Eine Riesenmenge Geld (3)

Düsseldorf. Das international empfangbare Blog „überschaubare Relevanz“ hat in einer bemerkenswerten Demonstration von Zuverlässigkeit, Leserfreundlichkeit und rücksichtsloser Selbstausbeutung zum dritten Mal in Folge eine Episode des aktuellen Fortsetzungsromans „Eine Riesenmenge Geld“ wie angekündigt im Wochentakt am Freitag veröffentlicht. Wie der Öffentlichkeitsfunktionär des aufstrebenden Medienkombinats mitteilte, könnten andere Publikationen sich an derartiger Regelmäßigkeit ein Beispiel nehmen. Insbesondere die heldenhaften Anstrengungen des unermüdlichen Chefredakteurs der überragend beliebten Publikation bedürfen in diesem Zusammenhang besonderer Erwähnung, die aber trotzdem aus Gründen höchst nachahmenswerter Bescheidenheit unterbleiben wird.

Viel Spaß und ein schönes Wochenende.

Was bisher geschah

Im ersten Kapitel haben wir Konrad kennengelernt, einen Hamburger Anwalt, der von seiner Frau betrogen wird, und Tanja, eine SEK-Beamte in Düsseldorf, die perfekt einen wütenden Dobermann nachahmen kann.
Im zweiten Kapitel lernen Konrad und Tanja einander kennen und verabreden sich zum Essen.

Was heute geschieht

Konrad
Ich stand trotzdem schon um halb sechs vor dem Restaurant Noppakao. Es machte von außen einen guten Eindruck, aber ich war zu stolz, mich schon eine halbe Stunde vor der Zeit an den Tisch zu setzen. Deshalb sah ich mich nach Möglichkeiten um, mir die Zeit zu vertreiben. Ich entschied mich für den Supermarkt auf der anderen Straßenseite. Es konnte nicht schaden, ein Geschenk für die Dame mitzubringen; auch wenn es mir sicher nicht leicht fallen würde, eines auszuwählen. Sie schien nicht der Typ für Blumen zu sein, aber andererseits: Was schenkt man überhaupt dem Typ Frau mit Sturmhaube, ballistischem Helm und Maschinenpistole? Ich hatte bisher keine Erfahrungen in dieser Richtung. Aber es war andererseits auch nicht so wichtig, sie würde ja ohnehin wahrscheinlich nicht kommen. Was vielleicht auch das Beste für alle Beteiligten war. Ich war schließlich verheiratet, zum Teufel.
Ich entschied mich nach längerer Suche nicht besonders kreativ aber dafür ungefährlich für eine Schachtel Pralinen. Jeder mag Schokolade. Als ich den Supermarkt wieder verließ, war es bereits zehn vor sechs, ich konnte also das Restaurant betreten. Vor der Tür blickte ich noch einmal auf meine rechte Hand mit dem Ehering und überlegte, ob ich ihn abnehmen sollte. Ich behielt ihn an.
Die Inneneinrichtung war auf den ersten Blick hübsch, aber nicht unbedingt aufregend. Dieses Zeug, das man in allen asiatischen Restaurants findet und das offensichtlich alle vom selben Lieferanten beziehen, aber die Kellnerin begrüßte mich sehr freundlich, und es roch angenehm nach exotischen Gewürzen. Nur zwei Tische waren besetzt, ich hatte also ziemlich freie Auswahl, ungefähr ein Drittel des Restaurants war mit niedrigen Tischen im asiatischen Stil eingerichtet. Darunter war eine Mulde im Boden, sodass man trotzdem einigermaßen normal sitzen konnte. Ich fand die Idee sehr hübsch und war kurz davor, an einem dieser Tische Platz zu nehmen. Dann fiel mir ein, mit wem ich verabredet war, und ich entschied mich für einen etwas abgelegenen Vierertisch in einer Ecke, von der aus ich die Tür sehen konnte.
Ich wollte mich wenigstens nicht dauernd umdrehen müssen, um nachzusehen, ob sie schon da war. Die Kellnerin brachte zwei Karten (Ich hatte ihr gesagt, dass ich jemanden erwartete.) und fragte mich, ob ich schon etwas zu trinken wollte. Ich bestellte ein Glas Wasser. Das perfekte Getränk, um einsam an einem Tisch in einem Restaurant zu sitzen und auf jemanden zu warten, der nicht kommen würde. Der Duft in dem Restaurant gefiel mir, und ich war hungrig. Ich begann mich zu fragen, ob ich nicht doch etwas essen würde, auch wenn sie nicht kam.
Normalerweise ernähre ich mich von Fast Food, wenn ich unterwegs bin. Ich glaube, ich habe schon gesagt, dass ich es hasse, allein in einem Restaurant zu essen.
Die Kellnerin brachte mir mein Glas Wasser – Gerolsteiner, schrecklich – und lächelte mir freundlich zu. Das Mitleid in ihrem Blick bildete ich mir sicherlich nur ein. Es war ja noch nicht einmal sechs.
Just in diesem Moment fiel mir ein, dass ich auf ihre Frage nach meinen Gaben hätte antworten können, dass ich keinen Wecker brauche. Es wäre nicht nur wahr gewesen, sondern auch noch leidlich amüsant. Ich seufzte leise und hoffte, dass mir die nächste gute Antwort nicht erst drei Stunden zu spät einfallen würde.
Ein Blick auf die Uhr. Doch, es war zwei Minuten nach sechs. Das hieß gar nichts. Meine Uhr ging vielleicht vor. Oder ihre nach. Oder sie war einfach nicht pünktlich. Bloß weil sie Mitglied eines Spezialeinsatzkommandos war, musste sie keine fanatische Anhängerin preußisch soldatischer Tugenden sein.
Um sieben nach sechs kam sie. Und großer Gott, war ich überrascht. Ich fragte mich sogar ernsthaft, ob sie es wirklich war. Die Haare. Ich weiß nicht so genau, was ich erwartet hatte. Vielleicht nicht unbedingt eine Full-Metal-Jacket-Frisur, aber doch jedenfalls etwas Kurzes. Was ich ganz sicher nicht erwartet hatte, waren schwarz glänzende Rastazöpfe, die ihr bis weit über die Schultern hinab fielen. Wie der Predator, dachte ich, und ich hatte keine Ahnung, wo der Gedanke herkam. Es war auch nicht fair, sie mit einem Weltraummonster zu vergleichen, denn sie sah ganz sicher nicht monströs aus.
Sie hatte ein ziemlich kantiges Gesicht, und ihre Nase war ein kleines bisschen schief, als wäre sie vielleicht mal gebrochen worden, aber das stand ihr. Sie war nicht so ein Bodybuildertyp, falls Sie das bisher gedacht haben. Vielleicht kennen Sie diese Bodybuilderfrauen aus dem Fernsehen. Vielleicht kennen Sie sogar persönlich eine, wer weiß? So war sie jedenfalls nicht. Keine kabelartigen Muskelstränge am Hals, einfach nur eine sehr große, sehr starke Frau mit ziemlich breiten Schultern. Ihre großen dunkelblauen Augen kannte ich ja schon.
Sie hatte schwarzen Lippenstift aufgelegt. Über diese Entscheidung konnte man sicherlich streiten, aber ich wollte nicht kleinlich sein. Nachdem sie die Tür geöffnet hatte, stand sie eine Sekunde lang unschlüssig da, bevor sie begann, sich nach mir umzusehen. Ich hob den rechten Arm und winkte ihr zu. Sie lächelte und kam näher. Ihr Lächeln war nett. Ich hatte es ja bisher nur in ihren Augen gesehen. Sie trug hellblaue ausgewaschene Jeans und einen schwarzen Pullover, beides ziemlich eng und figurbetont. Ich werde mich hier nicht zu Einzelheiten ihrer Anatomie äußern, aber sie konnte das tragen. Die Sachen sahen ausgesprochen neu aus, und ich hatte den Verdacht, dass sie sie für heute Abend gekauft hatte. Das fand ich irgendwie rührend. Sie blieb kurz vor dem Tisch stehen und sah mich mit gehobenen Augenbrauen fragend an: Und?
Ich lächelte zurück. Und widerstand der Versuchung, die Hand mit dem Ehering zu verstecken. Ich hatte keinen Grund, ihr etwas zu verheimlichen. Ich stand auf und nahm ihre große starke Hand, in der Absicht, sie zu küssen. (Die Hand natürlich.) Im letzten Moment überlegte ich es mir anders und schüttelte sie. Sie hatte einen sehr kräftigen Händedruck. Wer hätte das gedacht.
„Schön, dass Sie da sind“, eröffnete ich ein bisschen unoriginell und entschied mich deshalb gleich für einen weniger konventionellen Ansatz: „Wie kriegen Sie das alles unter den Helm?“
Sie zuckte schmunzelnd die Schultern.
„Man hat seine Geheimnisse.“ Heute ohne Kaugummi. Es war ein kleiner Unterschied, aber es war ein Unterschied. Sie klang… jünger.
Sie zog ihren Stuhl von dem Tisch zurück und nahm Platz, bevor ich eine Chance gehabt hätte, ein Kavalier zu sein. Ich fügte mich in mein Schicksal und setzte mich auch wieder. Sogar jetzt im Sitzen war deutlich zu erkennen, wie groß sie war. Meine Augen waren in etwa auf Höhe ihres Kinns. Sie war jünger, als ich angenommen hatte. Achtundzwanzig vielleicht, auf keinen Fall über dreißig. Ich bin einundvierzig, ich weiß nicht, ob ich das schon erwähnt habe.
Es gab diesen einen Augenblick, in dem wir da saßen und uns ansahen und uns fragten, was wir hier eigentlich machen. Aber es war kein unangenehmer Moment, kein peinliches Schweigen. Wir sahen uns dabei in die Augen, und dann lachten wir. Ich schob ihr die Schachtel mit den Pralinen über den Tisch zu. Ein paar kleine Flten bildeten sich zwischen ihren Augenbrauen, während sie darauf hinabsah. Dann blickte sie in meine Augen, als wollte sie mich fragen: Was ist das? Dann überlegte sie es sich anders. Ihre Stirn entspannte sich, und sie lächelte mich an.
„Ich heiße Tanja“, sagte sie, während sie die Schachtel zur Seite schob.
Tanja. Hm. Es gab schlimmere Namen.
„Konrad.“
Das wusste sie natürlich schon, es war als Du-Angebot gedacht. Ich fragte mich, ob sie auch Unterwäsche für heute Abend gekauft hatte und verdrängte den Gedanken sofort wieder. Jetzt denken Sie etwas Falsches von mir, deswegen möchte ich das erläutern: Ich dachte nicht an ihre Unterwäsche oder stellte sie mir in Unterwäsche vor. Ich war verunsichert und ein wenig einsam, nicht pervers. Ich fragte mich nur, ob sie welche für heute Abend gekauft hatte, so wie sie eine Hose und einen Pullover gekauft hatte. Und, wie gesagt, ich verdrängte den Gedanken umgehend.
„Der Lippenstift gefällt Ihnen nicht, oder?“ fragte sie.
Ich lachte.
„Ich nahm an, wir würden uns jetzt duzen.“
„Ach ja. Gut, also von jetzt an.“
Es war, weil ich so viel älter war. Natürlich war es deshalb.
„Der Lippenstift?“ wiederholte sie.
„Muss ich ehrlich sein?“
„Ich hab’s ihr gesagt“, seufzte Tanja, „Aber sie meinte, Makeup müsste sein… Aber ich werd ihn nicht wieder abnehmen.“
Sie hatte sich wegen ihres Outfits von jemandem beraten lassen? Ich fühlte mich sehr geschmeichelt.
„Ist in Ordnung. Du bist sicher hungrig?“
„Falls das eine Anspielung auf meinen Körperbau sein sollte, war sie nicht besonders originell.“
„Aber subtil.“
„Naja…“

Es war ein wunderbarer Abend, trotz meiner gelegentlichen Gewissensbisse. Wir stellten noch mehr Gemeinsamkeiten fest: Wir hatten beide keine Angst vor Spinnen, mochten beide sehr gerne Joey’s Pizza, lagen beide gern in Hängematten und machten beide lieber Urlaub in Ländern, in die nicht jeder reist. Unterschiede entdeckten wir natürlich auch: Tanja fuhr lieber mit dem Auto, ich mit der Bahn; sie fand Pantomimen faszinierend, mich langweilt das stumme Theater einfach; sie fand Sport im Fernsehen langweilig, ich hingegen sehe mir gerne mal ein Fußballspiel an. Ihr Traumland war die Mongolei. Das war mir ein bisschen zu extrem, ich hätte mich schon mit Australien begnügt.
Sie trank ein bisschen zu viel. Aber wirklich nur ein bisschen. Wir hatten eine Flasche Weißwein, von der sie drei Gläser trank, ich nur eines. Ich habe ihr die Wirkung auch kaum angemerkt, sie war ja ein großes Mädchen. Ich glaube, sie lachte am Ende des Abends ein bisschen mehr und wurde ein bisschen weniger zurückhaltend, aber das kann auch einfach daran gelegen haben, dass wir uns eben besser kannten. Und vielleicht sprach sie ein bisschen schlurrig, aber auch da kann ich mich irren. Andererseits kicherte sie sogar manchmal, und das schien mir gar nicht zu ihr zu passen. Seien wir ehrlich, manchmal machte es mir ein bisschen Angst.
Ich kann mich nicht an einen speziellen Zeitpunkt erinnern, aber irgendwann im Verlauf des Abends wurde mir zu meiner Erleichterung klar, dass ich Hanna treu bleiben würde. Ich mochte Tanja, und ich hatte wirklich lange keinen so schönen Abend mehr gehabt. Was irgendwie traurig ist, oder? Aber ich will nicht abschweifen.
Ich empfand keine körperliche Anziehung. Womit ich nicht sagen will, dass ich bloß deshalb nicht mit ihr schlafen wollte. Aber es machte die Entscheidung viel leichter. Natürlich bot ich ihr an, sie einzuladen, und natürlich bezahlte sie für sich selbst. Es war kurz nach neun. Und dann saßen wir wieder da und sahen uns an. Sie atmete ein, blickte auf die Tischdecke hinunter, dann wieder in meine Augen.
„Ähm. Weißt du, du musst mich jetzt nach Hause fahren“ sagte sie mit einem schelmischen Lächeln, das einerseits gar nicht zu ihr passte, das ihr aber andererseits ganz hervorragend stand.
„Was?“
Sie lachte leise und zuckte die Schultern.
„Ich weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Ich komm mit dem Auto her, und dann trink ich drei Gläser Wein. Ich bin das blöde Zeug auch nicht gewohnt, ich… sollte nicht fahren.“
Sie zog ein Schlüsselbund aus ihrer Hosentasche und schob es über den Tisch zu mir. Ich dachte daran, dass es sicher auch für ihren Beruf nicht besonders vorteilhaft wäre, wegen Trunkenheit am Steuer belangt zu werden. Natürlich war ich auch nicht unbedingt wild drauf, aber ich hatte nur ein Glas gehabt, über fast drei Stunden verteilt. Ich nahm das Schlüsselbund.
„Wenn du mir sagst, wie du deine Rastamähne in den Helm bekommst. Ich meine, das ist kein Perücke, oder?“
Sie sah mich mit gehobenen Augenbrauen an.
„Weißt du, ich schlage eigentlich keine Anwälte, aber ich bin da nicht fanatisch…“
Natürlich meinte sie das nicht ernst, wenn sie so etwas sagte, aber ich konnte das Temperament in ihren Augen sehen und in ihrer Stimme hören, auch wenn sie es streng an der Kandare hielt. Beides war in ihrem Beruf sicherlich von Vorteil. Ich wäre nicht sehr überrascht gewesen, wenn sie mir wirklich einen Kinnhaken versetzt hätte. Ich weiß nicht, wem ich was beweisen wollte, aber ich ließ mich nicht einschüchtern.
„Ich hoffe, du schaffst es noch alleine bis zu deinem Wagen“, sagte ich, „Ich bin nämlich nicht sicher, ob ich dich…“
„Noch ein Wort…“ knurrte sie.
Nachdem sie aufgestanden war, streckte sie sich ein wenig und rollte ihre Schultern, wie starke Menschen das manchmal tun. Das muss etwas mit Kraft zu tun haben, nehme ich an. Ich hatte nie das Bedürfnis, meine Schultern zu rollen.
Ihr Auto stand auf einem Parkplatz in der Nähe des Restaurants. Es war wirklich nicht weit, aber es reichte, um schon wieder auf das Unangenehmste meine maskuline Empfindlichkeit zu verletzten. Tanja war fünfundzwanzig, vielleicht dreißig Zentimeter größer als ich, außerdem hatte sie noch einen sehr weit ausgreifenden und zügigen Gang an sich, sodass ich beinahe laufen musste, um Schritt zu halten. Ich war ein bisschen kurzatmig, als wir bei dem Wagen ankamen. Sie fuhr dieses sportliche kleine Renault-Cabriolet. CC irgendwas, ich weiß nicht, wie das genau heißt. Ich mochte den Wagen immer irgendwie, und die Sitze waren wirklich bequem.
Von außen wunderte ich mich zuerst, wie sie da reinpasste, aber innen fiel mir auf, dass doch eine Menge Platz war. Vielleicht hatte sie ja sogar irgendwas umgebaut. Nur auf dem Rücksitz hätte hinter ihr wohl niemand mehr Platz gehabt.
„Rauchst du?“ frage ich sie, nachdem ich eingestiegen war. Es roch ein bisschen nach Tabak.
Tanja schüttelte ihren Kopf, und die Rasta-Zöpfe wirbelten um ihre Schultern.
„Gebrauchtwagen“, sagt sie. „Der Geruch stört mich nicht. Erinnert mich an meinen Vater. Du kaufst deine Autos wahrscheinlich immer neu, was? Was fährst du?“
Ich fuhr den Sitz viel weiter nach vorne und stellte die Spiegel neu ein. Vielleicht bildete ich mir das nur ein, aber sie klang ein bisschen missgünstig, als sie mir diese Frage stellte. Als würde sie darauf lauern, dass ich jetzt von meinem Rolls Royce sprach, den sie sich natürlich nicht leisten konnte. Ich zögerte kurz. Ich spreche sowieso nicht gerne von meinem Auto. Hanna pflegte zu sagen, dass ich mich für meinen Reichtum schämte. Außerdem schien das Thema bei Tanja ein wunder Punkt zu sein. Ich wollte nicht die gute Stimmung riskieren und beschloss, abzulenken.
„Ist er tot?“
Erst nachdem ich es gesagt hatte, fiel mir auf, dass sie das bestimmt auch nicht aufheitern würde. Ich sah mit Erleichterung, dass sie unbekümmert nickte, und die Rasta-Zöpfe wippten.
„Schlaganfall.“
Die Anspannung war aus ihrer Stimme verschwunden. Wir schwiegen, während wir zu ihrer Wohnung fuhren. Abgesehen von ihrer Wegbeschreibung natürlich. Vielleicht dachte sie über ihren Vater nach. Oder darüber, ob sie noch einmal mein Auto zur Sprache bringen sollte. Ich jedenfalls fragte mich, was ich hier eigentlich tat. Und war froh, dass sie darauf verzichtete.
„Du fährst wie ein altes Weib“, sagte sie grinsend, nachdem ich vor einem dieser hässlichen großen Mietshäuser eingeparkt hatte.
„Ich fahre wie ein Anwalt“, antwortete ich.
„Auch gut. Ähm… Willst du noch mit rauf kommen?“
Ich seufzte und dachte, dass jetzt wirklich der Zeitpunkt war, darauf hinzuweisen, dass ich verheiratet war. Sie konnte mir meine Verlegenheit wohl ansehen, denn sie fügte sofort hinzu:
„Schon gut, ich… hab den Ring gesehen. Aber es ist noch zu früh zum Schlafen, oder?“
Ich zögerte noch.
„Du musst keine Angst haben“, sagte sie. „Du bist… nicht auf diese Weise meint Typ.“
Dann grinste sie mich an, wie ein Tiger wahrscheinlich eine Maus angrinste, die befürchtete, er würde sie fressen. Natürlich war das für mein maskulines Selbstbewusstsein ein fieser kleiner Stich, aber es nahm mir immerhin die Angst vor einem sehr peinlichen und potentiell schmerzhaften Missverständnis.
Ich lächelte und nickte.
„Gern doch.“

Lesegruppenfragen:

  1. Findet ihr Konrads etwas altmodische Verhaltensmuster charmant, oder eher chauvinistisch? Habe ich damit vielleicht über- oder untertrieben?
  2. Verliert ihr schon mangels Action das Interesse, oder kann ich euch vielleicht auch ohne Explosionen und Schusswechsel unterhalten?
  3. Kennt jemand sich zufällig mit Autos aus und weiß eines, das für jemanden wie Tanja sowohl größen- als auch charaktermäßig besser passen würde? Eine kurze Googlerecherche hat mir bestätigt, dass das Renault-CC-Dings wohl prinzipiell geht, aber vielleicht wisst ihr es ja besser.
  4. Würdet ihr mit raufkommen? (Eure Antwort interessiert mich übrigens ganz unabhängig von eurer sexuellen Orientierung, falls ihr euch jetzt darum unsicher seid.)
  5. Zusatzfrage, für alle, die mögen: Fandet ihr den Einstieg (Das direkt nach „Düsseldorf.) diese Woche eher gelungen oder eher daneben? Ich bin mir unsicher, tue mich aber schwer, mich von einmal gefassten Ideen zu trennen.
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15 Responses to Eine Riesenmenge Geld (3)

  1. Andi sagt:

    1. Ich glaub, ich find das weder charmant noch chauvinistisch, sondern eher ein Zeichen für Konrads allgemeine Unsicherheit. Übertrieben haste das sicher nicht. Ich finde, es passt zu ihm. Und wenn ich mich entscheiden müsste, ist er natürlich eher charmant als chauvinistisch.

    2. Blendend, weißt du ja. Ich finde, es geht nix über eine schön erzählte Geschichte.

    3. Es gibt ein Forum extra für große Leute? Das find ich toll. Was es nicht alles gibt… Mit Autos kenn ich mich nicht aus. Ich könnte spontan nichtmal einen Renault beschreiben.

    4. Um eine große literarische Figur zu zitieren: „Gern doch.“

    5. Ich fands großartig. Ich hab gelacht und vergebe fünf Sterne. Ich mag Quatsch.
    Wieso eigentlich Düsseldorf?

    6. Gerolsteiner ist das leckerste Wasser, dass es gibt.

    7. Diesen Satz hier find ich irgendwie komisch:
    „Dieses Zeug, das man in allen asiatischen Restaurants findet und das offensichtlich alle vom selben Lieferanten beziehen, aber die Kellnerin begrüßte mich sehr freundlich, und es roch angenehm nach exotischen Gewürzen.“

  2. Günther sagt:

    1. Also wenn er die Hand geküsst hätte wär das des Guten eindeutig zu viel gewesen. Ich fand die Pralinen erst auch etwas merkwürdig, nach ihrer Reaktion denke ich jetzt aber, dass es ganz gut reinpasst.

    2. Nö, auf keinen Fall. Weiter so! (Das soll dich natürlich nicht von Explosionen abhalten, wenn du welche einbauen möchtest. Wobei ich das irgendwie bezweifle.)

    3. Also die Marke und das Modell des Autos von Tanja, das sind ehrlich gesagt Informationen, auf die ich beim Lesen auch ganz gut verzichten kann. Wenn du schreibst „sportliches kleines (französisches) Cabriolet“ reicht das IMO völlig aus.

    4. Die Fronten sind ja geklärt. Warum nicht?

    5. Gelungen!

    6. Lustig fand ich übrigens das mit dem Wecker. Und bei dem „falls Sie das bisher gedacht haben“ hab ich mich direkt angesprochen gefühlt. 😉

  3. Zaphod sagt:

    1. Stimme ich Andi vollkommen zu.

    2. Ich finde Menschen und ihre Verhaltensweisen wesentlich interessanter als Explosionen und Action, geht mir bei Filmen ebenso.

    3. Hielt ich für eine Verwechslung mit dem Peugeot CC, der ist klein. Glücklicherweise noch einmal gegoogelt und festgestellt, es gibt auch einen Renault CC, der ist größer. Aber eigentlich hat Günther völlig Recht, sportliches Cabrio hätte ausgereicht.

    4. Ja, auch wenn es nur Kaffee gibt.

    5. Ja, musste auch sehr grinsen dabei. Ich würde gerne noch ein d vergeben für die Bedürftigen. Und Danke für die rücksichtslose Selbstausbeutung.

    6. Schwarz glänzende Rastalocken passen nicht zu Tanja, meine persönliche Meinung, auch wenn ich Rastas eigentlich cool finde. Mag daran liegen, dass ich noch nie Rastas gesehen hab bei Beamten. Glänzende schon gar nicht, Rastalocken sehen immer ziemlich stumpf aus, jedenfalls wenn sie echt sind.
    Sollte sie das irgendwie weiblicher machen nach der eher martialischen Einführung?

  4. Wiebke sagt:

    1. Ich finde es wirkt altmodisch und etwas steif. Eher schüchtern als chauvinistisch. Er tut mir dadurch irgendwie leid, daß er denkt, er müßte sowas machen.

    2. Nö, ich fand’s unterhaltsam.

    3. Ich kenn mich nicht mit Autos aus, aber nach einer kurzen Google-Bildersuche finde ich ’nen 5er-BMW passender. Renault hat sowas Schnödes, finde ich. (Nein, ich hab‘ da überhaupt keine Ahnung von und kann auch nicht mal erklären, warum ich das finde.)

    4. Wenn die Unterhaltung sonst nett ist und es „ungefährlich“ ist, warum nicht? Konrad hat ja nix besonderes vor…

    5. Hab‘ geschmunzelt. Also gelungen.

    Zu den Rastazöpfen: glänzende Rastazöpfe??? Wie können Rastas denn glänzen? Die sind doch immer eher struwwelig. Glänzend ist doch eher ein Attribut für glatte Haare…

  5. Wiebke sagt:

    Btw… die Handvoll Rechtschreibfehler machst du aber noch raus, oder? 🙂

  6. Muriel sagt:

    @Andi: Danke!
    5. Weil wir doch in Düsseldorf sind.
    6. Gar nicht!
    7. Hast Recht. Ändere ich vielleicht noch. Danke!
    @Günther: 3. Guter Gedanke. Überlege ich mir. Danke schön!
    @Zaphod: 6. Ich habe die noch nicht so oft gesehen, aber ich dachte eigentlich nicht, dass sie stumpf sein müssen. ich werde mich damit mal näher befassen, danke für den Hinweis!
    Was die charakterliche Seite angeht: Ich weiß nicht, ob das zu ihr passt… Ich finde eigentlich schon. Außerdem hielt ich es tatsächlich für einen ganz netten Kontrast zu den Erwartungen, die wahrscheinlich gemeinhin mit SEK-Beamten verbunden werden. Aber vielleicht habe ich es damit auch übertrieben.
    @Wiebke: Oh, wie schön, dass du mitliest! Ich freu mich.
    1. Wirklich, Mitleid? Naja, es soll Frauen geben, die sowas gut finden, und er ist ja auch doch noch eine andere Generation.
    3. BMW hatte ich zwischendurch auch gedacht, aber der 5er schien mir doch relativ teuer für eine einfache Polizistin, und über den 3er hatte ich einem Forum eine ziemlich kritische Anmerkung gelesen.
    5. Wie oben bei Zaphod muss ich zugeben, dass ich davon wenig verstehe, aber ich habe definitiv schon glänzende gesehen. Nur um ganz sicher zu gehen, dass wir von der gleichen Sache reden: Dreadlocks sind doch was ganz anderes, oder?
    Rechtschreibfehler: Nein, die bleiben drin, damit solche Besserwisser wie du auch weiterhin ihren Spaß beim Lesen und Kommentieren haben können…

  7. Wiebke sagt:

    3. Hm ja, auf den Preis hab‘ ich nicht geguckt 🙂

    5. Ich dachte das wäre das gleiche? Also auf jeden Fall tragen Rastafarier Dreadlocks. So genau habe ich mich damit noch nicht beschäftigt.
    Ich hab‘ mal gewikit (oder wie heisst das?) und in der deutschen Wikipedia findet man unter dem Begriff Dreadlocks „Die Begriffe Rastalocken, Rastazöpfe oder Rastas werden oft synonym für Dreadlocks verwendet, können aber auch andere Frisuren, beispielsweise die geflochtenen Braids oder Cornrows, bezeichnen.“
    Du meinst bestimmt die geflochtenen. Die können glänzen, da hast du Recht. Ich dachte tatsächlich an Dreadlocks.
    Aber was das mit Locken zu tun hat, verstehe ich nicht richtig… ob das ’nen Übersetzungsfehler ist? Ich versuch das mal rauszufinden…

  8. Muriel sagt:

    @Wiebke: 3. Wenn man’s nicht nötig hat…
    5. Danke fürs Suchen! Cornrows kannte ich als TT noch nicht. Ist aber, glaube ich, auch nicht genau das, was ich meinte, da sieht man ja so viel Kopfhaut zwischen den Haaren.
    Deine Frage nach dem Zusammenhang mit Locken finde ich auch sehr berechtigt. Ich glaube, du musst das so sehen, dass dieser Begriff auch sehr breit verwendet werden kann, zum Beispiel einfach im Sinne von „ein Stück Haar“. Aber ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn du mich über den Verlauf deiner Forschung auf dem Laufenden hieltest.

  9. podruga sagt:

    ich amüsiere mich über die haardebatte. in meiner vorstellung war tanja blond. tanja klingt blond.
    die automarke finde ich gleichgültig. du gehst ja auch sonst nicht auf spezielle marken ein, beispielsweise der pralinen, so wie b. e. ellis jede parfümmarke benennen würde. entweder immer, oder gar nicht. und es ausschließlich beim auto zu schreiben, hat schon wieder diesen männlichen touch.

  10. Muriel sagt:

    @podruga: Aha, da haben wir es ja schon.
    Kann es sein, dass du ein bisschen zu viel Augenmerk auf Geschlechterklischees legst?
    Ich versichere dir jedenfalls, dass ich -Mann hin oder her- weder besonderes Interesse noch nennenswerte Kenntnisse von Autos habe. Ich habe mir um das Auto besondere Gedanken gemacht, weil ich eines auswählen wollte, in dem jemand von Tanjas Ausmaßen bequem sitzen kann. Nur, falls es dich interessiert.

  11. podruga sagt:

    @murial: nein, ich glaube nicht, dass ich ein besonderes augenmerk auf die klischees lege. aber ich lese natürlich mit einem weiblichen blick/kopf. da fiel die marke und die beschreibung schon ins auge.

  12. Günther sagt:

    Muss ich mir Gedanken machen, dass mir das auch aufgefallen ist? 😉

  13. madove sagt:

    1. Ich seh darin auch eher Unsicherheit, auf eine sympathische Weise. Konrad ist klasse.

    2. Ich fühle mich hervorragend unterhalten. Ich möchte die Teilnehmer gerne in Ruhe kennenlernen, eh man sie in die Luft jagt. Oder, noch besser, es bleiben läßt.

    3. Mir ist sowieso zuviel product placement drin. 😉

    4. Ja. Ich bin in der Hinsicht extrem naiv und finde die Idee, einfach nur als Freunde noch ein bißchen zu schnacken, total plausibel. Und einladend.

    5. Ich habe laut gelacht.

    6. Das mit den Haare wüßte ich gern genauer, damit ich mir die Frau richtig vorstelle. Dreadlocks können es nicht sein, die glänzen in der Tat nicht. Und die kriegt man NIE IM LEBEN unter einen Helm (bzw. wenn Du mir einen Tip gibst, hast Du echt was gut bei mir).
    „Rastazöpfe“ meint bei korrekter Verwendung tatsächlich nur die geflochtenen Version, aber da sieht man eigentlich immer viel Kopfhaut (das fällt nur bei Leuten nicht auf, dere Kopfhaut eine ähnlich dunkle Farbe hat wie die Haare *neid*).
    Ich habe nach Predator-Bildern gesucht und stelle mir jetzt diese „Frisur“ vor, aber ich weiß nicht, ob Du das so gemeint hast…

  14. Muriel sagt:

    @madove: 1. Schön, dass ich mit dieser Meinung jetzt nicht mehr allein bin. Er wurde übrigens teilweise von Bill Murrays Charakter aus „Lost in Translation“ inspiriert. Ich hoffe, dass ich die Sympathie nicht gerade komplett zerstört habe.
    3. Und ich mach das sogar umsonst.
    5. Großartig.
    6. Ich meine Rastazöpfe, und die Ähnlichkeit mit dem Predator ist tatsächlich ein bisschen weit hergeholt. Immerhin ist sie auch ziemlich groß.

  15. madove sagt:

    1. Ja, das paßt. Eigentlich hatte ich ihn mir so ähnlich vorgestellt, und das zersört die Sympathie ÜBERHAUPT nicht.
    3. Das ist ja das Schlimme 😉
    7. Ich hatte vergessen zu fragen: Wieso wäre er „pervers“, wenn er sie sich MIT leicht erotischen Hintergedanken in Unterwäsche vorgestellt hätte? Das soll vorkommen, passiert mir jedenfalls auch gelegentlich…

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