das schon richte. Wenn der Markt es aber nicht richtet? Wie lange muss, soll, kann man warten, ob er’s nicht vielleicht, eventuell, unter Umständen doch noch richtet?
    Steht die Freiheit des Marktes tatsächlich über dem Recht des Menschen auf ein würdiges Leben? Maybe. Aber dann stimmt an dem System etwas grundsätzlich nicht.

    —–
    [Black Rebel Motorcycle Club – Love Burns]

  22. Muriel sagt:

    WallaceRope: Auf den ersten Teil deines Kommentars gehe ich mal nicht näher ein. Diese Idee, dass es keine objektive Realität gibt, finde ich vollkommen nutzlos. Es gibt meines Wissens keine sinnvolle Alternative dazu, sich an unserer Wahrnehmung der Realität zu orientieren. Falls du eine kennst, bin ich offen dafür.
    Wie kommst du darauf, mir Dogmatismus zu unterstellen?
    Ein Dogma ist ein Glaubenssatz, der nicht widerlegt werden kann und nicht infrage gestellt werden darf. Ich bin aber für Argumente aufgeschlossen, die meine Auffassung widerlegen, dass der Markt der effizienteste Preisbestimmungsmechanismus ist, den wir haben. Aus meiner Sicht sprechen die überzeugenderen Argumente dafür. Wenn du hingegen ein Beispiel zeigen könntest, das belegt, dass etwas anderes besser funktioniert, bin ich offen dafür, und bereit, meine Meinung zu ändern. Das würde natürlich mein Hauptargument von vorhin noch nicht widerlegen, dass es meiner Meinung nach einfach den Anspruch auf Handlungsfreiheit verletzt, wenn der Staat in den Kern des Vertragsverhältnisses zweier Privatpersonen eingreift. Aber es würde zumindest meine Meinung über den Marktmechanismus ändern. Im übrigen finde ich diesen Pathos, mit dem du dein Argument verkleidest – als verlöre ein Mensch sein Würde, weil er nicht das Gehalt bekommt, das du für angemessen hältst – ausgesprochen unerfreulich.
    Und weil ich finde, dass diese Kommentarspalte einfach ein bisschen zu klein für die Diskussion ist, schlage ich vor, dass wir sie – falls du überhaupt noch willst, hier weiterführen.

  23. […] ist’s her, dass ich hier via Astrodicticum Simplex von einem Urteil des OLG Stuttgart schrieb, nach dem Wahrsager keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf die vereinbarte Gegenleistung […]

  24. […] weiß, dass ich schon zweimal geschrieben habe, dass Verträge über übernatürliche… sagen wir in Ermangelung eines […]

  25. […] – Wahrsager haben keinen Anspruch auf Honorar / via überschaubare Relevanz – Restebloggen zum Wochenende (44) / via überschaubare Relevanz – Verbrechen und Strafe, oder wohl doch eher nicht [↩]Der […]

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