Fünf Fakten und zwei Flunkereien: Auflösung und Siegerehrung

Heute ist es also so weit: Ich löse mein Gewinnspiel auf und verkünde die Gewinner der unfassbar spektakulären einzigartigen Preise!

  1. „Ich wurde mal (zu Unrecht) wegen versuchten Prozessbetrugs verurteilt.“
    Wahrheit, wenn auch vielleicht ein bisschen irreführend formuliert. Und eine lange Geschichte, aber ihr habt bestimmt alle viel Zeit, stimmt’s? Also: Während ich im Urlaub war, entdeckte mein Vater eine Anzeige eines Immobilienmaklers in Hamburg. Er wusste, dass ich dort Räume suchte und rief den Makler an. Er traf sich mit ihm und besichtigte die Räume. Als ich zurückkehrte, schilderte er mir alles, und ich schloss einen Mietvertrag. Wenig später stellte sich heraus, dass der Makler uns einiges verschwiegen hatte, unter anderem den übelriechenden Wasserschaden im Keller und ein paar große Schimmelflecken dort (Bei der Besichtigung waren die Wände zugestellt und die Fenster weit offen.)
    Ich weigerte mich deshalb, die Courtage zu bezahlen, und der Makler klagte. Bei der Güteverhandlung fragte die Richterin mich zunächst, ob und wie überhaupt eine Courtagevereinbarung geschlossen worden sei. Ich sagte dazu, davon ginge ich aus, aber zu den Einzelheiten müsste sie schon meinen Vater fragen, denn der hätte das Gespräch mit dem Makler geführt. Diese Bemerkung spielte im Weiteren überhaupt keine Rolle mehr. Nachdem wir all die anderen Dinge besprochen hatten, einigten wir uns schließlich darauf, dass ich nur die Hälfte bezahlen würde.
    Einige Wochen später zeigte der Makler mich dann an. Er und sein Bruder behaupteten beide, mit mir telefoniert zu haben (ulkigerweise unter der Telefonnummer meines Vaters…) und bezeugten übereinstimmend, sich völlig sicher zu sein, dass es meine Stimme war, die mit ihnen die Courtage vereinbart hatte, und nicht die meines Vaters. Als ich versuchte, dem Strafrichter in der ersten Instanz meine Sicht der Dinge zu erklären, unterbrach er mich mit den Worten: „Na, nun bleiben Sie aber mal bei der Wahrheit, Herr Silberstreif, so kommen Sie bei mir nicht weiter!“ Und als mein Anwalt ihm zu erklären versuchte, dass ich nicht einmal bestritten hatte, dass es eine Courtagevereinbarung gab und dass das auch für den Vergleich völlig unerheblich gewesen war, antwortete er: „Solche zivilrechtlichen Spitzfindigkeiten interessieren uns hier nicht.“
    Ich wurde deshalb zu 90 Tagessätzen verurteilt. Glücklicherweise stellte das Hamburger Landgericht das Verfahren dann in der Berufung ein. Die Behauptung stimmt also, auch wenn das Urteil am Ende nicht rechtskräftig wurde.
  2. „Ich hatte eine Zeitlang die Spielhalle gemietet, von der Heinz Strunk in „Fleisch ist mein Gemüse“ erzählt.“ Das geht ein bisschen schneller: Stimmt. Strunk nennt zwar keine Adresse, aber er spricht von „Glawes Spielladen“ und beschreibt ungefähr die Lage. Herrn Glawe habe ich übrigens im Gegensatz zu ihm sogar persönlich kennengelernt.
  3. „Mein erstes eigenes Auto habe ich nach einem guten Jahr bei einem Unfall auf der Autobahn mit mehrfachem Überschlag und viel Drama vernichtet. Ich hatte keine Kaskoversicherung.“ Wahrheit. Auch hier gibt es wenig zu erzählen. Im anderen Auto saßen zwei, deshalb war ich natürlich Schuld. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt.
  4. „Mir hat einmal eine verheiratete Frau ein (sehr deutliches) unmoralisches Angebot gemacht.“ Geflunkert, und nicht mal besonders originell.
  5. „Mein Schulpraktikum habe ich in dem berühmten Gorlebener Zwischenlager für radioaktive Abfälle (Castor-Behälter) gemacht.“ Das stimmt wieder. Ich habe eine Zeitlang im Büro des Pressesprechers mitgearbeitet, dann bei der Arbeitssicherheit, in der Werkstatt, und zum Schluss noch ein paar Tage auf der PKA-Baustelle. War sehr interessant, ich würde es jederzeit wieder machen.
  6. „Als ich vierzehn war, hat mir ein Lehrer mal (im Unterricht vor allen anderen) gesagt, dass Leute wie ich der Grund sind, aus dem er aus Deutschland auswandern will.“ Wahrheit. Es ging um Massenentlassungen, die er natürlich total doof fand, was ich wiederum so pauschal nicht stehenlassen wollte. Wenn ich mich richtig  entsinne, lauteten seine Worte ziemlich genau: „Wegen so frühkapitalistischer Arschlöcher wie dir halte ich es hier in Deutschland nicht aus.“ Sein Ziel war übrigens Schweden, aber soweit ich weiß, lebt er immer noch hier.
  7. „Ich habe mal im Flugzeug neben Roberto Blanco gesessen und mich sehr nett mit ihm unterhalten.“ Das letzte muss dann natürlich auch geflunkert sein. Aber es ist auch nicht ganz frei erfunden, meinem Vater ist es nämlich wirklich passiert.

Kommen wir also zur Siegerehrung. Wie ihr euch sicherlich noch erinnert, spielt es für die Preisverleihung keine Rolle, wer richtig geraten hat. Es geht nur um den Einfallsreichtum bei der Begründung. Trotzdem ist es mir eine lobende Erwähnung wert, dass eine Kommentatorin es tatsächlich geschafft hat, beide Flunkereien korrekt zu identifizieren: Ein Hoch auf rebhuhn! Die zweite lobende Erwähnung geht an Rayson, der auf eigenen Wunsch außer Konkurrenz läuft, sich aber trotzdem mit seinem kreativen Beitrag um den Wettbewerb verdient gemacht hat. Ein Hoch auf Rayson!

Einen Trostpreis hatte ich auch noch ausgelobt. Der sollte eigentlich verlost werden, aber das habe ich mir inzwischen anders überlegt, denn es ist offensichtlich, dass niemand hier so viel Trost braucht wie Manuel Wolff, der außerdem für seinen unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit, Wahrheit, und korrekte Kennzeichnung von Werbung eine Belohnung verdient hat. Herzlichen Glückwunsch, Manuel! Deine Ausgabe von „Dealing with people you can’t stand“ müsste in den nächsten Tagen bei dir eintreffen.

Natürlich war es maßlos schwer, unter euren vielen fantastischen Kommentaren den besten auszuwählen, und natürlich gibt es am Ende keine eindeutige Entscheidung, aber eine Entscheidung musste her, und obwohl es nicht leicht war, haben Keoni und ich eine getroffen.

Und jetzt (dramatische Pause) kommen wir (weitere Pause mit leise beginnendem Trommelwirbel) zur Verkündung (Pause, Trommel wird kontinuierlich lauter) des Gewinners (letzte und bisher dramatischste aller Pausen) unseres Gewinnspiels!

Ein dreifaches Hoch auf David mit seiner Gewinnerbegründung: Ich überlege die ganze Zeit, welche (sinnvollen) Aufgaben (also außer Kaffee-Kochen und Kopieren) ein Schüler in Gorleben erfüllen könnte. „Du Heinz, der Günther meint da kommt ne komische Flüssigkeit aus Container 34, schick mal den Praktikanten her, dann schaunwa was dat is…“ Gut gemacht, David und viel Spaß mit den Ohrhörern! (Falls du kein Interesse daran hast oder mir einfach deine Adresse nicht verraten magst, lass es mich ruhig wissen. Ich bin nicht beleidigt und vergebe sie dann an einen anderen glücklichen Teilnehmer.)

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13 Responses to Fünf Fakten und zwei Flunkereien: Auflösung und Siegerehrung

  1. Ron sagt:

    Endlich hat die Spannung ein Ende: danke für die Auflösungen und Glückwünsche an die Gewinner!! Und die Geschichte mit dem Lehrer gefällt mir immer noch am Besten … 🙂

  2. Muriel sagt:

    @Ron: Ja, der war schon irgendwie ein besonderer Mensch. Irgendwann danach hat er sich sogar mal sehr anständig bei mir für was anderes entschuldigt, aber das Arschloch hat er nie zurückgenommen.

  3. Guinan sagt:

    Schön, dass du es aufgelöst hast. Gorleben war tatsächlich wahr? Das hätte ich niemals vermutet!
    Die beiden Gewinner haben die Preise wirklich redlich verdient – obwohl ich ja so halbwegs mit Maxi gerechnet hatte.

  4. Manuel Wolff sagt:

    Das ist aber nett vom Dir. Wie bist Du die Spielhalle wieder losgeworden?

  5. Muriel sagt:

    @Guinan: Ja, die Entscheidung war nicht einfach, und es haben natürlich sowieso alle meine Leser irgendwie einen Preis verdient…
    Und das Praktikum bei der BLG war wahr. Besonders die PKA-Baustelle fand ich unheimlich spannend. Ich habe davor und danach nie wieder so dicke Glasscheiben gesehen.
    @Manuel Wolff: Ich habe glücklicherweise ohne große Probleme einen Nachmieter gefunden.

  6. David sagt:

    Vielen Dank! Auch wenn ich nie damit gerechnet hätte, da wirklich viele schöne Beiträge dabei waren. Muss ich jetzt ne Rede halten? Von wegen Weltfrieden und so? Auch wenn es klischeehaft klingt, ich habe noch nie bei einem Gewinnspiel gewonnen, es lässt sich also alles auf Folgendes reduzieren:

    Ick freu ma!

  7. Maxi sagt:

    Servus und herzlichen Glückwunsch an David!
    Ich freu mich, dass ich die „Flunkerei“ mit der verheirateten Frau als solche erahnt habe. Und danke an Muriel für das schöne Spielchen, es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

    @Guinan: Danke für die Blumen.

  8. Muriel sagt:

    @David: Du hast es verdient. Und Weltfrieden solltest du dir schon wünsche, das kann man von jemandem in deiner verantwortungsvollen Position durchaus erwarten.
    Vielleicht freut es dich übrigens zu erfahren, dass ich auch noch nie einen Preis bei einem Gewinnspiel vergeben habe; es ist also für uns beide das erste Mal.
    @Maxi: Freut mich sehr, dass es dir gefallen hat!

  9. Manuel Wolff sagt:

    Hast Du da gewohnt oder sie betrieben?

  10. Muriel sagt:

    @Manuel Wolff: Ich spiele halt gerne in meiner Freizeit ein bisschen, und ich mag es nicht so gerne, wenn andere mir dabei zusehen…

  11. Manuel Wolff sagt:

    Und haste gewonnen?

  12. Muriel sagt:

    @Manuel Wolff: Manchmal.

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