Eine Riesenmenge Geld (4)

Wie ihr wisst, kommen die Geschichten bei uns zurzeit nicht direkt aus der Feder, sondern in den Mixer! aus der Konserve, und das ist auch gut so, denn es erlaubt mir, euch sogar in dieser Woche voller majestätisch über malerischen Papierseen in blühenden Papierlandschaften aufragender Papierberge auf meinem Schreibtisch eine neue Episode unseres Fortsetzungsromans Eine Riesenmenge Geld zu präsentieren. Ich wünsche viel Spaß und ein schönes Wochende. Yay Wochenende!

Was bisher geschah

Im ersten Kapitel haben wir Konrad kennengelernt, einen Hamburger Anwalt, der von seiner Frau betrogen wird, und Tanja, eine SEK-Beamte in Düsseldorf, die perfekt einen wütenden Dobermann nachahmen kann.
Im zweiten Kapitel lernen Konrad und Tanja einander kennen und verabreden sich zum Essen.
Im dritten Kapitel essen sie miteinander und fahren zu Tanja nach Hause.

Was heute geschieht
Konrad

Sie lebte in einer sehr kleinen Wohnung, höchstens 30 m², ein Appartement nennt man das dann wohl besser. Alles war so schrecklich ordentlich und sauber, dass ich für einen Moment dachte, sie hätte damit gerechnet, dass ich sie besuche und für mich aufgeräumt. Aber das konnte nicht sein. Das wäre ja schon fast unheimlich gewesen.
„Was möchtest du trinken?“ fragte sie, während sie in die Küche ging (die natürlich kein eigener Raum war, sondern nur eine Ecke mit Kühlschrank, Spüle und Herd) und Schränke zu durchsuchen begann. „Ich bin dafür, dass wir mit den harten Sachen aufhören. Tee, Saft, Kaffee, Wasser?“
Ich stand ein paar Sekunden da und ließ unschlüssig meinen Blick durch ihre Wohnung schweifen. Eine Couch, die wahrscheinlich nachts zum Bett wurde, ein gläserner Tisch davor, ein großer Kleiderschrank, ein Schreibtisch vor dem Fenster und ein großes Bücherregal, kein Fernseher. Kein Fernseher.
„Kein Fernseher?“
Mit Leuten, die keinen Fernseher haben, ist nach meiner Erfahrung eigentlich immer etwas nicht ganz in Ordnung.
„Woran hast du das bloß wieder erkannt, Sherlock?“ Nach einer Pause fügte sie hinzu: „Möchtest du jetzt noch was trinken?“
„Apfelsaft wäre nett“, murmelte ich, auf dem Weg zu dem Bücherregal. Ich hätte auch noch ein Glas Wein getrunken, aber ich bestand nicht darauf.
Keine Weltliteratur, aber doch immerhin eine ganze Menge Bücher. Viel Clive Barker, ein bisschen Dean Koontz und ein bisschen Arthur Hailey. Ein paar Autoren, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Mir fiel noch ein anderer Mangel an dem Zimmer auf. Kein Computer. War sie eine Amish oder so was? Ich fragte aber nicht nach. Während Tanja mit zwei Gläsern in ihren Händen auf mich zukam, bemerkte ich, dass sie auch keine Stereoanlage hatte. Leute gibt es.
Wir setzten uns nebeneinander auf die Schlafcouch, nahmen jeder einen Schluck aus unseren Apfelsaftgläsern und stellten sie dann auf dem Glastisch ab. Tanja blickte auf ihre roten Turnschuhe hinab, dann in mein Gesicht, und sie räusperte sich. Sie war auf sonderbare Weise bezaubernd, wenn sie sich so schüchtern aufführte.
„Konrad“, sagte sie in ernstem Tonfall, während sie mir fest in die Augen sah, „Das klingt sicher ein bisschen merkwürdig, aber ich glaube, dass ich es sagen sollte… Ähm, vorher musst du aber wissen, dass das nicht sehr einfach für mich ist. Und wenn du lachst oder eine dumme Bemerkung machst, dann werf‘ ich dich gegen die Wand.“
Ich und nickte. Und war gespannt.
„Konrad, ich mag dich“, sagte sie leise, „Ich… Naja, ich weiß nicht, wie lange du noch hier bleibst, aber ich will nicht, dass wir uns nach heute Abend nie wieder sehen. Ich finde einfach…“
Sie stockte, und ich half ihr aus:
„Du willst, dass wir Freunde sind?“
Ich konnte ein Lächeln dabei nicht unterdrückten. Sie sah mich misstrauisch an, bevor sie beschloss, dass ich mich wohl nicht über sie lustig machte.
„Ja“, sagte sie dann, mit etwas belegter Stimme.
Es war eine wirklich merkwürdige Situation. Sie sah unter ihren Augenlidern hinweg zu mir auf und ich hätte sie am liebsten umarmt, aber ich wagte es nicht. Dann wurde ihr Gesicht wieder härter.
„Und?“ fragte sie.
Ich lächelte und nickte und streckte ihr meine Hand entgegen. Sie nahm sie, und es tat ein bisschen weh, aber ich ließ mir nichts anmerken. Das war es auch zweifellos wert. Ich hatte nicht viele Freunde. Ich verstehe mich gut mit den beiden anderen Anwälten in meiner Kanzlei, und ich treffe mich jeden Mittwochabend mit Staatsanwalt Höscher und Richter am Hamburger Oberlandesgericht Erkart, und das war es eigentlich. Mein restliches Sozialleben bestritt Hanna für mich, und es schien mir unsicher, dass das noch lange so bleiben würde. Ich finde überhaupt, dass man für jeden Freund dankbar sein sollte, den man kriegen kann, und ich war dankbar.
„Das ist doch aber eigentlich wirklich ein Anlass, zu dem man etwas anderes als Apfelsaft trinken könnte“, schlug ich vor, aber sie schüttelte ihren Kopf.
„Ich hab sowieso nichts da. Es sei denn, du willst eine Flasche Flensburger Dunkel mit mir teilen.“
„Hm.“
„Dachte ich mir.“
Sie grinste, und in diesem Moment begann ein wenig gedämpft ein Cello zu spielen. Eine sehr schöne, etwas melancholische Melodie, die mir fabelhaft zur Situation zu passen schien.
„Was ist das denn?“ fragte ich.
Tanja lächelte und zuckte die Schultern.
„Mein Nachbar. Ist eine merkwürdige kleine Geschichte, falls es dich interessiert.“
„Unterhalte mich.“
Sie nickte ernsthaft.
„Er heißt Thomas Hansen, ich habe auf seinem Klingelschild nachgesehen. Er ist vor knapp zwei Monaten eingezogen, das hab ich so nebenbei mitgekriegt, wie das eben so geht, man sieht Kartons im Flur stehen und so.“
Ich machte einen billigenden Laut, um zu zeigen, dass ich noch zuhörte.
„Ein paar Tage später klopfte er bei mir an. Ich machte die Tür auf, und er sah mich mit diesem Blick an, mit dem alle mich zuerst ansehen. Du auch, falls du’s nicht gemerkt hast.“
Hatte ich.
„Der Blick sagt ‚Mein Gott, was für ein riesiger Kerl… Moment… Das ist gar kein Kerl. Das darf doch nicht wahr sein!’ Ich kenne ihn ziemlich gut, und ich mag ihn nicht besonders. Falls du’s nicht gemerkt hast.“
Hatte ich, aber ich fühlte mich trotzdem ein bisschen ertappt, weil sie meinen Gedankengang so genau wiedergegeben hatte.
„Ich hatte gerade eine neue CD laufen, von Green Day, glaube ich, und er stammelte rum, ob ich die Musik ein bisschen leiser machen könnte.“ Sie lächelte und schaute versonnen in ihr beinahe leeres Apfelsaftglas. „An dem Tag hatte ich einem Verdächtigen das Handgelenk gebrochen, um ihm sein Messer wegzunehmen, und ich hatte ein ziemliches Theater deshalb, weil alle meinten, er war so ein harmloser kleiner Kerl und ich hätte nicht so überreagieren müssen… Thomas war eigentlich ganz nett, aber ich sagte irgendwas in der Richtung, dass er gerne noch mal klopfen und Wünsche äußern kann, wenn ihm seine Gesundheit nicht so wichtig ist. Dann hab ich die Tür vor ihm zugeschlagen. Und meine Stirn gegen den Rahmen gelehnt und ich gefragt, was eigentlich mit mir los ist. Ich hab ernsthaft überlegt, rüberzugehen und mich zu entschuldigen, aber das war mir dann doch ein bisschen zu… egal, du weißt schon. Naja, ich hab dann die Musik leiser gemacht und gehofft, dass die Botschaft ankommt. Ist sie aber offenbar nicht so richtig, denn wenn wir uns im Flur begegnen, guckt er mich immer kurz an wie die Maus die Katze, dann gar nicht mehr, sondern auf den Boden, als wollte er quieken und weglaufen, und dann macht er das. Weglaufen, nicht quieken. Ist klar, was ich meine, oder?“
Ich nickte. Wirklich eine etwas merkwürdige Geschichte, aber ich fand es schön, sie zu hören. Merkwürdig? Wie Sie wollen.
„Er spielt so ungefähr jeden zweiten Abend, und ich finds echt schön. Manchmal leg ich mein Buch weg und hör ihm einfach nur ‘ne Weile zu. Vor zwei Wochen hat meine Anlage den Geist aufgegeben, und ich habe noch keine neue. Und das ist das Komische. Ich bin seit Monaten sein Fan und hab fast das Gefühl, das wir uns gut kennen, aber für ihn bin ich immer noch seine asoziale cholerische Nachbarin mit dem Hang zu unprovozierter Gewalt. Manchmal denk ich, ich könnte ja mal mit ihm reden oder ihn kennenlernen oder irgendwas… Aber ich tu‘s nicht. Werd’ ich wohl auch nie. Aber ich hör ihm gern zu. Ähm… Ist das jetzt so eine lahme Geschichte, wie’s mir vorkommt?“
Sie lächelte mich auf eine ganz herzerwärmende Art an, ich konnte in ihrem Blick sehen, wie sehr sie hoffte, mich nicht gelangweilt zu haben.
„Nein“, sagte ich, „Ganz sicher nicht. Ich glaube sogar, dass da irgendwo eine ganz tiefe Bedeutung drin steckt. Aber darüber denke ich lieber noch eine Weile nach, in Ordnung?“
Das Cello spielte eine gute Stunde lang. Wir saßen noch bis halb zwei auf ihrer Couch und redeten über alle möglichen Dinge, bevor ich mir ein Taxi rief und Tanja eine gute Nacht wünschte. Während der Fahrer mich durch die Dunkelheit zu meinem Hotel fuhr, tat mir mein Nacken weh, weil ich die ganze Zeit meinen Hals nach rechts und oben hatte verdrehen müssen, um Tanja ins Gesicht zu sehen. Und mir liefen ein paar Tränen über die Wangen, ich habe keine Ahnung, warum, obwohl ich natürlich raten könnte. Aber das können Sie genauso gut selbst.

Ich hatte in dieser Nacht einen wirren Traum, in dem Hanna und Tanja vorkamen, und ich will Ihnen eigentlich gar keine Details erzählen, weil es nämlich wirklich völliger Quatsch war. Am nächsten Morgen konnte ich ausschlafen, ich stand erst gegen 10 Uhr auf. Heute wäre ein weiterer Termin in der Sache Neludin angesetzt gewesen, aber da ich nichts weiter von ihm gehört hatte, war der wohl auch verschoben. Es sah aus, als wäre ich umsonst nach Düsseldorf gefahren. Beruflich gesehen zumindest.
Ich konnte diesen Tag also ruhig angehen lassen. Ich frühstückte in einem Café in der Nähe des Hotels und blätterte dabei in der Akte, um mich nun doch endlich ein bisschen besser mit dem Fall bekannt zu machen. Ein paar Mal nahm ich mein Telefon aus der Innentasche meines Jacketts und dachte darüber nach, Hanna anzurufen. Oder Tanja zu fragen, was sie heute Abend vorhatte. Ich tat aber beides nicht, das erste aus Feigheit und das zweite aus Stolz. Ich war ja schließlich nicht verzweifelt oder so was. Ich fragte mich, wie lange ich mir das einreden würde und wo ich Tanja wohl diesmal treffen wollte. Die Akte war wirklich sehr dünn, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Für einen Schuldspruch würde der Staatsanwalt schon deutlich mehr aus den Geheimdiensten herauskitzeln müssen. Meine Aufgabe war jetzt vorrangig, herauszufinden, was es herauszukitzeln gab, um mich darauf vorzubereiten.
Gegen 12 Uhr war ich mit dem Frühstück und der Akte fertig, bezahlte und kehrte in mein Hotelzimmer zurück, um mir die Zähne zu putzen. Danach rief ich im Sekretariat des Landgerichts an um zu fragen, ob es schon etwas Neues zu dem Termin gab, aber der Rechtspfleger wusste von nichts und versprach lediglich, sich zu erkundigen und sich bei mir zu melden, sobald es etwas Neues gab.
Ich dachte darüber nach, die Wartezeit dazu zu nutzen, Düsseldorf besser kennen zu lernen, entschied mich aber schließlich, meine angeborene Faulheit zu überwinden und stattdessen meine Arbeit zu tun, wie es sich gehörte.
Ich entwarf einen Schriftsatz für die Klage eines bekannten Mineralölkonzerns, der der Meinung war, in einer aktuellen Broschüre einer ebenso bekannten Umweltschutzorganisation verunglimpft zu werden. Dann überlegte ich mir, was ich auf diesen Schriftsatz erwidern würde, wenn ich der Vertreter besagter Umweltschutzorganisation wäre, und ging ihn noch einmal durch, um meine Einwände nach Möglichkeit vorwegzunehmen und zu entkräften. Ich fragte mich gerade, wie viele Details zur Meinungsfreiheitsrechtsprechung des Bundesverfassungsgericht angemessen waren um eine überzeugende und schlüssige Klage zu erheben, ohne den Berichterstatter mit Einzelheiten zu langweilen, die er von mir nicht hören wollte, als mein Telefon klingelte.
„Ja?“
„Bist du noch in der Stadt?“
Ich war ein bisschen erleichtert, dass Tanja zuerst angerufen hatte.
„Ich bin noch da, obwohl ich nicht so genau weiß, warum.“
Ich dachte, dass ich vielleicht schon gefahren wäre, wenn ich irgendein Interesse daran gehabt hätte, nach Hause zu kommen.
„Wir müssen uns heute Abend noch mal treffen.“
Ich lachte.
„So? Müssen wir?“
„Unbedingt. Kommst du zu mir? Ich koche auch.“
„Du kannst kochen?“
„Was soll das denn jetzt?“ Ich konnte an ihrer Stimme hören, dass sie lächelte.
„Schon gut, ich komme. Ich bin ja dankbar für jede kostenlose Mahlzeit.“
„Um acht?“
„Ist gut.“
Sie legte auf. Und ich war wieder allein mit meiner Meinungsfreiheitsrechtsprechung, die wahrscheinlich niemanden interessierte, und mit meinem Telefon, das mich mit Hanna verbinden konnte. Interessanter Gedanke.
Eineinhalb Stunden später rief mich meine Sekretärin Frau Marx an und sagte, ein Fax sei eingegangen, der Haftprüfungstermin für Herrn Neludin sei auf nächste Woche verschoben worden. Wunderbar. Ich würde trotzdem noch nicht nach Hamburg zurück fahren. Ich hatte schließlich eine Verabredung, und es wäre nicht fair gewesen, Tanja zu versetzen. Außerdem wollte ich einfach noch nicht nach Hause. Es hatte keinen Sinn, sich darüber etwas vorzumachen. Ich wollte einfach nicht meiner Frau in die Augen sehen und alle Zweifel darüber beseitigen, dass unsere Ehe zu Ende war. Ich liebte Hanna noch, und ich machte mir Hoffnungen, dass vielleicht noch etwas zu retten war, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es mir gelingen würde, wenn ich jetzt nach Hause fahren würde. Sicher würde es helfen, wenn ich mir zunächst einmal darüber klar werden würde, was ich eigentlich wollte, und wie ich mit Hanna umgehen würde. Solange das alles nur ein diffuses Wirrwarr aus unbegründeten Befürchtungen, vagen Eindrücken und enttäuschter männlicher Eitelkeit war, würde ein Gespräch darüber uns sicherlich nur weiter von einander entfernen.
Sicher. Alles sehr vernünftig. Ich dachte nur darüber nach, wie ich alles wieder in Ordnung bringen konnte und tat das Beste dafür, meine Ehe zu retten. Sicher würde das bevorstehende Treffen mit einer anderen Frau auch enorm dazu beitragen.
In diesem Moment fasste ich den Entschluss, dass das mit Tanja aufhören musste. Das mit Tanja. Natürlich war da nicht viel. Natürlich hatte ich nicht mit ihr geschlafen, aber das waren doch alles bloß Ausreden. Ich hatte das Gefühl, dass Hanna mich nicht mehr liebte und mir nicht treu war, und als Antwort suchte ich mir eine andere Frau und tröstete mich damit, dass ich nicht mit ihr ins Bett ging. Es gibt einen einfachen Test dafür, ob etwas Untreue ist: Würde ich es meiner Frau erzählen? Wenn nicht, sprach viel dafür, dass etwas damit nicht in Ordnung war. Und ich würde Hanna nur sehr ungern von Tanja erzählen. Und deshalb musste es aufhören.
Jetzt musste ich noch entscheiden, wie ich das bewerkstelligen würde. Und da ging es nämlich schon los. Ich hatte Tanja noch gestern Nacht zugesagt, dass wir Freunde sein konnten. Ich konnte jetzt schlecht anrufen und sagen, dass ich sie nicht wieder sehen wollte. Natürlich gab es den Ausweg des Feiglings: Ich konnte heute Abend zu ihr gehen und so tun, als wäre nichts, dann nach Hause fahren und mich nie wieder bei ihr melden. Aber das war ein schlechter Ausweg, nicht nur, weil sie meine Telefonnummer hatte.
Ich seufzte, stellte den Laptop von meinem Schoß auf den Tisch und stand auf. Ich hatte das Gefühl, dass mir ein völlig überteuerter Schokoladenriegel aus der Minibar bei der Entscheidung helfen würde. Es gab nur Lion und Daim, die mochte ich aber beide nicht, deshalb öffnete ich stattdessen eine völlig überteuerte kleine Colaflasche. Die enthielt auch Zucker. Und sie half mir tatsächlich bei der Entscheidung. Ich würde zu Tanja fahren, ich würde mit ihr essen, und dann würde ich ihr erklären, wie es stand. Vielleicht konnten wir uns ja wieder sehen, wenn es mir gelungen war, meine Ehe wieder einzurenken. Ich würde ehrlich zu ihr sein. Überraschend oft war das die beste Lösung für derartige Probleme.

Lesegruppenfragen

  1. Könnt ihr euch noch vorstellen, wie das wäre, ohne Computer?
  2. Findet ihr die Geschichte mit dem Cello erträglich, oder ist die zu Schlager?
  3. Meint ihr auch, dass Konrad seiner Frau untreu ist? Warum oder warum nicht?
  4. Findet ihr Konrads Überlegungen zu seinen Fällen (BP, Meinungsfreiheit und so weiter) zu langweilig?
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16 Responses to Eine Riesenmenge Geld (4)

  1. David sagt:

    1. Ich kann es mir vorstellen. Es braucht bei so etwas eine gewisse Umgewöhnungszeit, da man mit Computer (respektive Internet) einen gewissen Komfort gewohnt ist. Ich habe auch einige Freunde ohne Fernseher. Und im Gegensatz zu Leuten ohne Computern beneide ich diese manchmal…
    2. Bin kein Schlager-Fan – kannte von daher auch den Bezug nicht. Ich finde diese kleine Geschichte jedoch passend, da sie noch einmal zeigt, wie Tanja hinter der rauen Schale wirklich tickt.
    3. Das hängt – so empfinde ich es persönlich – maßgeblich davon ab, welche Vereinbarungen Konrad und seine Frau getroffen haben. Also was toleriert wird und was nicht. Problematisch ist es hier meiner Meinung nach, weil Konrad fast ausschließlich männliche Freunde hat. Aber um das beurteilen zu können, müsste man genauer wissen wie Konrad und seine Frau – beziehungs- und eifersuchtstechnisch – ticken.
    4. Ich bin Jura-Student und enthalte mich an dieser Stelle. Das sollen lieber andere entscheiden :).

  2. Muriel sagt:

    @David: Danke für die schnellen und trotzdem ausführlichen Antworten!
    1. Vorstellen kann ich es mir auch. Obwohl ich aus Erfahrung weiß, dass es mir sehr schwer fällt, meine Geschichten auf Papier zu schreiben.
    2. Schön, dass es angekommen ist. Und nur, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich mag auch keine Schlager, bin aber mütterlicherseits geschädigt, weil sie mich früher öfter mal zur Schule gefahren hat und immer diesen grässlichen NDR1-Sender an hatte.
    3. Sehr schön differenziert geantwortet.
    4. Dabei hätte mich nun gerade deine fachkundige Sicht interessiert…

  3. Günther sagt:

    1. Kaum. Im Urlaub geht es natürlich immer ganz gut, da fehlt auch nix. Aber so im normalen Leben? Wo soll ich denn dann meine Informationen herbekommen und meine Zeit verschwenden?

    2. Hab mir grad mal das Lied angehört, und das ist definitiv [i]deutlich[/i] zu Schlager 😉 Hier finde ich, dass es reinpasst, weil es ganz gut Tanjas Unsicherheit zeigt.

    3. Naja das allersinnvollste wäre vielleicht, direkt mit seiner Frau zu sprechen anstatt von vorneherein davon auszugehen, dass die Ehe zuende ist. Aber irgendwo finde ich es auch verständlich, dass er die Nähe von einer verständnisvollen Person sucht, um erstmal selber mit sich einigermaßen klar zu kommen, und mit seiner Frau zu reden, wenn er mit sich selbst wieder etwas im Reinen ist. Von daher sehe ich das eigentlich nicht als Untreue, es dient ja irgendwo der Rettung der Ehe. Eigentlich würde ich Untreue sowieso enger definieren… sich mit anderen Frauen zu unterhalten fällt da nicht drunter.

    4. Ist ja nicht so lang. Ganz interessant als „Arbeitsprobe“ von Konrad. Dann ist er also ein Handlanger der großen bösen Ölmultis? 😉

  4. David sagt:

    @Muriel:
    1. Ich glaube man merkt gerade dann wie sehr man an Computer (das Internet) gewöhnt ist, wenn es einem nicht mehr zur Verfügung steht. Vor Kurzem fiel bei uns im Haus mal das Internet aus, und „mal eben was suchen“ ging nicht. Wenn man überlegt was für eine Zeitersparnis man dadurch hat, weil man nicht bei jeder Kleinigkeit in Büchern nachschlagen oder in die Bibliothek rennen muss…
    2. Mein Beileid. Dieses Schicksal teile ich zum Glück nicht. Aber ich fühle mit dir.
    4. Na gut :): Ich finde Konrads Überlegungen – wie sollte es anders sein – nicht langweilig. Sie sind nachvollziehbar und authentisch, da es – zumindest empfinde ich es so – einen guten Anwalt ausmacht, nicht nur stur eigenen Parteivortrag zu halten, sondern die Überlegungen der Gegenseite (auch hypothetische) einzubeziehen, zu würdigen und ihr mit rhetorischen Mitteln und taktischen Überlegungen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bei der Rechtssprechung ist es ähnlich. Auszusondern welche Urteile des Bundesverfassungsgericht einschlägig sind und welche nicht ist essentiell für die Begründung. Qualitativ also meines Erachtens nach wertvoll. Quantitativ hast du – auch und gerade gegenüber den Nicht-Juristen – auf jeden Fall den Rahmen gewahrt. Und da Konrad Anwalt ist, muss er sich hin und wieder auch seiner Arbeit widmen.

  5. Zaphod sagt:

    War sie eine Amish oder so was? Haha, den fand ich mal gut. Der Mann hat ja Humor 😀

    1. Ungerne, ich werd schon wahnsinnig wenn das Netz mal eine Stunde weg ist. Auf alles andere kann ich verzichten. Wäre harter Entzug, schließlich leben wir im Informationszeitalter, da ist es schlecht wenn das wichtigste Werkzeug fehlt.

    2. Erträglich, hab mir aber auch den Schlagertext erspart. Ich weiß aber jetzt echt langsam nicht mehr, wie Tanja tickt. Leichte Probleme mit der Aggression hat sie auf jeden Fall. Weiche Schale, harter Kern?

    3. Untreue fängt bei mir im Bett an, Konrad ist da ja nicht mal in Gedanken.

    4. Nein, ich fand seine Herangehensweise interessant und nachvollziehbar. Im Job hat er anscheinend deutlich weniger Probleme als im Privatleben.

  6. Wiebke sagt:

    1. Also ’nen Fernseher benutze ich schon lange nicht mehr. Warum soll ich akzeptieren, Informationen dann zu bekommen, wenn es irgendeinem Programm passt oder sogar darauf warten, wenn ich alles (Nachrichten, Filme, etc) auch on-demand bekommen kann?
    Ohne Computer ist hart, aber zur Not gibt’s ja noch das iPhone. Oder meinst du jetzt ohne Internet? 🙂

    2. Die Cello-Geschichte finde ich etwas unglaubwuerdig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemandem Freude macht, jemandem beim Cello ueben (und irgendwann muss er ja auch ueben) zuzuhoeren, ohne was anderes hoeren zu wollen, und das wochenlang. Selbst wenn er nicht uebt sondern immer nur Sachen spielt, die er schon kann, dann wird sein Repertoire kaum wochenlang reichen, denn wenn es das taete, wuerde er wohl auch ueben. 🙂

    3. Ich skippe den Punkt, weil ich zugebe, den Anfang nicht gelesen zu haben. Ich finde auch, dass das davon abhaengt, wie es zischen ihm und seiner Frau steht.

    4. Fand ich jetzt nicht sehr interessant, aber auch recht oberflaechlich. Mir ist nicht ganz klar, was er da fuer Papierkram macht und es klingt nach ’nem langweiligen Job fuer mich.

  7. Muriel sagt:

    @Günther: 1. Ich merke das immer gerade im Urlaub, wenn mir das Roaming zu teuer ist und ich kein WLAN auf dem Zimmer habe. Mittelalterlich.
    2. Nur um Missverständnisse mit völliger Sicherheit auszuschließen: Dass das Lied inakzeptabel ist, steht auch für mich außer Frage.
    3. Gut erklärt, aber andererseits könnte ich mir vorstellen, dass viele Frauen ein Problem damit hätten, wenn ihr Mann eine fremde Frau zum Essen einlüde und dann mit in ihre Wohnung käme…
    4. Genau. Er ist einer von denen. Wie alle Anwälte übrigens.
    @David: 4. Vielen Dank, freut mich!
    @Zaphod: Ich persönlich fand jetzt gerade den gar nicht so lustig, aber ich freu mich natürlich trotzdem.
    2. Du lernst sie noch besser kennen, keine Angst.
    3. Auf dem Küchentisch ginge also?
    @Wiebke: 1. Fragen, die mit „Warum soll ich akzeptieren“ anfangen, sind mir immer ein bisschen suspekt, aber vielleicht hast du trotzdem Recht… Ich sehe ja auch kaum noch fern. Und da fällt mir auch gleich die Ausnahme ein: Wenn du mir verrätst, wo man die Sendung mit der Maus on demand bekommt, verzeihe ich dir deine erfrischende Ehrlichkeit bei Konrads langweiligem Job. Jurist? Langweilig? Pah! Selber.
    2. Ich kann mir bei so einigen Dingen nicht vorstellen, wie sie manchen Leuten Spaß machen können, und doch ist es so… Aber vielleicht wäre es doch eine gute Idee, das Cello gegen ein nicht ganz so furchtbares Instrument zu tauschen.
    3. Du hast einfach so zwischendrin angefangen? Interessant.

  8. Muriel sagt:

    @Guinan: Danke, aber die Seite kenne ich durchaus, daher bekomme ich zum Beispiel meinen Wissen-macht-Ah!-Podcast. Aber da gibt es keine kompletten Maussendungen, oder mache ich was falsch?

  9. Guinan sagt:

    Leider nur die einzelnen Episoden, aber besser als nichts, wenn du mal unter Entzugserscheinungen leidest :-).

  10. Muriel sagt:

    @Guinan: Na gut, da hast du Recht.

  11. Andi sagt:

    So, hier, ich:

    1. Ich bin ja noch nicht so alt, dass ich nicht mehr wüsste, wie das war, damals, so ohne Computer und Internet. Ich hab´s überlebt. Damals musste man seine Freunde noch in der Schule fragen (wenn mann denn dort welche hatte *hust*), ob man am Nachmittag was zusammen spielen will. Heute schmeißt man mal kurz ICQ an. Oder verabredet sich gar nicht mehr.
    Ich gebe aber zu: ich kann auch nur sehr schlecht ohne Internet.

    2. Hat hier jemand was gegen ehrlichen Schlager? Ich mag Claudia Jung, denn die singt nur ehrlichen Schlager. Ich bin übrigens auch mit dem Lied bei NDR1 Radio Niedersachsen aufgewachsen, es hat mich aber auch nicht negativ beeinflusst, möchte ich behaupten.
    Ich find die Celle-Geschichte von Tanja auch nicht unglaubwürdig. Ob das nun ein Cello ist oder nicht, ist eigentlich auch egal. Es geht ja nur sinnbildlich darum, dass es Dinge gibt, die auf den ersten Blick nicht zu Tanja passen. Und, wie im Schlagertext, weiß sie zwar, ihr Nachbar ist nur ein paar Meter entfernt und sie könnte einfach mal rübergehen – aber er ist doch unendlich weit weg, weil sie nix sonst von ihm weiß, außer, dass er Cello/Piano/Trompete spielt.

    3. Nö, isser nicht. Natürlich nicht. Ich hab keine Ahnung, wo Untreue aufhört. Aber auch wenn man in einer Beziehung ist, darf man zwischendurch neue Leute kennenlernen, auf freundschaftlicher Basis. Wieso auch nicht? Für Konrad isses nur ungewohnt, weil er keine Freunde hat.

    4. Es ist schon was trocken. Aber in diesem Sinne auch passend zu Konrad.

    5. Die Bemerkung, dass sie mal eine Stereoanlage hatte, die aber nun kaputt ist, ist nachträglich reingerutscht, oder? Ich habs nicht mehr genau im Kopf, aber in der Version, die ich schonmal gelesen hab, fehlte die Bemerkung!?

  12. Wiebke sagt:

    1. Ich gebe zu, dass war unbedacht formuliert (aber es war spaet! 🙂 ). Es gibt tatsaechlich Sendungen, die man nicht on-demand bekommt. Wir haben sogar einen Fernseher. Wir benutzen den nur nie… Wenn ich in Boston bin, habe ich keinen, und erfuelle meinen Nachrichten- und Filmbedarf durch diverse News-Portale, Netflix und Hulu.
    Wie oft schaltest du den Fernseher denn an, weil du genau zu dem Zeitpunkt etwas bestimmtes sehen willst, und planst deine Zeit darum herum, und wie oft guckst du aus Langeweile, um „zu gucken, was kommt“?

    4. Also ich war noch nie Jurist, habe daher also keine direkte Erfahrung mit dieser Arbeit. Ich sagte „es klingt“ langweilig, was er da tut, nicht „es ist“. Versteh mich nicht falsch, es ist richtig und wichtig, dass in der Geschichte beschrieben wird, wie er seine Arbeit macht. Aber vielleicht fehlen mir einfach die entscheidenden Einblicke in Konrads hochspannenden Arbeitsalltag, um den richtig beurteilen zu koennen.

  13. Muriel sagt:

    @Wiebke: 1. Jeden Sonntag um 11:30 Uhr. Aber in letzter Zeit überlege ich, ob ich das auch mal bleiben lasse. Diese Fahrradtour durchs Ruhrgebiet war nicht so spannend, und ansonsten haben sie dauernd Wiederholungen aus alten Sendungen. Zumindest kommt es mir so vor.
    4. Das hast du aber nett gesagt. Vielleicht können wir doch Freunde bleiben.

  14. madove sagt:

    1. Nicht wirklich. Also Internet. Den Computer allein, ohne Internet, kann ich mir noch wegdenken, wenn auch ungern.
    Der Satz „Mit Leuten, die keinen Fernseher haben…“ löst natürlich eine kurze Empörung aus. Und dann denk ich, ja, stimmt, mit mir ist alles mögliche nicht in Ordnung.

    2. Das romantische Cello allein wär vielleicht ein bissel arg schlager gewesen, aber mit der lustigen Handgelenkbrechgeschichte fand ich es ausreichend entkitscht.

    3. Ich denke, der Test („würdest du’s erzählen“) schlägt aus, aber der Test funktioniert nicht, weil der vor allem danach geht: Wie unsicher ist dein Partner? Und wie feige bist du?
    Also für mich ist das auf keinen Fall Untreue.

    4. Nein, das illustriert ihn ein bißchen. Fand ich interessant.

  15. Muriel sagt:

    @madove: 1. Sag ich ja.
    2. Danke, schön.
    3. Da ist was dran.

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