Ich glaube, er meint das gar nicht ernst,

aber Peter Richter hat bei faz.net einen Artikel geschrieben, in dem es vordergründig darum geht, dass ein umfassendes Alkoholverbot seiner Meinung nach folgerichtig und unausweichlich ist.

Und nüchtern betrachtet – also nicht mit dem Interesse, den eigenen Alkoholkonsum intellektuell und kulturell irgendwie zu legitimieren -, ganz nüchtern betrachtet und zu Ende bedacht, ist ein Alkoholverbot nichts als ein Gebot der Vernunft und die logische Konsequenz aus der Lage und Entwicklung der Dinge.

Beim Lesen ist mir aber aufgefallen, dass er nicht nur in dieser Hinsicht inhaltlich ärgerlich ist, sondern außerdem noch auf das Schönste illustriert, mit welchen Scheinargumenten und Verdrehungen Gegner individueller Freiheit gerne arbeiten, wenn sie uns mal wieder vor irgendwas schützen wollen.

An das Unvorstellbare gewöhnt man sich erstaunlich schnell.

Und ich finde es irgendwie traurig, dass jemand sich Gedanken für einen Zeitungsartikel macht und dabei nicht auf die Idee kommt, dass das nicht unbedingt etwas Gutes ist. Dass man es eigentlich sogar erschreckend finden kann, dass viele von uns heute nichts mehr dabei finden, dass Glühlampen verboten sind, oder eben das Rauchen.

Das Alkoholverbot wird „kommen“ – mit der gleichen erbarmungslosen Unentrinnbarkeit, mit der, wie es immer heißt, „die Globalisierung kommt, ob wir das wollen oder nicht“. Das Einzige, was einem zu entscheiden bleibt, ist die Frage, ob man vorwärts in die Zukunft fahren will oder rückwärts, ob man fortschrittsfreudig durch das Leben gehen möchte – oder als Reaktionär, der dauernd „Nichts darf man mehr“ mault, so wie allerdings auch die, die gern wieder Herrenwitze erzählen dürfen würden und Sekretärinnen in den Po kneifen.

Und da haben wir den Kernfehler der Argumentation: Herr Richter hat offenbar Schwierigkeiten, dazwischen zu unterscheiden, ob eine kulturelle Veränderung wünschenswert ist, und ob ihre strafbewehrte Verordnung eine gute Idee wäre. Die sogenannten Herrenwitze sind ja aus gutem Grund nicht verboten, aber die meisten von uns haben sie als geschmacklos erkannt und goutieren sie deshalb nicht (mehr). Na gut, sexuelle Belästigung von Sekretärinnen ist mit Recht verboten, aber da sehe ich auch noch einen kleinen Unterschied, namentlich den, dass es da ein Opfer gibt, das staatlichen Schutz beanspruchen kann.

Das Trinken ist weitgehend aus dem Arbeitsleben verschwunden. Warum nicht demnächst auch aus der Freizeit? Wie wäre es denn, wenn jemandem, der „nein, danke“ sagt, nicht mehr automatisch unterstellt würde, dass er alkoholkrank, eine schwangere Frau oder Islamist ist?

Das wäre in der Tat wünschenswert, aber – auf die Gefahr hin, mich zu widerholen – ich könnte jedesmal speien, wenn jemand so tut, als könne man daraus schon schlussfolgern, dass der Staat es dringend zwangsweise herbeizuführen hat. Ich fände es auch toll, wenn niemand mehr an Religionen, alternative Medizin, Tarotkarten und Besuche von Außerirdischen glauben würde, aber ich hielte es für eine Abscheulichkeit, diese Aberglauben unter Strafe zu stellen.

Auch als Kulturfetisch enthält Wein Alkohol; Alkohol ist eine Gefahr für Leib und Leben, die Menschen müssen davor geschützt werden, und da individuelle Verantwortung sich der Regulierbarkeit entzieht, ist ein Totalverbot die einzige Möglichkeit, so gut das Zeug auch schmecken mag.

Und an diesem Punkt bin ich mir jetzt eigentlich doch ziemlich sicher, dass Richters Artikel eine Satire ist. Eine sehr trockene (Wortspiel beabsichtigt), eigentlich sehr gelungene Satire, die den Kommentaren nach die meisten Leser verständlicherweise nicht durchschaut haben. Das Erschreckende ist also eigentlich weniger dieser Artikel an sich als die Tatsache, dass wir in einem Land leben, in dem man nicht sicher sein kann, ob solche Sprüche ein Witz sind, weil es genug Leute gibt, die sowas im Ernst sagen. Und weil einige von denen die sind, die unsere Gesetze machen. Vielleicht sollte ich doch auch mit dem Trinken anfangen, solange es noch geht.

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32 Responses to Ich glaube, er meint das gar nicht ernst,

  1. TakeFive sagt:

    Dass die Gesundheit bei diesen Geschichten immer vorgeschoben wird wie der heilige Gral macht mich eigentlich am fuchsigsten (hm wieder ein Superlativ das ich mal der Dudenkonferenz oder wie das heißt schicken sollte). Und irgenswie scheint es auch immer absolut glatt durchzugehen dass es absolut NICHTS wichtigeres gibt im Leben als das selbe um nen Monat zu verlängern, ganz egal in welchem Zustand.
    Wie weit soll das gehen? Bald neben der Steuererklärung noch die Sporterklärung („Ah zu Fuß zum Brötchen kaufen, das kann man absetzen. Kann ihr Blockwart das vielleicht bezeugen?“)? Schlafüberwachung? Fernsehrationierung?
    Ich hätte das vor dem Einschlafen nicht lesen sollen. Jetzt geht mein Schönheitsschlaf drauf und von meinem Blutdruck will ich gar nichts wissen.
    Das ungesündeste ist immer noch das Leben selbst: Es endet immer tödlich. Bah.

  2. rauskucker sagt:

    Eigentlich wollte ich ja nicht mehr … aber wenn wir da doch mal einer Meinung sind:
    Das Schöne an einem Alkoholverbot ist, daß es ungefähr so viel Erfolgsaussicht hat wie ein Verbot der Schwerkraft. Aber auch wenn er nur ein Verkaufsverbot meint, die Herstellung von Alkohol ( und anderen Drogen) ist wohl die älteste Kulturtechnik des Menschen überhaupt und wird, sollte sie mal ins Vergessen geraten, immer wieder neu erfunden werden.
    Mit wohlig-nostalgischem Gefühl erinnere ich mich noch an jenen selbstgebrauten Bananenwein (aus bei der Arbeit im Hafen abgestaubten Bananen-„Händen“). Sehr lecker, sehr anregend. Und unterhaltsam, dieses ständige Ploppen des Gasabzugventils. Ach, ist das schon lange her …

  3. Ron sagt:

    Das Alkohol (genauso wie anderen Drogen, Tabakkonsum, fettes Essen undsoweiterundsofort) eine nachteilige Wirkung auf die Gesundheit hat, ist denke ich unbestritten. Wenn man davon ausgeht, dass nun doch der größte Teil der Menschen gerne eine gute Gesundheit erhalten möchte und vielleicht sogar so um die 80 Jahre leben will, dann muss man also etwas gegen diese „Gifte“ tun. Man kann sie verbieten (siehe Drogen), man kann den Konsum einschränken (siehe Rauchen) oder man kann es einfach laufen lassen (siehe Essen).

    Ich finde es für mich schwierig eine Grenze zu ziehen. Natürlich möchte auch ich mir so viel wie möglich von meiner persönlichen Freiheit und Entscheidungshoheit erhalten und sehe es auch nicht ein, ständig zu irgendetwas gezwungen zu werden. Natürlich ist man umso aufmerksamer, umso „persönlicher“ das Verbot wird. Wo aber ist diese feine Linie, wo man persönlich oder als Teil der Gesellschaft vielleicht doch mal eine Grenze braucht, die man sonst vielleicht nicht würde einhalten können? Alles in die individuelle Hoheit zu übergeben ist glaube ich zum Scheitern verurteilt. Und so ist es immer ein Für und Wieder, eine Diskussion die geführt werden muss. Manchmal mit dem Ergebnis einer Gesetzgebung (siehe die Raucheinschränkung), manchmal als unendlicher Diskurs ohne jeglichen Aussicht auf eine Lösung (siehe z.B. Alkoholverbot). Allerdings bei Nichtgefallen der Gegenmeinung einfach mal deren Ernsthaftigkeit in Frage zu stellen ist – finde ich – auch kontraproduktiv. Und wer definiert eigentlich, ob eine „kulturelle Veränderung“ wünschenswert ist?

  4. Maxi sagt:

    Ich denke das Alkoholverbot mit dem Rauchverbot zu vergleichen hinkt etwas. Wenn mir jemand beim Rauchen ins Gesicht pustet, dann ist das gesundheitsgefährdent für mich (Passivraucher). Wenn jedoch jemand trinkt, dann macht er das für sich, zum Genuss oder warum auch immer. Er gefährdet mich direkt nicht damit. Alkohol in Maßen ist auch nicht gesundheitsgefährdent, oder?

    Daher erachte ich das Rauchverbot an öffentlichen Orten als richtig. Es bedeutet nicht, dass das Rauchen bei Strafe verboten ist. Und ob die Verbote meine persönliche Freiheit einschränken sehe ich noch nicht.

    Ich gebe zu, ich habe den faz Artikel noch nicht gelesen oder mich mit dem Alkoholverbot näher beschäftigt. Hole ich aber nach und melde mich wieder…

  5. Ich finde, bei so „kulturell“ argumentierenden Leuten wie Richter (man könnte auch sagen: mit dem Weltgeist) gehen juristische Unterschiede oft verloren. Ist ja auch kein Wunder, so argumentiert es sich einfach leichter.
    Übrigens: Ich dachte auch ungekennzeichnete Satire, aber dafür (oder: als solche) ist es zu lang, zu wenig pointiert, zu lahm.

  6. Guinan sagt:

    Also ich bin ja für ein umgehendes Verbot jeglicher Arbeit. Die ständige Fron verhindert zu viele gesundheitsfördernde Beschäftigungen wie z. B. das geistig anregende Kommentarlesen und hat außerdem noch reichlich ungesunde Nebenwirkungen. Das muss wesentlich schädlicher sein als genussvoller und entspannender Alkoholkonsum.

  7. Muriel sagt:

    @TakeFive: Ja, so ungefähr sehe ich das auch.
    @Ron: Mein persönlicher Maßstab für die Legitimierung staatlichen Zwangs liegt eher bei manifestem kausalem Schaden für Unbeteiligte. Ich halte es für absolut inakzeptabel, dass der Staat Menschen Dinge verbietet, die niemandem schaden außer ihnen selbst. Ich halte das auch nicht nur für unnötig, sondern geradezu für schädlich, weil es die Eigenverantwortung und die Mündigkeit (Ich weiß, ein bisschen überstrapaziert, der Begriff.) der Bürger untergräbt.
    @Maxi: Ich bin gespannt auf deine Meinung, insbesondere dazu, ob Herr Richter nun ernstet oder scherzt.
    @not quite like beethoven: Ja, es argumentiert sich immer leichter, wenn man einfach das vorwegnimmt, was man eigentlich beweisen will…
    Deine Bedenken, was die Satire angeht, teile ich einerseits, aber andererseits konnte ich mir nicht vorstellen, dass jemand so einen Quatsch im Ernst schreibt. Andererseits ist das vielleicht einfach nur meiner eigenen Naivität geschuldet…

  8. Vielleicht ist es das Genre bleifüßige Satire mit ernster Absicht.

  9. Werner sagt:

    Vorab: ich halte ein Alkoholverbot für Quatsch.

    @Muriel:
    „Ich halte es für absolut inakzeptabel, dass der Staat Menschen Dinge verbietet, die niemandem schaden außer ihnen selbst.“
    Ich gebe Dir Recht, wenn der, der sich selbst schadet in den Wald geht und stirbt (und auch dann werden wahrscheinlich immaterielle Schäden verursacht).

    Etwas anders sieht es aus, wenn derjenige, der sich selbst schadet, im Nachgang auf Leistungen und Unterstützung Dritter angewiesen ist. Bei übermäßigen (!) Alkoholkonsum wäre aber das genau der Fall: evtl. Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit etc.

  10. Muriel sagt:

    @Werner: Dieses Argument ist in der Tat nicht ganz von der Hand zu weisen. Ich will hier nicht zu weit vom eigentlichen Thema wegführen, aber andererseits will ich dir auch eine Antwort geben, wie ich das sehe:
    Wenn Alkoholkonsum tatsächlich ein erheblicher Risikofaktor in diesem Bereich sein sollte – was ich mir gut vorstellen kann -, dann besteht die Lösung meiner Meinung nach nicht darin, ihn zu untersagen, sondern vielleicht darin, ihn bei Versicherungsprämien zu berücksichtigen, so wie das heute z.B. schon beim Rauchen und beim Sportflug geschieht. Oder man lässt es und schaut, wie man damit im Wettbewerb besteht.
    Es käme ja auch niemand auf die Idee, Fußball oder Skifahren zu verbieten. Hoffe ich zumindest.
    Ja, ich denke da in die Richtung einer Privatisierung unseres Gesundheitssystems, aber das diskutieren wir vielleicht lieber wirklich nicht hier.
    Eine Solidargemeinschaft, die dem Einzelnen seine Freiheit nimmt, über sich selbst zu verfügen, und das damit rechtfertigt, dass sie ja in ihrer Güte für jeden Schaden einstehen müsste, den er sich selbst zufügt, hat in meinen Augen etwas entschieden Gruseliges.

  11. Tim sagt:

    @ not quite like beethoven

    Ich fand den FAZ-Artikel sehr gelungen und die ironische Absicht auch klar erkennbar („Ein Totalverbot ist die einzige Möglichkeit, so gut das Zeug auch schmecken mag“). Es gibt dort ja leider nicht (mehr) allzu oft geistreich geschriebene Texte, vielleicht haben wir uns inzwischen auch einfach zu sehr an laute Töne gewöhnt …

    @Werner

    Mit Deinem Argument kann man allerdings praktisch alles verbieten, auch Fahrrad fahren und Pommes.

  12. Gerade was Satire angeht, sind die Geschmäcker ja verschieden. Ich für mein Teil fand, dass dem Text spätestens nach der Hälfte die Luft ausgeht.

  13. Werner sagt:

    @Muriel: Die Berücksichtigung persönlicher Risiken würde m.E.n. zu einer noch größeren Einschränkung der persönlichen Freiheit führen, weil ja dann ALLE Lebensbereiche, d.h. alle gesundheitlich relevanten (positive wie negative) Aktivitäten und Eigenschaften beliebig granular erfasst, geprüft, bewertet und überwacht werden müssten. Ich bevorzuge dann doch eine eher unscharfe Risikoversicherung – mit allen Konsequenzen.

    „Eine Solidargemeinschaft, die dem Einzelnen seine Freiheit nimmt, über sich selbst zu verfügen, und das damit rechtfertigt, dass sie ja in ihrer Güte für jeden Schaden einstehen müsste, den er sich selbst zufügt, hat in meinen Augen etwas entschieden Gruseliges.“
    Ja und nein – das ist ein ganz schmaler Grat. Eine Solidargemeinschaft funktioniert eben nur dann, wenn sich ein irgendwie gelagertes Gleichgewicht zwischen Gebenden und Nehmenden einstellt (idealerweise mehr Gebende als Nehmende und damit die Option, Reserven bilden zu können).

    Auf der einen Seite findet auch meiner Meinung nach die Solidargemeinschaft dort ihre Grenzen, wo die Freiheit des Einzelnen übermäßig eingeschränkt wird.
    Auf der anderen Seite nimmt man ja gerne alle Leistungen der „Solidargemeinschaft“, Gesellschaft oder Staat (wie auch immer man das bezeichnen möchte) mit: Schule, Uni, Sicherheit, Straßen, Krankenhäuser, Rente, wirtschaftliche Rahmenbedingungen etc.
    Genau dieser Ausgleich ist so schwierig: unser Zusammenleben funktioniert halt nicht, wenn alle den größten (persönlichen) Nutzen zu den geringsten Kosten aus dem System ziehen möchten.
    Die Einschränkung meiner Entscheidungsfreiheit empfinde ich persönlich auch als einen sehr großen Kostenfaktor, der dementsprechend in die Abwägung einfließen sollte.
    Das Recht auf einen gepflegten Rausch gestehe ich hin und wieder jedem zu… auch mir.

    Wie wäre es Eurer Meinung nach zu beurteilen, wenn Alkohol verteuert werden würde?

  14. Robroy sagt:

    Ich denke, Richters Prognose ist im Kern durchaus ernst gemeint und ernst zu nehmen. Ansonsten kommt mir der Artikel vor, wie etwas satirisch angehauchter Fatalismus, wobei ich die Pointe im letzten Absatz genial finde (aber vielleicht bin ich auch sehr leicht zufrieden zu stellen).

  15. Werner sagt:

    @Tim:
    „Mit Deinem Argument kann man allerdings praktisch alles verbieten, auch Fahrrad fahren und Pommes.“

    Ja, sicher. Das ist heute zum Teil schon so. Fahrradfahren auf der Autobahn ist verboten und weniger dramatisch: Pommes beim Busfahren auch. 😉

  16. Guinan sagt:

    Jetzt bin ich auch endlich dazu gekommen, den Originalartikel zu lesen. Verglichen mit dem, was dort sonst so veröffentlicht wird, ist der doch wirklich überragend lustig geraten. Ohne die – teilweise auch sehr gelungenen – Kommentare dort drüben wäre ich nie auf die Idee gekommen, Richter könnte das Ernst meinen.

  17. Guinan sagt:

    Upps, sorry: ernst meinen meinte ich

  18. Werner sagt:

    …und ja, der Artikel nimmt auf eine für mich witzige Art und Weise die Diskussion vorweg. Die genannten Argumente werden kommen, da bin ich mir sicher. Cheers!

  19. Maxi sagt:

    Neee, ernst nehmen kann man den Artikel nicht. Ich verbuche ihn unter Effekthascherei. Peter Richter will witzig erscheinen, kommt aber über eine Aneinanderreihung von Schlagworten nicht hinaus. Beonders schlecht ist der Absatz „Akte der Emanzipation“ Weder seine Videokolumnen noch seine Beiträge in der Harald-Schmidt-Show erscheinen für mich witzig oder gehaltvoll.

    Mich stört an der ganzen Diskussion, dass vergessen wird, dass beim „Rauchverbot“ nicht das Rauchen verboten wird, sondern der Ort wird eingeschränkt, wo man rauchen darf. Und im Übrigen, hat das Volk (zugegeben, das bayerische) für das Gesetzt gestimmt.

    Mit dem „Alkoholverbot“ sehe ich es dann doch eher wie Peter Richter: „Jetzt ist Mechthild Dyckmans dran und muss es wieder versuchen. Das schreibt ihr schon die Rolle vor.“ Obwohl ich eher die Rolle des Staates im Aufklären als im Verbieten sehe.

    Achja, Muriel, die Tatsache, dass es Menschen ernst meinen könnten, erschreckt mich hier weniger, da gibt es doch andere Themen, die ich erschreckender finde, Stichwort: „Wasser predigen und Wein saufen“

  20. Muriel sagt:

    @Werner: Den Unterschied bei der preislichen Berücksichtigung sehe ich darin, dass dann jeder unterscheiden kann, ob es ihm das wert ist. Insofern wäre das für mich das mildere Mittel.

    „unser Zusammenleben funktioniert halt nicht, wenn alle den größten (persönlichen) Nutzen zu den geringsten Kosten aus dem System ziehen möchten.“

    Gegenentwurf: Ein Sozialsystem, dass unter dieser Voraussetzung nicht funktioniert, muss sich vorwerfen lassen, dass es auf unrealistischen Voraussetzungen basiert.
    Die direkte Verteuerung von Alkohol wäre sicherlich dem Verbot vorzuziehen, aber aus meiner Sicht als liberaler Fundi immer noch falsch.
    @Robroy: Genial wäre aus meiner Sicht zu viel der Ehre. Aber ist natürlich Geschmackssache. Höhö.
    @Werner: Ach naja. Wer auf der Autobahn Rad fährt, gefährdet auch andere, und wer im Buss Pommes isst, gefährdet das Eigentum anderer. Außerdem sind Busse anderer Leute Eigentum. In meiner Wohnung entscheide auch ich, ob Alkohol getrunken wird.
    @Guinan: Interessant, dass du das so eindeutig findest. Ich bin da eher auf not quite like beethovens Seite.

  21. Tim sagt:

    @Werner

    unser Zusammenleben funktioniert halt nicht, wenn alle den größten (persönlichen) Nutzen zu den geringsten Kosten aus dem System ziehen möchten.

    Naja, Menschen versuchen immer, unter den gegegeben Umständen das Beste für sich herauszuholen (das ist in den USA nicht anders als in Nordkorea). Wichtig ist nur, daß das „System“ keinen Anreiz schafft, andere bzw. die Gemeinschaft zu schädigen.

  22. Muriel sagt:

    @Maxi: Ach ja, stimmt ja… Mir war gar nicht klar, dass Peter Richter bei faz.net ja der Mann fürs Lustige ist. Peinlich.
    Beim Rauchverbot sehe ich zwar durchaus noch einen Unterschied zum Alkoholverbot, aber ich finde trotzdem beides falsch. Für mich sind Restaurants und Kneipen und Bars Privateigentum. Da hat der Staat nicht zu entscheiden, was man dort zu tun hat.
    Denkst du bei „Wasser predigen und Wein saufen“ an jemand Bestimmtes? Mir persönlich sind Leute, die das tun, zwar auch unsympathisch, aber immer noch lieber als die, die anderen den Wein ganz verbieten wollen, auch wenn sie selbst wirklich nur Wasser trinken.

  23. Muriel sagt:

    @rauskucker: Schön, mal wieder von dir zu hören. Ich stimme dir zu, obwohl ich keine eigenen nostalgischen Alkohol-Erinnerungen habe. Eher im Gegenteil.

  24. Also mich irritieren ja immer satirische Texte in ernstzunehmenden Zeitungen oder Onlinemagazinen die erst auf dem zweiten Blick nicht so ernst zu nehmend sind. Zumal ja nicht jeder Sarkasmus erkennen kann. Selbst wenn er nackt vor einem läuft würden die meisten ihn wohl übersehen. Jedenfalls so mein persönlicher Eindruck.

    Mal unabhängig davon wie undenkbar ich ein echtes Alkoholverbot halte, ist es ja doch so dass Alkohol bei uns einen großen Volkswirtschaftlichen und gesundheitlichen Schaden anrichtet und es schon problematisch ist das es gesellschaftlich in der Tat eher ungewöhnlicher ist nichts zu trinken als regelmäßig viel zu trinken.
    Ich bin vielleicht die Spielverderberin vom Dienst, aber ich finde das extrem angenehm das z.B. in den Metronom-Zügen seit November 09 ein Alkoholverbot ist. Wer schon mal in einem Regionalzug voller Fußballfans war oder direkt neben einem Junggesellenabschied sitzen durfte weiß das vielleicht auch zu schätzen. Ich würde da auch gegen ein kleines Alkoholverbot auch nix sagen. Und natürlich kann man das auch ein wenig über den Preis regulieren. Auf dem Ausflug in Schweden wollte auf einmal keiner mehr großartig Alkohol trinken.

  25. Muriel sagt:

    @Bioschokolade: Ich gebe dir zwar Recht, was die Satire angeht, muss aber gestehen, dass es ein bisschen dumm von mir war, den Namen Peter Richter nicht dem komischen Fach zuzuordnen. Insofern kann man der FAZ nicht so viel vorwerfen.
    Zur Sache: Ich habe nichts gegen das Alkoholverbot in Zügen. Privatleute können auf ihrem Grund und Boden von mir aus gerne verbieten und erlauben, was sie für richtig halten. An Gesetze hingegen lege ich andere Maßstäbe an, und dass ich es angenehm fände, ist zum Beispiel absolut kein ausreichender Grund, anderen etwas zu verbieten. Hatte ich ja oben am Beispiel von Religionen schon geschrieben, die übrigens auch einen erheblichen – ich würde sogar sagen, einen ungleich höheren – Schaden anrichten…

  26. Naja, nein, also das war natürlich jetzt nur von mir so gesagt. Mir ist klar dass „ich fänd ja ganz nett“ kein ausreichender Grund ist. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat das wird so gemacht. Das war jetzt nur ein Beispiel. Dennoch denke ich dass das durchaus ein Mittel seien kann um gewissermaßen zu lenken. Denn das tut ja der Staat auch und indem er es den Leuten schwerer oder unangenehmer macht Alkohol zu konsumieren kann er schon steuern. Außerdem kann man dafür schon Gründe anführen außer „angenehmen“, z.B. die Vorbildfunktion für Kinder die ja nicht immer ausweichen können, wenn Sie inmitten der gröhlenden TSV Herbergseher Fuball-Fanclubs sitzen.

  27. Muriel sagt:

    @Bioschokolade: Ich weiß gar nicht gau, wie ernst ich das meine, aber denkst du, dass Kinder angesichts gröhlender Fußballfans in einem Zug denken: „Wow, so will ich auch mal werden, her mit dem Bier!“?
    Ich halte die so gesehen eigentlich für hervorragende Vorbilder.

  28. Geht es dir nicht so, dass du inmitten von um 13 Uhr – Stunden vor Anpfiff – trinkenden gröhlender Fußballfans gerne ein Trikot anziehen würdest um mitzufeiern? Kann ich nicht nachvollziehen. Wobei … Fußball geht ja gar nicht. Ne, also ne ….

    Nein, also ich denke schon dass man Kindern damit suggeriert, dass es vollkommen okay und natürlich ist, immer und überall zu trinken, wenn man in so öffentlichen Orten wie der Bahn um 15 Uhr neben Menschen mit ner Dose Bier sitzt. Die Bahn war jetzt nur ein Beispiel wo man sehr schlecht richtig fliehen kann und die halt für alle zugänglich ist. In so ner kleinen Bummelbahn schon gar nicht.
    Wenn wir wieder beim Rauchen sind, früher war es auch gang und gebe das man überall qualmen konnte. Da hat das niemanden interessiert ob die Leute am Nebentisch das vielleicht stören könnte wenn man Kette raucht. Wenn man mal freundlich darauf hingewiesen hat war man gleich die ÖkoSpaßbremse vom Dienst.
    Heute ist es selbstverständlich dass man in den meisten Lokalitäten nicht rauchen darf. Ich wurde auch schon im Freien gefragt ob mich der Rauch vom Nachbartisch stört. Viele Menschen haben verinnerlicht: Es ist halt nicht okay überall zu rauchen. Und ich kenne auch viele Leute die weniger oder gar nicht mehr rauchen, da rauchen scheinbar eher out oder schlichtweg zu teuer ist. Wenn ich nicht überall meine Pulle Bier rausholen darf, glaube ich schon dass das einen gewissen Effekt auf das Selbsterständnis von Alkohol hat.

  29. Muriel sagt:

    @Bioschokolade: Ich glaube, du hast Recht, was diese Wirkung angeht. Am Ende finde ich aber einfach nicht, dass es Aufgabe des Staates ist, seine Bürger zu erziehen. Dass es einfach ungehörig und rücksichtslos ist, sich so zu benehmen, bleibt dadurch natürlich unberührt.

  30. […] Ich glaube, er meint das gar nicht ernst, […]

  31. Dennis sagt:

    Ich denke solche Artikel sind immer nur dafür da, dass man was zum diskutieren am Frühstückstisch hat. Quasi eine Art Pflegemaßnahme für Beziehungen und Blogger.

    Wir hatten kurz nach dem Amoklauf in Winnenden die Überlegung das Gotcha Spielen zu verbieten. Zwischendurch das Raucherverbot und Glühlampen. Manches davon finde ich ist technische Evolution im Fast Forward. Wenn analogfernsehen in Berlin out ist kommt flächendeckend DVB-C und DVB-T per Zwang. Wenn die Glühbirne ausgedient hat, wird sie jetzt noch per Eilverfahren vollständig abgeschafft. Das ist zwar blöd, aber finde ich jetzt…nicht gleichzusetzen mit der privaten Lebensführung. Unsere kompletten Konsumgüter sind staatlich kontrolliert – gewisse Inhaltstoffe sind komplett verboten, gewisse Nahrungsmittel ebenfalls, andere Kennzeichnungspflichtig.

    Ich denke das beste Mittel sind nicht Verbote, sondern Bildung. Ich muss den Kindern eintrichtern wie Alkohol funktioniert, damit sie es im Erwachsenenleben wissen. Was der einzelne daraus macht, läßt sich auch mit staatlichen Verboten nicht kontrollieren – oder haben wir etwa keine Drogenabhängigen in Deutschland?

    Wir haben aber in Deutschland eine Tendenz, seit Jahren, die da sagt: 99% des Geldes in schwachsinnige Dinge zu stecken und 1% in Bildung. Und dann alle paar Ausgaben der FAZ oder was auch immer über den Verfall der Bildung zu reden, wie schwer es ist Schulabgänger auszubilden – die sind ja garnicht Ausbildungsbereit! HA! Und dann was von ITGreenCard zu faseln, während man hier zu lande ganze Potential-Generationen brach liegen läßt. Und Akademiker gibts auch zu wenig – und fortpflanzen will sich davon erst recht niemand! Wie auch bei 7% Kitaplätzen in München? Ein Glück haben wir eine Versorgung von 39% in Ostdeutschland, da ist sie auch dringend nötig bei der beinahe Vollbeschäftigung dort.

    Nur nicht aufregen.

  32. Muriel sagt:

    @Dennis: Das hast du aber schön gesagt.

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