Und wofür benutzt ihr euren Kofferraum so?

Ich habe am letzten Wochenende so eine Tagung in Köln besucht, bei der einer der Referenten in seiner Präsentation unter anderem zwei PR-Videos zeigte, die er für sehr gelungene Beispiele hielt. In gewisser Weise mögen sie das sein, aber sie beinhalten jeweils so eine Stelle, an der bei mir ganz laut die mentalen Bremsen quietschen und ich ein bisschen aus dem Narrativ geworfen werde, wenn ihr versteht, was ich meine. Den einen Spot kann ich hier einbinden, und wahrscheinlich kennt ihr ihn auch sowieso schon:

Da ist also dieser McDonald’s-Manager, der erst einmal immer ganz mitleidig angeschaut wird, wenn er sagt, wo er arbeitet. Und dann aber nicht mehr, wenn er in die Details geht. Aha. Wie muss ich mir diese Gespräche vorstellen, die der Herr ja offenbar regelmäßig auf Partys und mit Freunden führt?

„Tag, ich bin Isa, ich arbeite bei McDonald’s!“
„Oh, das tut mir Leid.“
„Aber ich bin Chef von 40 Leuten und verdiene gutes Geld!“
„Oh mein Gott, ich will ein Kind von dir!“

Ganz im Ernst: Wie hat der Texter dieses Videos sich das vorgestellt? Und etwas ab vom Thema: Sollte uns die Wertschätzung von Leuten wirklich so wichtig sein, die uns plötzlich mit völlig anderen Augen sehen, wenn sie unser Gehalt und unsere Führungsspanne kennen?

Im zweiten Spot ist dieser Moment ein bisschen subtiler, aber in meinen Augen genauso absurd. Den kann ich leider nicht einbinden, aber ihr findet ihn hier auf der BMW-Homepage. Ungeduldige können bis 2:45 vorspulen. Da geht es um den Kofferraum, und der Sprecher sagt:

„Der Kofferraum ist komplett getrennt vom Passagierbereich, wie bei einer Limousine. Alles kann diskret verstaut werden. Man sieht nichts, riecht nichts und hört nichts.“

Moment, halt, wie war das?

„[…] und hört nichts.“

Man hört nichts? Äh. Was könnte man denn im Kofferraum haben, das Ehegatte und Kinder nicht hören sollen, wenn man mit ihnen einen Ausflug macht?

Vielleicht kommt da bloß meine kranke Schriftstellerfantasie durch, aber mir drängt sich da die Frage auf, ob BMW auch daran gedacht hat, den Kofferraum speziell abzudichten, um Schutz vor auslaufenden Flüssigkeiten zu bieten. Vielleicht noch ein Kühlaggregat, falls man mal für längere Zeit…?

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16 Responses to Und wofür benutzt ihr euren Kofferraum so?

  1. Tim sagt:

    Macht man sowas nicht eher mit einem unauffälligen Opel? Oder Renault?

  2. Muriel sagt:

    Tim: In den Filmen fahren die meistens 7er oder S-Klasse, soweit ich mich erinnere…

  3. Peter sagt:

    BMW: ganz klar, Haustiere… was denn sonst?

  4. dein_föhn sagt:

    Also beim ersten Spot hab ich keine Probleme mir vorzustellen, wie sowas abläuft. Wenn man erwähnt bei McDonalds zu arbeiten, denkt man ja nunmal erst an so nen Aushilfjob für Studenten. Aufjedenfall was wofür es wenig Geld gibt und keine Aufstiegschancen. Da kann man schonmal mitleidig gucken. Um so erstaunter ist man dann auch wenn er einem erzählt, wies wirklich is und entsprechend schaut man dann auch, weil mans halt nich erwartet hat.

    Und natürlich hängt es auch vom berufliche Erfolg ab, mit welchen Augen man gesehen wird, grad von Leuten, die einen noch nich besser kennen. Pommesschubser oder Personalchef.

  5. Teo sagt:

    Das Kühlaggregat braucht man nicht, dann wird der Natascha nur kalt 😉

  6. Muriel sagt:

    Peter: Möge Gott uns allen gnädig sein. Ich hoffe, du hast keine.
    dein_Föhn: Naja. Also, wenn ich auf einer Party mit jemandem rede und der dann anfängt, von seinem Gehalt zu reden und von den vielen Leuten, deren Chef er ist, fange ich an freundlich lächelnd zu nicken und mich nach Ausreden umzusehen…
    Teo: Vielleicht kann man mit dem Ding ja auch heizen, damit es schön kuschelig wird…

  7. Maxi sagt:

    Worum ging es denn bei deinem Seminar?

  8. Muriel sagt:

    Maxi: Ähm, hm, naja, das ist… vertraulich… Ich muss weg.

  9. Andi sagt:

    Ich finde die Vorstellung, dass Helga mit 65 bei McDonalds als Aushilfe anfängt und Samstag nachts um 4 Uhr betrunkene Jugendliche bedienen muss, die sie blöde von der Seite anquatschen, viel lustiger, ehrlich gesagt.
    Mit Isa hätte ich selbst dann noch Mitleid, wenn er mir nach seinem von mir nie verlangtem Job-Outing erzählt, dass er ganz doll viel verdient.

    Im Kofferraum transportiert man übrigens leere McDonalds-Verpackungen, die einem vorher Isa und Helga verkauft haben. Oder muss Isa gar nicht mehr bedienen?

  10. Muriel sagt:

    Andi: Ja gut, McDonalds-Verpackungen reden aber nicht mit mir. Oder ist das bei dir anders? (Wegen des „hört nichts“, meine ich jetzt.)

  11. Guinan sagt:

    Ich hab mir schon so manches Mal gedacht, dass mein Beifahrer besser im Kofferraum aufgehoben wäre. Da wäre das mit dem nicht Hören durchaus ein Verkaufsargument.

  12. Wiebke sagt:

    Ha, das mit dem Hoeren ist tatsaechlich gar nicht so abwegig!

    Situation: Ich lud das Leergut von meine Geburtstagsparty schon mal morgens ins Auto, damit wir die, wenn wir auf dem Rueckweg abends einkaufen, dabei haben und endlich wegbringen. (Wir fahren immer zu zweit von Bielefeld nach Paderborn morgens, und abends zurueck). Also ich fand die Idee toll. Aber dann bekomme ich die ganze Fahrt ueber zu hoeren, dass „das Geklirr im Kofferraum“ ja total nervt. Und auf dem Rueckweg noch mal.

    Das ist DIE Loesung! Danke 😉

  13. Muriel sagt:

    Nett, dass du mal wieder vorbeischaust, danke für den Kommentar! Da wäre ich nie drauf gekommen, Leergut fällt bei mir eigentlich nicht an. Erzähl mir dann bitte bei Gelegenheit, wie er sich fährt. Irgendwann brauche ich ja auch mal ein neues Auto.

  14. Wiebke sagt:

    Naja, ob es jetzt unbedingt ’nen BMW sein soll, ist nicht gesagt. Andere Autohersteller sind auf die Idee bestimmt auch schon gekommen… Ich finde ja die „ausgelaufenen“ Audis (jetzt Skoda) ganz nett. Aber das fuehrt jetzt auch wieder weg vom Thema… 🙂

  15. Andi sagt:

    Muriel:
    Wenn du die McDonalds-Verpackungen lang genug im Kofferraum liegenlässt, reden sie vielleicht auch mit dir.

  16. Muriel sagt:

    Wiebke: Aber nichts sagt so deutlich „Ich bin Chef von 40 Leuten und verdiene gutes Geld“ wie ein neuer BMW. Und wir wissen ja jetzt, wie wichtig das ist.
    Andi: Bloß gut, dass man auch nichts riecht…

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