Gegenteilwoche: Love is all around

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass das deutsche Glücksspiel-Monopol nicht mit europäischem Recht vereinbar ist. Der EuGH eröffnet privaten Veranstaltern damit die Möglichkeit, den Spieltrieb der Menschen zu ihrem eigenen Profit auszunutzen, ohne dass der Staat wie bisher durch sein Monopol die Möglichkeit hat, dies in geordnete Bahnen zu lenken und ein Ausufern der Geschäftemacherei zu verhindern.

Der bisher bestehende Staatsvertrag gestattete nur den staatlichen Lottogesellschaften, Wetten auf Sportereignisse anzubieten, um uns alle vor der starken Suchtgefahr zu schützen, die von Glücksspielen ausgeht. Damit war nicht nur sichergestellt, dass die Spielsucht der Kunden nicht völlig hemmungslos ausgenutzt wird und Abhängige stets über Beratungs- und Hilfemöglichkeiten informiert wurden, sondern auch, dass ein erheblicher Teil der Einnahmen wohltätigen Zwecken zu Gute kommt. Damit könnte es nun vorbei sein.

Doch glücklicherweise hat der EuGH eine Möglichkeit offen gelassen, das Monopol zu retten und weiterhin zu verhindern, dass private Unternehmen sich am Glücksspiel bereichern: Wenn es Deutschland gelingt, eine konsequente und einheitliche Regelung zum Schutz der Bürger vor allen Arten von Glücksspiel zu schaffen, dann ist das europarechtlich wiederum zulässig. Der Weg ist also klar: Schluss mit privaten Spielhallen, weg mit den privat betriebenen Spielautomaten aus Bahnhöfen, Kneipen und Autobahnraststätten, damit endlich umfassend sicher gestellt ist, dass nur vertrauenswürdige staatliche Stellen mit der verantwortungsvollen aufgabe betraut werden, uns eine Möglichkeit zu geben, unseren Spieltrieb in ungefährlicher und sozialverträglicher Weise auszuleben!

[PS: Ja, Überschriften ist ein neuer Tiefpunkt in meiner Tradition dummer Wortwitze in Überschriften, aber der Kombination aus ziemlich peinlicher Dummheit und Anspruch konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich bitte um Entschuldigung. Und, ja, ich weiß, ursprünglich ist das Lied von den Troggs.]

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15 Responses to Gegenteilwoche: Love is all around

  1. dirkfranke sagt:

    Wobei es doch bestimmt im Sinne der geregelten staatlichen Überwachung ist, dass der Staat dann im Sinne seiner Schutzbefohlenen erhebt, wer wann wo wie lange mit welchen Einsätzen am Spielautomat steht.

  2. Tim sagt:

    Ich stimme Muriel vollkommen zu: Glücksspiel ist eine schädliche Aktivität, die einzig und allein den finanziellen Interessen der Anbieter dient. Schlimmste Abzocke! Eventuell könnte man bei kirchlichen Glücksspielanbietern aber Ausnahmen zulassen, da deren Aktivitäten ja per se dem Allgemeinwohl dienen.

  3. krusty20 sagt:

    Lieber Muriel,
    hier bin ich mal ganz anderer Meinung als Du. Sicher,wäre das deutsche Glücksspielmonopol tatsächlich geschaffen worden, um die Gefahren des Glücksspiels einzudämmen, wäre es auch gerechtfertigt.
    Aber selten war eine Rechtfertigung so offensichtlich vorgeschoben wie diese hier. Und der EuGH hat das zum Glück auch erkannt.
    Deutschland verbietet privaten Anbietern das Glücksspiel, angeblich um seine Schäfchen zu schützen, betreibt dann aber für seine eigenen Spiele (Lotto, NKL, SKL, etc.) teils so agressive Werbung, dass man die ach so hehren Motive nun wirklich nicht ernst nehmen kann. Dem Monopolisten ging es einzig und allein darum, den milliardenschwer gefüllten Trog nicht mit anderen teilen zu müssen.
    Und noch ein Argument für die Verlogenheit: die laxe Genehmigung privater Automatenspielhöllen. Hier sitzt doch die größte Suchtgefahr bei Spielern, nicht beim Lotto. Und ausgerechnet hier scheint dem Staat ziemlich egal zu sein, was mit den Leuten passiert. Immerhin, staatliche Automatenspielhöllen ginge gar nicht, also gibt es hier keinen Grund, die Privaten zu verdrängen, und so kann man wenigsten noch ordentlich Steuern kassieren.

  4. Andi sagt:

    Wer oder was sollen denn diese vertrauenswürdigen staatlichen Stellen sein? Etwa, so wie es bei Tim durchklingt, die Kirchen?
    Ich wär ja vielleicht noch dafür, die HartzIV-Sätze zu erhöhen, in dem Maße, wie die ganzen Leute auch Geld an Spielautomaten einsetzen würden. Wir brauchen ja generell mehr staatliche Kontrolle.

    Ähm, ich hab die Überschrift nicht verstanden. Ich schäme mich.

  5. Guinan sagt:

    Also, die Einnahmen von Glückspielen ist doch eigentlich hauptsächlich für einen guten Zweck bestimmt, da könnte man doch gleich festlegen, dass jeder einen bestimmten Anteil seines Einkommens dafür auszugeben hat, so quasi als Zwangsspende mit Gewinnmöglichkeit.
    @Andi: Ich verstehe Muriels Überschriftn öfter mal nicht, ich traue mich nur nicht, das zuzugeben.

  6. Muriel sagt:

    @dirkfranke: Ja, wenn halt überhaupt noch. Am besten wäre sicher schon das Totalverbot.
    @Tim: Sicher. Eine Ausnahme für die Kirchen wäre angemessen, auch im Sinne der Religionsfreiheit.
    @krusty: Ich weiß ja nicht, ob bei dir auch Gegenteilwoche ist, oder ob ich dich sonstwie missverstehe, aber:

    „laxe Genehmigung privater Automatenspielhöllen“

    Woher weißt du denn das?
    und:

    „staatliche Automatenspielhöllen ginge gar nicht“

    Wie, ginge gar nicht? Gibt es doch längst überall. Oder wie meinst du das?
    @Andi: Das wären die gleichen vertrauenswürdigen Stellen, die es jetzt schon machen, ist doch klar. Lottogesellschaften und Spielbanken.
    @Andi und Guinan: Ich gebe euch mal einen Tipp: Wer hatte seinen größten Hit mit dem Song aus der Überschrift?

  7. Guinan sagt:

    Autsch, das tut ja weh. Du hast recht, dafür war eine Entschuldigung fällig.

  8. Frau.Meer sagt:

    Zumindest bei der Überschrift musste ich herzlich lachen 😀 Wie kommt man denn auf sowas?

    Das Thema an sich… interessiert mich ja mal so gar nicht. Da habe ich noch nicht mal eine Meinung zu. 🙂

  9. Andi sagt:

    @Muriel:
    Auch, nachdem ich auf Wet Wet Wet kam, hat es bestimmt noch eine Minute gedauert, bis ich es geschnallt hab. Aber dann fand ich´s witzig. 🙂

    Lottogesellschaften, schön und gut. Aber es gibt ja so viele kleine Lotto-Läden. Wie sollen die denn dafür sorgen, dass keiner mehr Oma ihr klein Häuschen verzockt?

  10. Muriel sagt:

    @Guinan: Ich weiß…
    @Frau.Meer: Man muss nur ein bisschen strange sein, dann ist das einfach.
    Zum Thema: Ich weiß. Ich habe da aus historischen Gründen eine persönliche Beziehung zu. Seid froh, dass ich euch nicht öfter damit behellige, ich könnte mich da den ganzen Tag drüber aufregen.
    @Andi: Danke! Und zu deiner Frage: Weißt du denn gar nichts? Dafür gibt’s doch diese kleinen Hinweisschilder.

  11. […] Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sie Killerspiele, Death Metal, Splatterfilme und Glücksspiel legalisiert, aber Kruzifixe aus den Schulen […]

  12. krusty20 sagt:

    @ Muriel (09.09.10, 17:08 Uhr):

    Ich zitiere mal aus dem Urteil des EuGH (C-316/07, Rn. 100):

    „Zum anderen haben die genannten Gerichte festgestellt, dass die zuständigen Behörden in Bezug auf Kasino- und Automatenspiele, obwohl diese ein höheres Suchtpotenzial aufwiesen als Sportwetten, eine Politik der Angebotsausweitung betrieben oder duldeten. Das Angebot neuer Kasinospielmöglichkeiten im Internet werde nämlich von diesen Behörden geduldet, während die Bedingungen für den Betrieb von Automatenspielen in anderen Einrichtungen als Spielbanken, etwa in Spielhallen, Schank- und Speisewirtschaften sowie Beherbergungsbetrieben, unlängst erheblich gelockert worden seien.“

  13. Muriel sagt:

    @Krusty20: Erheblich gelockert, am Fuß. Du kannst jetzt nichts dafür, dass der EuGH keine Ahnung hat, aber ich wüsste doch schon gerne, worin diese erhebliche Lockerung bestehen soll. Ist ja aber auch egal, denn wie ich oben schon geschrieben hatte, gehört der Sektor sowieso komplett in staatliche Hand, und dann ist der EuGH ja auch glücklich.

  14. Lotto Lotto sagt:

    „Eventuell könnte man bei kirchlichen Glücksspielanbietern aber Ausnahmen zulassen, da deren Aktivitäten ja per se dem Allgemeinwohl dienen.“

    @Tim: Es ist also okay wenn die arme Bevölkerung ihr Geld verliert, es an die Kirche geht und diese nach Abzug von Steuern und Gehältern wieder einen Teil an 0,000045% der „Abgezockten“ zurück gibt!?

  15. Muriel sagt:

    @Lotto Lotto: Anscheinend ist dein Ironiedetektor vorübergehend ausgefallen. Mach dir nichts draus, passiert den Besten von uns manchmal.
    Will sagen: Du hast Recht, aber du widersprichst dem falschen.

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