We’ll always have Paris

Ja, ich weiß, das ist ein bisschen komisch, dass ich von Gran Canaria zurückkomme und euch dann erst einmal einen Paris-Reisebericht schreibe, aber wir sind hier bei überschaubare Relevanz, und da haben die Dinge ihre gute Ordnung und erscheinen in der richtigen Reihenfolge. Ich schulde euch noch einen Paris-Bericht, also gibt es auch einen. Und wenn ich das richtig sehe, schulde ich euch Babygemüse, also gibt es das auch.

Ich weiß nicht, ob ihr mein Interesse an ausländischen Supermärkten teilt, aber für mich sind die immer ein Höhepunkt eines jeden Auslandsaufenthaltes. In Paris habe ich nicht nur festgestellt, dass Franzosen offenbar gerne Gemüsesuppen essen, sondern auch, dass sie auf kleines Gemüse stehen. Zum Beispiel diese kleinen Zucchini:

Oder diese Blumenkohle:

Sind die nicht niedlich?

Toll sind übrigens auch die Bäckereien in Frankreich, auch wenn ihr das wahrscheinlich schon wusstet. Die haben nicht nur diese unglaublich leckeren Tartes, zum Beispiel mit Himbeeren, oder mit Zitronencreme und Baiser drauf, sie haben außerdem genug Verstand, ihr cremiges Gebäck vernünftig einzupacken. In Deutschland läuft das ja in aller Regel so, dass die mehr oder weniger freundliche Verkäuferin das Sahneteilchen in eine Papiertüte schiebt, und bis man es dann wieder rausholt, hat sich die Sahne mit allen anderen halbwegs flüssigen Bestandteilen vermischt und alle gemeinsam haben sich gleichmäßig in der Tüte verteilt. Franzosen packen ihre Tartes in Kartons, und so muss das auch sein, und nicht anders. Hoffentlich lernen wir das auch eines Tages noch.

Naja. Für den schwer vorstellbaren Fall, dass sich euer Interesse an exotischen Lebensmitteln in Grenzen hält, machen wir jetzt mit dem Rest weiter. Ich wollte von dem Jahrmarkt – oder was auch immer das wirklich war – in den Tuilleriegärten erzählen.

Der war nicht nur hübsch bunt beleuchtet und mit lustigen Fahrgeschäften versehen, wie zum Beispiel so einer Reverse-Bungie-Kugel (Irgendwann probiere ich das auch mal aus, wenn ich nicht gerade drei verschiedene Cremetartes gegessen habe.), sondern es gab da auch ganz leckere Crèpes in verschiedensten Varianten. Wir mussten allerdings aufpassen, dass sie uns nicht einen fertigen gaben, die lagen da so unter einer Plastikkuppel auf einem großen Berg und wirkten nicht mehr so besonders lecker. Während wir auf diesem Volksfest vor so einem kleinen Kinderkarussel saßen, erlebten wir einen dieser wunderschönen Momente, denen man hinterher eigentlich mit einer Beschreibung nicht so richtig gerecht werden kann, was einen aber nicht davon abhält, es doch zu versuchen, und dann nur leicht ratlose und peinlich berührte Gesichter zu ernten. In dem Feuerwehrwagen saß ein kleiner Junge und fuhr zufrieden im Kreis, während seine Mutter – die übrigens einen sehr hübschen Sari trug, schade, dass man dieses Kleidungsstück bei uns nicht häufiger sieht – ihm mit glänzenden Augen zusah und ihm immer voller Begeisterung und Liebe zuwinkte, wenn er vorbeikam. Mir steigen jetzt noch Tränen in die Augen, wenn ich an ihren Gesichtsausdruck denke.

Am vorletzten Tag orientierten wir uns in Richtung Montparnasse, fuhren am Pantheon vorbei und an der Sorbonne, und machten einen Spaziergang über den bekannten Friedhof.

Wie Rayson ja unter dem ersten Reisebericht schon angekündigt hat, findet man hier einige bekannte Namen auf den Steinen, wenn man die Nerven hat, zu suchen. Das ist nämlich bei Weitem nicht so einfach, wie der übersichtliche Plan am Eingang suggeriert. Wir hatten allerdings Glück und begegneten ziemlich früh einem unheimlich freundlichen alten Franzosen, der offenbar mal dort auf dem Friedhof gearbeitet hatte und uns zeigte, wen wir sehen wollten. Zuallererst einmal statteten wir dem Grab des Mathematikers Henri Poincaré einen Besuch ab:

Und danach kamen noch Ginsburg, Beckett und Baudelaire sowie natürlich noch viele andere hübsche Gräber von Leuten, deren Namen wir noch nie gehört hatten. Falls ihr euch so wie ich fragt, warum da U-Bahn-Tickets mit Steinen darauf auf den Grabplatten liegen: Die Besucher schreiben da kleine Botschaften drauf und hinterlassen sie auf diese Weise am Grab. Hübsche Idee, fanden wir.

Am letzten Tag stand der Turm der Türme auf unserem Programm, und ich muss zugeben, dass es ziemlich naiv von uns war, einfach davon auszugehen, dass es kein Problem ist, noch mal schnell den Eiffelturm zu besichtigen, wenn man schon mittags wieder im Zug sitzen will.

Ob ihr es glaubt oder nicht, die Idee hatten nämlich auch noch ein paar andere Leute, und außerdem ist einer der Zugänge zurzeit renovierungsbedingt geschlossen. Die Schlangen zu den beiden Aufzügen waren also geschätzte zwei Stunden lang, was für uns ein Problem gewesen wäre. Zum Glück gibt es auch noch einen Zugang zu einer Treppe. Dort musste wir nur zwanzig Minuten warten, und wenn man erst einmal bis zur zweiten Plattform hochgestiegen ist – was auch für untrainierte Touristen zu schaffen sein müsste -, dann kann man wiederum einen Aufzug nehmen, dessen Schlange erheblich kürzer ist. Und so konnten wir genau die Stunde sparen, die wir dann hatten, um vom Turm runterzuschauen und Bilder zu machen.

Wer empfindlich ist, dem verderben die Antiterrormaßnahmen möglicherweise die romantische Stimmung:

Aber wer nicht auf Gewalt steht, ist in Paris sowieso falsch. Wisst ihr ja schon.

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11 Responses to We’ll always have Paris

  1. Rayson sagt:

    Da muss ich als selbsternannter Experte des Friedhofs Montparnasse noch etwas loswerden:

    Die Metrotickets auf dem Grab Gainsbourgs spielen auf dessen ersten großen Erfolg an mit dem Titel „Le poinçonneur des Lilas“. Er handelt von einem Menschen, der an der dir sicher bekannten Metrostation „Les Lilas“ tagein, tagaus Fahrkarten entwertet. Offensichtlich ein älterer Song (1958).

  2. Muriel sagt:

    @Rayson: Danke für den Hinweis, aber die Metrotickets lagen auch auf den anderen Gräbern. Besonders bei Poincaré sind mir viele aufgefallen. Haben die da auch einen tieferen Sinn?

  3. Rayson sagt:

    Nachahmende Touristen 😉

    Nee, keine Ahnung. Ich habe sie damals (vor vielleicht 6 Jahren) nur auf Gainsbourgs Grab gefunden, allerdings das von Poincaré auch nicht bewusst zur Kenntnis genommen.

  4. Zaphod sagt:

    In wirklich guten Konditoreien bekommt man auch hierzulande seine Tarte ordentlich verpackt, nur der Bäcker um die Ecke hat das meistens nicht drauf. Macht aber nichts, weil der es meistens auch nicht drauf hat eine anständige Tarte zu basteln.

  5. Chlorine sagt:

    Dein Karussell-Moment ist fast so rührend wie der mit dem Reifen auf Reisen. Mit dem Minigemüse willst du sicher nur von deiner monströsen Gestalt ablenken. Jene welche erklärt nämlich auch, dass du und deine Begleitung in Rekordzeit den Turm „bestiegen“ habt. Tja und für das letzte Bild kam dann deine Fuß-Cam zum Einsatz. 😉

  6. Andi sagt:

    Ich bin ja nicht hier, um Muriel zu verteidigen – aber eine monströse Gestalt hat er nun wirklich nicht. 🙂

    Ich hatte grad beim Lesen auch einen dieser Momente, wie du beim Karussell-Gucken. Reiseberichte sind sowas herrliches. Aber ich glaube, das erwähnte ich mal.

    Fragen:
    1. Schmecken französische Mini-Zutschini wie die Deutschen sagen auch nach nix?

    2. Hat der Typ auf dem letzten Bild, der mit dem Rucksack, eine weiße Radlerhose an? Also bitte – wo ist denn da die Modepolizei? Ich meine – das ist doch Paris, Lagerfeld, Joop und was weiß ich, wer noch.

    3. Kann mal jemand das Akkordeon ausstellen, das ich beim Lesen die ganze Zeit gehört hab?

  7. Muriel sagt:

    @Zaphod: Wenn es doch nur so einfach wäre. Aber es gibt sie, insofern hast du Recht.
    @Chlorine: Dein geistiges Bild von mir würde ich ja schon gerne mal sehen…
    @Andi: Danke!
    1. Also, ich mag Zuchinininos generell unheimlich gerne, aber die französischen habe ich nicht probiert.
    2. Modepolizei? Du siehst doch die beiden Herren im Vordergrund. Die haben ihn nur noch nicht entdeckt.

  8. Andi sagt:

    2. Hättest du die beiden Uniformierten nichtmal darauf aufmerksam machen können?
    Vielleicht bin ich ja auch nur wieder oberflächlich, aber Turnschuhe mit Socken und weißer Radlerhose – nein, das geht gar nicht. Muss ein Deutscher sein.

  9. Guinan sagt:

    Nette Bildunterschriften wieder.

    Zur Aufnahme von Turm aus: Irgendwer hat mir mal gesagt: Och, Paris, das ist nix Besonderes. Das sieht von oben auch nicht anders aus als Dresden. Alles nur flach.

  10. Muriel sagt:

    @Andi: Weil ich hier so lange keine dummen Vorurteile mehr verbreitet habe (zumindest nicht bewusst): Wir sind einfach nicht so modebewusst wie ihr.
    @Guinan: Danke! Aber ich fand Paris eigentlich wirklich sehr schön. Dresden übrigens auch.

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