Restebloggen zum Wochenende (44)

20. Juni 2010
  1. Astrodicticum Simplex berichtet [via Rechtslupe] über ein Urteil des OLG Stuttgart, nach dem Wahrsager keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf die vereinbarte Gegenleistung haben, weil die von ihnen versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind. Und ich bin nicht mal sicher, ob ich das gut finde. Wer zu einem Wahrsager geht, sollte wissen, dass er dort für sein Geld irgendwelchen sinnlosen Stuss erzählt bekommt. Sich hinterher dann zu beschweren, finde ich irgendwie kindisch. Andererseits behaupten Wahrsager natürlich ganz im Ernst, die Zukunft zu kennen, die Entscheidung ist also wohl im Ergebnis in Ordnung.
  2. Falls ihr mal in Köln seid und richtig gut essen wollt, kann ich das Restaurant La Vision im Hotel Wasserturm ziemlich vorbehaltlos empfehlen. Ich war gestern zum zweiten Mal da, und nicht nur das Essen ist fantastisch, der Service ist freundlich und aufmerksam, und die Atmosphäre angenehm entspannt. Unterhaltsam war außerdem der Herr am Nebentisch, der regelmäßig sehr laut und eher einsam über seine eigenen Witze lachte und zu Beginn seiner Mahlzeit quer durch den Raum nach einem Salzstreuer rief. Maggi hatte er wahrscheinlich sowieso in der Jackentasche.
  3. Ich hatte letztens in diesem Blog geschrieben, Wale seien mir egal. Das stimmt so natürlich nicht, und im Nachhinein bedaure ich diese unüberlegte Äußerung sehr. Entschuldigung.
    demotivational posters - HANDSHAKES
  4. Frau Kipping von der Linkspartei fordert die Einführung eines Einkommenskorridors, der von 1000 bis 40000 Euro pro Monat reicht. Alles darunter ist zu wenig, und alles darüber sieht sie auch nicht ein. Okay. Ich könnte mich darüber aufregen, aber glücklicherweise hat LeDru sich dazu schon geäußert.
  5. Bettler, die einfach nur da sitzen, sind Geschmackssache, Bettler, die Musik machen, finde ich vor allem lästig, aber vor dem Kölner Dom sitzt so einer, der ein Schachbrett dabei hat und gegen den man für Geld spielen kann. Er ist offenbar ein Großmeister aus Russland. Das finde ich cool. Leider bin ich kein guter Schachspieler. Nicht mal ein mäßiger.

Willkommen im Internet

20. Juni 2010

Eigentlich sollte ich ja irgendwann mal gelernt haben, mich über sowas nicht mehr aufzuregen. Habe ich aber nicht.

Ihr wisst vielleicht, dass ich Michalis „Mikis“ Pantelouris‘ Blog „Print Würgt“ sehr gerne lese. Er ist klug, er schreibt unterhaltsam und treffend, und seine Meinung ist meist durchdacht und gut begründet.

Mit seinen letzten zwei Artikeln habe ich aber Probleme. Eigentlich nur kleine Probleme, aber sie sind, wie das oft so ist, mit der Zeit ein bisschen größer geworden. Und das kam so:

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Ich ist ich ist ich ist ich

18. Juni 2010

Dieser Artikel liegt schon eine ganze Weile hier herum, aber ich habe mich bisher nicht getraut, ihn zu veröffentlichen. Es handelt sich um eine Art Gedankenspiel zum Thema „menschliches Bewusstsein“. Das interessiert vielleicht nicht jeden, aber mich beschäftigt es öfter mal, und da zurzeit eh nichts Interessantes los ist, dachte ich, ich teile meine Überlegungen mit euch. Vielleicht habt ihr ja auch ein paar Ideen dazu.

Wen ich jetzt noch nicht vergrault habe, der ist herzlich eingeladen, mir ins Studierzimmer zu folgen, es geht hier entlang.

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Honk if you’re horny

17. Juni 2010

Gauck ist ein Pfarrer, das Bundespräsidentenamt sowieso ein Witz, Wale sind mir egal, ich habe nichts gegen Kernenergie, ich war noch nie auf Sylt, ich habe kein Herz für Kinder, und es fahren auch keine bei mir mit, ich beteilige mich ganz bestimmt nicht an irgendwelchen schwachsinnigen BILD-Aktionen, Sport interessiert mich nicht, ich gehöre keiner Religion, keiner Partei und auch sonst keinem Verein an, ich bin nicht bei der Feuerwehr, Uli-Stein-Comics finde ich meistens furchtbar peinlich, und ich bremse zwar für die meisten Wirbeltiere, möchte das aber lieber nicht öffentlich zugeben.

Aber jetzt habe ich endlich einen Aufkleber gefunden, den ich trotzdem mit voller Überzeugung auf mein Auto pappen kann. Ich habe endlich eine Aktion gefunden, die mich begeistert und mit deren Zielen ich mich umfassend identifizieren kann:

Recht so. Mit mir auch nicht! Es ist Zeit, mal wieder auf die Straße zu gehen, um denen da oben zu sagen, dass wir uns das nicht länger gefallen lassen. Wir sind nämlich das Volk, und wir haben ein für alle Mal genug davon, dass PLC uns die Freude an Radio und Funk kaputt macht. Nieder mit dem Internet aus der Steckdose! Viva la Revolución! Yeah! Who’s with me?


Give war a chance

16. Juni 2010

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=war&iid=7301784″ src=“http://view1.picapp.com/pictures.photo/image/7301784/050419-5313a-414-the-rotor/050419-5313a-414-the-rotor.jpg?size=500&imageId=7301784″ width=“380″ height=“532″ /]

Heute möchte ich mit euch mal über Krieg nachdenken. Habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht. Im Einzelfall bin ich mir selbst nicht sicher, wo ich da stehe. Afghanistan, Kosovo, Irak, Frankreich, ich weiß einfach nicht genug über diese Länder und ihre Umstände, um fundiert darüber entscheiden zu können, ob es richtig war, dort militärisch einzugreifen, oder ob man es besser mit anderen Instrumenten versucht hätte.

Aber ich weiß, dass ich kein Pazifist bin. Ich halte Pazifismus für eine nicht ganz unsympathische, aber letzten Endes doch ausgesprochen unmoralische Einstellung. Ich glaube, dass jeder Mensch grundsätzlich eine Verpflichtung hat, anderen Menschen zu helfen, wenn er es mit vertretbarem Aufwand kann. Wenn ich nachts durch eine Stadt laufe und in einer dunklen Gasse sehe, wie jemand überfallen wird, fühle ich mich verpflichtet, ihm beizustehen. Es ist in so einer Situation nicht immer die beste Entscheidung, selbst einzugreifen. Der Täter könnte bewaffnet sein, und ich bin – für viele von euch vielleicht eine Überraschung – nicht Batman. Das sind gute Gründe, nicht selbst einzugreifen, sondern Hilfe zu rufen. Wer es aber prinzipiell für falsch hält, einen anderen Menschen vor einem Angreifer zu schützen, wenn dafür der Einsatz von Gewalt erforderlich wäre, dessen Moral ist in meinen Augen in dieser Hinsicht sehr, sehr zweifelhaft. Und genau das ist Pazifismus: Die prinzipielle Ablehnung jeglicher Gewalt, zumindest zwischen Staaten.

Und ich finde durchaus, dass die Situation zwischen Völkern und Staaten vergleichbar ist. Saddam Hussein war meines Wissens ein Diktator, dessen Volk in ständiger Furcht vor seiner Geheimpolizei und willkürlichen Gewaltakten lebte. Auch die Taliban hatten in Afghanistan ein Regime auf der Basis von Terror, Gewalt und Mord errichtet. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob die USA den richtigen Weg gewählt haben, dieses Problem zu beheben. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob das Resultat den Aufwand und die Anzahl der gefallenen Soldaten rechtfertig. Man meines Erachtens in beiden Fällen nicht darüber streiten, dass es moralisch richtig war, etwas dagegen zu unternehmen. Und wer ernsthaft glaubt, dass das ohne Gewalt möglich gewesen wäre, der muss eine sonderbare Vorstellung von der Offenheit fanatischer totalitärer Regime für freundliches Zureden haben.

Ich habe auch noch kein überzeugendes Argument gehört, das prinzipiell gegen solche Einsätze spräche. Noch mal: Wie genau man dabei im Einzelfall vorgeht, ist eine andere Frage. Gerade im Irak ist ohne Zweifel vieles falsch gelaufen, und der Vorwand für den Angriff war natürlich schlicht gelogen. Aber „Was geht uns Afghanistan an?“ oder „Unsere Soldaten sterben da drüben, weil die ihr Land nicht in den Griff kriegen!“ sind keine moralischen Argumente.Vielleicht kennt ihr bessere; sie würden mich interessieren.

Es ist verständlich, die Leben von Menschen, die einem nahe stehen, höher zu bewerten als die von Fremden. Aber wer ernsthaft findet, dass die Leben deutscher Soldaten grundsätzlich mehr wert sind als die Leben von Afghanen, der hat etwas ganz Entscheidendes nicht verstanden.

Krieg ist eine fürchterliche Sache. Im Krieg sterben und leiden Menschen. Soldaten, Zivilisten, Kinder, Frauen, Männer, und übrigens auch Tiere. Ich finde, dass wir trotzdem nicht die Augen vor der Tatsache verschließen dürfen, dass militärische Gewalt manchmal der beste oder sogar der einzige Weg sein kann, die Abscheulichkeiten, die Menschen anderen Menschen antun, zu verhindern.


faz.net hat es schon wieder getan

15. Juni 2010

Sie haben schon wieder David Gelernter aus der Kiste springen lassen, damit er für sie irgendeinen manifest unsinnigen Kram schreibt, der ihre Vorurteile aufs Schönste bestätigt. Oder möglicherweise kommt der auch von selbst auf solche Ideen, ich will es aber in seinem Interesse nicht hoffen.

Diesmal geht’s jedenfalls um Künstliche Intelligenz, und das ist ein Thema, das auch mir selbst nicht ganz fremd ist, wie einige von euch ja schon wissen. Der „Internet-Pionier“ erklärt uns, wie Künstliche Intelligenz eines Tages funktionieren könnte und „prognostiziert“ ihre „nächste Entwicklungsstufe“.

Weil mich das Thema interessiert, habe ich meine schlimmen Vorahnungen ignoriert und den Artikel gelesen, obwohl er ziemlich lang und bei faz.net erschienen ist. Noch dümmer als „The Emperor’s New Mind“ kann es wohl nicht werden, habe ich mir gedacht. Ich hatte Recht, aber es ist dicht dran.

Wenn ihr mir das nicht glaubt und es gerne selbst überprüfen wollt, müsst ihr euch nicht die Mühe machen, euch selbst durch diesen Schwall von halbinteressanten Informationen über menschliches Denken und steindummen Scheinschlussfolgerungen zu wühlen, ihr könnt einfach diesen einen Satz als Beispiel heranziehen, den ich für euch ausgesucht habe:

Kein Computer wird je kreativ sein, wenn er nicht alle Nuancen des menschlichen Gefühlslebens zu simulieren vermag.

Ich mag solche Sätze, und wisst ihr, warum? Weil sie keine Arbeit machen. Weil jeder Dreijährige erkennen kann, dass sie falsch sind und man sich keine Mühe geben muss, sie zu widerlegen. Wer nicht alle Nuancen des menschlichen Gefühlslebens simulieren kann, kann niemals kreativ sein?

Dieser Satz basiert auf unreflektierten anthropozentrischen Vorurteilen, er kommt als völlig unbegründete Behauptung daher, und ich bin davon überzeugt, dass nicht mal der Autor selbst im Ernst glaubt, dass das so stimmt. Dieser Satz repräsentiert auf hervorragende Art diesen ganzen erbärmlichen, überflüssigen, bornierten Artikel, mit dem ich gerade geschätzte zwanzig Minuten meines Lebens verschwendet habe.


Sensation: 100% der NJW-Leser lesen NJW!

15. Juni 2010

Oder wie kann man diese Anzeige hier sonst noch verstehen?