Wo kämen wir denn da hin? Das wäre ja noch schöner! Da könnte ja jeder kommen.

Ich bin ein bisschen spät dran und fasse mich ein bisschen kurz, aber ich hoffe, dass ihr das versteht. Ich bin immerhin im Urlaub. Aber darüber mag ich mich dann doch ein bisschen aufregen:

Der BGH hat entschieden, dass die so genannte Präimplantationsdiagnostik (PID) nicht unter das geltende Embryonenschutzgesetz fällt und deshalb nicht verboten ist. So weit, so gut. Ich könnte zwar auch einiges zum Embryonenschutzgesetz an sich erzählen, und erklären, warum das sowieso gründlich überarbeitet gehört, aber das lasse ich mal lieber. Ihr wisst schon, Urlaub. Zum Thema also:

Für alle, die es nicht wissen: PID ist die Untersuchung von Embryonen bei der künstlichen Befruchtung vor der Implantation. Dabei könnte man zum Beispiel feststellen, ob die Kinder aufgrund ihrer genetischen Anlagen eine Behinderung entwickeln würden, oder ob er die Anlagen für irgendeine Erbkrankheit trägt, und dann kann man entscheiden, welchen Embryo man wirklich implantiert haben will, oder ob es vielleicht doch keiner von ihnen sein soll. Aus meiner Sicht ist es dabei wichtig zu beachten, dass die Embryonen zur Zeit der PID in der Regel aus ca. 4-8 Zellen bestehen. Und vielleicht sollte man außerdem wissen, dass künstliche Befruchtung nur eine Erfolgsquote von um die 30% hat, dass es also mehr oder weniger zum Prozess gehört, dass viele Embryonen sich nie zu Menschen entwickeln.

Der BGH hat nun wie erwähnt entschieden, dass das nicht verboten ist. Und die CDU und die Kirchen finden dieses Ergebnis natürlich ganz fürchterlich, weil  die CDU und die Kirchen grundsätzlich alles, was gut und sinnvoll ist, ganz fürchterlich finden sie der Meinung sind, dass PID die Menschenwürde der betroffenen Blastocysten beeinträchtigt. Sie sagen, es würde „zwischen wertem und unwertem Leben“ unterschieden, und dass durch Legalisierung von PID „der Rechtfertigungsdruck auf behinderte Menschen und deren Eltern“ wachsen würde, und lauter so Zeug. Und deshalb wollen sie, dass PID verboten wird, damit es weiterhin nicht möglich ist, vorab zu erkennen, ob ein Kind möglicherweise mit Spina Bifida, Trisomie 21 oder mit amyotropher Lateralsklerose zur Welt kommen wird.

Ich finde das zutiefst unmoralisch. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass ich das widerwärtig finde. Natürlich haben auch Kinder mit diesen Krankheiten ein Recht auf Leben, und sie können sogar ein sehr erfülltes Leben haben und ihre Familie durch ihre Gegenwart maßlos bereichern. Trotzdem muss man doch anerkennen, dass die Geburt eines schwer behinderten Kindes für seine Familie eine furchtbare Katastrophe darstellen kann, und dass mitunter auch das Leben dieses Kindes selbst von unerträglichem Leid beherrscht wird. Wer PID umfassend verbietet, nimmt der Menschheit damit eine Möglichkeit, derartiges Leid zu verhindern, und trägt deshalb – wenn auch mutmaßlich mit den besten Absichten – eine Mitverantwortung daran.

Darüber hinaus kann PID dazu beitragen, ethisch und medizinisch ungleich kompliziertere Schwangerschaftsabbrüche in späteren Stadien zu vermeiden, beispielsweise dann, wenn ein Schaden, der die Gesundheit der Mutter gefährden würde, bereits vor der Implantation festgestellt wird. Davon weiß ich aber leider nur sehr wenig. Über sachdienliche Hinweise in den Kommentaren würde ich mich freuen, natürlich nicht nur hierzu.

Es ist nicht leicht – wahrscheinlich ist es sogar einfach nicht möglich –, genau festzulegen, wo die Grenze zwischen nichtmenschlichem und menschlichem Leben verläuft. Ich maße mir auch ganz sicher nicht an, diese Grenze hier auch nur ungefähr bestimmen zu wollen. Aber man kann meiner Meinung nach ziemlich eindeutig sagen, dass ein Embryo wenige Tage vor seiner Geburt bereits ein Mensch ist und auch so behandelt werden muss, und dass im Gegenzug ein Zellhaufen wenige Tage nach der Empfängnis in keinem vernünftigen Sinne ein Mensch ist und keine Menschenrechte trägt. Das Potenzial ist kein Maßstab. Niemand käme auf die Idee, Samen- oder Eizellen Menschenrechte zusprechen zu wollen, aber wenn sich zwei davon vereinigen, ist plötzlich menschliches Leben vorhanden? Nein. Das ist genauso unsinnig vereinfacht und genauso falsch wie die These, dass menschliches Leben erst mit der Geburt beginnt.

Aus diesem Grund sollte meiner Meinung nach übrigens auch die Selektion nach weniger bedeutsamen Kriterien wie Haar- oder Augenfarbe nicht strafbar sein. Ich persönlich halte zwar nichts davon, finde aber nicht, dass es verboten gehört, schwarzhaarige Kinder zu wollen.

Und zum Schluss, nur der Vollständigkeit halber: Eine besonders unerfreuliche Rolle spielen in derartigen Diskussionen natürlich gerne auch die Kirchen. Weil sie die ohnehin schon schwierige Diskussion noch weiter verkomplizieren, indem sie von Seelen und göttlichem Willen und dem christlichen Verständnis des Menschen herumquaken. Wer selbst so etwas glaubt, den bitte ich ob der Härte meines Ausdrucks hier um Nachsicht, aber ich sehe das so. Natürlich darf jeder glauben, was er will, und niemand ist gezwungen, gute Gründe für seine Weltsicht zu haben. Die braucht man erst, wenn man sie anderen strafrechtlich aufzwingen will.

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30 Responses to Wo kämen wir denn da hin? Das wäre ja noch schöner! Da könnte ja jeder kommen.

  1. Blues Lee sagt:

    „(…) wenn auch mutmaßlich mit den besten Absichten (…)“

    Dazu fällt mir immer eine Zeile von Kettcar ein: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“

    Ansonsten: Zustimmung!

    ———
    [Gisbert zu Knyphausen – Sommertag]

  2. Günther sagt:

    Also was die Behinderungen angeht würde ich dir voll zustimmen. Besonders bei solchen, die im späteren Verlauf der Schwangerschaft sowieso zu deren Abbruch führen würden.

    An der Stelle hört meine Zustimmung dann aber auch auf. Natürlich darf sich jeder für sein Kind schwarze Haare wünschen, aber dafür sorgen, dass es diese Haare auch bekommt meiner Meinung nach nicht. Wenn du das dann als äußerste Grenze verstehst, kann ich das ja noch einigermaßen verstehen (auch wenn ich es wie gesagt schon zu viel finde). Trotzdem ist mir dann irgendwie die Gefahr zu groß, dass man dann eines Tages auch nach zu erwartender Körpergröße oder Intelligenzleistung selektieren darf. Und da hört der Spaß dann definitiv auf.

    Ich hab bei solchen Diskussionen immer unweigerlich das Horrorszenario von Gattaca im Kopf 😉

  3. Guinan sagt:

    Da das Ergebnis so unzuverlässig ist, werden immer mehrere Eizellen befruchtet. In Deutschland werden nur höchstens drei davon zurückgegeben, der Rest wird aussortiert. Was sollte, bei den sowieso geringen Chancen auf eine erfolgreiche Einnistung, dagegensprechen, diejenigen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf ein gesundes Kind auszuwählen? Und wenn man die Möglichkeit hat, aus der Kombination der Erbanlagen diejenige mit der höchsten Intelligenz auszuwählen – Warum Nicht? Richtig so. Zumindest bei eher logisch orientierter Sichtweise.
    Außerdem bildet man mit der Auswahl doch nur den natürlichen Prozess nach: Die gesundesten und klügsten Kinder überleben und pflanzen sich später selbst wieder fort, man kürzt das nur etwas ab.
    Christlich Verblendete sehen das natürlich anders. Hiobmäßig hat man sich in sein Schicksal zu fügen.
    Wenn es also nach dem medizinisch gefährlichen Einsetzen aller Embryonen zu den unsäglichen Sechs- oder Achtlings-Schwangerschaften kommt, dann darf natürlich auch nicht abgetrieben werden – Der Herr wird’s schon richten.
    Leicht am Thema vorbei, aber wenn sich jemand so richtig herzhaft aufregen möchte: http://www.kreuz.net/article.10708.html (Bei Bluthochdruck besser nicht klicken, ich fürchte, die meinen das da wirklich ernst.)

  4. Günther sagt:

    Ich möchte mir hier ungern Unlogik oder christliche Verblendung vorwerfen lassen. Ich denke der natürliche Selektionsprozess funktioniert schon ganz gut, ohne dass man ihm auf die Sprünge helfen muss.

  5. Guinan sagt:

    @Günther: Ging nicht gegen dich, mehr gegen die Organisation als solche. Deinen Kommentar hatte ich noch gar nicht gelesen, als ich schrieb, ich hatte länger nicht aktualisiert, sorry.

  6. Arctica sagt:

    Ich versteh nicht ganz, was die bei künstlicher Befruchtung noch mit Gottes Willen argumentieren. Anscheinend wäre dann doch Gottes Wille, dass sie keine Kinder bekommen oder? Wenn man den also schon übergeht, warum dann nicht wenigstens dafür sorgen, dass etwas gesundes dabei rauskommt… naja, muss man nicht verstehen.

  7. Blues Lee sagt:

    @Günther:

    Ob der „natürliche Selektionsprozess“ tatsächlich „ganz gut funktioniert“, darüber kann man geteilter Meinung sein.

    Sicher scheint jedoch, dass die Medizin, aber auch alle anderen Wissenschaften seit Jahrhunderten daran arbeiten, diesen Prozess zu manipulieren. PID stellt in diesem Zusammenhang nur den nächsten Schritt dar, auf den – davon ist auszugehen – weitere folgen werden.

    Wie das alles moralisch/ethisch einzuordnen ist? Nun, da möchte ich kurz Monsieur Camus zitieren, der im Sisyphos schrieb: „Jedwede Moral beruht auf der Vorstellung, da(ss) eine Tat Folgen hat, die sie rechtfertigen oder entwerten.“
    Camus lehnt diese Vorstellung strikt ab. Denn es spielt zunächst einmal für die Handlung selbst keine Rolle, ob ihre Folgen mit einer bestehenden Moral konform gehen oder nicht; d.h. ob die PID als „gefährlicher Eingriff“ (entwertete Tat) oder als „notwendige Korrektur“ (gerechtfertigte Tat) bezeichnet wird, ist für die Tat an sich unerheblich, da beide Ausprägungen in diesem Sinne gleichwertig sind. (vgl. „Terrorist vs. Freiheitskämpfer“-Problematik.)

    Dementsprechend kann die PID nicht anhand ihrer (erwarteten/befürchteten) Folgen gerechtfertigt oder entwertet werden. Sie ist, was sie ist. Und ihre Folgen können „mit heiterer Ruhe betrachtet werden“ (um Camus das letzte Wort zu gönnen).

    ———
    [The National – Runaway]

  8. Muriel sagt:

    @Günther: Mich würde interessieren, ob bei der Bestimmung von Haar- und Augenfarbe nur deine Zustimmung aufhört, oder ob du tatsächlich der Meinung bist, dass Menschen, die diese per PID vornehmen, deiner Meinung nach tatsächlich bestraft werden müssen.
    Oder anders formuliert: Findest du die Auswahl von zu implantierenden Embryonen nach nicht gesundheitskritischen Eigenschaften nur unmoralisch, oder (auch) strafwürdig?

  9. Günther sagt:

    @ Muriel:
    Gute Frage…

    Naja in letzter Konsequenz würde ich schon denken, dass eine solche Auswahl verboten werden müsste (oder bleiben, wenn ich die aktuelle rechtliche Lage richtig einschätze). Ob dieses Verbot jetzt bei der Augenfarbe schon anfangen sollte sei mal dahingestellt, aber prinzipiell halte ich es schon für notwendig.

  10. Muriel sagt:

    @Günther: Danke für die Antwort! Wenn ich noch weiter nachfragen darf: So, wie ich das verstanden habe, bist du nicht grundsätzlich gegen künstliche Befruchtung. Du hast also anscheinend kein Problem damit, gesunde Embryonen in diesem Stadium zu verwerfen, solange sie zufällig ausgewählt werden, denn das gehört zum Prozess. Wenn man aber bestimmte Kriterien anwendet, sollte das strafbar sein. Mich würde interessieren, wie du das rechtfertigst und wie du die Grenze ziehen würdest.

  11. Günther sagt:

    @Muriel: Meiner Meinung nach dürfen auf natürlichem Wege gezeugte Kinder keinen Nachteil haben gegenüber durch künstliche Befruchtung entstandenen. Wenn es um schwerwiegende erblich bedingte Erkrankungen geht, halte ich es für gerechtfertigt, Ausnahmen zu machen und es zuzulassen. Vor allem bei solchen Krankheiten, die sonst noch während der Schwangerschaft erkannt werden würden und dazu führen können, dass sich die Eltern für eine Abtreibung entscheiden. Meine Rechtfertigung ist also, dass künstliche Befruchtung keinen Vorteil darstellen darf. Denn das könnte auf längere Sicht einen Druck darstellen, sein Kind (obwohl man es könnte) nicht auf natürlichem Wege zu bekommen, sondern auf künstlichem.

    Die Frage, wo ich die Grenze ziehen würde kann ich schwer beantworten, weil ich mich in der Thematik nicht besonders gut auskenne. Im Sinne der Argumentation von oben würde ich aber schon enge Grenzen favorisieren, die nur schwerwiegende Erkrankungen ausschließen.

  12. hallo liebe muriel,
    da bewege ich mich ja sofort in einem schwierigen thema, dass du aber gut notiert hast.
    auch ich habe meine bedenken in bezug auf die „verwendung“ von embryonalen zellen, finde es aber ehrlich gesagt sinnvoll, nach krankheiten zu suchen, die das leben der familie im nachhinein stark beeinträchtigen werden. zumal ich davon überzeugt bin, dass jede frau/ familie trotzdem selbst entscheiden kann, ob sie im fall der fälle auch am eigenen wachsenden baby diese tests vorsorgehalber durchführen lässt oder eben nicht.
    trotzdem ist und bleibt es ein schwieriges thema, gerade auch wegen der rolle der kirchen, die du so schön notiert hast.

    allerdings halte ich die auswahlkriterien von haar-oder augenfarbe nicht für schwerwiegend genug. so ein wenig spielmöglichkeit sollte die natur nun doch noch haben.

    grübelnde grüße
    von jule

  13. Christian S. sagt:

    „Und zum Schluss, nur der Vollständigkeit halber: Eine besonders unerfreuliche Rolle spielen in derartigen Diskussionen natürlich gerne auch die Kirchen. Weil sie die ohnehin schon schwierige Diskussion noch weiter verkomplizieren, indem sie von Seelen und göttlichem Willen und dem christlichen Verständnis des Menschen herumquaken.“

    Genau! Meinungsfreiheit nur für die, die ihre Meinung vorher von Herrscher Muriel abnicken lassen! Wo kommen wir denn da hin, wenn andere Leute eine andere Meinung haben! Skandal!

  14. Christian S. sagt:

    „Aus diesem Grund sollte meiner Meinung nach übrigens auch die Selektion nach weniger bedeutsamen Kriterien wie Haar- oder Augenfarbe nicht strafbar sein.“

    Der Faschismus nähert sich mit kleinen Schritten. Wie gewöhnlich.

  15. Christian S. sagt:

    „Ich versteh nicht ganz, was die bei künstlicher Befruchtung noch mit Gottes Willen argumentieren.“

    Das glaube ich aufs Wort, dass Sie davon nichts verstehen.

  16. Muriel sagt:

    @Günther: Hm. Ich hoffe, du verzeihst mir meine Offenheit, aber das Argument finde ich gar nicht überzeugend. Wenn man per PID nicht nur aussortieren, sondern sogar heilen könnte, würdest du das auch unter Strafe stellen wollen, wenn es nur bei künstlicher Befruchtung ginge?
    @life is just this: Danke für’s Mitdenken. Wenn du dich dadurch nicht bedrängt fühlst, gebe ich noch einmal zu bedenken, dass man wohl Magengrimmen haben darf bei der Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder quasi nach Wunsch gestalten (obwohl wir davon technisch noch weit, weit entfernt sind), dass das aber möglicherweise nicht ausreicht, um Leute zu bestrafen, die es dann doch tun.
    @Christian S.: Gesundheit! Versuch beim nächsten Mal bitte, nachzudenken, bevor du kommentierst, das ist dann für alle ein bisschen weniger peinlich.

  17. Christian S. sagt:

    Dem Andersdenkenden Krankheit zu unterstellen („Gesundheit!“), das haben die Nazis auch gemacht.

  18. Muriel sagt:

    @Christian S.: Na, da hast du mich dann ja jetzt endgültig entlarvt. Ich ziehe mich beschämt und über mich selbst erschrocken aus der Diskussion zurück.

  19. Tim sagt:

    Wow, wir haben einen Godwin! Gab’s das hier in der Überschaubaren Relevanz schon mal?

    PS: Bevor Ihr fragt – nein, ich habe keine ironische Absicht bemerkt, aus meiner Sicht ist das ein vollgültiger Godwin.

  20. Muriel sagt:

    @Tim: Nein, die ironische Absicht können wir ausschließen, denke ich. Und ich glaube, du hast Recht, dies ist der erste echte Godwin.

  21. Die Thematik ist schwierig, weil sich zwei ethische Fragen miteinander verbinden.
    Aber es ist eigentlich ganz einfach:
    Wollen wir Leben als wertvoll oder weniger wertvoll einstufen?
    Nein, das wollen wir nicht.
    Daher bringen wir keine kleinen Kinder um, die nicht unseren Idealen
    entsprechen. Soweit sind wir uns sicher einig.
    Wir wollen auch keine Ungeborenen umbringen, die nicht unseren
    Idealen entsprechen. Soweit stimmen wir alle überein.

    Aber wollen wir die Zeugung von Kindern *verhindern*, die nicht
    unseren Idealen entsprechen?
    Well?
    Wo hakt es? Genau, am ‚Prozess‘ der Zeugung. Künstlich oder natürlich.
    Bleiben wir bei der natürlichen Zeugung.
    Sollte man den Kinderwunsch von Menschen verhindern, deren Genpool ‚heikel‘
    ist – nach welcher Definition auch immer?
    Von mir ein klares Nein.
    Und bei der Implantation? Nur weil man es einfacher könnte?

  22. Muriel sagt:

    @Carsten Hucho: Nein, ich finde, die Frage, die du am Anfang stellst, tut hier wenig zur Sache. Sie ist auch zu unscharf, um uns weiter zu bringen.
    Die entscheidende Frage geht mehr dahin, ob wir im Acht-Zell-Stadium überhaupt schon von menschlichem Leben sprechen können. Ich denke, eindeutig nein.
    Und auch deine zweite Frage, ob wir die Zeugung von bestimmten Kindern verhindern wollen, geht in meinen Augen an der Sache vorbei.
    Denn nicht „wir“ verhindern irgendwas. „Wir“ (die Gesellschaft, der Staat) bestrafen Menschen nicht dafür, dass sie sich bei einem ohnehin erforderlichen Auswahlprozess (s.o., nur ein Embryo wird am Ende wirklich zum Kind) nicht auf den nackten Zufall verlassen, sondern den Embryo auswählen, der z.B. die geringste Chance hat, schwer behindert zur Welt zu kommen.

  23. […] Wo kämen wir denn da hin? Das wäre ja noch schöner! Da könnte ja jeder kommen. […]

  24. @Muriel,
    es wäre aber schon hilfreich, wenn Du diese Fragen hier beantworten würdest. Ohne diese Basis läßt sich nicht über Details sprechen:
    1. Wollen wir Leben als wertvoll oder weniger wertvoll einstufen?
    (diese Frage ist keineswegs unscharf. Und die Antwort sollte es auch nicht sein)
    2.Wir wollen auch keine Ungeborenen umbringen, die nicht unseren Idealen entsprechen, oder?
    (auch hier kann man eine scharfe Antwort auf eine scharfe Frage finden)
    3. wollen wir die Zeugung von Kindern *verhindern*, die nicht unseren Idealen entsprechen?
    (erlaubt ebenfalls eine klare Antwort. Und, nein, mit ‚wir‘ ist nicht eine abstrakte Institution gemeint, sondern die moralische Entscheidung von Personen – z.B. Du und ich)
    4. Sollte man den Kinderwunsch von Menschen verhindern, deren Genpool ‘heikel’ ist – nach welcher Definition auch immer?

    Diese Fragen sind durchaus nicht unscharf. Und ich denke schon, dass sie auf dem Weg zum Verständnis der Komplexität der angerissenen Frage (Selektion durch PID?) ein wenig helfen können.
    Also: nicht drücken, antworten 🙂

  25. Muriel sagt:

    @Carsten Hucho: Wenn du insistierst.
    1. Leben ohne weitere Qualifikation will ich als völlig wertlos einstufen. Für das Leben eines Bakteriums, eines Pilzes oder eines Blumenkohls mache ich keinen Finger krumm. Bei höheren Tieren sieht das schon ganz anders aus, und das Leben von Primaten ist z.B. wohl eher wertvoll, was auch immer du genau unter diesem Begriff verstehen möchtest.
    2. Definiere „Ungeborenen“ und „umbringen“. Wenn du mit dem Begriff „Ungeborenen“ einfache Zellhaufen meinst und mit dem Begriff „Umbringen“ nicht implantieren, lautet die gewünschte scharfe Antwort: Doch, nur zu.
    3. Klare Antwort: Natürlich will ich das nicht. Was du willst, weiß ich nicht.
    4. Gleiche Antwort.
    Ich hoffe, dass ich zur Wahrheitsfindung beitragen konnte.

  26. @Muriel, vielen Dank für die klaren Antworten zu 3. und 4.
    Zu 3. „wollen wir die Zeugung von Kindern *verhindern*, die nicht unseren Idealen entsprechen?“ kommt von Dir ein „klares Nein“ (dies ist auch meine Antwort). „Die Zeugung verhindern“ ist nun aber doch noch eine Stufe *vor* Deinem ubiquitären „Zellhaufen“. Du siehst, weswegen ich diese Fragen auswählte?
    Auch sollte man Deiner (und meiner) Meinung nach den Kinderwunsch von Menschen nicht verhindern, deren Genpool ‚heikel‘ ist.

    Wenn ich das richtig sehe, unterscheidest Du bei der Bewertung zwischen der Art der Zeugung. Ist sie biologisch und nicht technisch unterstützt, so hältst Du ein Eingreifen nicht für ok. Ist sie technisch unterstützt, dann aber doch. Oder?

    Meines Erachtens sind es genau diese Fragen, die helfen, die Schwierigkeit bei der Bewertung der PID zu demonstrieren.

  27. Muriel sagt:

    @Carsten Hucho: 3. Ja, mit genau diesem Missverständnis hatte ich gerechnet. Ich bin emphatisch dagegen, Menschen davon abzuhalten, Kinder zu zeugen. Genauso emphatisch bin ich aber dagegen, sie zu bestrafen, wenn sie selbst eine Entscheidung darüber treffen wollen, ob und welche Kinder sie sich wünschen. Unter anderem deswegen verstehe ich auch den Bezug deiner Fragen zum Problem nicht.
    4. Mit diesem Missverständnis hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Nein, es spielt für mich gar keine Rolle, wie die Zeugung erfolgt. Wenn es möglich wäre, sollte meiner Meinung nach jeder Embryo vorab untersucht werden, damit die Eltern dann eine informierte Entscheidung darüber treffen können, ob sie dieses Kind wollen oder nicht. Um mehr Missverständnisse zu vermeiden, sage ich vorsichtshalber noch dazu, dass das natürlich nur gilt, wenn die Eltern diese informierte Entscheidung treffen wollen. Ich würde auch das niemandem aufzwingen, obwohl ich es möglicherweise für verantwortungslos hielte, darauf zu verzichten.

  28. […] Dazu kann man stehen, wie man will, das ist ein schwieriges Thema. Aber warum in aller Welt interessiert es jemanden, was ausgerechnet diese Leute dazu zu sagen haben, die schon qua Amt jeglichen Anspruch auf Moral und Seriosität verloren haben? (Am Rande: Da die katholische Kirche es nicht für nötig hält, sich in Bezug auf PID neue Argumente einfallen zu lassen, mache ich das genauso und verweise auf meinen letzten Artikel dazu.) […]

  29. […] habe über dieses Thema schon mal geschrieben, und zwar das […]

  30. […] zu nehmen. Ich kann aber zumindest erst einmal auf meine bereits etwas älteren Ausführungen zum Status von undifferenzierten Zellhaufen verweisen, und ansonsten gibt es ja dankenswerterweise Wikipedia: Im 6. Monat ist der Fetus ein […]

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