Restebloggen zum Wochenende (48)

  1. Letzte Woche saß ich ungefähr zwei Stunden lang in in der Nähe von Uelzen in einem IC, der wegen eines Böschungsbrandes nicht weiterfahren konnte. Die Informationspolitik der Bahn war wie immer… naja, semiprofessionell („Sehr geehrte Damen und Herren, neben dem Gleis wartet ein Bus als Schienenersatzverkehr nach Uelzen.“ [Ende der Ansage. Keine weitere Erläuterung, kein Hinweis, für wen sich die Nutzung des Schienenersatzverkehrs lohnen könnte, kein Wort darüber, wie und ob es von Uelzen aus weitergeht, kein weiteres Wort.]), aber das kennt man ja. Sogar die Klimaanlage funktionierte die ganze Zeit über tadellos, ich habe also eigentlich keinen Grund zu klagen. Lustig war aber, was dann angefahren kam, nachdem dieser eine Bus hoffnungslos überfüllt aufgebrochen war, ohne eine merkliche Verkleinerung der am Gleis wartenden Menschenmenge bewirkt zu haben:
  2. Mein Vater hat sich gelegentlich gewünscht, dass in seiner Todesanzeige stehen sollte: „Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er mit dem Graben von unterirdischen Gängen.“ Im Nachhinein finde ich es ein bisschen schade, dass ihm niemand diesen Wunsch erfüllt hat.
  3. Abgesehen von einem durchaus gelungenen Hitler-T-Shirt fand sich in der letzten Woche bei Aufklärung 2.0 auch eine aufschlussreiche Debatte zu der Frage, ob Kinder unglücklich machen. Der Autor hat offenbar mehrere Studien zu dem Thema gelesen, die einhellig zu diesem Schluss kommen. Nur in den skandinavischen Ländern scheint das anders zu sein, was möglicherweise an deren Politik liegt. Mindestens genauso interessant wie dieses Ergebnis finde ich aber die Kritik an seinem Artikel, die selten über „Kann doch gar nicht sein, Kinder sind toll, ich kenne total viele Eltern, die irre glücklich sind!“ hinaus kam. Ich weiß wirklich nicht, ob die alle nicht wissen, was echte Argumente sind, oder ob sie nur keine Lust haben, welche zu suchen.
  4. Richtig ärgerlich fand ich diesen Beitrag von Don Dahlmann zur letztwöchigen Homöopathiedebatte und einen Teil der Diskussion darunter.
    Ob die Homöopathie nun was bringt, oder nicht, ich finde die gesamte Diskussion überflüssig.
    Man scheint sich dort generell weitgehend einig zu sein, dass Homöopathie Blödsinn ist, findet aber, dass es trotzdem weiter bezahlt werden sollte, weil es ja immerhin den Placebo-Effekt gibt, und sooo teuer ist das alles ja auch wieder nicht.
    Das verstehe ich gar nicht. Natürlich haben homöopathische Mittel einen Placebo-Effekt, wenn man dran glaubt, aber um den zu erzielen, muss die Solidargemeinschaft nicht den Betrug von Hexendoktoren unterstützen, deren Geschäft schlichtweg darin besteht, ihre Patienten zu belügen und Zuckerkugeln bzw. Leitungswasser als Medizin zu verkaufen. Dürfen Ärzte in Zukunft auch Operationen zum vollen Preis abrechnen, die sie in Wirklichkeit nur vorgetäuscht haben, oder wie?
  5. Matt D. hat beim Blog von Atheist Experience einen sehr lesenswerten Beitrag über die Beziehung zwischen Skeptizismus und Theismus geschrieben. Ich finde es auch immer wieder bemerkenswert, wie auch generell sehr rational denkende Menschen dazu neigen, sich kleine Reservate der Unvernunft zu schaffen.
    If anyone needed evidence of the pernicious, nefarious, deleterious effects of religious beliefs and their ability to protect themselves while affecting their surroundings; they need look no further than the collection of otherwise committed skeptics who not only shy away from the subject but encourage others to do the same.
  6. Ich weiß, ihr habt langelangelangelangelange darauf gewartet, aber irgendwann diese Woche kommt sie endlich zu euch nach Hause: Die Twilight-Rezension! Es wird natürlich ein Verriss, klar, aber eins will ich doch sagen: Ich habe es bis zum Ende geschafft, ohne mir selbst oder dem Buch dabei etwas anzutun. Das ist mehr, als ich zum Beispiel von Stieg Larssons Verblendung sagen kann.
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19 Responses to Restebloggen zum Wochenende (48)

  1. Blues Lee sagt:

    zu 2.

    Mein Onkel wünscht sich, auf seinem Grabstein solle stehen: „Hier liegen meine Gebeine, ich wollt es wären deine.“

  2. Muriel sagt:

    @Blues Lee: Ich selbst plane zwar, nicht zu sterben, aber falls doch, wäre das möglicherweise auch mein Favorit.

  3. Hast du dir denn auch schon den zweiten Twilight Band bestellt, jetzt wo du den ersten auch geschafft hast?

    Und die Informationspolitik der Deutschen Bahn …. jaaaa …. genau …. normalerweise wird man ja auch immer erst nach einer halben Stunde Stillstand darüber informiert, dass irgend etwas nicht zu stimmen scheint.

  4. Muriel sagt:

    @Bioschokolade: Den zweiten Teil? Ach, wie soll ich sagen. Also, weißt du, naja… Nein.

  5. rebhuhn sagt:

    was war denn nach der verblendung? das buch kaputt oder du im heulkrampf? das steht nämlich auch hier bei mir im regal und wartet…

  6. Andi sagt:

    Ich hab Muriel „Verblendung“ empfohlen. Ich bekenne mich schuldig. Es tut mir leid. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass meine anderen Empfehlungen nicht ganz so schlecht waren. 🙂

    Ich weiß nicht, ob Menschen mit Kindern glücklicher sind als Menschen ohne. Ich selbst hab keine Kinder und werde wohl nie welche haben und das ist auch gut so, weil ich es mir selbst so eingerichtet habe. Das bedeutet aber nicht, dass ich keine Kinder liebe. Und ich könnte mir ein Leben ohne mein Patenkind auch nicht vorstellen. Und das wiederum bedeutet nicht, dass ich jedem Menschen aufzwingen würde, Kinder zu bekommen.

  7. Maxi sagt:

    zu 1.) GEIL!
    zank you for trevveling wiz deutsche bahn. good bye!

  8. Muriel sagt:

    @rebhuhn: Das ist jetzt vielleicht ein bisschen antiklimaktisch, aber eigentlich habe ich das Buch bloß nach rund 80 Seiten entnervt ins Meer geworfen und dann doch wieder rausgefischt, weil sich das erstens nicht gehört und ich zweitens ein paar besonders schlimme Stellen zitieren können wollte, was jemand fragt.
    @Andi: Muss dir nicht Leid tun. Geschmäcker sind eben verschieden.
    Was die Kinder angeht: Es gibt sicher viele Menschen, deren Kinder sie glücklich machen. Und niemand von uns wird je erfahren, wie glücklich er wäre, wenn er sich irgendwann mal anders entschieden hätte. Insofern sind solche Fragen schon teilweise ein bisschen akademisch, aber ich finde es jedenfalls nicht unplausibel, dass viele Menschen durch ihre Kinder weniger glücklich sind, auch wenn sie sie noch so sehr lieben.
    @Maxi: Danke. Ja, dieses Ding war toll. Um ganz ehrlich zu sein: Nachdem ich dieses Foto gemacht hatte, bin ich schnell wieder in den IC zurückgelaufen, wo ich meinen Laptop ganz unbewacht stehengelassen hatte, deswegen kann ich nicht definitiv sagen, ob wirklich jemand mit dem Ding mitgefahren ist.

  9. Maxi sagt:

    trotzdem geile Story 😉

  10. Nardon sagt:

    3: Schliesse ich mich Andi an

    4: Der Wortvogel hatte dazu neulich einen Beitrag http://wortvogel.de/2010/07/liebe-frau-kunast/ desen Seite du ja auch hin und wieder besuchst.

    6: Habe nur die Filme gesehen und hätte Sie darauf auch wie Andi weiterempfohlen (Stieg Larssons Verblendung, Verdammnis und Vergebung).

  11. Muriel sagt:

    @Nardon: 4. Ja, das hatte ich dort auch gelesen. Hat mir gut gefallen.
    6. Von den Filmen höre ich in der Tat auch immer nur Gutes. Werde ich bestimmt noch ausprobieren.

  12. Günther sagt:

    2: Unterirdische Gänge? Bin ich schwer von Begriff oder ist da noch ein tieferer Sinn hinter?

    6: Wenn das so ist, würde mich bei Gelegenheit auch mal eine Rezension von Verblendung interessieren 😉

  13. Andi sagt:

    Muriel:
    Ich schätze, Kinder machen genauso wenig ständig glücklich wie ein Partner, den man ja eigentlich auch liebt. Und Kinder sind sicher auch nicht immer glücklich mit ihren Eltern. Das ist menschlich und völlig normal, dass man sich auch mal über die ärgert, die man liebt.
    Unplausibel ist es sicher nicht, dass Eltern mit ihren Kindern weniger glücklich sind. Aber sofern da nicht irgendwas schlimmes passiert ist, die Umstände irgendwie dramatisch sind, glaub ich nicht, dass Eltern dauerhaft mit ihren Kindern unglücklich sind oder ihre Entscheidung, Kinder zu bekommen, bereuen.

    Nee, wenn ich länger darüber nachdenke, glaub ich das wahrscheinlich doch. Blöd.

    Was in meinen Augen jedenfalls gar nicht geht, ist, sich über Kinderlärm zu beschweren. Ich wohn gegenüber eines Spielplatzes und es stört mich mich manchmal auch beim Arbeiten. Aber, meine Güte – ich war ja früher auch mal klein.
    Gehörte gar nicht zum Thema, ne? Tschuldigung. 🙂

    Und zu den Larsson-Verfilmungen:
    die hab ich alle noch nicht gesehen und hab auch Angst vor ihnen, weil mir die Bücher gefallen haben. Und ich glaube nicht, dass man 600-Seiten-Bücher besonders originell verfilmen kann.

  14. Maxi sagt:

    @Andi:
    Mir haben die Bücher auch gefallen. Waren spannend und fesselnd geschrieben. Bin natürlich gleich in den ersten Film gerannt, als dieser in die dt. Kinos kam.
    War enttäuscht. Habe mir die anderen Teile geklemmt.

    Deine Befürchtung ist richtig, im Film kann nicht alles so rüberkommen, wie in den Büchern beschrieben. Die Komplexität geht verloren.

    Tipp von mir:
    Abwarten und in 1-2 Jahren auf Video schauen. Dann ist das schöne Gefühl vom Lesen etwas abgeschwächt und man freut sich auf 3 schöne TV-Krimis.

  15. Muriel sagt:

    @Günther: 2.Nein, da ist kein tieferer Sinn, das ist einfach nur ein dummer Witz.
    6. Ich nehme die Anregung gerne auf, aber ich verspreche nichts.
    @Andi: Sehr schöner Kommentar. Ich schreibe auch gerne mal ein bisschen konfus und finde, das ist ein sehr angenehmer Stil.
    @Maxi: Vielleicht habe ich einfach zu früh aufgegeben, aber das mit dem schönen Gefühl vom Lesen kann ich mir bei Larsson einfach gar nicht vorstellen.

  16. Maxi sagt:

    @Muriel:
    Schöne Gefühl nicht, weil er über schöne Dinge schreibt, sondern weil die Handlung so komplex und vielschichtig aufgebaut ist. Krimis über mehrere hundert Seiten finde ich toll. Da bin ich nicht an einem Tag durch. Da fiebert man mit den ‚Helden‘ einige Tage mit und versinkt in die Story bzw. in das Geschehen ein. Ich hatte alle drei Teile am Stück gelesen. Das ist wie ein guter Film mit Über-Über-Überlänge, wenn du verstehst, was ich meine.

    P.S. Ich hatte meiner Cousine vom Lesen abgeraten, weil ihr der Inhalt zu brutal gewesen wäre. Ich habe auch keine Probleme, wenn jemand das Buch (die Bücher) nicht gefällt. Ist halt nicht jedermanns Sache. Musst dich also nicht durch die Bücher „quälen“ 😉

  17. Andi sagt:

    Maxi:
    So ähnlich geht es mir auch. Ich mag gerne längere Bücher. Larsson hat mich irgendwie mitgerissen, der erzeugte mir eine wunderbare Atmosphäre. Und das, obwohl es sicher einige Kritikpunkte gibt bei „Verblendung“: die Beschreibungen von Larsson sind mir oft zu lang und zu eintönig, die Dialoge manchmal gekünstelt, die Krimihandlung kommt erst 100 Seiten vor Schluss in Schwung, dann aber wenigstens richtig. Es zieht sich alles ein wenig. Von daher kann ich gut verstehen, wenn jemand die Trilogie nicht lesen mochte. Aber ich kenne viele, die Larsson gelesen haben und nicht mehr aufhören konnten, weil die Bücher irgendetwas besonderes haben, etwas, das man auch kaum beschreiben kann. Bei mir war es auch eine Faszination für die Figuren, für die Gegensätzlichkeit der Protagonisten. Man fiebert mit ihnen mit – aber man steht außen vor und beobachtet, man will nicht mit ihnen befreundet sein. Ist das irgendwie verständlich? 🙂

    Ich hab die Trilogie übrigens nicht an einem Stück gelesen, sondern dazwischen jeweils ein oder zwei andere Bücher.

  18. Maxi sagt:

    @Andi:
    Oh, ich war richtig froh, dass ich alle drei zur Hand hatte…der absolute Megaflash eines diabolischen Krimis.

  19. […] Sie glitzern und glänzen und leuchten so fein Es ist ein bisschen knapp geworden, aber die Woche ist immerhin noch nicht ganz rum, und hier ist nun endlich die lange angekündigte Twilight-Rezension! […]

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